Fortgeträumt und Wolkenkinder – Darf ich vorstellen (VII)?


Von Liebeskummer
bis Weltenbrand,
von Trost
bis über den Tellerrand,
von Sehnsucht und Krieg
bis über Terror und Tod,
von Hoffnung, dem Hass
und dem, was uns bedroht …

(S.K. über Alexandra)

Umfassend und feinsinnig,
brennend und traurig, lebensmutig und melancholisch
schreibt sie:
Alexandra Breuer.

Folgt mir doch bitte zunächst hier, um Alexandra etwas näher kennenzulernen. Sie hat jede Aufmerksamkeit verdient, wie ich finde.

Rose im Scherbenhaufen

Wie schwer sie wiegen, deine Tränen.
Als stummes Zeugnis, Winterzeit.
Dein Blick ist traurig, stilles Flehen.
Gewitterwolken, Dunkelheit.

Du stehst im Regen, Echohall.
Sturmgepeitscht, ein Maskenspiel.
In deinen Nächten, Albtraumschall.
Wirst du erdrückt, dein Schmerzgefühl.

Verzweiflung packt dich, ausgwegslos.
Die Welt zerbricht, dein Niedergang.
Dein Herz zerrissen, Seelenschloss.
Der Schlüssel weg, kein Neuanfang.

Ich kann dich sehen, schneebedeckt.
Ich kann dich hören, wo du bist.
Ich kann dich finden, dein Versteck.
Ich kann dich halten, was auch ist.

Die Rose wächst im Scherbenhaufen.
Ich zeig es dir, nimm meine Hand.
Gemeinsam vor der Nacht weglaufen.
Find ich den Schlüssel, der dich bannt.

Die Sonne scheint im Wolkenmeer.
Auf die Nacht folgt neuer Morgen.
Licht vertreibt das Schattenheer.
Die Zeit wird lindern deine Sorgen.

Verlier dich nicht, kein Sündenpfad.
Nicht weiter durch das Feuer laufen.
Leg ab dein schweres Bußgewand.
Die Rose wächst im Scherbenhaufen.

Copyright: Alexandra Breuer.

„Das Verwenden und Weiterverarbeiten meiner Texte ist, auch Auszugsweise, nicht oder nur mit meiner Genehmigung gestattet. Eine Weiterverbreitung ist bitte mit entsprechendem Hinweis auf mich zu erfolgen. Danke!“ (Alexandra Breuer)

Wie sie sie sich selbst sieht

„Hin-und-wieder-Einsiedlerin –
Viel zu oft Dunkelwesen –
Wortspielerin –
sensibel durch die Wand Läuferin – Querkopf –
Musikvernarrte –
Wissenaufsaugerin –
Manchmal Intelligenzflüchtling – verpeilte Diskutiererin –
– Perfektionistin – Gedankenkreiselschubserin.“

Mit einer Präzision und doch mit filigraner Zeichnung erzählt sie in Wolkenkinder mit so viel Seele, dass ich sogar heute beim Walken noch über dieses Gedicht nachsann (AUSZUG):

„Die Wolkenkinder im zarten Gewand,
im wattig fragilen Körperkleid.
In weißer Haut mit weißem Tand,
und dunklem endlosen Schweif.

Vielleicht sind sie die Fortgespülten,
die, deren Weg verloren ging.
Vielleicht sind sie die Ungefühlten,
die, von denen niemand singt.“

Ich mag die blumige und zugleich die klare Sprache in Alexandras Gedichten. Gedichte als Seelenheil, als Wortwaffe, als Spiel mit den Lebenskapriolen, als Fragezeichen, Ausrufezeichen, als Hafen, auch als eine Tür, die sich öffnet, um in das eigenen Ich vorzudringen, als Ausdruck einer tiefen Freiheit der Gedanken. In ihrem Gedicht „Fortgeträumt“ zum Projekt „Gegen das Vergessen“ wird sie konkret und lässt uns seelenzittern (AUSZUG):

„Im Winter des Lebens, gelebter Zeit,
sitzt sie alleine im Kerzenlicht.
Sie ist nicht nur müde, sondern auch alt.
Die Jungen der Welt, sie brauchen sie nicht.

Verzweifelte Seele, ein Blick voller Sorgen,
der Hunger ist nur eine Frage von Tagen.
Die Dürre ist lang, hat die Ernte verdorben.
Und sie wird ein weiteres Kind begraben.“

1

Wir alle werden in unserem Leben mit Verlust und der Trauer konfrontiert.

Die Trauerarbeit ist nach meiner Auffassung die wichtigste und schwierigste Aufgabe, der wir uns in unserem Leben stellen müssen. Wir können sie nicht dauerhaft mit Arbeit verdrängen, nicht vor uns herschieben, nicht im Alkohol ertränken, nicht einem anderen Menschen überlassen.
Unsere Seele lässt sich nicht lange belügen.

Wer kreativ ist, hat einen großen Vorteil:

Er gibt der Trauer und dem Schmerz einen ganz besonderen Platz. In jenem Moment, in welchem der Trauer in Bildern, Handarbeiten, Worten oder Liedern eine ganz eigenen Dynamik verliehen wird, hat sie eine Chance sein zu dürfen und angenommen zu werden.

Alexandra schreibt über ihre Trauer HIER

(AUSZUG)

„Es gibt jetzt einen neuen Stern am Firmament,
dort bist du nun sicher und frei.
Wir bleiben zurück, mit Trauer, die brennt,
und Sehnsucht um gestohlene Zeit.“

Aus: „Ein neuer Stern“
(Für meinen Papa, † 07.02.2016 im Alter von 58 Jahren)

Als ich von Alexandra und Julita erfuhr, mit welchem Schmerz um den Verlust ihres Vaters, der nicht „einfach so aus dem Leben schied“ sie zu ringen hatten – noch begreifen wollend, noch „zu wenig“ weinend, noch „zu wenig“ erfassend, was die geliebten Menschen bewegte, dem Tod vorzugreifen, schrieb ich ein Gedicht mit dem Titel „Vater“. Monatelang hielt ich es zurück. Weder Alexandra noch Julita wollte ich damit belasten. Wer kann schon so tief in trauernde Menschen blicken, um zu wissen, ob jene geschriebenen Worte Trost sein könnten oder ihnen die Gewissheit gibt: Ich verstehe dich, ich kann mich in dich hineinfühlen, ich beworte deine Trauer, um dir zu zeigen: Du bist nicht allein?

Das Gedicht „Vater“ brauchte Zeit, seine ganz eigene Zeit. Worte sind unvergänglich:

Vater

 

Liebe Freunde, LeserInnen und BesucherInnen,

damit möchte ich mich verabschieden. Ich hoffe, Ihr findet beim Stöbern auf Alexandras Blog ebenso viel Gewortetes, was Euch gefällt, inspiriert oder neugierig auf mehr werden lässt und bedanke mich sehr herzlich für Eure Aufmerksamkeit.

Ich wünsche Euch eine angenehme Woche. Der März läutet den Frühling ein und wer freut sich nicht auf Sonnenstrahlen, Frühlingsblumen und den Geruch von Frische, dem Erwachen des Lebens?

Unseres Geliebten.

Eure Sylvia Kling

 

Advertisements

Darf ich vorstellen VI – Teil II – Jürgen M. Brandtner


Teil II:
1. Gegen das Vergessen
2. „Meine Tante im Keller“ – Schwarzhumoriges
3. Trümmerseele
4.  Theater, Theater, der Vorhang geht auf…
1. Gegen das Vergessen
Jürgen M. Brandtner sieht das Vergessen nicht ein. Ist es für uns schon so viel Vergangenheit, dass wir blind und taub gegenüber dieser Zeit geworden sind? Was ist es? Ist es unsere Eitelkeit der Wohlstandsgesellschaft, unsere Seelenkälte, die ewig kränkelnde deutsche Empathie? Ist es der Überfluss, der uns vergesslich und so verloren kümmerlich macht?

Er gehört zu denen, die es nicht leid werden, die (Ver)Alterung der Geschichte zu verhindern – bis zum letzten Atemzug.

Er möchte erinnern, immer wieder erinnern, Jahr um Jahr. Dieses Thema darf nicht der Vergänglichkeit zum Opfer fallen. Jürgen M. Brandtner bittet uns alle, aus unserer Höhle der Stille und Bequemlichkeit zu kriechen, um die Lasten der Erinnerung mit ihm und den anderen Nichtvergessenden zu tragen:

Auszug von seiner Website:
DIE DUMMHEIT WURDE ZUR EPIDEMIE

Bislang, in Zeiten des Rechtsrucks, …

Jahr für Jahr am 10. Mai jährt sich das Fanal der Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten.

In meiner Lesung stelle ich anhand fiktiver Tagebuchaufzeichnungen eines möglichen Zeitzeugen die fürchterlichen Ereignisse vom 30. Januar bis zum 12. Mai 1933 nach.

Neben historischen (Ton-) Dokumenten kommen die „verbrannten Dichter“ selbst zu Wort: u.a. Ernst Toller, Franz Kafka, Erich Mühsam, GertrudKolmar, Stefan Zweig, Klabund und Kurt Tucholsky.

Video-Ausschnitte aus meiner Lesung finden Sie bei YouTube

Jürgen M. Brandtner

Jürgen M. Brandtner

 

Nun kommt einer meiner Lieblingsmomente: Jürgen M. Brandtner liest „Klabund – Ballade des Vergessens“. Es ist ein Erlebnis, welches man nicht versäumen sollte. Mit diesem Werk legt ein Schiff des Erinnerns im Hafen an.  Jürgen trifft mit vollen und tiefen Tönen mitten ins Herz:

Klabund – Ballade des Vergessens: https://youtu.be/PU0b__LFUVI

Hier ist die Website, auf der Ihr ein wenig mehr erfahren könnt:

http://theaterjmb.jimdo.com/gegen-das-vergessen/

 

2. „Meine Tante im Keller“ – Schwarzhumoriges

Schwarzhumorige Lyrik bestimmt einen Teil des Schaffens Jürgen M. Brandtners. Eine Kostprobe der besonderen Art:

HEIMWEG

Es gingen zwei Männer nach lustiger Fete

betrunken nach Hause um Mitternacht.

Sie wählten den Weg über blumige Beete

des Friedhofs, vom Mondenschein angelacht.

Und als sie inmitten der Gräber so gingen,

laut singend und lachend zur Geisterstund‘,

da hörten ein klirrendes Klopfen sie klingen.

Und weit in der Ferne, da bellte ein Hund.

Ihr Lachen erstickte sogleich in den Kehlen.

Dann flatterte flink eine Fledermaus;

ein Uhu uhute das Schlaflied der Seelen,

die tot um sie ruhten. – Sie drängten nach Haus,

behutsam und mit leisest möglichen Schritten,

kein Hälmchen berührend und auch keinen Stein.

Als plötzlich, und wie aus dem Nichts,

stand inmitten der Gräber,

der kalten, in des Mondes Schein,

ein uraltes Männlein mit Meißel und Hammer,

das ruhlos energisch hieb stet den Granit

von einer erbrochenen Totenruhkammer.

„Wer stört mich?“, erklang seine Stimme morbid.

„Du sprichst! Oh, mein Gott! Ist das schön!

Und wir dachten, du wärest womöglich ein Geist und schon tot!“

Der Alte hielt inne, sah auf.

Und da lachten die beiden verlegen in peinlicher Not.

„Idioten!“ drang ’s heiser nun aus seiner Kehle

Dann hieb er erneut auf den Stein wie im Wahn.

Da wurde den beiden ganz leicht.

„Diese Seele trank wohl, wie wir auch, zu viel Enzian.“

„Idioten!“, klang ‘s wieder aus dem Schlund des Alten,

„Die haben mein‘ Namen ganz falsch geschrieben!“

Er hieb. – Und die Männer, die sah man erkalten.

Zwei Frauen zu Haus war’n nun hinterblieben.

© Jürgen M. Brandtner

MEINE TANTE IM KELLER, Manuela Kinzel Verlag 2013

Jürgen M. Brandtner

Jürgen M. Brandtner

Jürgen M. Brandtner

            Erschienen im Manuela Kinzel Verlag
80 Seiten, 10 Illustrationen (Kerstner, Middelberg)
ISBN: 978-3-937367-88-0
Preis: € 8,00

Website dazu (inkl. Rezensionen sowie Rezension von der Schriftstellerin Viola Eigenbrodt):

http://theaterjmb.jimdo.com/mein-buch/

 

3. Trümmerseele

Dieses Buch ist Jürgen M. Brandtner besonders wichtig. In seinem Wirken um Menschlichkeit, beteiligte er sich in „Trümmerseele“ mit vielen anderen Künstlern an einem bewegenden Buch für die Bedürftigen, für die Schicksale jener Menschen, die nicht das Glück hatten, in einem reichen Land geboren zu werden, aufzuwachsen und leben zu dürfen. Mit vielen anderen Menschen möchte er dem Schicksal der Flüchtenden eine neue Requisite geben.

 

 „Unsere Seelen müssen immer wieder fürchterliche Trümmer erleben. Wir sind getroffen, betroffen aber nicht wortlos oder seelenlos. Die Autoren dieses Werkes geben den Flüchtlingsschicksalen eine Plattform, die Trauer und Hoffnung widerspiegelt, ohne Verantwortlichkeiten zu vergessen. Ziel dieser Publikation ist, einen Beitrag zu mehr Toleranz und Verständnis füreinander durch Worte zu leisten, denn nur wenn die wortlose Mehrheit immer wieder wegschaut und schweigt, kann der Terror triumphieren.“

Michael Pilath
Herausgeber

Website:

http://www.sternenblick.org/publikationen/sonderbaende/

 

Wer bis hier her konsequent war, der wird belohnt. Mit Seele, mit herzzereißender Lyrik, mit einem Schmiegen an die schmetternde Wahrheit. Niemand anderes könnte sie besser in unser Herz tragen als Jürgen M. Brandtner:

http://www.youtube.com/watch?v=EpukJDA2_yc&sns=em

 

4.  Theater, Theater, der Vorhang geht auf…

Seine baden-württembergischen Anfänge hatte Jürgen M. Brandtner am „Studio Theater Stuttgart“.

Seit einigen Jahren arbeitet er für das „Stauferpfalz Festspiel Bad Wimpfen e.V.“ – und inszeniert dort mit dem „Volk“ lokalhistorische Stücke, die eigens dafür geschrieben werden.
Aber auch für das „Theater im Bahnhof Rechberghausen e.V.“ – ein kleines, sehr reizvolles Theater, in dem er nicht nur inszeniert, sondern auch immer wieder liest und gelegentlich – wie jüngst – sogar noch selbst spielt.

In dem Stück „IMMER WIEDER NADA“ konnte man Jürgen M. Brandtner spielen sehen:

http://theaterjmb.jimdo.com/news/immer-wieder-nada/kritiken/


Auf seinem YouTube-Kanal findet Ihr noch mehr dieser schauspielerischen Köstlichkeiten.

Bilder und Momente aus seinem Leben am Theater kann ich nur empfehlen:

http://theaterjmb.jimdo.com/galerie/

Hier ist die Website zum Stöbern – aus seinem Theaterleben, Gefühltes, Gedachtes, Geschichten – ein berauschender Spaziergang mit einem WortJongleur:

http://theaterjmb.jimdo.com/blog-1/

Nun möchte ich mich verabschieden. Schade, ich hätte noch so viel berichten können. Auch das Theaterleben Herrn Brandtners würde ausreichenden Stoff für mehrere Teile bieten. Wer im Raum Stuttgart zu Hause ist, dem dürfte es nicht schwer fallen, die Vorstellungen im Theater  zu besuchen und diesem  Mann mit der umwerfenden Aura persönlich zu begegnen. 
Jürgen ist nicht nur als Künstler, sondern auch als Mensch – wie „Du und ich“ – ganz einfach und bodenständig.

Ich denke, in diesen zwei Teilen sind einige Links und Hinweise enthalten, so dass Ihr in deren Inhalten versinken könnt. Auch auf Facebook und Google Plus ist Jürgen M. Brandtner zu finden.

So kann ich also beruhigt diese Vorstellung VI beenden und mich auf weitere künstlerische Sinnesgelüste Jürgens freuen.

Es hat mir große Freude bereitet, Euch in die betörende Welt von Jürgen M. Brandtner zu führen und ich danke Euch von ganzem Herzen für Euer Interesse und die Aufmerksamkeit.

Eure Sylvia Kling

 

Darf ich vorstellen VI – Teil I: Jürgen M. Brandtner


Teil I – Zur Person und Lyrik

Es ist mir heute eine besondere Ehre, Euch – mit freundlicher Genehmigung – einen Mann vorzustellen, der durch und durch fasziniert:

Regisseur, Schauspieler, Schauspiellehrer, Rezitator, Autor und Lyriker Jürgen M. Brandtner. Die Zusammenstellung dieser Vorstellung war eine große Herausforderung für mich, denn die Geschichte und die Arbeit von Herrn Brandtner ist nicht nur umfangreich, sondern bietet auch die Möglichkeit zu einer fließenden und berauschenden Neuentdeckung von Kunst und Lyrik.

Zur Person:

Geboren wurde Jürgen im Mai 1962, aufgewachsen ist er in Mechtersheim in der Pfalz (in der Nähe liegt die Kaiserstadt Speyer am Rhein).

„Und immer wieder stand er auf irgendeiner Bühne – oder etwas Vergleichbarem. Angefangen im Kindergarten, dann in Kirchen und auf Friedhöfen, später bundesweit in Turnhallen, und noch später auf Bühnenbrettern. Denn plötzlich, ohne jegliche elternhaus- oder freundesbedingte Vorwarnung, einfach so, war es eines Tages da: das Theatermachen und das Musizieren.“

„Eigentlich ziemlich spät, er war schon siebzehn, doch dafür gleich ‚volles Rohr‘. Zeitgleich – und selbstverständlich neben der Schule – spielte & sang er in drei Theatergruppen und zwei Rockbands. Gefördert und angespornt … durch eine Lehrerin.“

So viel gibt es über Jürgen zu erzählen, doch ich bitte um Verständnis, wenn ich hier nur einiges erwähnen kann.

Mit der Unterstützung seiner Frau entschloss sich Jürgen mit über 30 Jahren, seine Liebe und Leidenschaft zum Theater zu seinem Beruf zu machen.

Mehr über seinen Werdegang findet Ihr hier:  http://theaterjmb.jimdo.com/%C3%BCber-mich/

Ich verspreche Euch: Das Lesen ist ein Genuss, denn schon im Lebenslauf findet man Herrn Brandtners bewunderswerten und außergewöhnlichen Ausdruck und Humor. In einer persönlichen Mail schrieb er mir:

„In erster Linie definiert meine Liebe zur Sprache all mein Tun. Ob als Schauspieler, ob als Regisseur, ob als Lehrer/Dozent, ob als Vorleser, ob als Autor. Es ist immer die Sprache, das Wort der Dreh- und Angelpunkt.“

Jürgen und ich stellten einen deutlichen Rückgang des Interesses an Lyrik fest. Hierzu schrieb er mir:

„Ich selbst mache kein Aufheben um meine Person, mir geht es um meine Arbeit, um Freude beim Zuschauer/Zuhörer. Um anspruchsvolle Unterhaltung. Weil ich möchte, dass Kunst noch eine letzte Chance zum Überleben bekommt. Wenigstens so lange, wie ich auf der Erde wandle.  Aber es sieht schlecht aus.“

Bevor ich Euch weitere Bücher und Arbeiten Jürgen M. Brandtners vorstelle, möchte ich Euch in seine Welt der Lyrik entführen.

Copyright: Doris Bredow, db Fotodesign Jürgen M. Brandtner im Theater im Bahnhof Rechberghausen

Copyright: Doris Bredow, db Fotodesign
Jürgen M. Brandtner im Theater im Bahnhof Rechberghausen

 

Ich beginne mit einem wortstarken Werk. Nicht klagend, eher ein geschriebenes Flammen, was den lyrisch Geneigten hier erreicht. Mit Deutlichkeit berührt er hier den Boden der Wahrheit nicht nur, sondern er fegt ihn:

 

IM AUFGEHN UNTERGEHN

Ein Aufgehn ist nach jenem zweiten Kriege.

Fäkal gefärbt bis in manch hohes Amt.

Ein Morgenbraun, in dem der Traum vom Siege

knapp überm Horizont latent noch flammt.

 

Die Sehnsucht nach rilkesker Rosenröte

ist weiterhin ein schlagerselger Klang,

aus dem erst Wohlstand, später dann auch Nöte

erwachsen, bis zur radilinken Bang‘.

 

„No future“! Kurz und wild und laut und magisch.

Danach versinkt ein Mensch in Lethargie.

Jedoch der Falsche. Und so wird es tragisch.

Denn Andrer wacht. Und wächst durch Idiotie.

 

Und unterm Wechselspiel der Violinen,

die la-le-lullend durch Gehirne wehn,

sieht man erneut, vom Abendbraun beschienen,

ein altes Volk im Aufgehn untergehn.

 

© Jürgen M. Brandtner – 29.01.2016

 

Hier entführt uns Jürgen M. Brandtner mit lyrisch gekonntem Schwingenschlag in die heilsame Welt, die uns allen das Leben erträglich macht, die uns geduldig werden lässt, uns bis zum tiefsten Grunde der Verheißung führt:

 

BRAND

Zärtlich berührt mein Finger Dein Lachen.

Ich spüre in dir ein leises Erwachen,

Ein wohliges Schaudern, das dich bewegt,

Das deine Lippen vibrierend erregt.

Ein Zittern, das sanft nach unten gleitet,

Bald Herz, bald Schoß empfindsam weitet.

Ein Beben, das zweifachen Brand wird entfachen.

Zärtlich berührt mein Finger Dein Lachen.

© JMB – 01062012

 

 

DANN

Wenn wir DANN beieinander liegen,

erhitzt, verschwitzt uns um uns biegen,

uns suchen und uns meiden wollen,

uns weg, dann wieder zu uns rollen,

und Stille tobt nach Lustgeschrei …

DANN plötzlich blinkern fröhlich zwei

Grübchenseen auf deinem Rücken

zu meiner Augen Wohlentzücken.

In dieser Kostbarkeit zerfließen,

das Salz der Leidenschaft genießen,

im Meer der Perlen mich ertränken,

um mich dir voll und ganz zu schenken,

bis ich durch dich DANN endlich bin …

danach steht lustvoll mir der Sinn.

 

© JMB – 22062012

 

Mit diesem Gedicht hatte Jürgen mich in den letzten Wochen sehr nah an eine Kulisse geführt, die mit ihren Konturen ein Bild zeichnet, welches den Geistwind belebt. Kostbar, die Zeit begreifend, packt er die Worte beim Schopfe und setzt sie wie eine Blüte in die Sinne des Lesers:  duftend und schwer, doch leicht zugleich:

 

EIN LETZTER TANZ:

Ein letzter Tanz - Jürgen M. Brandtner

Ein letzter Tanz – Jürgen M. Brandtner

 

Auf dieser Website könnt Ihr weitere Gedichte finden. Momentan wird diese zwar nicht aktualisiert, doch dies kann sich ändern:

http://jmbrandtner.blogspot.de/

Hier findet Ihr alles, was das literarische und fühlend fiebernde Herz begehrt:

http://theaterjmb.jimdo.com/gedanken/

Den ersten Teil meiner Vorstellung möchte ich an dieser Stelle beenden. Ich würde mich sehr freuen, Euch in den nächsten Tagen auch für den zweiten Teil begeistern zu können.

Mein Versprechen: Es bleibt spannend, denn Jürgen M. Brandtner wird lesen. Auch stelle ich Euch sein Projekt: „Gegen das Vergessen“ vor, welches nicht nur berührt, sondern sowohl Szenen aus der Geschichte als auch substanzielle Gegenwartszeugnisse von hoher Bedeutung ablegt.

Jürgen M. Brandtner war auch an der  Anthologie „TrümmerSeele“ beteiligt, die ihm ganz besonders am Herzen liegt. Warum es so ist, das könnt Ihr ebenfalls im Teil II lesen.

Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit!

 

 

Darf ich vorstellen V – Autorin A. LaRé


Mit großer Freude möchte ich Euch heute die Autorin Angelika (A. LaRé) vorstellen. Angelika lernte ich über das Thema Literatur im vorigen Jahr kennen. Seither befinden wir uns in einem regen Austausch über unsere Arbeit und die uns berührenden Dinge des Alltags sowie der Politik.

Ihre Texte sind sehr vielschichtig. Sie reichen vom Kinderbuch bis hin zu Kurzgeschichten, dem Weihnachtsbuch für große Kinder und Erwachsene oder Biographien. Man kann von ihr sagen, sie ist durch ihre auch oft berechtigte Kritik an gesellschaftlichen Missständen eine derjenigen Autorinnen, die ernstzunehmen sind. Ihr Engagement im politischen Bereich: dem Kampf um Gerechtigkeit, um Widerstand gegen Kriegstreiberei und einem dennoch toleranten „EisbrecherBlick“ gelingt es Angelika, viele Menschen in ihren Bann zu ziehen.

Ich hatte das große Glück, ihr Buch „Die alte Frau am Fenster“ – Teil I – als eine der ersten zu lesen. Hingerissen von dieser Familiensaga über ihre ungarische Urgroßmutter, die im Krieg die schlimmsten Dinge erlebte, die sich eine Frau nur vorstellen kann, lief ich beim Lesen durch einen Tunnel, in dem mich die Autorin doch stets begleitete. Ihr könnt mir glauben, ich las es manchmal mit nicht weichender Gänsehaut, mit Tränen in den Augen, mit einem ungläubigen Staunen über die Stärke der Urgroßmutter, welche die Autorin in ihrem persönlichen Werdegang prägte. Doch ich konnte auch lachen, denn Angelika weiß es, wie sie ihre Leser mit ihrem ganz eigenen, offenen Humor fesseln kann.

Die Zeit des Lesens verging wie der Spaziergang in einer sehr unterschiedlichen Landschaft mit immer wieder sich umgestaltenden Eindrücken. Am Ende wird jedem Leser, der nur annähernd über so etwas wie ein Herz verfügt, bewusst, welche unglaublichen Schmerzen seelischer und körperlicher Art jeder Krieg im und am Menschen verursacht.

Wer das Buch einmal zu lesen beginnt, dem geht es wie mit einer Schale bittersüßer Flüssigkeit und wird nicht aufhören wollen, diese Schale zu leeren.

 

Von der Autorin zur Verfügung gestellt

Von der Autorin zur Verfügung gestellt

Darf ich vorstellen II: Khalid Aouga


Heute möchte ich Euch wieder jemanden vorstellen:
Khalid Aouga.

Khalid lernte ich hier auf WordPress kennen.
Vor Kurzem entschlossen wir uns, für die Gestaltung meines Lyrikbandes zusammenzuarbeiten. 
Khalid wird die Zeichnungen für den Band anfertigen.

Als ich mich kürzlich intensiver auf seinem Blog umschaute, entdeckte ich Gedichte und Texte mit faszinierender Tiefe, in welcher auch Trauer,  Schmerz und Hoffnung eine entscheidende Rolle spielen.
Die Liebe zur Heimat, der damit auch verbundene Schmerz („Von der Fremde“) und die Reflexion zu den grauenvollen Ereignissen auf dieser Welt, die uns Deutschen in den letzten 70 Jahren erspart blieben,  sind letztendlich eine Ode Khalids an die Menschen,  sich der Spuren und Folgen von Krieg und Kriegstreiberei, Armut und auch sinnfreier Vergeudung bewußt zu werden („Seit wann“, „Ich sehe“).

Doch auch das Leben und dessen Kraft, das Leben mit Kindern und die Wertebeachtung kann Khalid in Worte fassen („Wenn wir lachen“).

Nicht nur in seinen Texten findet Khalid seinen bewussten Ausdruck, sondern auch in seinen Zeichnungen kommt seine Gabe zur Abbildung von Freude, Leid oder Hoffnung zur Geltung.
Der gebürtige Marokkaner bereichert mich in meinem Denken und Fühlen und so lege ich ihn Euch ans Herz.

Doch bitte schaut selbst – Khalid hat es verdient:

https://aouga.wordpress.com/

Ich bedanke mich heute ganz besonders für Eure Aufmerksamkeit und wünsche allen ein schönes Wochenende.

Sylvia Kling