Sie hatte, sie war und – sie ist


 

Das Gebet der Bettlerin
(Sie hatte, sie war und – sie ist)

Ich hatte ein gutes Leben,
es war wie eures so normal,
mit täglich Arbeit und Streben,
ging zum Tanz und Karneval.

Ich hatte ein Haus aus Ziegeln,
vier Zimmer, einfach – und schön,
auf dem Boden konnten sich spiegeln
heimatliche Berge der Rhön.

Ich hatte Freunde und Gäste,
und kochte wie jede Frau
für große und kleine Feste,
hatte mehr als nur Knowhow.

Ja, schön war ich sogar,
glanzäugig und attraktiv,
mit manch modischem Accessoire
trank ich in Bars Aperitif.

Nur Kinder hatte ich keine,
das Schicksal mirs nicht gewährte,
blieb mit dem Gatten alleine,
ein Hund war uns treuer Gefährte.

Ich komme von dort, wo ihr noch seid,
war weder faul noch asozial,
kannte nicht Mangel oder Neid,
mein Leben fand ich ideal.

Nun hör ich euch hinter mir raunen:
«Die kauft sich nur Alkohol.»
Ja, ich kaufe mir Braunen,
so wird es mir warm und wohl.
Und wenn ihr es nicht versteht,
dann geht einfach still vorbei.
Ich spreche für euch ein Gebet –
inmitten der Bettelei.

Ich hatte und hatte und hatte,
mir wars nicht vergönnt für immer,
das Schicksal, das nimmersatte,
lud ein zum Ewigkeits-Dinner.

Ich verlor Haben und Sein,
alles, was mir teuer und lieb –
mit dem ELEND zum Stelldichein,
mir nur noch Erinnerung blieb.

Jeden Morgen ich erwache,
ohne Freunde, Gatte und Hund,
sehe aus wie ein zahnloser Drache
und bin mehr als ungesund.

So streune ich durch die Straße
mit meinem letzten Hut,
bitte um Gaben nicht zum Spaße.
Meint ihr, ich sei dissolut?

Zum Abend such ich ein ObDach,
um die Nacht zu überstehen,
bleibe oft in der Kälte wach,
will den Tagesanbruch sehen.

An fremden Leibern mich reibe,
in alten Decken auf der Erde,
egal, ob Männlein, Weibe,
nur dass es warm mir werde.

Nun hör ich euch hinter mir raunen:
«Die kauft sich nur Alkohol.»
Ja, ich kaufe mir Braunen,
so wird es mir warm und wohl.
Und wenn ihr es nicht versteht,
dann geht einfach still vorbei.
Ich spreche für euch ein Gebet –
inmitten der Bettelei.

©Sylvia Kling

Dieser Text wird in einem Song Verwendung finden.

 

© Eva Maria Horstick, Künstlerin aus Dortmund – das Foto unterliegt dem Urheberrecht und darf nicht kopiert werden! Eva Maria ist eine sehr engagierte Künstlerin, die mich immer wieder mit ihren Fotografien und Arbeiten zu begeistern vermag. Auch sie ist stets «nah am Menschen». Die Homepage der Künstlerin findet Ihr hier: http://www.photoarchitektur.de/

 

Nicht selten werden Bettler auf der Straße angepöbelt. Es wird die Nase gerümpft.

Nicht selten erlebe ich, wie eben diese Menschen ihren Kaufmarathon beschwingt weiter führen – in der Weihnachtszeit und Zeit der Kälte besonders zu beobachten.
Darüber steht mir keineswegs ein Urteil zu. Ich bin keine Richterin.
Ein bitterer Beigeschmack bleibt mir dennoch.

«Ich würde ihm ja was geben. Aber der kauft sich sowieso nur Alkohol – ich kenne ihn!», sagte kürzlich eine Frau vor dem «REWE» in Meißen zu mir.
«Ja, das stimmt – ich kenne ihn nicht, aber sehe ihn hin und wieder. Und er hält dieses Leben ohne diesen eben nicht mehr aus. Verständlich, oder nicht?» Die Frau sah mich mit großen Augen an, nickte und meinte: «Darüber muss ich nachdenken.» Mein Gott! Sie wollte darüber nachdenken! Ich bin glücklich über solche Menschen, die darüber nachdenken und ich meine das nicht im Geringsten sarkastisch.

Kürzlich wurde ein Bettler auf der Straße von einer Mitarbeiterin des Amtes beim Betteln gesichtet und ihm wurden die Leistungen gekürzt. Man kann das drehen und wenden, wie man will:
Nach meiner Auffassung ist es entwürdigend: die Hartz IV-Gesetze und das Betteln in unserem reichen Land.

Die Zahl von Armut betroffener Frauen steigt.

Ich sehe es als einen weiteren Grund, sich endlich mal mit diesem Thema auseinanderzusetzen.
Zunächst rede ich dabei nicht einmal von der Verantwortung der PolitikerInnen (das würde endlos werden), sondern um Mitmenschlichkeit, Empathie, um HerzensBildung!
Selbst Freunde auf meiner Freundesliste auf Facebook setzten unter den Artikel der Zeitung, die darüber berichtete, Kommentare, die ich ihnen nicht zugetraut hätte. Freunde, die jede Woche in die Kirche gehen und wissen müssten, was das Wort «Nächstenliebe» bedeutet.

Ich bitte Euch, denkt darüber nach. Denkt. Empfindet. Urteilt nicht.

Ich wünsche meinen Freunden, Lesern, Besuchern und meinem lieben Freund Holger einen guten Wochenstart.

Eure Sylvia Kling

Zu den Fakten:

Über acht Millionen Menschen bewegen sich in Deutschland – trotz Wirtschaftsaufschwung – am Existenzminimum.
Ca. jeder zehnte Einwohner hängt am Tropf einer Sozialleistung, die nicht mehr als die minimalen Lebensbedürfnisse deckt.
Eine große Zahl von Menschen schafft es auch in guten Zeiten nicht, aus der Armut herauszufinden.

Für Sozialforscher geht der «Armutsbegriff» noch weiter. Für sie gilt jeder als armutsbedroht, dem weniger als 60 Prozent
des mittleren Einkommens zur Verfügung steht.

Wie der Sozialverband VdK Hessen-Thüringen mitteilt, sind immer mehr Frauen in Hessen und Thüringen von Altersarmut
betroffen. «Pflege von Kindern und Angehörigen, Minijobs und Arbeit im Niedriglohnsektor – es gibt viele Gründe, warum Frauen besonders im Alter betroffen sind.» (KarinWagner, VdK).

 

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Der Spatz


Der Spatz

Der Spatz ist frech auf deinem Dach,
und er macht selbstgefällig krach,
er glaubt, es müssten alle hören,
er will die Friedlichen nur stören,

wie wäre es schön, wenn er flöge,
wenn man ihn doch vertreiben möge,
statt geduldig abzuwarten,
dass er kackt in deinen Garten,

womöglich stiehlt er dir Vorräte
er andre Spatzen holen täte,
damit sie grausam Stück für Stück
rauben dir dein reiches Glück,

und bist du gar nicht willig,
der Spatz ist schmutzig billig,
dann sei ihm doch zum Ebenbild,
sei endlich frei, bunt und wild,

steig auf das Dach, zeig nur Geschick,
dort hast du einen andren Blick,
mit Spatzen hat man manchmal Spaß,
und trotzdem schmeckt der eigne Fraß.

Copyright Sylvia Kling

Aus „Neue Gedichte“ („Eigenwilliges im ZeitenWandel“) 

 

Das Kopieren und die Weiterverwendung sind ohne meine Zustimmung ausdrücklich untersagt!

Beitragsfoto: https://pixabay.com/de/tier-mann-junge-v%C3%B6gel-wasservogel-1975189/

„Der Spatz“ wird zum Songtext ausgearbeitet. Nun muss ich nur noch die wunderbare Musikerin Mila Georgiewa ins Boot holen, die den Spatz musikalisch fliegen lassen kann :-). Mila spielte das Pianostück für „Leute“. Wer es noch nicht kennt, hier singe ich es:

 

Ich wünsche Euch ein wunderbares Wochenende. Ich fliege zwischen meinen Umzugskartons umher. 😉

Bleibt gesund.

Eure Sylvia Kling

Bald ist wieder Zeit und „Irgendwann“


Bald ist wieder Zeit für Besinnlichkeit und Zeit für Entschleunigung (es sei denn, man gibt sich einem anhaltenden Kaufrausch hin 😉 ). Vielleicht möchte der eine oder andere sich auch Zeit für Kultur und Kunst nehmen?

Dann lade ich Euch ein:

Am Samstag vor dem 3. Advent findet in der Marienkirche von Dessau eine Lesung mit musikalischer Instrumentalbegleitung statt.

Eine duftende Mischung aus allen, meinen bisherigen lyrischen Arbeiten wird dem geneigten Zuhörer im Anschluss an den dort stattfindenden Weihnachtsmarkt dargeboten.

Ort: Marienkirche Dessau
Zeit: Sa., 10.12.2016, 20:30 Uhr

Eintritt: frei

Hier einige Impressionen aus dem letzten Jahr zum Weihnachtsmarkt
(zur Verfügung gestellt vom Veranstalter, Peter Fischer)

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received_1111000358979061Marienkirche Dessau/Fotos: Peter Fischer

Die Veranstaltung ist auch hier zu finden:

https://www.facebook.com/events/1656809444630236/ – Facebook
oder wie gehabt auf meiner Homepage:
http://www.sylvia-kling.de/termine.php#start
Auf dieser sind auch Fotos für die Pressarbeit zu finden und ein Auszug aus dem Flyer zum Programm „AusgeKLINGt“
mit HC Schmidt (szenisch musikalische Lesung – unter „Punkt 6“).

Zu diesen Veranstaltungen wird es, außer meinen Texten, gefühlvoll gesungene Lieder, dargeboten von HC Schmidt, geben. Einen kleinen Einblick in die Anfänge der Proben zu einem Song könnt Ihr im Link unten bekommen. Es handelt sich um einen Song von Steve Wonder. Als mich der Meißner Künstler HC Schmidt vor einigen Wochen anrief und mich fragte, ob ich ihm dazu einen Text schreiben könne, nahm ich diese neue Herausforderung gern an (bisher schrieb ich Songtexte, zu welchen noch die Melodie komponiert werden sollte). Ich brauchte 4 Stunden – dann war es vollbracht.

Im Video könnt Ihr auch mal einen Eindruck gewinnen, wie ein Musiker arbeitet und wieviel Zeit es dauert, einen Song sattelfest und perfekt zu präsentieren. Das Zwischenstück (im Video als Sprechgesang) wird die bezaubernde Künstlerin Mila Georgiewa singen. Auch ihre umwerfende Stimme wird diesem Song eine ganz besondere Note verleihen. Wir dürfen also auf das Endergebnis gespannt sein. Ganz ehrlich: Ich ziehe, seit mir klar wurde, welche Arbeit Musiker leisten, vor diesen Künstlern den Hut! Wer weitere Songs von HC Schmidt/Mila Georgiewa hören möchte, findet diese auf dem YouTube-Kanal oder frage bei mir an :-).

Hier nun: „Irgendwann“

Musik: Steve Wonder

Text: Sylvia Kling

Ich wünsche meinen Freunden, Lesern und Besuchern eine wundervolle Restwoche.

Eure Sylvia Kling