Puppenmädchen


©Christine: Christine vom Blog Deine Christine – Link zu ihrem wunderbaren Blog: https://deinechristine.wordpress.com/

Puppenmädchen
Für B.

Wie es damals war, als wir Kinder waren,
weiß ich noch sehr genau:
Gänseblümchen steckten in deinen Haaren,
deine Augen verträumt im Meeresblau.

Du warst still und klug, voller Lieblichkeit,
ich war jungenhaft wild und am Plagen,
es war eine arglos fröhliche Zeit,
du warst meine Sonne in den Kindertagen.

Du spieltest mit Puppen, ich mit Soldaten,
wir waren verschieden und doch warn wir gleich,
denn wenn wir unsere Traumwelt betraten,
waren wir kleine Mädchen im eigenen Reich.

Vierzig Jahre sind inzwischen vergangen,
und ich weine und ich weine bitterlich,
die Zeit hat sich hat sich im Nebel verhangen,
mein Puppenmädchen, für dich.

Du blickst aus dem Bett, wo dein Leben jetzt ist,
du kannst nicht gehen, nichts greifen, nicht lachen,
als ob jeder Muskel in dir vergisst,
die normale verdammte Arbeit zu machen.

Das Sprechen fällt dir elend schwer,
die Krankheit ist teuflisch gnadenlos,
deine Augen sind immer noch blau wie das Meer,
und deine Stille ist größer noch als groß.

Manchmal trägt man dich in einen Rollstuhl hinein,
damit das Leben dich ein wenig zu streifen vermag,
du siehst zu, wie es ist, der Anderen Sein,
wie es ist: so ein kraftvoller Lebenstag.

Dein Haar glänzt lebendig, so wie einst,
wenn du blickst in die Lebensidylle –
durch ein Fenster hindurch (ungebrochen du scheinst)
bist du Teil dieser buntsüßen Fülle.

Ich weiß nicht, wie lang dich das Leben noch hält,
nichts weiß ich. Ich fühle mich hilflos und leer,
hab im Traum letzte Nacht die Zeit verstellt.
Auf Anfang, mein Mädchen. Für ein Immer. Und mehr.

©Sylvia Kling

Vorbereitet für meinen Gedichtband „Als die Amsel verstummte“

Erscheinungsdatum: voraussichtlich Ende 2018

Gewidmet ist dieses Gedicht allen Frauen,
die an Multipler Sklerose erkrankt sind – der Krankheit
mit den 1000 Gesichtern.

Ich danke heute besonders Christine, die mir das Beitragsfoto gern zur Verfügung stellte.

Christine wurde 1972 geboren, ist verheiratet und hat einen erwachsenen Sohn. Die Diagnose MS hat sie mit 15 Jahren erhalten.

Mittlerweile lebt  sie bereits 30 Jahre mit der MS = Multiple Sklerose. Die MS hat sich nach 13 Jahren Ruhe zu Wort gemeldet und Christines Leben ganz schön auf den Kopf gestellt. Hier findet ihr den Blog von Christine – für Betroffene, Angehörige und Interessierte:

https://deinechristine.wordpress.com/

Ich möchte Euch folgende Geschichte nicht vorenthalten, die mich dazu bewegte, das „Puppenmädchen“ zu schreiben:

Das Leben ist …

Heute war ich unterwegs, um Vorbereitungen für die Entlassung meiner Mutti aus der Klinik zu machen. Dabei besuchte ich meine alte Heimat und den Ort, an welchem ich aufgewachsen war: Dresden.
Ich hatte Bücher als Geschenke in der Tasche und suchte meine alte Nachbarin auf, die meine Kindheit als gute Seele begleitete.
Kennt Ihr das? Es gibt Menschen, die man nie im Leben vergisst.

Anschließend wollte ich noch für meine beste Jugendfreundin Bea bei deren Eltern mein Geschenk für sie abgeben.
Wir hatten in den letzten 5 Jahren auf Grund diverser Lebensumstände, auch auf meiner Seite, den Kontakt verloren.

Ich wusste, dass Bea in den Neunzigern an MS (Multiple Sklerose) erkrankte. Als wir uns das letzte Mal hörten, lief sie an einer Krücke und klagte über massive Gleichgewichtsstörungen. Sie wohnte mit ihrem Lebensgefährten, mit dem wir gemeinsam in einem Haus aufgewachsen waren und der sie seit seinem 14. Lebensjahr vergötterte, in Bayern.
Als Schwerbehinderte hatte sie eine gute Arbeit in einem Großunternehmen, die ihr auch während ihrer Schübe und demzufolge Krankheitszeiten immer den Arbeitsplatz sicherten.

Nach 27 Jahren traf ich auf Beas Eltern, die mich nicht wiedererkannten und sich riesig freuten, mich zu sehen. Doch lange hielt die Freude nicht an, denn bald hatten wir alle, die Eltern, ich und mein Mann Tränen in den Augen.

Die Mutter erklärte mir, dass Bea ans Bett gefesselt ist. Sie kann nicht mehr zufassen, nicht mehr aufstehen, demzufolge nicht mehr laufen. Sie sieht nur noch sehr schlecht.
Ihr Gesundheitszustand hat sich in den letzten Jahren rapide verschlechtert.
A., unser Jugendfreund und ihr Lebenspartner, pflegt sie. Sie wohnen nun wieder in der Nähe unserer alten Heimat. A. hat seine Arbeit aufgegeben, um sich voll und ganz der Pflege meiner Freundin zu widmen.

„Sie mag nicht mehr“, sagte ihre Mutter. „Ich könnte den ganzen Tag, von früh bis abends weinen.“
Sie überreichte mir die Telefonnummer von Bea.
„Sylvia, vielleicht kannst Du etwas erreichen? Sie lässt uns nicht mehr an sich ran. Niemanden lässt sie ran, nur noch A. Ich glaube, sie gibt auf.“

Betreten stand ich in ihrem kleinen Korridor, wo ein Foto von Bea hing. Es war aus neunziger Jahren und ich erkannte sie sofort.
In diesem Moment hatte ich das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen.
Ich bin kein Mensch vieler Tränen. Weinen ist etwas, was ich nicht so gut kann. Ich weine eher in meinen Worten.

Ewig war ich nicht mehr in diesem Haus mit der Nummer 93. Jetzt gibt es dort einen Fahrstuhl. Viel hat sich verändert, auch die Menschen darin. Alt sind sie geworden, kämpfen gegen den Krebs, leben mit den Folgen von Herzinfarkten und Muskelabbau.

Ich versprach Bea Mutter, gleich morgen Bea anzurufen. Dieses Versprechen werde ich halten.

Still war es dann im Auto. Ich starrte aus dem Fenster. Mein Magen krampfte sich zusammen. Wenn ich doch nur heulen könnte!
Unbeschreibliche Wehmut kroch in mir hoch, eine unsagbare Trauer.

Ich sah den Park, der sich gleich gegenüber unseres Hauses befand. Dort spielten wir gemeinsam, wollten Kriminelle jagen, die es nicht gab, suchten Kastanien, fuhren im Winter Schlitten, klauten in den angrenzenden Gärten Kirschen.

Bea war mein Pendant. Sie war eher ein ruhiges, ausgeglichenes Mädchen und immer ein wenig langsam – auch in ihren Entscheidungen. Ich dagegen war temperamentvoll, ein wahres Energiebündel, sprühte vor Ideen (die sie nicht immer verstand …), wollte sie unbedingt mitreißen in meine Welt der Phantasie und der Erlebnisse.

Wenn es Bea zu viel wurde, bremste sie mich und meistens sah ich dann ein, dass ich wohl übertrieb. Ich liebte sie, gerade weil sie so still und überlegt, so ganz anders als ich, war.

Ich sah Bea vor mir: mit ihren klaren, blauen Augen, ihren brünetten Locken, ihrer schlanken Gestalt. Ich sah Bea, wie sie den Puppenwagen durch den Park schob und dann in den Busch zum Austreten gehen wollte. „Passt Du bitte auf meinen Puppenwagen auf?“, fragte sie.
„Na gut“, sagte ich halbherzig und stellte mich einen Meter von dem Wagen entfernt hin, stocksteif, die Hände salopp in die Hosentaschen gesteckt. Meiner Auffassung nach reichte das vollkommen.
„Nee, Du musst ihn schon anfassen!“, bestand Bea darauf, schob den Puppenwagen vor meine Beine und sah mich herausfordernd an. Wenn es um ihren Puppenwagen ging, kannte sie keine Gnade.

„Was?“, rief ich entsetzt aus. „Ich soll das komische Ding hier aaaaaaanfassen?“, schüttelte ich mich, um meine Aussage dramatisch zu bekräftigen.
Ich hielt nichts von Puppen und solcherlei Mädchenspielzeug und fasste das „Zeuch“, wie ich es abfällig nannte, auch nicht an.
Im Falle von Bea und mir zogen sich die Gegensätze in der Tat an, wie ein Sprichwort besagt.
Jetzt sah ich UNS. Nicht mehr die Strenge dieses Lebens. Nicht mehr unsere verstreuten Jahre. Nicht mehr die Wehmut oder die Zweifel.

Danach fuhren wir in die Klinik zu meiner Mutter. Ich hätte noch mehrere Stunden Auto fahren können, um meinen Gedanken und Gefühlen nachzuhängen. Meine Gedanken überschlugen sich. Meine Gefühle fuhren Achterbahn. Zu den Menschen, die alles so hinnehmen, wie es ist, gehöre ich nicht.
Als ich sie anrief, musste ich jede Träne, die rollte, unterdrücken. Sie kann kaum noch sprechen (ihre Sprache gleicht der einer Schlaganfallpatientin). Sie kann kaum noch zufassen. Sie liegt fast ausschließlich oder wird mit dem Rollstuhl gefahren. Es geht ihr sehr schlecht. Die MS hat einen schnellen Verlauf genommen. Sie hat ihr häßlichstes Gesicht gezeigt.

Meine Bea, meine zarte, feine und sensible Bea.
In diesem Moment, heute, fühle ich mich hilflos. Nichts wird noch so sein wie es mal war.

Wir sollten Demut lernen. Jeden Tag aufs Neue. Wir sollten jeden Tag, den wir gesund verbringen, als ein Geschenk betrachten.

Aber:
Warum ist dieses Leben manchmal so ein Schwein?

©Sylvia Kling

Zur Krankheit Multiple Sklerose:

  • Die Multiple Sklerose ist eine chronisch-entzündliche Krankheit, die das zentrale Nervensystem betrifft
  • Frauen erkranken doppelt so häufig wie Männer. Das typische Erkrankungsalter liegt zwischen 20 und 40 Jahren
  • Ursache ist vermutlich eine Autoimmunreaktion: Das Immunsystem greift fälschlicherweise körpereigene Strukturen an, in diesem Fall die Hüllschicht der Nervenfasern
  • MS ist „die Krankheit mit den vielen Gesichtern“, da die Symptome so vielfältig sind
  • Die Krankheit verläuft zunächst häufig in Schüben und kann später in eine chronisch fortschreitende Form übergehen. Es gibt verschiedene Verlaufsformen
  • MS lässt sich bislang nicht heilen. Die Therapie zielt darauf ab, die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern

Quelle: http://www.apotheken-umschau.de/Multiple-Sklerose

Ich danke allen, die sich die Mühe gemacht haben, diesen Beitrag bis zum Ende zu lesen. Habt eine wunderbare Woche.

Eure Sylvia Kling

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Die Faszination des Schreibens: „Der Erzählstein“


Glaubt mir: Nichts, was ich in letzter Zeit las, hat mich mehr berührt, als die Erzählung von Khalid Aouga „Der Erzählstein“. Ich könnte selbst ein Buch darüber schreiben, wie dieses Buch mich berührt hat, zum Nachdenken zwang, mir Tränen in die Augen trieb und eine Gier in mir entzündete, sich über diese packende Geschichte hinaus für das Schicksal vieler Menschen im Nahen Osten zu interessieren.

Bitte glaubt mir noch eins: Die arabische Kultur ist so farbenprächtig, filigran und faszinierend exotisch, so dass sie unsere westliche Welt nicht nur bereichern, sondern auch zu ergänzen vermag.

Ich erhielt das Manuskript vom Autor mit der Bitte um ein Korrektorat und Lektorat, welches ich gerne annahm, da Khalid Aouga mir – und meine Leser werden ihn kennen – die bewegenden Zeichnungen für zwei meiner Bücher anfertigte.

Mein Mann und ich waren uns sofort einig, dass dieses Buch in die gut sortierten Bücherregale des heimischen Wohnzimmers gehört. Es ist ein Stück Literatur, dessen Vielschichtigkeit beeindruckt und die Geschichte zweier Brüder erzählt, die die Last von dauerhaftem Krieg und Zerstörung nie ablegen konnten. Es ist ein Buch, das eindringlich mahnt, Hass und Kriege zu ächten und sich dem friedlichen Leben bedingungslos zu verschreiben.

Kurzum: Hier folgen Leseproben, sonst verliere ich mich darin, ein Buch über das Buch „Der Erzählstein“ zu schreiben.

Es kam mir alles so unwirklich vor. Es mischte sich mit meinen Träumen und meinen Erinnerungen aus den Straßen von Beirut. Bilder und Geräusche wurden in mir lebendig: der Lärm der Maschinengewehre, Granaten, Sirenen, der Schreie von Menschen und das Bild meines Vaters, der meinen Bruder Christopher trägt, mich hinter sich herziehend. »Geht es Ihnen gut, ist alles in Ordnung?«, fragte mich der Polizist, wobei er mich mit seiner rechten Hand leicht am Oberarm berührte. Er sagte mir, dass die Beamten der Antiterroreinheit jeden Augenblick bei uns sein werden, da sie sich im Bahnhof befanden. Kaum hatte er zu Ende gesprochen, standen schon zwei Männer vor mir. Einer trug Lederjacke und Jeans, der andere eine verwaschene Militärjacke. Es ging alles so schnell. ›Warum kommen direkt die Männer von der Antiterroreinheit? Warum prüft man nicht erst mal alles nach oder ist das die übliche Vorgehensweise? Nicht, dass die zwei Verdächtigen jetzt nach Syrien, in die USA oder wer weiß wohin verfrachtet werden‹, dachte ich. Alles ist möglich, wenn Staaten in Panik geraten. Die beiden Männer, die nun vor mir standen, sahen nicht gerade vertrauenerweckend aus, was mir noch mehr zusetzte. Der in Lederjacke gab mir die Hand, sah mich mit dem Blick eines Zerberus an, der die Reisepässe der Gestrandeten vor den Pforten seiner persönlichen Hölle überprüft und sagte »Herr Talal, kommen Sie bitte mit uns mit.« ›Was geht hier vor? Ich habe doch niemandem meinen Namen verraten.‹ Er merkte, dass mir das Ganze nicht gefiel und sagte beschwichtigend: »Es geht um Ihren Vater, nur soviel kann ich Ihnen verraten, der Rest wird Ihnen unser Chef erzählen.«

(…)

Ich hatte einmal meinen Vater gefragt, warum er uns ausgerechnet nach Deutschland brachte. Er antwortete wie so oft mit einem Vergleich. »Mit einem Piloten zu fliegen, der schon eine Bruchlandung hinter sich hat, ist viel sicherer, als mit einem zu fliegen, der diese Erfahrung nicht gemacht hat. Und Deutschland hat schon mehr als nur eine hinter sich«, sagte er und streichelte mein Kopf.

(…)

Unsere Eltern führten eine harmonische Ehe. Wir erlebten trotz der äußeren Umstände eine schöne Zeit. Mutter sprach nicht viel über den Krieg. Sie lehrte uns vieles über die Geschichte Libanons, die arabische  Sprache und deren Schönheit.

Ihre Lektionen hatte sie immer in schöne Geschichten gepackt. Es wurde nie langweilig ihr zuzuhören. Sie liebte die Gedichte und Essays der alten arabischen Meister. Sie meinte, nicht mal ein Nizar Elqabani oder  Mahmoud Darwish können ihnen das Wasser reichen. »Wisst ihr warum?«, fragte sie. Wir wussten es nicht. »Weil die zeitgenössischen Dichter noch am diesseitigen Schmerz festhalten und von ihm zehren. Die alten Meister hatten ihre Meisterschaft erreicht, weil sie sich von ihm gelöst hatten«, erklärte sie uns. Unsere Mutter war die Sonne unseres Lebens.

Khalid selbst schreibt zum Buch:

«Ich habe zwei Jahre lang daran gearbeitet, von 2008 bis 2010. Zum Schluss haben ihn die von mir sehr geschätzte Dichterin Sylvia Kling und ihr Mann Volker korrigiert und lektoriert.
So viel Arbeit kann man nur in Etwas investieren, das einem sehr wichtig ist.
Das Schicksal vieler Menschen, die ihre Heimat hinter sich zurücklassen müssen, aus welchen Gründen auch immer, interessiert mich sehr. Wie leben sie? Wie denken sie? Wie ist ihre Einstellung zum Sein?
Wie gehen die Alteingesessenen damit um?
Und die wichtigere Frage ist, wie werden Kinder damit fertig?
„Der Erzählstein“ musste zwangsläufig den Nahostkonflikt ansprechen, da sich ein Großteil der Geschichte im Libanon abspielt. Ein Thema, bei dem sich die Geister nicht nur scheiden, sondern schon mal die Köpfe einschlagen. Aber lasst euch überraschen ….»

Der Link zum Buch:

https://www.neobooks.com/ebooks/khalid-aouga-der-erzaehlstein-ebook-neobooks-AVdD6pDsz5W64AJ33jLZ

Portrait des Autors und Künstlers Khalid Aouga:

Khalid wurde 1973 in Marokko geboren. Er lebt seit 1986 in Deutschland.

https://sckling.wordpress.com/2015/07/25/darf-ich-vorstellen-ii-khalid-aouga/

Hier findet Ihr den sympathischen Autor und Künstler auf WordPress:

https://aouga.wordpress.com/

Weitere Bücher:

Islamische Lyrik:

https://www.buecher.de/shop/kunst/an-mein-krankes-herz/aouga-khalid/products_products/detail/prod_id/15015814/

Heute eröffnet Khalid seine Ausstellung in Düsseldorf:

Einige ganz persönliche Worte noch von mir:

Ich bin sehr dankbar, Khalid kennen zu dürfen und ihn sowie seine Familie bald auch persönlich zu treffen. Wenn man mit Khalid spricht und arbeitet, weiß man erst, was wahre Freundschaft und Menschlichkeit bedeuten.

Ich wünsche Euch ein erholsames Wochenende und wie immer: Passt auf Euch auf.

Eure Sylvia Kling

Worte und Lieder


Es handelt sich um eine erste Probeaufnahme von „Kinder (Kleine Hände)“ der Liedermacherin Bettina Wegner.

 

Heimat

Heimat,
welch großes Wort,
ein Zuhause,
eine Liebe,
ein ewiger Ort,

könnt ich dich
nur finden,
die Freiheit,
mein Ich,
mein Sein,
wo mich denn
getroste binden,
in ein Stückchen
Ewigkeit hinein,

wachen Geistes,
zeitfern und real
mich niederlassen,
offenbaren −
mit meinen Schmerzen,
meiner Qual,
mit meinen Freuden,
mit meinen ganzen
fünfzig Jahren,

selbst die Stadt,
in deren Schoße
eines Tages ich
ergraute,
zeigt zuweilen mir ein
KaltGesicht,
die ich liebte,
ihr vertraute,
meine Spuren sind
dort längst verwischt,

Heimat
nirgends,
nirgends fühl ich mich
zu Hause − gehe,
doch ich
kehre niemals heim,
Heimat, die mich
niemals verstehe,
solltest du mich finden,
so lad mich auf die
letzten Jahre ein!

©Sylvia Kling

Ich verweise ausdrücklich auf die Urheberrechte (siehe Impressum).

 

Liebe Freunde, Leser und Besucher, lieber Holger,

endlich gelingt mir heute wieder einmal ein Beitrag. So habe ich Song und Worte in einen Beitrag „gepackt“. Das Gedicht ist ein Auszug des Buches „Von Morgenseelen und Eisbrecherferne“, welches im November erscheinen wird.

Ich möchte Euch auch auf meine/unsere nächsten Programme hinweisen. Die Termine findet Ihr hier:

https://sckling.wordpress.com/lesungentermine/

Ich hoffe, es ist Euch gut ergangen, Ihr hattet eine schöne Sommerzeit und seid gesund. Allen meinen Lesern möchte ich heute ganz besonders danken für die Treue und die Freude, die Ihr mir mit Kommentaren und Zuspruch macht. Daraus schöpfe Mut und Kraft – gerade in Zeiten, in denen die Kraft nicht selbstverständlich ist.

Passt gut auf Euch auf.

Eure Sylvia Kling

 

 

Brand(t)ige Zeiten!


Text und Gestaltung: Jürgen M. Brandtner

Ihr könnt Euch erinnern an den Regisseur, Schauspiellehrer, Schauspieler, Rezitator und Lyriker Jürgen Brandtner?

Wenn man diesen Links folge, erfährt man einiges über den inszenierenden, spielenden, lehrenden, schreibenden und sogar singenden

Jürgen Brandtner:

https://sckling.wordpress.com/2016/02/04/darf-ich-vorstellen-vi-teil-i-juergen-m-brandtner/

https://sckling.wordpress.com/2016/02/05/darf-ich-vorstellen-vi-teil-ii-juergen-m-brandtner/

 

Ich lege Euch mit Inbrunst seinen Blog mit der Seite „Brandtneue Lyrik“ ans Herz:

https://theaterjmb.wixsite.com/brandtneue-lyrik/single-post/2017/08/09/F%C3%9CNFTAGEWOChe

Auch über Kommentare freut sich Jürgen.

Damit verabschiede ich mich heute und wünsche allen eine noch wunderbare Woche mit vielen Inspirationen und möglichst wenig Überladungen.

Eure Sylvia Kling

Gefährlichkeiten


Gefährlichkeiten

Was bin ich vor Tieren weggerannt,
so jeder Verwandte mich gekannt,
war es eine Kröte, jeglich Insekt,
was kroch, was schlich, ward ausgestreckt,

ICH hatte Angst und einmal war:
Mir nach lief eine Kückenschar,
man dorfesweit mein Zetern hörte,
so laut, dass es die Nachbarn störte,

bis meine Mutter mich erlöste,
mit mir geschwind vom Hofe döste
und mir erklärte: «Die Babys sind von der Henne,
vom Opa Franz», die ich doch kenne,

«die legen mal dein Frühstücksei!»
Ha! Das war MIR doch einerlei!
Kreischende Küken rannten mir hinterher,
das war unmenschlicher Verkehr.

Egal, ob Hund, ob Katze,
ob zarte Pfötchchen oder Tatze,
das Tier schien mir, ob groß, ob klein,
ein Ungeheuer nur zu sein.

Längst entschlüpft der Kinderhaut,
von Tieren wurd ich nie verSAUt.
Inzwischen wurd mir – eiskalt – klar:
NICHT Tier – der Mensch ist die Gefahr!

©Sylvia Kling

 

Drum liebe bloß die Tiere mehr,
der Mensch liebt sich alleine – sehr. 😂💟

Fortsetzung folgt!

BEITRAGSFOTO: pixabay.com

„werdepate“

Liebe Freunde, Leser und Besucher,

zum Gedicht muss ich nichts weiter schreiben – es spricht für sich. Es gibt noch ein weiteres Gedicht, welches ich als eine Art Fortsetzung sehe („TIERisch“) und Euch auch in den nächsten Wochen zeige.

Heute schaffte ich es, mal nach einer erfolgten Nachbuchung von 500 MB einen Beitrag zu veröffentlichen. Auf Facebook ist dies täglich leichter für mich, da ich dort per Smartphone poste – hier ist dies leider nicht erfolgversprechend. Der Aufbau von WP ist nicht dafür geeignet. Es kommt zu Fehlern und immer wieder musste ich feststellen, dass die meisten meiner Follower meinen Beitrag nicht angezeigt bekommen. Also lasse ich das und warte lieber, bis sich eine Möglichkeit ergibt, die für mich und Euch zufriedenstellender ist.

Ich hoffe, es geht Euch allen gut und Ihr könnt Euch am Sommer erfreuen. Bei uns in Sachsen beginnt am kommenden Montag wieder die Schule. Auf ein Neues! Bald hat mein „Kurzer“ Jugendweihe, was ich kaum fassen kann. 😉

Mein Buch „Von Morgenseelen und Eisbrecherferne“ ist nicht vergessen – nur hängt momentan wirklich alles am fehlenden Internet. Dennoch sind wir bemüht, diesen Lyrikband bis November zu veröffentlichen. Auch mein erster Prosaband „Zimmer 101“ wartet auf die Beendigung des Lektorats und die neugierigen Augen von Lesern.

Bleibt gesund und passt gut auf Euch auf.

Eure Sylvia Kling

 

Zurück ist: Das törichte Weib


Ach, welch töricht Weib ich doch bin,
ich, die mit dem vollen Haar und dem spitzen Kinn,
glaub ich noch an die Kunst und deren Mühe,
rühre worteseifrig in manch öligdunkler Brühe,
hör den Narren zu und auch den Weisen,
den Jungen ebenso, wie den Greisen,
meid den Abgrund, mag das Ebne eher,
fühl mich nicht dem Mond, nur der Sonne näher,
nähre inniglich mich von Wiesen, Bächen und Gesang,
hab zu schwachen Wesen einen SeelenHang,
will die alten Lehren nicht verlieren,
stoß mich an so manchem unverständlich Gieren,
will im Puls der Worte jauchzen, klagen,
stelle immer wieder bohrend Fragen,
lege meine Augen in Geschriebnes von Gelehrten,
hänge auch an alten, längst vergessnen Werten,
will der ErdenFäulnis elenden Geruch
wickeln in ein wohlriechend SeidenTuch,
bete keinen Gott an, weil ich an den Menschen glaube,
der mir nun in aller Schändlichkeit den dummen Edelmute raube,
ach, welch töricht Weib ich doch bin,
mit den MenschenTräumen in mir drin,
ich, die mit den Worten weint und schmachtet −
Wie kann man nur lieben, was man doch so verachtet?

Copyright: Sylvia Kling

Auszug aus dem Lyrikband „Von Morgenseelen und Eisbrecherferne“ – geplante Veröffentlichung im November 2017 –

Das Gedicht ist Teil des Programms „Poetisch-musikalische Szenen mit Zuckerbrot und Peitsche“ sowie meines Soloprogramms (siehe Termine) „Im Geiste bleib ich gefräßig, zu vieles ist nur mäßig“.

Kopieren meiner Texte oder Fotografien ist nicht gestattet (siehe Impressum)!

 

Liebe Freunde, Leser und Besucher, lieber Holger ;-),

nach meinem Urlaub melde ich mich – nicht (un)beschadeter als zuvor – zurück und grüße Euch herzlich. Meine Gedichte für diesen Blog wähle ich stets intuitiv aus – so auch heute.

Ich erinnere mich daran, wie mich in Italien auf einem Campingplatz die Nachrichten über Hamburg erreichten, an mein Entsetzen, meinen Unglauben. Dichtern wird oft nachgesagt, sie seien Idealisten. Ich nenne mich „realistische Idealistin“ – ein klein wenig Wortspielerei kann ich mir nicht verkneifen. Wer meine Arbeiten schon länger kennt, weiß, dass ich das in der Tat bin. So geht das lyrische Ich in dem Gedicht „Das törichte Weib“ mit meinem Ich eng umschlungen.

Ich hoffe, Ihr seid gesund und erfreut Euch trotz aller Widrigkeiten, die uns allen das Leben bietet, am Sommer und den Möglichkeiten, die uns diese Jahreszeit offenbart.

Mit einem Zitat von Erich Maria Remarque aus „Die Nacht von Lissabon“ möchte ich diesen Beitrag beenden:

„Jeder ist für Frieden, wie immer – kurz vor der Katastrophe.“

Eure Sylvia Kling

 

 

„Das Wir“ und erste Eindrücke in Bild und Ton (!)


Wir sind sehr wenig –
unser Wort im Winde verhallt.
Wir weinen leise
in einem viel zu kleinen Spalt.

Wir sind allein –
unser Mund fühlt sich so kalt.
Wir lieben das Wort Freiheit,
es spürt sich leblos alt.

Wir sind besudelt –
von blecherndem Gebrüll.
Wir sind gelähmt
im blutgetränkten Müll.

Wir sind zart –
wie Gräser auf der braunen Erde.
Wir säen wirre Zeichen
und hoffen, dass die Erde friedlich werde.

©Sylvia Kling

Zeichnung im Beitrag: Vanessa Ramm/12 Jahre alt – mit freundlicher Genehmigung von Vanessa und ihrer Mutter

Liebe Freunde, Leser und Besucher,

auf YouTube werden jetzt in Folge einige Videos von unserer Lesung eingestellt. Das erste Video mit der Begrüßung sowie einigen Gedichten findet man hier:

Wenn ich mich auch beim Betrachten solcher Aufnahmen frage, warum ich 23 kg abgenommen haben (FRAUEN! 😉 ), möchte ich nicht so eitel sein, die Videos trotz eigenen Nichtgefallens einzustellen :-). Primär sind die Texte und unsere Vortragsweise, die Stimmung (das ist auch der eitelsten Dame bewusst 😉 ). Die „Wunschballade“ ist nochmals verändert in dieses Video eingefügt worden (diese trage ich im Stehen und natürlich auswendig vor), was man erst in den nächsten Stunden sehen kann. Leider muss ich das heutige, mir mal wieder verfügbare Datenvolumen, nutzen und diesen Beitrag schon jetzt veröffentlichen – zu gern hätte ich noch bis morgen Nachmittag gewartet.

Wer auf Facebook einen Account hat: Dort sieht man noch weitere Videos. Ich bemühe mich wie immer, die folgenden auch hier in den nächsten Wochen zu zeigen.

Ich wünsche Euch eine wunderbare Sonnenwoche und wie immer: Passt auf Euch auf.

Eure Sylvia Kling

Rosen in pink


Liebe Freunde, Leser und Besucher,

mit Freude sah ich heute auf Facebook, dass die Fotografin Anna Lie Aufnahmen vom Literaturfest Meißen eingestellt hat. Mit ihrer Genehmigung möchte ich Euch heute – wie versprochen – mit Impressionen der Premiere unseres Programms „Poetisch-musikalische Szenen mit Zuckerbrot und Peitsche“ mit HC Schmidt und meiner Wenigkeit sowie dem Gitarristen Volker Wolfram erfreuen.

Immer wieder hatten wir Spaß, trotz meiner, teils stark gesellschafts- und sozialkritischen Texte: da waren die kleinen Versprecher oder andere Begebenheiten, und wir konnten gemeinsam mit den Gästen lachen – besser kann ich mir keine Lesung vorstellen. Das Lampenfieber hatte sich also auch recht schnell verflüchtigt.

Ich bemühe mich, weiterhin Impressionen zu sammeln, um gerade meine Lesern, die auf Grund der Entfernung nicht an einer solchen Vorstellung teilnehmen können, zu erfreuen. Die gesamte Zeit wurde aufgenommen – es liegt momentan leider noch immer an dem fehlenden Internet, dass uns oft die Hände gebunden sind. Jedoch sind wir entschlossen, nach unserem Urlaub im Juli eine Änderung herbeizuführen und laden im August Videos auf meiner Homepage www.sylvia-kling.de hoch.

 

„Leute“ – das Lied wurde 2010 von mir getextet und vertont, das Pianostück schrieb Mila Georgiewa, eine Künstlerin aus Dresden,

es ist auf meinem YouTube-Kanal zu hören.

 

„Geh nicht“ – ein Gedicht mit musikalischer Begleitung von Volker Wolfram gelesen

 

HC Schmidt liest

 

Wir singen „Hallelujah“ von L. Cohen auf Deutsch – Text von Andreas Hähle

 

Abschied – zuvor hatte mir HC Schmidt bei meinem Gedicht zur Zugabe „Ode an meine Linde – Auf Wiedersehen“ eine Rose ins Haar gesteckt, was wieder für etwas Humor sorgte.

Monika Meier (Kleines Haus Meißen) schenkte uns einen Meißner Wein, in welchem sogar die Trauben aus ihrem Weinberg stammen.

Ich wünsche Euch eine angenehme, wunderbare Restwoche und passt gut auf Euch auf.

Eure Sylvia Kling

 

 

 

Mengenangaben


So viele, längst vergessne Lieder,
vergilbte Schriften, gut bewacht,
so viele längst entmenschte Glieder,
die irgendwann ein Leben mal vollbracht.

So viel gutes, schlechtes Sinnen,
Gedanken, die uns weiter brachten,
so viel Weisheit, tief von Innen,
die für uns das Heute machten.

So viele Ahnenforscher so viel fanden,
tausend Worte, Klänge, Noten.
So wenig haben wir verstanden.
So viele. Moderne. Idioten.

Copyright Sylvia Kling

Kopieren und Weiterverwenden nicht gestattet.

Das Gedicht erscheint in „Morgenseelen und Eisbrecherferne“ – geplante Veröffentlichung November 2017.

 

Liebe Freunde, Leser und Besucher,

die Premiere unseres Programms „Poetisch-musikalische Szenen mit Zuckerbrot und Peitsche“ mit dem Künstler HC Schmidt fand am vergangenen Sonntag beim Literaturfest Meißen statt. Es war ein wunderbares Erlebnis und ich habe viele Eindrücke gewonnen.

Ich hoffe, Euch demnächst einige Impressionen zeigen zu können (noch sind nicht alle Fotos/Videos aufbereitet). Wer auf Facebook einen Account hat, kann auf meiner Seite unter dem gestrigen Tag einen kleinen Zusammenschnitt sehen. Wir lasen und sangen vor einer zauberhaften Kulisse der Altstadt Meißens, unterhalb des historischen Doms, der Albrechtsburg und in unmittelbarer Nähe zur Kirche St. Afra. Unter pinkfarbenen Rosen, mit einem herrlichen Blick auf das Elbtal bei wunderbarem Sonnenschein fanden sich zahlreiche Zuhörer rings um die Herberge „Kleines Haus“ ein.

Ich verrate Euch, ich hatte vor Beginn einen beachtlichen Puls! 😉

Doch Künstler erholen sich vom Lampenfieber, wenn der Beifall ertönt – so geschah es :-).

Ich wünsche Euch eine gute Woche und passt auf Euch auf.

Eure Sylvia Kling

 

 

Beitragsfoto: 1820796

https://pixabay.com/de/studie-buch-japan-anime-bildung-1616655/

Leben


Wenn die Dunkelheit mich ergreift
und ich noch immer den Duft
des Lavendels einfange,
wenn ich vor meinem Lieblingsbaum
stehe
und er mir erzählt vom Wind,
wie er des Tags ungestüm
durch seine Äste fegte,
wenn sich die einzige Rose
in meinem Garten
dem Gesang der Nachtigall zuneigt
und die letzte Libelle
des Sonnentages
ihre gläsernen Flügel spannt,
wenn meine Träume
mit den Sternen tanzen
und ich fühle mich schön.
Ist das Leben.

Copyright Sylvia Kling

Aus: „Neues aus Zeit und Sein“

Das Kopieren und die Weiterverwendung ist ohne meine Genehmigung nicht gestattet!

 

Uwe Richter – siehe Text im Beitrag

 

Zum Beitragsfoto:

Uwe Richter – ein Fotograf mit Herz! Schon eine geraume Zeit arbeite ich immer wieder sehr gern mit Fotos von Uwe. Er fängt nicht nur Stimmungen ein, sondern auch Seelen.

Schaut doch mal auf seiner Seite vorbei:

http://uwerichtersfotoblog.wordpress.com/