„Die Geschwinde“ und: Ich habe vor 17 Jahren eine Tür geöffnet, die nie wieder zugefallen ist.


Die Geschwinde

Die Jahre verstreichen
und mein Haar ergraut
und die ersten Zeichen
des Alterns auf der Haut,

da erinner ich mich leise
an meine Kinderzeit
und in Gedanken reise
zurück, jahrzehnteweit,

sehe mein zartes Gesicht,
die glänzenden Wangen,
ein Gleichgewicht
zwischen Träumen und Bangen,

Blitze, übermütig hell
in den Augen, so braun,
und wie sportlich schnell
sprang ich übern Gartenzaun,

die trauernden Stunden
in der tristen Kammer,
die Kummerrunden,
erstes Liebesgejammer,

wie gern würde ich geben
dem Mädchen die Hand,
ihr erzählen vom Leben,
vom Verlust und Bestand,

was mir ist begegnet
in all den Jahren,
obwohl zur Taufe gesegnet,
um sie zu bewahren,

wie sehr Erinnern heute
mich glücklich macht und hält,
weil ich das Leben deute,
es nicht an mir zerfällt,

so flüstere ich dem Kind
ins kleine Ohr hinein:
Die Zeit, sie ist geschwind,
doch sie ist dein. Und mein.

Copyright Sylvia Kling

Das Kopieren und Weiterverwenden ist nicht gestattet! Auch die persönlichen Fotografien sind mein Eigentum!

Sylvia Kling – 1969

Heute habe ich mich wieder einmal für persönliche Worte entschieden, für autobiographische Fragmente.

Es ist erstaunlich und doch wieder nicht:

Je älter man wird, um so häufiger und intensiver erinnert man sich an die Kindertage und beginnt, Kontakt zu dem Kind von einst zu suchen. In der Psychologie wird es im therapeutischen Kontext „das innere Kind“ genannt. Mit Freude habe ich in den letzten Wochen Fotos aus meinen Kindertagen angesehen. Meine Eltern waren Kriegskinder, mein Vater (Ferenc/Franz) war ein Flüchtlingskind. Seine Mutter, meine Großmutter wurde mit ihren fünf Kindern aus Ungarn vertrieben.

Nicht alles war einfach: für sie nicht, auch nicht für uns. Meiner Mutter war immer wichtig, dass wir nicht hungern mussten (also ehrlich: Ich war ein Pummelchen! 🙂 ). Sie war voll berufstätig. Meinem Vater war die Karriere absolut wichtig. Leistung war für ihn ein primäres Thema. Ich habe ihn nur wenig wirklich gekannt. Er ist 1995 bei einem schweren Zugunglück in Breitenau (Chemnitz) ums Leben gekommen.

Wir waren im Wesentlichen eine typische DDR-Familie: sauber, Mittelstand (ich denke, das waren in der DDR fast alle Familien), ziemlich angepasst und artig. Wir trugen die aktuellen Frisuren (siehe meine Mutter 😉 ), wir machten Wochenendausflüge und achteten darauf, dass wir schnell genug in der Kaufhalle sind, wenn es doch mal Bananen oder besonderes Bier gab. Und wir haben brav die 13 Jahre auf den Trabant gewartet. Als er endlich vor der Tür stand, unsere „Rennpappe“ (heute nenne ich ihn „Flüchtlingskoffer“ 😂 ), glaubten wir wirklich, wir gehörten nun beinahe zur Elite ….😉

Wir hatten wenig. Und doch hatten wir alles.

Familie Kling in Dresden, ca. 1971

Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich lebe und an diese Zeit denken darf.

Als ich mit bereits 12 Jahren an einer Essstörung erkrankte, die mit 20 Jahren  einen aktuten Zustand angenommen und sich in Bulimie umgewandelt hatte, wusste ich noch nicht, was auf mich zukommt. Eine lange Reise war es, die ich im Jahre 2000 „begann zu beenden“. Nach 20 Jahren Essstörungen durfte ich erfahren, wer ich bin.

Ich durfte mich kennenlernen und mit den darauffolgenden Jahren mit meinem „Ich“ spazieren gehen, mit ihm lachen, weinen, mit ihm endlich leben. Man hatte mir gesagt, dass ich großes Glück hatte, so „davonzukommen“ und tatsächlich sah ich in der Klinik, in welcher ich ein viertel Jahr stationär behandelt wurde, viele Fälle, die mich zum Weinen brachten. 

Ich lernte unglaublich begabte Mädchen und Frauen kennen. Alle waren auf eigene Weise kreativ. Alle waren „HSP“ – „Hochsensible Persönlichkeiten“ und haben nie gelernt, ihre Fähigkeiten adäquat einzusetzen, mit ihren intensiven Gefühlen umzugehen. Einige litten unter Traumatas. 

Ein Mädchen wurde zur Zwangsernährung nach Dresden gefahren, in die Klinik „Am Weißen Hirsch“. Sie war erst süße 19 Jahre alt und bestand nur noch aus Haut und Knochen. Ich war damals 32 Jahre alt und ihre beste Freundin. Nach einer Woche wurde sie bereits von uns abgeschottet und durfte ihr Zimmer nicht verlassen. 

Man ließ mich nur ein Mal täglich zu ihr, obwohl sie mich öfter sehen wollte. Der Grund war:  Ich brachte sie immer zum Lachen und Lachen verbrannte Kalorien ….

Das habe ich nie verstanden. Lachen ist Leben. Warum durfte das Mädchen nicht lachen?

Als sie mit Blaulicht abgeholt wurde, konnte ich mich nicht einmal verabschieden. Ich habe lange darunter gelitten und frage mich heute noch, ob sie überlebt hat. Sie hatte keine Kraft mehr.

Ja, es war eine schwere Erkrankung, diese Bulimie. Sie geht immer mit Depressionen und meist mit Nebensuchterkrankungen wie z. B. Tabletten-, Alkoholmissbrauch daher. 

Doch bin ich dankbar auch dafür, dass sie mir begegnet ist.  Klingt das nicht seltsam? Ich habe gelernt, dem Leben gegenüber demütig zu werden. Vor 17 Jahren habe ich eine Tür geöffnet, die nie wieder zugefallen ist.

Zum Thema zurück: die Kinder- und Jugendzeit – kurzum: 

Nicht alles war gut. Nicht alles war schlecht. Es war eben „einfach“ – wie es war.

Heute erinnere ich mich mehr an das Gute und viel weniger an das Schlechte.

Die Zeit ist eben geschwind. Aber sie ist uns:

dem kleinen und dem großen ICH.

In diesem Sinne, liebe Freunde, LeserInnen und BesucherInnen,

vielen herzlichen Dank für Euer Interesse an diesem Beitrag. Ich hoffe, auch Ihr könnt in der Vergangenheit kramen und so manche Erinnerungen in die heutige Zeit tragen und sie ehren. Manche mehr, manche weniger.

Ich wünsche Euch schon jetzt ein wundervolles Wochenende und eine erholsame Zeit. Ich werde mit meiner Familie den 30. Geburtstag meines Ältesten feiern und mich an der Zeit erfreuen.

Eure Sylvia Kling

Vorösterlich


VorÖsterlich

Heute lief ich mit meinem Liebsten
tief in den DorfWald hinein,
ich sehnte mich nach Leben,
weitab vom trägen Sein.

Der Duft der MärzesWehen
entlang der Böschung am Bach,
unter dem WinterVergehen
lugte das WiesenGrün schwach.

Erhebend fiel mir ein,
(ich wäre doch dazu bereit),
auch die Liebe insgeheim
erblüht. Wie die FrühlingsZeit.

Copyright Sylvia Kling

Erschienen in meinem Buch „AufBruch“

Foto: aliceabc0

Hallo Ihr Lieben,

mit diesem Gedicht vor dem Osterfest möchte ich ganz fest an den Frühling glauben, das Blühen, den Duft der Wiesen und Blumen. Ich möchte mich wieder erfreuen an den Paaren jeden Alters, die Hand in Hand die ersten Sonnenstrahlen genießen, als ob es keine Schreckensnachrichten und kein Elend auf dieser Welt geben würde. Ja, auch das gehört zum Leben, auch das brauchen wir doch so sehr:

Dieses Verweilen beim Schönen, das freie Atmen ohne Sorgen, ohne Leid. Einen Schritt zurücktreten und langsamer werden.

Um Kraft zu tanken für unsere Vorhaben, uns weiter für Frieden und Menschlichkeit einzusetzen.

Gestern regnete es den ganzen Tag über und ich saß etwas betrübt und müde im Auto, als wir durch Dresden fuhren. Doch ich dachte an das Frühlingsgedicht – ja, das könnt Ihr mir ruhig glauben. „Morgen bringe ich ein Frühlingsgedicht und selbst wenn es schneit!“ Es hätte wahrlich nur noch das Füßestampfen aus der letzten Probe gefehlt … 😉 ). Und wenn ich den Frühling beschwöre!  … Ich möchte den Frühling und die Liebe beworten.

Ich wollte gestern mit meiner Mutti in Dresden weitere Blumen für unsere neue Terrasse kaufen. Doch kaum hatten wir Lust dazu bei diesem Wetter. Mir war einfach nur nach Kaffee – „Scheelchen Heeßes“ – (auf den wir Sachsen ja schwören und ohne den für mich kein einziger Tag vergeht) und warmer Stube.

Kurz danach hörte ich den Wetterbericht für Sachsen: Ab dem Samstagnachmittag solle es frühlingshaft werden. Na, wer sagt es denn? Nun müssen die Wetterfrösche nur wahre Worte gesprochen haben :-). Momentan sieht es noch recht trübe aus. 

Ansonsten stecken wir in Umzugsvorbereitungen – in wenigen Wochen geht es los und ich kann es kaum noch erwarten, mich wieder in einer Umgebung wohl fühlen zu können. Meine Katze Jacky darf dann auch endlich ins Freie – auf Mäusejagd gehen und die Sonnenstrahlen „live“ genießen. Aber zunächst freue ich mich auf das Osterfest mit meiner Familie. Auf „VorÖsterlich“ :-).

Ich hoffe, Ihr habt eine schöne Zeit am vorösterlichen Wochenende. Wir lesen uns nächste Woche noch einmal. Bleibt gesund und bis nächste Woche.

Herzlichst, Eure Sylvia Kling

„Ansicht“ und: Ist es interessant, berührt es? Dann ist es Kunst.


Für Lotte – als Erweiterung von „Ecken und Kanten“ – mit großer Freude:

Ansicht

Ich bin,
ich bleibe,
werde
für euch
niemals ent-icht,
ich pass nicht
in eure Herde
mit meinem
ZweifelsGesicht.

Ich bin
ich bleibe,
werde
nicht wie ihr so kalt und spröde,
ich halte mich
kantig,
bis ich sterbe,
nur rund ist
mir zu (bl)öde!

Ich bin,
ich bleibe,
werde
mit euch nicht
ins Niemandsland
gehen.
Denn wer immer
läuft mit der Herde,
wird stets nur die
Hintern sehen!

😉

Copyright Sylvia Kling

Kopieren und Weiterverwendung ist aus urheberrechtlichen Gründen nicht gestattet!

Eine bemerkenswerte Dichterin ist mir begegnet: „Lotte“. Lotte veröffentlicht in dem Forum „Lyrikecke“ einige ihrer Gedichte und wird immer wieder von manchen Poeten kritisiert. Ich finde ihre Gedichte faszinierend. So bat ich um einen Kontakt zu ihr, den mir meine liebe Freundin Alex herstellte.

Bevor ich Euch einige Auszüge meiner Gedanken mitteile (obwohl vieles davon den meisten Lesern und Freunden schon bekannt ist), möchte ich Euch den Link zu Lottes Gedicht „Ecken und Kanten“ dringend empfehlen (das Kopieren ist dort ebenfalls nicht gestattet!):

https://www.lyrikecke.de/gedicht/264727


Die Frage ist nicht: Sind Gedichte technisch immer einwandfrei. Die Frage ist: Sind sie interessant? Berühren sie?

Was ich nicht möchte: immer den gleichen Reim, immer den gleichen Rhythmus – wenn sich mir nichts Neues eröffnet. So möchte ich Gedichte nicht lesen. Ich will Ecken und Kanten, möchte die Persönlichkeit des Poeten erkennen, möchte mich auch ein wenig am Gedicht reiben dürfen!

Wir können uns an der Metrik orientieren, doch ist das alles? Ich mache oft Gedichtanalysen, belese mich – aus Freude, aber auch zur Übung. Ich wende verschiedene Reimformen an, verwende als Stilmittel häuftig BinnenMajuskel. Doch niemals möchte ich mich theoretisieren lassen – so nämlich werden Gedichte „verkopft“ und das Gefühl, die Stimmung wird nicht mehr ausreichend transportiert. Der Leser verzeiht uns alle kleinen UngeREIMtheiten, nur verzeiht er uns nicht eine gestellte, aufgesetzte Poesie – eine Poesie ohne Reflexion.

Der folgende Text kann – wie meine, mir länger treuen LeserInnen wissen – nicht anders stehen von mir, als so:


Natürlich brauchen wir auch die heilsame Welt, die uns allen das Leben erträglich macht, die uns geduldig werden lässt, uns bis zum tiefsten Grunde der Verheißung führt. Ja, wir brauchen in der Lyrik auch den Idealismus. Doch es wird nach meiner Ansicht nicht so sein, dass er allein tragend ist. Auf Dauer ist es für mich nicht stimmig, wenn wir die Realität umdeuten, um uns einen Kokon zu (er)schaffen, in welchem wir uns vor den Gegebenheiten des Lebens schützen.

Das Leben ist nicht ideal. Das Leben ist bunt. Das Leben ist nicht nur schön, vor Glück triefend. Das Leben ist auch oft schmerzhaft, lässt uns viele Fragen stellen. Wir erleiden Verluste, wir trauern, wir entbehren, wir erkranken, wir verarmen und vieles mehr. Als Humanistin sehe ich immer den Menschen im Mittelpunkt – mit all seinen Stärken und Schwächen – ja, mit seinen „Ecken und Kanten“.
So sehe ich die Kunst auch. Heute noch mehr als noch vor 20 Jahren. Ich empfinde es so, dass wir als Menschen – und Künstler – auch die Verpflichtung haben, die Menschen an Wesentliches zu erinnern. Sie sollten an dieser Welt teilhaben, an diesem Sein. Wir leben in einer schnelllebigen Zeit, in einer Zeit des Werteverlustes, in einer Zeit der emotionalen Unterkühlung.

Die Kunst ist für mich ein Weg, Dinge zu verändern und unsere Gedanken, erst recht in diesen fragilen Zeiten, selbstkritisch zu hinterfragen.
Wir brauchen das Leichte, wir brauchen auch das Schwere. Wir brauchen in der Poesie LEBEN. Und was wäre sie ohne Hoffnung?

„Lang lebe die Lyrik“ sagte Michael Krüger. Recht hat er!

In diesem Sinne, meine lieben Freunde, LeserInnen und BesucherInnen, schreibt Euch in die Herzen und in den Geist Eurer LeserInnen, nicht in die Eurer Kritiker und Neider. 😉

Habt einen guten Start in die neue Woche.

Herzlichst,

Eure Sylvia Kling

Beitragsfoto: Hans

https://pixabay.com/de/schafherde-schafe-herde-herdentier-49669/

ACHTUNG

Neue Termine zu Veranstaltungen („Poetisch-musikalische Szenen mit Zuckerbrot und Peitsche“ und „AusgeKLINGt“) sind hier zu finden:

https://sckling.wordpress.com/lesungentermine/

 

 

 

 

Facebook:

Sylvia Kling (Autorin)

https://www.facebook.com/profile.php?id=100010657024918

YouTube:

https://www.youtube.com/channel/UC3u09hrTq66YVKux9TFegvQ

Instagram – hier auch mit einigen privaten Impressionen:

sylvia.kling.autorin

Wir leben – mit dem Tod


Diese Woche kam ich mit Priska Pitt auf Facebook zu ihrem Beitrag:

Der plötzliche Tod

ins Gespräch. Der Tod, der zum Leben dazugehört. Der Tod als etwas Unabänderliches. Ich hatte ihr in der Kommentarleiste auf Facebook berichtet:

„So viele Kommentare auf WP – da sieht man, dass viele Menschen den Tod nicht mehr als Tabuthema betrachten. Er gehört dazu. Seit meiner Nahtoderfahrung habe ich eine eigene Einstellung dazu. Ich habe nach über 20 Jahren erst darüber geschrieben: vor sechs Wochen erst. So lange hat es gebraucht.“

TodesNähe

Seltsam sah ER einst mich an,
nahm mich schweigend an die Hand,
sein Kuss war nur recht kalt
und grässlich die Gestalt,
meine Zunge wie ein Stein,
und mein Leibe nicht mehr mein,
mein Geist ist still geschwebt
und hat die Zeit durchlebt,
die ich zuvor durchging,
so wie ein Schmetterling
meine Seele durchschwirrte
und tausendmal sich verirrte
in diesen kalten Wänden –
was, hier sollt ich verenden?

Es war so elend trist,
ach, wär ich nur ein Christ,
so dacht ich in der Dunkelheit
und wünscht, ich würd vom Schmerz befreit,
doch trieb mein Blut noch schwallend,
und weiße Kittel krallend
sich nadlig in meine Haut,
sie schrien so schrecklich laut,
die Luft, sie zu sehr eilte,
und in der Brust verkeilte
sich ein Brocken, verbissen,
mich aus dem Sein gerissen –
ER sah mich wieder an,
suchte nach meiner Hand,
ich wollt ihm die nicht reichen,
diesem hässlichen Bleichen,
sein Kuss nach Ende schmeckte,
eine Nebelschicht bedeckte
die Schmerzen, meine Glieder.
ER sank auf mir hernieder!

Wie hätt ich diese Zeilen geschrieben,
wär der Elende auf mir geblieben?
Der Tod war viel zu träge,
ich war so jung und rege,
Leben wühlte in meinen Sinnen,
Licht begann durch mich zu rinnen,
den Tod, den stieß ich wüst beiseite.
Auf ging es ins Leben. Das Zweite.

(1994)

Copyright Sylvia Kling

Vorbereitet für das Buch „Von Morgenseelen und Eisbrecherferne“ – Veröffentlichung 2018 geplant –

Arno von Rosen – Zeichnung, g. U.

Von ganzem Herzen danke ich meinem lieben Freund Arno von Rosen, der mir die Verwendung seiner wundervollen Zeichnungen gestattete. Sollte jemand meiner Freunde, LeserInnen oder BesucherInnen den Autor (nein, das Multitalent) Arno von Rosen nicht kennen, so folgt mir hier entlang zu einem Besuch auf seinem Blog:

http://arnovonrosen.wordpress.com/

Ich wünsche Euch einen schönen Wochenausklang und hoffe, wir können am Wochenende wieder ein frühlingshaftes Wetter genießen. Mein Frühlingsgedicht wartet noch in den Startlöchern ;-).

Eure Sylvia Kling

Beitragsfoto: Uwe Richter

https://uwerichtersfotoblog.wordpress.com/

Lieblichjung


LieblichJung

Junge Liebe,
unschuldiger Mund,
beflügelt von Sehnsucht,
eingetaucht in hoffnungsvoll
zartküssendem Bund.

Sich türmende Wünsche,
ganz dem Herzen geneigt,
das Ergreifende erwartend,
das neugierfrische Gesicht
noch keine Wehmut zeigt.

Blinkende Augen,
glänzendes Haar –
die Lieblichkeit
der Jugend lieb ich
ganz und gar.

©Sylvia Kling

Auszug aus meinem Buch „BruchStücke“, Band II

Fotos: Sylvia Kling

Die Fotos unterliegen dem Urheberrecht und dürfen nicht kopiert und weiterverwendet werden!

Die Fotos machte ich vor zwei Jahren bei meinem Kurzbesuch in meiner Heimatstadt Dresden (Prager Straße, vor dem Geschäft “Steinbruch”). Das junge Paar stimmte meinem Anliegen, sie fotografieren zu wollen sowie die Fotos zu einem Gedicht auf meinem Blog veröffentlichen zu dürfen, spontan zu. Das Paar fiel mir bereits im “Steinbruch” auf. Liebevoll sahen sie sich gemeinsam die ausgestellte Kleidung an, berieten sich leise, immer mit einer zärtlichen Berührung oder Geste.
Ich hoffe, sie sind auch heute noch ein Paar.

Ich wünsche allen einen guten Start in die neue Woche. Der Frühling hält nun endlich Einzug und schon gestern konnte ich mit meiner Familie die Sonne genießen.

Eure Sylvia Kling

Ohne Versprechen


Zauber
mich in deine Welt,
reich mir eine Hand,
die mich hält.

Hol mir
vom Horizont einen Stern,
halt mich
von der Kälte fern.

Stiehl mir
Blumen vom Wegesrand,
mal mir
die Sonne in den Sand.

Erzähle mir
mein Lieblingsmärchen,
sing für mich
mit den Morgenlerchen.

Tanz mit mir
im Liebesreigen,
spiel für mich
auf zarten Saiten.

Klage nicht,
wenn meine Geister dich wecken,
eines Brunnens Tiefe
kann erschrecken.

Zeig mir
nur dein wahres Ich.
Doch versprich mir
Nichts.

©Sylvia Kling

(Erschienen im Lyrikband „AusGeatmet“ im Oktober 2015)

(c) Uwe Richter

Foto:

Uwe Richter/Uwe Richter Photography – mit freundlicher Genehmigung. Den Fotografen findet man hier:

http://uwerichtersfotoblog.wordpress.com/

Ich wünsche allen ein schönes Wochenende.

LiebesErde


Es ist doch immer wieder die Liebe, die uns hält. Diese Woche war sie Hauptthema auf meiner Facebookseite und so wird sie auch – in verschiedenen Varianten – hier in dieser Woche Thema sein.

Karl Miziolek, Autor und literarischer Freund, las mein Gedicht „LiebesErde“ (Veröffentlichung in meinem Buch „AufBruch“) und überraschte mich vor einigen Tagen damit. Seine unverwechselbare Art zu lesen, seine sanfte, beruhigende Stimme und auch der eigene Dialekt lassen den Hörer ganz in seinen Lesungen versinken:

Für alle, die Karl noch nicht kennen:

Sein wunderbarer Blog, auf dem man verweilen kann, ohne das Gefühl zu haben, Zeit zu verlieren:

http://karlswortbilder.wordpress.com

und seine Homepage

http://wortbilder.at/

Dort findet Ihr Wortbilder, Limericks, Haikus, Gedichte, Geschichten und einiges mehr. Wir wollen doch dem „Blogschlafen“ Einhalt gebieten, oder? Der Winter ist vorüber – auf geht es!

Seit Kurzem hat Karl auch einen YouTube-Kanal, auf welchem er wunderschöne Landschaften, auch mit Texten verbunden, präsentiert. Langeweile gibt es bei ihm nicht. Schaut doch mal bei ihm vorbei:

https://www.youtube.com/channel/UCVmImH8blBFp3QCF4KHcrbA

Zur „LiebesErde“:

Der Text befindet sich zum Nachlesen als Anhang zum YouTube-Video (bitte auf das Dreieck unterhalb des Videos klicken).

Ich wünsche Euch einen guten Wochenanfang. Bitte habt Verständnis, wenn ich nicht sofort auf Kommentare reagiere, da ich unterwegs sein werde, um mich um meine Gesundheit zu kümmern. 😉 Ihr wisst, wie das ist: Wer sich selbst liebt, sorgt gut für sich.

Passt gut auf Euch auf und bis in einigen Tagen (vergessen wir die LIEBE und den Frühling nicht …;-) ).

Eure Sylvia Kling

Fenster


Heute habe ich ein besonderes Gedicht für Euch. Es handelt sich um Auszüge aus meinem Leben als Frau in der DDR – bis heute, in Verse gepackt – eine meiner Arbeiten, in denen mein Ich ausnahmslos im lyrischen Ich steckt.
Es ist ein wenig länger, aber es erzählt. Vielleicht erkennt so manche Frau sich in einigen Phasen wieder. 😉

Zum gestrigen Frauentag veröffentlichte ich dieses Gedicht auf Facebook.

Viele Frauen hatten ihr Leben lang schwer zu tragen: Kindererziehung, Berufstätigkeit, Haushalt, später dann die Pflege der Eltern und so manche Frau, die ich kenne, kämpft in der wunderschönen Herbstzeit des Lebens noch gegen eine Krankheit an.

Für mich braucht es keinen besonderen Tag, allen Frauen Respekt zu zollen. Jeden Tag sollten wir unseren Frauen Aufmerksamkeit und Achtung gegenüberbringen!

Fenster

Erste Jahre auf dem Dorf,
hinter Mauern,
doch ruhig, entspannt,
ich habe Fahrrad fahren
gelernt,
beinahe steckte ich
eine Scheune in Brand,
dann die Stadt,
hektischer,
doch belebter, bunter,
heiße Sommer,
eisige Winter,
Friedhöfe, Parkanlagen,
für ein Mägdelein war
ich recht munter,

Plattenbauten,
laut, dünnbautig,
Bohrmaschinen
(nach dem Weihnachtsfest),
heimliches Erkunden
von Ruinen,
Gärtchen zum Kirschenklauen,
alte Herren,
die lauerten,
um mir fleischigwulstig
auf die Finger zu hauen,

ein ständiger
Wandel, einmalig,
trotz mancher Prügeltracht,
Nachbars Sohn hat sich
mit dem Gasherd
wegen seiner Freundin
umgebracht,
blanke Fenster holten
mich nicht raus aus
dem Elternfrust,
ich flüchtete,
hinaus ins Leben
im Osten,
schlug doch ein Freiheitsherz
in meiner Brust,

Lehre,viele
hochdotierte, ach so
kluge Juristen,
die mit den Gesetzen
und den vielen Fristen,
und die Winter und
die Sommer und
die Herbste vergingen,
immer wieder Arbeit,
bis drei Kinder
endlich an mir hingen,

ja, so brachte ich
die Kinder, die ich
liebe
auf gerade Bahn,
sah durch blanke
Fensterscheiben –
und ich pfiff auf den
frühen Plan,
die Winter wurden
milder und die Sommer
heißer,
und mit jedem verwehten
Herbstblatt wurde meine
Stimme leiser,

da kam ein Weh und
Leid dahergeschlichen,
als wär das elend,
nicht so freie Leben
aus meinem reifen
Weiberleib gewichen,
ich bin gefallen,
musste liegenbleiben,
nicht mal die Fensterscheiben
konnt ich blanke reiben,

da war sie also nun,
meine weite Welt,
die Sommer kamen,
die Winter gingen,
mein Leben hat sich
einfach tot gestellt,
die Mauern im Osten
waren längst
schon abgeschafft,
und ließen eine alte
Ossifrau zurück,
so ohne Kraft,

doch komm ich nun zum
Ende mit diesen
Peinlichkeiten,
Mensch, waren das
verrückte Jahreszeiten!
Und wenn mich heute
einer fragt,
was ich die fünfzig
Jahre so gemacht,
da sag ich (lachend):
«Viele Fenster geputzt.
Es war auch wirklich
angebracht!»

(c)Sylvia Kling

Das kleine WortZwinkern am Ende beschreibt meinen ganz eigenen Humor.

Vorbereitet wird dieses Gedicht für
meinen Lyrikband „Von Morgenseelen und Eisbrecherferne“ (Veröffentlichung 2018 geplant)

Wie immer der Hinweis: Das Kopieren und Weiterverwenden ohne meine Zustimmung ist untersagt!

(piqs.de ID: 75e4500f5af837e23c343223ed56a804)

Foto: http://piqs.de/fotos/148384.html
Lizenz: Creative Commons License
Fotograf: Bachmont

Ich wünsche meinen Freunden, LeserInnen und BesucherInnen einen guten Wochenausklang und schon jetzt ein wunderbares, erholsames Wochenende. Passt gut auf Euch auf.

Eure Sylvia Kling

Die Zwei-Varianten-Verserei (Heimat) und du einst verträumtes Tal, wie trägst du diese Last?


Die Zwei-Varianten-Verserei
(Heimat)

Geboren bin ich um Dresden –
in Sachsen,
50 Jahre war der Heimat ich zugetan,
vom Heimatgefährt sind gebrochen
die Achsen,
so such ich neue Lebensbahn.

Geboren bin ich um Dresden –
in Sachsen,
einst wollte gar ich hier sterben,
vom Heimatgefährt sind gebrochen
die Achsen,
so werd ich vorm Tod hier verderben.

(c) Sylvia Kling

„Der Mann sah zu mir, beugte sich zu seiner Beifahrerin herunter und sagte deutlich vernehmbar, mit Blick in meine Richtung: „Jetzt fahren diese Ausländerschlampen schon unsere Autos.“
Mit aggressivem Blick begutachtete er mich. Die Freundin sah angewidert zu mir herüber und lachte abfällig.

Er ging um mein Auto herum, sah mein Kennzeichen, stellte sich dicht an dieses und spuckte lautstark und demonstrativ vor sich hin.“

Wer mehr darüber lesen möchte, folge mir bitte hier entlang:

https://wiedaslebenklingt.wordpress.com/2017/03/04/alltag-in-sachsen-einer-an-den-ich-mich-nie-gewoehnen-werde/

Jedem dürfte klar sein, was Menschen in Sachsen zuweilen blüht, sind sie tatsächlich nicht in Deutschland geboren.

Du einst verträumtes Tal, wie trägst du diese Last?

Sachsen war immer meine Heimat. Ich wurde in Radeberg geboren, wohnte über 40 Jahre in Dresden und liebte diese Stadt. Wie es für mich ist, wenn ich in diesen Jahren nach Dresden fahre, habe ich mehrfach mit einem poetischen Gewand bekleidet – wie hier:

dresden

– enthalten in „BruchStücke“, Band II).

Auf Facebook schrieb ich vor über einem Jahr:

„In Sachsen sind meine Wurzeln, an Dresden hängt noch immer mein Herz.
Als ich kürzlich am Abend durch Dresden fuhr, kamen mir vor Rührung die Tränen.
Eine Stadt – trotz aller Widrigkeiten voller Charme, eine noch ungebrochene Schönheit, eine Stadt der Kunst und Kultur.
Sie hat sich erkältet, leidet unter einem Virus-Infekt. Für sie gibt es kein Antibiothikum, kein Wundermittel. Liebe und Fürsorge könnten sie wieder heilen.
Momentan zittert Dresden noch in braunbeperlter, schwachgeistiger Nässe.“

Leider bedarf es immer wieder dieser Hinweise:

Das Kopieren oder die Weiterverwendung der Gedichte ohne meine Zustimmung ist ausdrücklich untersagt! Ich verweise auf das Impressum und die Seite „Zu meiner Person“.

Das Frühlingsgedicht wird natürlich nicht vergessen. Ich warte auf die wiederkehrenden Sonnenstrahlen. Meinen Freunden, LeserInnen und BesucherInnen wünsche ich eine angenehme Woche.

Eure Sylvia Kling