Frieden ist oder: «Der Weihnachtsmann braucht ein Navi!»


Auszug aus meinem Lyrikband «Aufbruch»:

https://www.amazon.de/AufBruch-Sylvia-Kling/dp/3741883875/ref=sr_1_2?ie=UTF8&qid=1513442572&sr=8-2&keywords=Aufbruch+von+Sylvia+Kling

 

Liebe Freunde, Leser, Besucher und lieber Holger,

dieses Jahr zu Weihnachten kehren in mir die Erinnerungen an frühere Weihnachten ein – und die Sehnsucht nach einer Wiederkehr. Etwas melancholisch denke ich an die Schwibbögen, die meine Mutter in unserer Neubauwohnung in Dresden-Süd aufgestellt hat, an die Räuchermännchen in unzähligen Formen und Farben, an die Holzfiguren, Strohsterne, an die echten Kerzen am Weihnachtsbaum.

Am Weihnachtsabend bekam ich ab einem gewissen Alter Geschenke zur «Aussteuer», d.h. mundgeblasene Gläser, Bettwäsche, Handtücher u.a., damit ich schon etwas für den späteren Hausstand vorrätig habe. Aber auch persönliche Geschenke kamen nicht zu kurz. Ein, zwei Geschenke, die von Herzen kamen und über die wir uns freuten. Meine Mutter gab sich stets besondere Mühe beim Weihnachtsteller, der mit vielen Leckereien aus der DDR-Süßwarenfabrik Zeitz gefüllt war, mit Tannenzweigen, Mandarinen (die mussten rechtzeitig erstanden werden, denn sie gab es teilweise nur auf Zuteilung) und Nüssen.

Wenn meine Oma mir Socken strickte, habe ich so getan, als ob ich diese als unentbehrlich und wunderschön empfand. In Wirklichkeit überlegte ich, wie ich sie vor meinen Freundinnen am besten verstecken könnte, um mich nur nicht zu blamieren.

Wir hatten nicht viel. Doch wir hatten Stille, sogar Sicherheit und Liebe.

Heute würde ich sonstwas für ein paar dieser Socken meiner Großmutter oder für das Weihnachten von einst geben.

Draußen lag meist Schnee und wir verabredeten uns zum Gleitschuhlaufen. Ich lief sogar ohne Hand- Knie- und Ellenbogenschützern. Helm hatte ich auch keinen auf. Ich weiß gar nicht, wie das meine Mutter überlebte ;-). Wir gingen in den nahegelegten Park zum Schlittenfahren und nicht selten kam ich mit einem kaputten Schlitten zurück – in Angst vor der Schimpfe, die ich dann auch bekam, weil ich mir meist ziemlich weh getan hatte. 🙂

Am ersten Weihnachtsfeiertag freuten wir uns auf die Sendung im DDR-Fernsehen: «Zwischen Frühstück und Gänsebraten» mit Heinz Quermann und Margot Ebert. Mein Vater und ich saßen gespannt davor, aus der Küche drang der Duft der Weihnachtsgans und meine Mutter kam immer wieder in die Stube, um auch etwas von der beliebten Weihnachtssendung zu erhaschen.

Ab September schon sehen uns im Handel die Weihnachtsmänner an. Da ist der Sommer gerade noch dabei, sich bis zum nächsten Jahr zu verabschieden, werden wir mit Weihnachtskonsum gelockt. Als ob das nicht noch Zeit hätte! Will man die Menschen damit absichtlich stressen?

Heute blinkt spätestens Mitte November an den Häusern die Weihnachtsdeko. Oft sind die Häuser und Außenbereiche so mit Lichtdeko vollgepackt, dass es mir zu aufdringlich und kitschig ist. Vieles davon sehen die Leute gar nicht selbst. Wahrscheinlich ist es ein Zeichen von Wohlstand für die Nachbarn. Gummiweihnachtsmänner, Weihnachtsmänner, die an Häusern empor klettern, riesige Schwibbögen, fast so breit wie die Häuser und ich bin so belichtet, dass ich eigentlich nur noch nach Hause möchte.

In Städten sind die Menschen nervös, gereizt und gestresst und kaum hört man noch Kinder Weihnachtslieder vor sich hin summen.

Am Weihnachtsbaum hängt die LED-Beleuchtung – die ist nicht so gefährlich. Denn sind wir alle ausreichend versichert? 😉

Ist Weihnachten eigentlich so noch schön? Früher klopfte der Weihnachtsmann an der Tür. Ist das Glöckchen ertönt, beschleunigte sich unser Herzschlag. Heute muss er sich wahrscheinlich durch das Lichtgedöns kämpfen und benötigt ein Navigationssystem.

Kommt es nur mir so vor oder ist viel von dieser Freude verloren gegangen – obwohl es überall glitzert und leuchtet?

Wir waren im Besitz einer Schallplatte «Peter Schreier singt Weihnachtslieder» und im frühpubertären Alter machten wir uns darüber lustig. «Peter Singer schreit Weihnachtslieder» scherzten wir, weil der Gesang von Schreier «etwas für Omas war». Heute höre ich Weihnachtslieder von Helene Fischer und sehe, wie viele Musiker sich an modernen Weihnachtsliedern versuchen, für meine Begriffe jedoch kläglich scheitern. Zu viel Mainstream, zu flach, zu wenig ernst gemeint – zu künstlich und stiliert.

Und da wünsche ich mir Schreier zurück.

Wir sangen früher, spielten Flöte oder ein anderes Instrument. Heute gibt es dafür eine App. Das Handy ist Ersatz für vieles.

Alles ist irgendwie perfekter als damals. Aber es ist platt, innerlich leer.

IM VIELEN HABEN 

VERLIERT SICH UNSER SEIN.

Und dann wäre der Frieden, der uns abhanden gekommen ist. Der Frieden in uns.

Hoffen wir, dass sich die Menschen wieder mehr darauf besinnen, dass wir ohne Frieden nicht leben können.

Dieser beginnt im eigenen Herzen, in den eigenen vier Wänden, im Umgang mit den Nachbarn, im kurzen Gespräch mit der Verkäuferin, im Lächeln, welches wir der Krankenschwester für ihre Mühe schenken, im freundlichen Wort für den Postboten – in so vielen alltäglichen Momenten, die wir oft gar nicht mehr bewusst erleben in der Schnelllebigkeit der Zeit.

Nur, was im Kleinen Bestand hat, kann zu etwas Großem werden.
In diesem Sinne wünsche ich allen eine besinnliche und friedliche Vorweihnachtszeit.

Ich bedanke mich für Eure Treue in diesem Jahr und wünsche Euch von Herzen Gesundheit – und Frieden im Herzen.

Eure Sylvia Kling

Update am 17.12.2017:

Liebe Leser,

als Ergänzung möchte ich hinzufügen:

Vielleicht hatte ich es nicht ausreichend herausgestellt: Ich hatte sehr jung zwei Kinder und auch als Mutter viel Arbeit. Selbst da war mir Weihnachten keineswegs so stressig und beladen vorgekommen wie es heute der Fall ist.

Ich hatte nicht – wie viele Mütter heute – ein Auto, um die Kinder in die Einrichtungen zu schaffen. Ich stand um fünf auf, um den Ofen anzuheizen, die Kinder zu Fuß oder per Bahn und Bus in die Einrichtungen zu bringen, um 7 Uhr auf der Arbeit zu sein. Oft arbeitete ich bis kurz vor Weihnachten. Dennoch: Weihnachten war nicht derartig konsumträchtig. Geldmangel hatte ich oft – als alleinerziehende Mutter – und doch war genug da: Zeit (Entschleunigung) und Liebe. Und darum geht es.

Ein Kommentar eines Facebook-Freundes Axel S. bringt mich zum Nachdenken:

« Als um die Weihnachtszeit das Staunen und die innigliche Stimmung noch vorhanden waren – auch da hat man schon gewusst, wieviel Lüge hinter diesen Geschichten steckt. Aber es gab viele, die das Ritual liebten und auch praktizierten. Auch heute versucht man sich darin – aber die Umstände haben sich gänzlich geändert: kollektiv ist das Grauen in der Welt bekannter, die Informationsflut massiver, die berufliche Unsicherheit höher, die Selbstdarstellung im Vordergrund … alles unter dem Druck einer rasend schnellen Technikentwicklung … Roboter steuern die Kurse an der Börse, Autofahrer bekommen Angst, wenn die Abstandserkennung piept, die Handy-Gesichtserkennung wird gängig, … umso heftiger und surrealer wird der Wunsch/die Sucht nach Ruhe … die Zahl der Flüge ins Ausland steigt, man freut sich über die neu festgelegte Ausland-Flatrate … es ist das ‚Laufen des Hamsters im Rad‚ …»

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Ist es


Liebe Freunde, Leser und Besucher, lieber Holger,

mit diesem Gedicht wünsche ich Euch noch eine schöne Woche und möglichst stressfreie Weihnachtsvorbereitungen. Bevor es für mich ab Januar 2018 in die Phase des «Ärztemarathons» geht (zur Vorbereitung auf die Operation im Februar und anschließende REHA), werde ich die Wochen im Dezember mit meiner Familie noch zu genießen wissen.

Seit heute habe ich ein Autorenprofil auf Amazon – man kann mir auch dort folgen:

https://www.amazon.de/Sylvia-Kling/e/B078788FGZ/ref=ntt_dp_epwbk_0

Vielleicht sucht Ihr noch nach einem Geschenk für jene Lieben, die sich an Büchern erfreuen können?

Mein Buch «Von Morgenseelen und Eisbrecherfernen», auf welches ich wegen der intensiven Arbeit des Lektors und meiner Wenigkeit besonders stolz bin, findet Ihr hier:

https://www.amazon.de/Von-Morgenseelen-Eisbrecherfernen-Sylvia-Kling/dp/3745053419/ref=pd_rhf_dp_p_img_5?_encoding=UTF8&psc=1&refRID=GXSDV0VVXWZ028PNJ62K

Wie auf dem Buchdeckel u.a. beschrieben steht:

«Sorgsam befühlt die Autorin das scheinbar in Stein Gemeißelte, reibt sich daran, schleift es behutsam oder spaltet es krachend – setzt es neu zusammen.»

So wird es immer sein, liebe Freunde. Dazu stehe ich und sobald ich mich aufmache, meinem Inneren nicht mehr zu folgen, dafür jedoch dem Mainstream, könnte ich mir im Spiegel nicht mehr in die Augen sehen.

Eine Rezension zum Buch:

 

«Sylvia Kling gelingt es zu berühren, zu bewegen. Es sind zeitlose Texte und sprechen tiefe Themen an. Dinge die bewegen, damals, heute, morgen. Sie regt zum Nachdenken an, ohne erhobenen Zeigefinger. Sie erinnert daran, Gewisses nicht zu vergessen und auch mal inne zu halten und in sich zu blicken. Es ist gewiss ein Buch, dass ich häufiger zur Hand nehmen werde und auch mal daraus rezitieren. Ich persönlich kann es sehr empfehlen!»

Bitte bleibt gesund und passt gut auf Euch auf.

Eure Sylvia Kling

 Update 15.12.2017:

Aus persönlichen Gründen bleibt die Kommentarfunktion vorerst deaktiviert.

Bei Nachrichten/Anfragen bitte ich darum, meine veröffentlichte E-Mail-Adresse zu nutzen. 

Vielen Dank!

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Geh nicht!


Foto und Text:
©Sylvia Kling

 

Von mir gelesen hört Ihr das Gedicht mit Instrumentalbegleitung nochmals hier (aus einem Live-Mitschnitt):

Liebe Freunde, Leser, Besucher und lieber Holger,

mit diesem Gedicht wünsche ich Euch einen gelungenen Wochenbeginn. Schon ist der erste Advent vorüber. Jetzt beginnt die Zeit für Liebe, Besinnlichkeit, Entschleunigung und ausgedehnte Spaziergänge, die sich besonders in der Abenddämmerung lohnen, wenn in uns die Lichter der weihnachtlich geschmückten Häuser ein Gefühl der Freude erzeugen vermögen . So empfinde ich es zumindest.

Am Sonntag besuchten wir mit Freunden einen kleinen Weihnachtsmarkt in Sachsen. Die größeren meide ich momentan – nicht aus Angst vor Anschlägen, sondern, weil es mir keinen Spaß macht, an den Buden «vorbeigeschoben» zu werden und kaum noch etwas wahrnehmen zu können, was mich tatsächlich an Weihnachten erinnern mag. Der schöne Striezelmarkt in Dresden ist für mich schon seit Jahren kein Ort mehr, an welchem ich noch gern verweile: überladen mit Buden, teilweise zu fettigem und «altöligem» Essen (wovon mir meist übel wird 😉 ) und überfüllt mit Menschen.

Da kommt in mir kein wirklich weihnachtliches Gefühl auf.

Herzliche Grüße an Euch und passt wie immer gut auf Euch auf!

Eure Sylvia Kling

November(ver)Lauf oder: Wenn wir durch Klänge, Farben und Sehnsüchte reisen


 

Kaum ein Vöglein noch
in den Ästen singt,
Blätter müde fallen,
als sei es ihnen schwer,
schon am Nachmittag
mich Dunkel
unliebsam umringt,
matt und träge bin ich,
bleich und leer.

Schön war es im Sommer,
wo der Morgen erzählte
verheißungsvoll vom Tag,
vom Grün und Licht,
wie sich jede Stunde sorgsam schälte,
die Sonne legte über mich
die SorglosSchicht.

In mein Herz
schleicht sich NovemberKummer,
und schlau kramt jedes
Böse des Jahres in den Wunden,
schön wäre gar ein WinterSchlummer,
bis die Blümchen und ich
Lebendigkeit bekunden.

©Sylvia Kling

©Uwe Richter – ich empfehle Euch seine Webseiten: http://uwerichtersfotoblog.wordpress.com/ und http://minoltagrafie.wordpress.com/

Mein Buch ist hier erhältlich:

https://www.amazon.de/Von-Morgenseelen-Eisbrecherfernen-Sylvia-Kling/dp/3745043480/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1510488849&sr=8-1&keywords=Von+Morgenseelen+und+Eisbrecherfernen+Sylvia+Kling

oder unter der ISBN  

  • ISBN-10: 3745043480
  • ISBN-13: 978-3745043488

                in Buchhandlungen zu bestellen.

 

Liebe Freunde, Leser und Besucher, lieber Holger,

gern möchte ich Euch noch etwas über neue Projekte erzählen.

Vor einigen Tagen schickte ich dem Musiker «unErhört» einen Songtext von mir. «Der Narr» heißt dieser Text. Darin geht es um einen Mann, der alles verloren hat. Eine Geschichte, die unter die Haut geht.

Gespannt wartete ich auf die Reaktion von Thomas. Der Songtext hat ihm sehr gut gefallen – einige kleine Änderungen (vor allem im Refrain) und schon setzte sich Thomas an die Komposition. Das erste Ergebnis, welches er mir gestern schickte, hat mich schon berührt. Es ist faszinierend, eigene Texte in Musik gefasst und mit der Stimme von eines Sängers/einer Sängerin zu hören.

Gestern entschlossen wir uns, dass meine Lesung «Poetisch-musikalische Szenen» im Herzen Dresdens am 10.12.2017  erstmalig mit dem Programm «Die Spuren entschlüsselt der Blinde» ausgefüllt wird.

Es ist eine Reise durch Fühlen und die Erinnerung, Farben und Klänge, Sehnsüchte.

Dabei vergessen wir nicht jene, die wir lieben und nicht an solchen Tagen an unserer Seite sein können.

Doch nun beginnen unsere Proben dazu – Gedichte und Musik müssen gut aufeinander abgestimmt sein.

Die Veranstaltung (und den Link zur Veranstaltung auf Facebook) findet Ihr hier:

https://sckling.wordpress.com/lesungentermine/

Ich wünsche Euch noch einen wunderbaren Sonntag im November. Dieser düstere Monat kann uns nichts anhaben, oder? Schließen wir ihn einfach in unsere Arme. Erholt Euch gut und genießt die Zeit der gemütlichen Stunden bei Kerzenschein und einem Tee (bei uns in Sachsen ist ja ein «Scheelschen Heeßes» unverzichtbar 😉 ).

Passt gut auf Euch auf, Ihr Lieben!

Herzlichst,

Eure Sylvia Kling

 

 

 

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Heidebrand und «Die Spuren entschlüsselt der Blinde»


 

Im grünsten Grün der Heide
um Dresden, dort so genannte,
da suchte ich eine Bleibe,
weil Trauer in mir brannte −
geflohen vor Tyrannen,
die Wahnsinn nur verkünden
und Schändlichkeiten spannen
um unsre Welt, und zünden −

geschickt in Niedertracht
mit (oder auch ganz ohne)
üblicher GottesWacht,
so Hässlichkeit sich klone −
da also ließ ich mir schmeicheln
vom grünsten Grün der Heide,
vom SommerWind mich streicheln
und wünschte, dass ich treibe −
mit der Natur Geschick
weg von der NarrenBrust,
der Welt bricht das Genick,
ich fühle den Verlust −

ach, bin ich heute dramatisch
im grünsten Grün der Heide,
ich lasse andre fanatisch,
(vom Grün ich lieber schreibe) −
und wenn der Irren Geläute
mit Waffen und Morden und Toten
nicht warnet die ErdenLeute,
die im Hasse sich verknoten −

so lieg ich mit FieberAsche
im grünen HeideLand,
und tränend aus mir wasche
des Menschen UnVerstand.

©Sylvia Kling

Auszug aus „Von Morgenseelen und Eisbrecherferne“ – Veröffentlichung im November 2017

Liebe Freunde, Leser und Besucher,

trotz aller Widrigkeiten sind wir bestrebt, den Termin zur Veröffentlichung meines fünften Buches nicht nochmals zu verschieben. Ich freue mich sehr, wieder den Düsseldorfer Künstler Khalid Aouga gewonnen zu haben, die Zeichnungen für dieses Buch anzufertigen.

Es gibt weitere Neuigkeiten:

Wir – der Gitarrist Volker Wolfram und ich –  tragen der Tatsache Rechnung, dass sich die Menschen in diesen unruhigen Zeiten nach Erholung und Zerstreuung, fern alltäglicher Belastungen, sehnen.

Diese werden unsere Gäste im folgenden Programm erfahren. Viele Gedichte werden mit Instrumentalbegleitung gelesen.

Die Spuren entschlüsselt der Blinde

Die Suche von Sylvia Kling nach Sinn, Substanz und Beständigkeit sowie nach Farben, Klängen und unverstelltem Sein werden von ihrer Intuition, der unsterblichen Hoffnung und Liebe geleitet.

Mit geschlossenen Augen, den Blick nach innen gerichtet, findet sie mit ihren Worten immer wieder die Wege zurück nach draußen: ins Leben, die Heimat, die Natur.

Dem Gitarristen Volker Wolfram gelingt es, vor der Poetin Worte einen musikalischen Teppich auszurollen, der, sobald diese dort Platz genommen haben, zu schweben beginnt und sich auf die Reise begibt, die geschlossenen Augen des Herzens zu öffnen.

 

Weitere Programme sind hier einzusehen.

 

 

Hinweise zum Urheberrecht:

Zeichnung: © Khalid Aouga

Weitere Hinweise sind aus dem Impressum zu entnehmen.

 

«Die Erwachten» (Tierisch nachgewählt) und hereinspaziert in die Hör- und SehBar, liebe Leute!


Die Erwachten

Die Spatzen pfeifens schon vom Dach:
Die Geier und die Krähen,
beginnen schon zu spähen –
In Deutschland sind jetzt alle wach!

Es schwirrt und fliegt und tiriliert,
was Schnäbel, kleine Hirne hat,
wie krächzt es wild – landesweit,
dass es sogar die Würmer friert!

Die Würmer sahen es nicht ein,
der Erde abzuschwören,
sie ließen sich nicht stören,
sie wollten schließlich nützlich sein!

An Macht sich mächtig weiden –
die Vögel – weiter fliegen,
sie wollen alle kriegen,
die Würmer sollen leiden!

DIE müssen viel mehr fressen,
an Kraft sei zu gewinnen,
man muss sich auch besinnen,
im Schlafe wards vergessen!

Die Spatzen pfeifens schon vom Dach:
Die Großen und die Kleinen,
die ernst es wirklich meinen.
Jetzt ist in Deutschland alles wach!

©Sylvia Kling

«Tierisch nachgeWÄHLt»

Auszug aus dem 2018 erscheinenden Buch «Als die Amsel verstummte»

Liebe Freunde, Leser und Besucher,

heute ist es wieder einmal soweit – welche Freude: Ich habe einen Tag Internet und so packe ich einiges in diesen Beitrag hinein.

Aus dem Live-Mitschnitt in Leipzig (29.09.2017) könnt Ihr hier drei Stücke hören:

«Geh nicht» – Interpretin: Sylvia Kling/Text: Sylvia Kling/Musik: Volker Wolfram

 

«Unter den Helmen» («Die Verborgenen») – Interpret: HC Schmidt/Musik: Volker Wolfram/Text: Sylvia Kling

 

«Von der Fragenden» Interpret: HC Schmidt/Musik: Volker Wolfram/Text: Sylvia Kling

 

Alle drei Stücke liegen auch als «ogg-Datei» vor – in diesem Fall bitte aufrufen:

http://www.volker-wolfram.de/menu/jigsaw.php

Rechte Seite – unter „Live aus Leipzig“ –

Wer HC Schmidt mit der Interpretation «Die Verborgenen» gern mal sehen möchte und mich daneben lauschend (der Gitarrist ist leider im Video verdeckt), sehe gern hier hinein:

Ich wünsche Euch noch eine wunderbare Woche und wie immer: Passt auf Euch auf!

Eure Sylvia Kling

«Ostwestalgisch» oder Die Eierschecke der Sachsen ist in Gefahr!


 

OstWestalgisch

Was wir alles schon vergaßen,
was wir in den Büchern lasen,
welche Lieder wir einst sangen,
wie der Lehrer Worte klangen,
Badeöfen und feuchtkalte Räume,
auch freiheitliche Träume,
große Schritte auf rotem Asphalt,
Großvaters kriegsgebeugte Gestalt,
Kritiker hinter Gittern saßen,
was wir alles schon vergaßen,

Marx und Engels als Steinmonument,
rote Lieder, das blaue Hemd,
Mauern rings um unser Land,
in dem sich ein klammes Regime befand,
immer Arbeit, hausreiche Kost,
gebogene Balken und Nägel mit Rost,
von Unzufriednen Klagen und Stöhnen,
hinter verschlossenen Türen Verhöhnen
der Sozialistischen Einheitspartei,
und deren Diktat− so wenig frei,
immer diese zwanghaften Phrasen,
was wir alles vergaßen,

als die Mauer endlich fiel,
beendet wars geduckte Spiel,
Häuser wurden hübsch saniert,
Eigentum zurückgeführt,
leise Stimmen wurden laut,
grüne Wiesen mit Kästen bebaut,
Ostbetriebe rasch ihr Ende fanden,
gesunde Menschen auf der Straße standen,
wo sie sich auf Ewig schämten,
sich als freie Greise grämten,
gutes Essen, nun recht teuer,
eine dicke Mehrwertsteuer,
Bananen endlich in Hülle und Fülle,
feine Kleider, edle Tülle,
was wir nur alles vergaßen,

Freiheit über alle Maßen,
eigene Kinder zurückgelassen,
um im Westen Fuß zu fassen,
da zahlte man hohe Preise,
für so manche weite Reise,
von zwei schwarz‐weißen Fernsehsendern
zu hunderten aus vielen Ländern,
in denen die Wahrheit kommt zu Wort,
auch Triviales findet sich dort,
wir müssen nicht mehr am 1. Mai zur Demo gehen,
für alles und nichts kann unsre Fahne wehen,
denn heute ist die Auswahl groß,
wir haben das vergessen bloß!

Wir sollten eben nicht vergessen…
«beim Hungern und beim Essen»,
auch wenn es uns erschreckt:
Heut und damals. Nichts ist perfekt.

©Sylvia Kling

Das Gedicht wird 2018 in meinem Buch «Als die Amsel verstummte» mit weiteren, ca. 120 Gedichten erscheinen und ist Teil des Programms «Poetisch-musikalische Szenen mit Zuckerbrot und Peitsche». Es wird  von HC Schmidt und mir gelesen – die Interpretation sollte man sich nicht entgehen lassen.

Liebe Leser, Freunde und Besucher,

es hat einige Tage gedauert, ehe ich das Wahlergebnis der Bundestagswahl verkraftet habe. Wie wir inzwischen alle wissen, erreichte die AfD in Sachsen die meisten Stimmenanteile (27%). Manche hatten dies, sowie das bundesweite Wahlergebnis, kommen sehen, manche waren auch überrascht. Wie es auch sei: Wir müssen das so akzeptieren. Inzwischen ist mein Fazit zu der hohen Prozentzahl der AfD-Wähler in Sachsen noch lange nicht abgeschlossen.

Nur eines ist sicher und wird von vielen dieser selbsternannten «ERFORSCHER» außer Betracht gelassen: Ein erheblicher Grund reicht bis in die DDR zurück!

Wie kann das sein? Die Wende ist doch schon so lange her?  Ich bin keine Politikerin, keine Journalistin. Doch ich lebe seit 50 Jahren in Sachsen, bin in der DDR aufgewachsen, habe die Wende und damit auch die Sorgen und Ängste der Menschen in und um Dresden hautnah erlebt. Ich höre auch heute noch zu!

Es ist den ehemaligen Bürgern der DDR kaum Zeit für eine Aufarbeitung gegeben wurden. Die Wende war von ihnen gewünscht: sicher. Doch kaum war sie vollzogen, sind die ehemaligen DDRler mit einem völlig fremden System konfrontiert worden, welches sie nicht einmal im Ansatz kannten. Gerade im «Tal der Ahnungslosen» (Dresden und Umgebung) war es nie möglich, den Medien in der BRD zu folgen. Man kannte nur die Fernsehsender «DDR 1» und «DDR 2», man kannte nur die Berichte aus der Fernsehsendung «Der schwarze Kanal» und den Nachrichten, in welchen die BRD, der Kapitalismus, verteufelt worden sind. Man lebte eingesperrt, konnte außerhalb der Wohnung (und nicht einmal dort war man sicher!) keine Systemkritik üben, man konnte keine anderen Länder außer die sozialistischen Staaten besuchen. Selbst wenn ich als Volljährige zu meiner Verwandtschaft nach Ungarn fahren wollte, brauchte ich meinen Vater als Bürgen. Beim Meldeamt in Dresden musste dieser erscheinen und erklären, dass ich systemtreu sei und nicht im Geringsten die Absicht habe, die DDR zu verlassen. Betrieben wurde dieses Vorgehen von der Stasi oder denkt hier jemand, die hätten bei solchen beabsichtigen Reisen nicht ihre Hände im Spiel gehabt?

Wir wussten nicht, wie es draußen in der Welt zuging. Wir wussten gar nichts. Wir wussten, dass wir uns schnell in die Spur begeben mussten, wenn es einmal im Quartal Bananen im Angebot gab und uns stundenlang anstellen mussten, damit wir unsere Zuteilung für die Familie erhielten. Wir wussten auch, dass wir dennoch nie verhungern würden. Wir hatten unsere Arbeit sicher und keine erheblichen Sorgen:

solange wir dem Sozialismus treu waren und uns nicht mit der Stasi anlegten.

Das war unser Leben. Ein Leben in einem nicht einmal goldenen Käfig. Unser Blick im «Tal der Ahnungslosen» konnte sich nie wandeln. Er ging nur in eine Richtung. Er hatte keine Möglichkeit, sich für andere Länder, andere Sitten, andere Gegebenheiten, andere Gesellschaftsordnungen zu öffnen. Und nun kam alles ganz anders. Viele Bürger haben mit der Wende ein wesentlich besseres Leben erhofft. Reisen war nun endlich möglich und eine Demokratie. «Leise Stimmen wurden laut» schreibe ich hier in meinem Gedicht «Ostwestalgisch» .

Ja! Endlich war es möglich, sich mit gut duftenden Lebensmitteln zu versorgen, die man zuvor nur aus dem Intershop kannte! Ich selbst ging als junges Mädchen oft in den Intershop – nur um diesen «sauberen» Geruch wahrzunehmen und diese Vielfalt hatte für mich den Anschein eines Schlaraffenlandes: weg von dem Grau-in-Grau unserer Kaufhallen in das Bunte, in das Leben hinein. Geld hatte ich keines, mir dort etwas zu kaufen. Doch oft träumte ich von den runden, bunten Kaugummis.

Die Wende war ein wahres Fest. Doch es kam bald die Ernüchterung: Arbeitslosigkeit, geringerer Lohn, geringere Rente, hohe Mieten und vieles mehr.

Für viele Menschen begann ein Verlust der eigenen Identität!

Soll all das eine Rechtfertigung sein? Mitnichten! Aber wenn wir etwas verstehen SOLLEN, dann sollten wir uns schon die Mühe machen, es verstehen zu WOLLEN.

Ich vergleiche es mit einem eingesperrten Menschen: Jahrelang ist er im Keller eingesperrt und dann wird er frei gelassen. Was glaubt Ihr, was dann passiert? Er freut sich auf die Freiheit, das Licht blendet ihn, die Gerüche der Freiheit benebeln seine Sinne.

Doch es wird nicht lange dauern, dass er eben mit dieser Freiheit überfordert sein wird: mit der Vielzahl der Eindrücke, mit völlig neuen Lebensumständen. Er muss sich neu orientieren. Er war ein Opfer! Und: Er braucht Hilfe!

Genau diese Hilfe ist den Menschen im «Tal der Ahnungslosen» und allgemein in den neuen Bundesländern nicht ausreichend zuteil geworden. Ruckzuck – und fertig!

Aus dieser «Opferhaltung» haben sie nie herausgefunden!

Nun keimt in diesen Zeiten in den Menschen Angst auf, wieder einzubüßen, wieder benachteiligt zu werden, wieder um alles kämpfen zu müssen. Mit diesen Sorgen werden sie allein gelassen. Die etablierten Parteien pfeifen auf den Osten – für sie scheinen die Ostler nur geduldet – nicht jedoch ernst genommen, nicht gehört. So formieren sie sich auf der Straße und Parolen mit dem nicht gern gehörten sächsischen Dialekt gehen durch die Presse. Der Sachse wird belächelt, sogar massiv ausgelacht – zumeist nicht grundlos. Auch ich schäme mich nicht selten für die Kleingeistigkeit mancher Sachsen!

Viele Spekulationen werden durch die sozialen Medien gejagt. Manche wollen sich mit diesen profilieren, manche wollen einfach nur die Hintergründe erforschen. Warum jetzt erst? Warum macht man sich erst dann die Mühe, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist?

Mein Aufenthalt auf Facebook wird sich auf Grund der Vielfalt der Säue, die wöchentlich «durchs Dorf gejagt werden» deutlich verringern. Am 26.09.2017 postete ich:

«“Achtung Urlauber: Sachsen ist ab sofort kein sicheres Reiseland mehr!“
Aber AfD-Wähler aus der Freundesliste „entfernen“! Ich las bei einem Freund sogar „Habe sie eliminiert.“ Ist Euch das nicht selbst zu blöd?
Oder dieser Ansgar Meyer, der Sachsen auf Twitter mit Atommüll vergleicht!
Ist noch alles okay?
Ihr seid keinen Deut besser mit solchen undifferenzierten Aussagen!
Ich möchte mit intelligenten Menschen befreundet sein!
Soll ich jetzt schreiben: „Wer nun Sachsen-Bashing betreibt, möge sich aus meiner Freundesliste entfernen“?»

Es gibt auf Facebook inzwischen einen Link, auf welchem man AfD-Liker unter seinen Freunden erkennt und diese dann aus der Freundesliste entfernt. Wie weit soll das alles noch gehen? Wer so etwas tut, hat nicht nur offenbar nie in einem solchen System gelebt, sondern riskiert, dass wir bald nicht mehr frei unsere Meinung kundtun dürfen! Ich, in der DDR aufgewachsen, äußerte mich auf Facebook dazu:

«Was, wenn der Spieß mal umgedreht wird?
Was, wenn uns hinter geschnüffelt wird?
Wer likt die Linke, wer likt die Homos, wer likt WAS?
DAS ist der entscheidende Punkt, Leute!
Ihr wollt Freiheit und Demokratie?
Diese könnt Ihr nicht nur für EUCH beanspruchen!
Lebt sie für alle.»

Das Niveau scheint sich auf Facebook immer weiter zu reduzieren. Ich möchte diesem Trend nicht folgen. Weiterhin bleibe ich mit meinen Freunden und den Künstlern verbunden, werde auch hin und wieder eine meiner Arbeiten/Links zu Videos o.ä. posten. Doch meine Zeit opfere ich nicht mehr für Menschen, die nur den «Like-Schalter»  betätigen oder dabei sind, die Säue bis hin zur Erschöpfung zu jagen! Ich möchte meine Kunst vor allem in der Realität darbieten und dort auch meine Kraft weiterhin für Werte wie Frieden und Menschlichkeit investieren.

Meine Leser wissen: Es fällt mir nicht immer leicht, hier zu leben. Und doch ist es meine Heimat. Ich habe 40 Jahre meines Lebens in Dresden verbracht: einer bezaubernden Stadt mit einer besonderen Geschichte. Sicher: Die Sachsen sind ein sehr eigenes Völkchen: Immer auf ihre Ruhe und Gemütlichkeit bedacht und alles, was dieser zu schaden droht, hat in ihrem Leben und Alltag keinen Platz. »Dor Kaffee un de Eierschecke und alles is guddi!»

In diesem Sinne, liebe Freunde und Leser – bleiben wir aufmerksam und folgen nicht nur dem Medienhype, sondern machen wir uns auch die Mühe, die Psychologie der Menschen nicht außer Acht zu lassen – denn bei allem politischen Gerangel ist diese ein entscheidender Faktor!

Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende,

Eure Sylvia Kling

 

«Sinn» und: Die Zeit der Kälte ist die Zeit für warme Herzen!


Sinn

Reichtum trägt einen dicken Mantel,
Armut in einem dünnen Kleide bleibt,
Schon immer war es so,
früher und es ist so in der neuen Zeit.

Zu jeder Zeit gibt es jene Seelen,
die den Armen sind sehr zugeneigt:
sie versorgen, ihre Kräfte gar entbehren,
wo sich Menschsein von seiner besten Seite zeigt.

Ich stelle mir vor in diesen Tagen,
wie es wohl ohne diese warmen Herzen wär,
jämmerlich würden Arme sterben
und Reiche hätte diese Welt noch mehr.

Was dann? Es würde kaum genügen,
die neuen Armen, sie wären die einst Reichen,
wer die Geschichte kennt, der weiß:
Gier ist des Menschen Markenzeichen.

So hoffe ich, solange wir Gäste auf der Erde sind,
wird es Hilfe geben – ohne Aussicht auf Gewinn,
Menschen, die andrer Menschen sich erbarmen,
und ihn erfüllen: den eigentlichen Menschensinn.

©Sylvia Kling

(Auszug aus dem 2018 erscheinenden Buch „Als die Amsel verstummte“ – Das Kopieren ist untersagt, siehe auch Impressum)

Liebe Leser, Freunde und Besucher,

Ich möchte heute noch nicht auf die Wahl eingehen. Wir werden in sozialen Netzwerken unentwegt damit konfrontiert. Natürlich bin ich auf die Ergebnisse (auch in dem rechtslastigen Sachsen) gespannt.
Doch lassen wir doch mal unseren Blick schweifen – dort hin, wo wir gebraucht werden: von Menschen, denen es nicht so gut geht wie manchem von uns. Für Menschen, die sich schon an einer Tasse Tee oder Kaffee, an einer heißen Suppe und einer warmen Behausung und ja: auch an einem Lächeln erfreuen.

Es wird wieder kälter und damit Zeit für offene Herzen!
Im vorigen Jahr sagte ich zu meiner Lesung in der Marienkirche Dessau inhaltlich, indem ich u.a. auf die Vorurteile vieler Leute zur Armut Bezug nahm:
„Es ist mir egal, wie es dazu kam, dass Menschen so arm sind, betteln zu müssen. Es IST Armut.“

(Eigentlich sagte ich ganz spontan: «Es ist mir wurscht.» 🙂 )
Denkt daran, wie viele sinnlose und unnötige Dinge wir in unserer Überflussgesellschaft kaufen und wie viel wir täglich entsorgen!
Haben wir da nicht die Mittel, den Armen einen Kaffee oder eine Stulle zu geben?

Foto: Sylvia Kling: Dresden 2016, Bautzner Landstraße – inzwischen ein beinahe gewohntes Bild in Großstädten

«Wir waren in einem kleinen Café.
2 Kunden kamen.
„5 Kaffees. 2 für uns, 3 zum spenden.“

„Was ist ein Spender-Kaffee?“, fragte ich.
„Warte ab!“

Mehr Kunden. 2 Mädchen bekamen ihre Kaffees, sie bezahlten.

Nach einer Weile bestellten drei Anwälte sieben Kaffees, tranken drei aber bezahlten für die sieben.

Während wir redeten, betrat ein armer Mann das Cafe.
Mit einer zarten Stimme fragte er: «Haben sie ein paar Spender-Kaffees?»

Diese Wohltätigkeit stammt aus Napoli (Naples, Italien).
Die Leute bezahlen die Kaffees und Mahlzeiten für andere Menschen, die es nicht können.»

Im Netz ist das Projekt hier zu finden:

http://suspendedcoffee.de/

Der Link für die offenen Herzen (Facebook):

Beitragsfoto: Sylvia Kling/Dresden – Bautzner Landstraße/2016

„Verlautbarung“ – das Älterwerden als Tücke oder können wir unseren Blick (ver)wandeln?


Du sehnst dich nach der Jugend,
wo nichts stille stand,
die Sterne golden dich umkreisten,
du sehnst dich nach der alten Kraft,
durch lange Nächte
schöne Träume reisten.

Du sehnst dich nach
dem unbeschwerten Fühlen,
in Ungebändigkeit so schön,
kein Sturz und Bruch,
kein elend Niederfallen
mit schmerzendem Gedröhn.

Du sehnst dich nach
der reinen Haut,
den jungen Brüsten,
so unverdorben weich,
nach ungestümen,
drängenden Gelüsten.

Du sehnst dich
nach dem NochNichtsAhnen,
nun ist der erste Kuss schon längst vergessen,
doch:

junge Boote kämen nicht
an deinem Schiff vorüber,
um mit deinen Segeln sich zu messen.

©Sylvia Kling

Auszug aus meinem Buch „BruchStücke“, Band I

https://www.amazon.de/BruchSt%C3%BCcke-Sylvia-Kling/dp/3741841145

Liebe Freunde, Leser und Besucher,

nach dem letzten Gedicht »Offenbarung (Morgenrot)« entstand eine unglaubliche Welle von Meinungen und Kommentaren, auch persönliche Mails erreichten mich. Ich bin froh, dass wir dazu imstande sind, das Thema des Älterwerdens miteinander zu diskutieren, Meinungen anderer zu respektieren.

Mit »Verlautbarung» schreibe ich im letzten Vers:

«doch junge Boote kämen nicht
an deinem Schiff vorüber,
um mit deinen Segeln sich zu messen.»

Das ist meine Sicht der Dinge. Mich zum Beispiel muntert es unglaublich auf (und ich habe einige gesundheitliche Probleme), wenn mir junge Menschen zuhören, wenn sie meine Meinung hören wollen. Oder wenn manche mich ignorieren (ja, selbst das), weil sie wissen, dass sie sich mit „meinen Segeln“ nicht messen können. Wenn ich weiß: Ich habe so viel schon erlebt, dass es für zwei Leben reichen würde und begegne anderen Menschen nicht mit Arroganz, sondern mit Reife und Weisheit.

«Glaubst du denn, die andern altern nicht?

Sie würden jeden Morgen fröhlich singen?

Sieh die Zeit einfach als Lebenston.

Würdevoll kann er nur durch dich erklingen.»

schreibe ich in dem Gedicht Zeitenlauf am Ende. Ist es so leicht? Setze ich hier einem Irrtum auf, meinem Wunschdenken, liebe Freunde und Leser?

Ich möchte in meinen Gedichten aufzeigen, aber auch aufmuntern – gelingt mir das? Wie könnte ich so anmaßend sein, dies zu glauben?

Männer und Frauen werden unterschiedlich alt.

Das ist beinahe doppeldeutig. Nein, ich meine nicht die Jahre, die sie erreichen. Um es eindeutig zu formulieren:

Es gibt zwischen Frauen und Männern im Alterungsprozess erhebliche Unterschiede. Habt Ihr Euch mit dieser Thematik schon einmal auseinandergesetzt?

Eine gute Freundin und Autorin berichtete mir, dass ihr Mann seit dem Wegfall (Renteneintritt) seiner Arbeit an Antriebslosigkeit – ja, teils sogar Depressionen – leidet. Sie schrieb weiter, dass es viele Männer um die 70 aus ihrem Bekanntenkreis betrifft. Warum das so ist – fragt man sich das auch? Werden wir nicht noch immer, in dieser fortschrittlichen Welt voller geistiger und wirtschaftlicher Reichtümer, mit Klischees konfrontiert? Der Mann muss stark sein («Indianer kennen keinen Schmerz»), er muss arbeiten:

Immerhin hat er seine Familie zu ernähren und daran hat sich in tausenden Jahren nichts geändert – man sehe auch auf die Gehaltsunterschiede in gleichen Positionen von Männern und Frauen (!), er muss bauen (das Nest) und er muss zeugen, für Nachwuchs sorgen, seinen Namen und seine Gene weitertragen.

Was geschieht jedoch, wenn all das nicht mehr Teil seines Lebens ist? Worüber definiert sich der Mann nun? Wie fühlt sich der Mann, wenn ihn die Gedanken ereilen, nutzlos geworden zu sein?

Die Frau:

 

Kennt Ihr das Buch »Frauen und Bücher» von S. Bollmann? Frauen waren die ersten, die Bücher lasen und von Männern und der Gesellschaft ausgelacht worden waren. Frauen waren bereit für tiefgründige Gespräche und Betrachtungen, Frauen wollten schon immer «mitmischen». Warum nicht?

Wir wissen: Fast jede Frau, die bis zum 50. Lebensjahr auf Grund gesundheitlicher Probleme ihre Gebärmutter oder/und den/die Eierstock/Eierstöcke verliert, fühlt sich nicht mehr «als richtige Frau». Sie weiß zumeist, dass sie ohnehin kein Kind mehr zur Welt bringen möchte, doch das ändert nichts an ihrem Gefühl. Mir persönlich ging es so. Ich war 43 Jahre alt und hatte bereits drei Kinder. Äußerst seltsam fühlte ich mich, wie «unvollständig», «unweiblich» – ja: alt. (Diese Gefühle hielten allerdings infolge der Verbesserung meiner allgemeinen physischen Verfassung nicht lange an.)

Die Frau weiß auch, dass das Klimakterium nicht mehr fern ist. Dieses ist wiederum häufig mit Gewichtszunahme, teilweise auch Depressionen und manchmal sogar mit sozialem Rückzug verbunden. Der eigene Mann dreht sich immer häufiger nach «Frischfleisch» um. Kein gutes – sogar ein erniedrigendes Gefühl für die Frau!

Die Frau jedoch sucht einen Arzt auf, bespricht es oft auch mit einem Therapeuten. Sie will darüber hinweg kommen. Sie will leben, erleben, sie will sich wieder gut fühlen – hat sie auch einige Kilos mehr auf den Rippen. Keine Frau möchte sich unattraktiv fühlen. Warum ist das so? Unattraktive Menschen werden in dieser Gesellschaft nicht so gern gesehen. Das ist eine Tatsache, die nicht verschwiegen werden darf!

Frauen wurden und werden eher über ihr Aussehen, doch nicht über ihre Arbeitskraft definiert – immer noch. Vor Frauen, die im Berufsleben Leistungen erbrachten, hatte man schon immer eher Angst, als dass man sie dafür bewunderte. Sie erbringen Leistungen und das ist gut so. Doch sie werden NICHT darüber definiert. Können sie aus biologischen Gründen kein Kind bekommen – dann ist das so ähnlich, als würde der Mann seine Arbeit verlieren.

Frauen können sich auch zu Hause beschäftigen. Sie lesen, sie haben Freundinnen, sind vom Grund her extrovertierter, sprechen unter Freundinnen über ihre Probleme, sie gehen shoppen, sie reisen gern, sie schmücken ihr Nest. Eine Frau, die vor einem Jahr in Rente gegangen ist, berichtete mir:  «Endlich kann ich alles machen, was mir gefällt und wofür ich nie Zeit hatte. Die Kinder sind längst aus dem Haus und ich muss mich nicht am Sonntag ausruhen, um am Montag die neue Arbeitswoche zu schaffen. Ich kann Ausflüge machen, wann und wohin ich will, ich kann lesen und malen.» Ihr Hobby hatte sie ihr Leben lang an den Nagel hängen müssen. Es blieb ihr einfach keine Zeit dafür.

Was tun Männer?

Der Absatz tut Not.

Heute noch scheut sich der inzwischen reife Mann, mit »Ärzten oder Therapeuten« darüber zu sprechen. Jenes ist schließlich «Weiberkram». Woher kommt diese eingefahrene Einstellung? Wer hat das den Männern eingetrichtert? Ist es die Erziehung, die Gesellschaft, die eigene Normvorstellung oder ist es Scham?

Komme ich nun zum Thema Sex.

Sex »im Alter« sollte schon längst kein Tabuthema mehr sein. Die durchschnittliche reife Frau von heute definiert sich zumeist nicht über ihre sexuellen Aktivitäten. Sie kann – man hört es oft – «auch ohne leben». Sie kann den Orgasmus vortäuschen, sie kann sich mit wenig zufrieden geben. Sie hat »ihr Soll erfüllt«, Kinder geboren und erzogen. Vielleicht ärgert sie sich über erschlaffende Haut, über ihre «Hängetitten» (Sabine – verzeih, ich musste das übernehmen, dieses Aussprechen scheint mir doch zu liegen 😉 ). Ist es so, liebe Freunde und Leser?

Aber: Wir sind schon lange revolutionär – auch auf diesem Gebiet. Das nämlich gibt es auch:

In diversen Plattformen tümmeln sich Frauen, die es gar nicht einsehen, auf Sex zu verzichten. Sie wollen ausprobieren, sie wollen sich nicht mehr schämen, sie wollen Bewunderung, Berührung, sich selbst erleben. Sie wollen wissen, wie sie sind – ohne Einschränkungen und ja, sie brüllen sich beim Orgasmus auch schon mal die Seele aus dem Leib.

Doch: Das ist nicht der überwiegende Teil der Frauen.

Wie ist das beim Mann?

Im Alter haben mehr Männer Potenzschwierigkeiten, als den Frauen offenbar bekannt ist. Auch das sollte schon längst kein Tabuthema mehr sein! Für den Mann ist das der Verlust der Männlichkeit. Für den Mann ist das ein unglaublicher Verlust seiner männlichen Attraktivität. Vielmals führt es auch zu Depressionen und sozialen Defiziten. Er zieht sich zurück. Ein alleinstehender Mann sehnt sich jedoch auch nach körperlicher Nähe, nach Berührungen, nach Sex. Wie sollte er seiner Angebeteten mitteilen: »Liebes, ich muss dir etwas sagen. Wir können gemeinsam etwas unternehmen. Aber Sex kannst du vergessen. Ich kriege ihn nicht mehr hoch.« Welcher Frau würde das gefallen und WENN sie es akzeptiert, dann geschieht es aus Liebe. Aber ändert dies das Gefühl des Mannes – das Gefühl zu sich selbst?

Der Mann ruft nicht seinen Kumpel an, mit dem er Skatrunden bestreitet, um ihm zu erzählen, dass er Potenzprobleme hat. Und sind wir doch mal ehrlich: Welcher Frau würde das gefallen? Wie schnell sind Frauen mit der Meinung: »Was ist das für ein Weichei?« In einem Gedicht »Die WunschInnen« beschreibe ich das und so mancher Frau dürfte das nicht gefallen. Eine kleine Kritik an der Frau sollte mir doch gestattet sein. Man kann sich keinen Mann wünschen, der weint wie sie, der fühlt wie sie, der weich ist wie sie, um ihn dann als «Weichei» abzustempeln. Einen Alpha-Mann haben zu wollen und einen Beta-Mann daraus machen zu wollen? Nein, Ihr lieben Frauen: Das ist Unfug! Männer sind wie sie sind und so, wie wir von ihnen akzeptiert werden wollen, so ist es an der Zeit, sie auch zu akzeptieren!

Frauen und Männer – beide haben im Prozess des Älterwerdens einiges zu bewältigen und nicht immer ist es leicht. Wir sollten mehr miteinander sprechen, wir sollten unsere Probleme gegenseitig respektieren und uns für das andere Geschlecht sensibilisieren. Für keinen der beiden Geschlechter ist das Älterwerden ein «Zuckerschlecken». Dessen sollten wir uns bewusst werden. Ich bin auch nicht dafür, dass man sich etwas «schön redet», sondern lediglich dafür, dass wir uns bewahren, einem positiven Blick die Gelegenheit zu geben, um uns nicht von Bitterkeit fangen zu lassen. Es ist mir durchaus bewusst, dass dies nicht immer möglich ist.

Noch eines sei hinzugefügt:

Meine Ausführungen haben KEINE Allgemeingültigkeit. Es gibt Männer, die kommen sehr gut mit dem Leben ohne Arbeit zurecht, es gibt auch Frauen, welche die Verwandlung ihres Körpers nicht stört usw., usw. Meine Gedichte sind ebenfalls keine wissenschaftlichen Abhandlungen.

Ich hätte sicher noch einiges mehr darüber schreiben wollen –  doch die Gefahr, dass ich Euch keinen Raum mehr zu Kommentaren gebe, ist mir persönlich zu hoch. Ich freue mich auf Eure Meinungen, auf Eure Erfahrungen und vielleicht hat der eine oder andere Mann gute Ratschläge für jene, für die sich das Älterwerden schwieriger gestaltet.

Zum Thema Kommentare:

Neuerdings bekomme ich Hinweise, dass mancher nicht kommentieren kann. So geriet ich in Verdacht, die Kommentare für bestimmte Personen nicht zuzulassen. Sicher, diese Personen gibt es 😉 – betraf jedoch nicht jene, die mir dann eine Mail geschrieben haben. Liebe Leute, schreibt mir eine Mail, falls das passiert, so dass ich möglicherweise Einfluss nehmen kann.

Ich danke Euch und wünsche allen eine schöne Woche und wie immer: Passt auf Euch auf.

Eure Sylvia Kling

Beitragsfoto:

pixabay.com/