Mein Entwurf


Ich mag Menschen mit gebrauchten Händen
und Fältchen ungeglättet,
nur alltägliche Lächeln vollenden
das Leben, ungefettet.

Ich mag Menschen in ehrlichen Schuhen,
die Haare nicht gelverschmiert,
keine fabrizierten Statuen,
mit kitschigem KunstGlanz glasiert.

Ich mag Menschen mit einfachem Duft,
keine künstliche Parfümerie,
denn wenn diese mal verpufft,
bleibt die Wahrheit. Irgendwie.

Ich mag Menschen mit eigenen Hüten,
wegen mir auch die Ältsten der alten,
in der neuen Mode wüten
oft die seelenlosen Gestalten.

Ich mag Menschen in schlichten Stoffen,
aus denen das Leben spricht,
damit Fragen mir bleiben offen,
beim Enthüllen die Schönheit nicht bricht.

Wahrhaftig, die Natur ist ein Wunder –
lebendig in Vielfalt gewebt,
und Selbstbetrug ist der Plunder,
der die Reinheit uns verklebt.

Copyright Sylvia Kling

Aus dem Fotoarchiv von W.B.

Das Gedicht wird in meinem Buch „Von Morgenseelen und Eisbrecherferne“ 2018 erscheinen. Das Kopieren und die Weiterverwendung von Text und Beitragsbild sind nicht gestattet!

Zum Foto:

Werner war so nett, mir ein Foto aus seinem Archiv zur Verfügung zu stellen, denn für das Foto zu diesem Gedicht hatte ich schon sehr spezielle Wünsche. Ihr findet Werner, seine Beiträge und auch Fotografien hier:

wittlicher.wordpress.com

https://www.flickr.com/photos/werner43/

https://www.facebook.com/profile.php?id=100013220492140&ref=ts&fref=ts

Mit diesem Gedicht wünsche ich allen ein sonniges und wärmendes Frühlingswochenende.

Eure Sylvia Kling

Facebook:

Sylvia Kling (Autorin)

https://www.facebook.com/profile.php?id=100010657024918

YouTube:

https://www.youtube.com/channel/UC3u09hrTq66YVKux9TFegvQ

Instagram – hier auch mit einigen privaten Impressionen:

sylvia.kling.autorin

Auf einen Blick


Auf einen Blick,
nur auf den einen,
wir drehn uns mit der Welt,
wie wir meinen,
wir fühln uns
überall ganz wie zu Haus,
wir sehn perfekt,
modern, adrette aus,
wir öffnen Türen
mit wohlgepflegten Händen,
wir hinterlassen
Schatten an den Wänden,
wir lieben und hassen
ungehemmt,
wir wundern uns,
wenn die Moral uns überschwemmt,
wir greifen gladiatorisch
zum Medienschwert,
damit jeder von unsrem
großen Recht erfährt,
Auf einen Blick,
nur auf den einen,
sind wir wirklich die,
die wir meinen?
(Ich denke, unser Hemd
ist doch recht kurz und
spärlich,
wir sind doch deutsch genug
und frieren gerne,
ehrlich!).

Copyright Sylvia Kling

Auszug aus meinem Buch „AufBruch“

Sehen, was man soll oder was man will … – ein Fundstück aus dem Netz (keine Angabe des Urhebers). Wenn ein Urheber bekannt wird,  teile man mir das bitte unbedingt mit!

 

 

Ich wünsche Euch einen guten Start in die neue Woche.

 

Ohne Versprechen


Zauber
mich in deine Welt,
reich mir eine Hand,
die mich hält.

Hol mir
vom Horizont einen Stern,
halt mich
von der Kälte fern.

Stiehl mir
Blumen vom Wegesrand,
mal mir
die Sonne in den Sand.

Erzähle mir
mein Lieblingsmärchen,
sing für mich
mit den Morgenlerchen.

Tanz mit mir
im Liebesreigen,
spiel für mich
auf zarten Saiten.

Klage nicht,
wenn meine Geister dich wecken,
eines Brunnens Tiefe
kann erschrecken.

Zeig mir
nur dein wahres Ich.
Doch versprich mir
Nichts.

©Sylvia Kling

(Erschienen im Lyrikband „AusGeatmet“ im Oktober 2015)

(c) Uwe Richter

Foto:

Uwe Richter/Uwe Richter Photography – mit freundlicher Genehmigung. Den Fotografen findet man hier:

http://uwerichtersfotoblog.wordpress.com/

Ich wünsche allen ein schönes Wochenende.

LiebesErde


Es ist doch immer wieder die Liebe, die uns hält. Diese Woche war sie Hauptthema auf meiner Facebookseite und so wird sie auch – in verschiedenen Varianten – hier in dieser Woche Thema sein.

Karl Miziolek, Autor und literarischer Freund, las mein Gedicht „LiebesErde“ (Veröffentlichung in meinem Buch „AufBruch“) und überraschte mich vor einigen Tagen damit. Seine unverwechselbare Art zu lesen, seine sanfte, beruhigende Stimme und auch der eigene Dialekt lassen den Hörer ganz in seinen Lesungen versinken:

Für alle, die Karl noch nicht kennen:

Sein wunderbarer Blog, auf dem man verweilen kann, ohne das Gefühl zu haben, Zeit zu verlieren:

http://karlswortbilder.wordpress.com

und seine Homepage

http://wortbilder.at/

Dort findet Ihr Wortbilder, Limericks, Haikus, Gedichte, Geschichten und einiges mehr. Wir wollen doch dem „Blogschlafen“ Einhalt gebieten, oder? Der Winter ist vorüber – auf geht es!

Seit Kurzem hat Karl auch einen YouTube-Kanal, auf welchem er wunderschöne Landschaften, auch mit Texten verbunden, präsentiert. Langeweile gibt es bei ihm nicht. Schaut doch mal bei ihm vorbei:

https://www.youtube.com/channel/UCVmImH8blBFp3QCF4KHcrbA

Zur „LiebesErde“:

Der Text befindet sich zum Nachlesen als Anhang zum YouTube-Video (bitte auf das Dreieck unterhalb des Videos klicken).

Ich wünsche Euch einen guten Wochenanfang. Bitte habt Verständnis, wenn ich nicht sofort auf Kommentare reagiere, da ich unterwegs sein werde, um mich um meine Gesundheit zu kümmern. 😉 Ihr wisst, wie das ist: Wer sich selbst liebt, sorgt gut für sich.

Passt gut auf Euch auf und bis in einigen Tagen (vergessen wir die LIEBE und den Frühling nicht …;-) ).

Eure Sylvia Kling

Fenster


Heute habe ich ein besonderes Gedicht für Euch. Es handelt sich um Auszüge aus meinem Leben als Frau in der DDR – bis heute, in Verse gepackt – eine meiner Arbeiten, in denen mein Ich ausnahmslos im lyrischen Ich steckt.
Es ist ein wenig länger, aber es erzählt. Vielleicht erkennt so manche Frau sich in einigen Phasen wieder. 😉

Zum gestrigen Frauentag veröffentlichte ich dieses Gedicht auf Facebook.

Viele Frauen hatten ihr Leben lang schwer zu tragen: Kindererziehung, Berufstätigkeit, Haushalt, später dann die Pflege der Eltern und so manche Frau, die ich kenne, kämpft in der wunderschönen Herbstzeit des Lebens noch gegen eine Krankheit an.

Für mich braucht es keinen besonderen Tag, allen Frauen Respekt zu zollen. Jeden Tag sollten wir unseren Frauen Aufmerksamkeit und Achtung gegenüberbringen!

Fenster

Erste Jahre auf dem Dorf,
hinter Mauern,
doch ruhig, entspannt,
ich habe Fahrrad fahren
gelernt,
beinahe steckte ich
eine Scheune in Brand,
dann die Stadt,
hektischer,
doch belebter, bunter,
heiße Sommer,
eisige Winter,
Friedhöfe, Parkanlagen,
für ein Mägdelein war
ich recht munter,

Plattenbauten,
laut, dünnbautig,
Bohrmaschinen
(nach dem Weihnachtsfest),
heimliches Erkunden
von Ruinen,
Gärtchen zum Kirschenklauen,
alte Herren,
die lauerten,
um mir fleischigwulstig
auf die Finger zu hauen,

ein ständiger
Wandel, einmalig,
trotz mancher Prügeltracht,
Nachbars Sohn hat sich
mit dem Gasherd
wegen seiner Freundin
umgebracht,
blanke Fenster holten
mich nicht raus aus
dem Elternfrust,
ich flüchtete,
hinaus ins Leben
im Osten,
schlug doch ein Freiheitsherz
in meiner Brust,

Lehre,viele
hochdotierte, ach so
kluge Juristen,
die mit den Gesetzen
und den vielen Fristen,
und die Winter und
die Sommer und
die Herbste vergingen,
immer wieder Arbeit,
bis drei Kinder
endlich an mir hingen,

ja, so brachte ich
die Kinder, die ich
liebe
auf gerade Bahn,
sah durch blanke
Fensterscheiben –
und ich pfiff auf den
frühen Plan,
die Winter wurden
milder und die Sommer
heißer,
und mit jedem verwehten
Herbstblatt wurde meine
Stimme leiser,

da kam ein Weh und
Leid dahergeschlichen,
als wär das elend,
nicht so freie Leben
aus meinem reifen
Weiberleib gewichen,
ich bin gefallen,
musste liegenbleiben,
nicht mal die Fensterscheiben
konnt ich blanke reiben,

da war sie also nun,
meine weite Welt,
die Sommer kamen,
die Winter gingen,
mein Leben hat sich
einfach tot gestellt,
die Mauern im Osten
waren längst
schon abgeschafft,
und ließen eine alte
Ossifrau zurück,
so ohne Kraft,

doch komm ich nun zum
Ende mit diesen
Peinlichkeiten,
Mensch, waren das
verrückte Jahreszeiten!
Und wenn mich heute
einer fragt,
was ich die fünfzig
Jahre so gemacht,
da sag ich (lachend):
«Viele Fenster geputzt.
Es war auch wirklich
angebracht!»

(c)Sylvia Kling

Das kleine WortZwinkern am Ende beschreibt meinen ganz eigenen Humor.

Vorbereitet wird dieses Gedicht für
meinen Lyrikband „Von Morgenseelen und Eisbrecherferne“ (Veröffentlichung 2018 geplant)

Wie immer der Hinweis: Das Kopieren und Weiterverwenden ohne meine Zustimmung ist untersagt!

(piqs.de ID: 75e4500f5af837e23c343223ed56a804)

Foto: http://piqs.de/fotos/148384.html
Lizenz: Creative Commons License
Fotograf: Bachmont

Ich wünsche meinen Freunden, LeserInnen und BesucherInnen einen guten Wochenausklang und schon jetzt ein wunderbares, erholsames Wochenende. Passt gut auf Euch auf.

Eure Sylvia Kling

Die Zwei-Varianten-Verserei (Heimat) und du einst verträumtes Tal, wie trägst du diese Last?


Die Zwei-Varianten-Verserei
(Heimat)

Geboren bin ich um Dresden –
in Sachsen,
50 Jahre war der Heimat ich zugetan,
vom Heimatgefährt sind gebrochen
die Achsen,
so such ich neue Lebensbahn.

Geboren bin ich um Dresden –
in Sachsen,
einst wollte gar ich hier sterben,
vom Heimatgefährt sind gebrochen
die Achsen,
so werd ich vorm Tod hier verderben.

(c) Sylvia Kling

„Der Mann sah zu mir, beugte sich zu seiner Beifahrerin herunter und sagte deutlich vernehmbar, mit Blick in meine Richtung: „Jetzt fahren diese Ausländerschlampen schon unsere Autos.“
Mit aggressivem Blick begutachtete er mich. Die Freundin sah angewidert zu mir herüber und lachte abfällig.

Er ging um mein Auto herum, sah mein Kennzeichen, stellte sich dicht an dieses und spuckte lautstark und demonstrativ vor sich hin.“

Wer mehr darüber lesen möchte, folge mir bitte hier entlang:

https://wiedaslebenklingt.wordpress.com/2017/03/04/alltag-in-sachsen-einer-an-den-ich-mich-nie-gewoehnen-werde/

Jedem dürfte klar sein, was Menschen in Sachsen zuweilen blüht, sind sie tatsächlich nicht in Deutschland geboren.

Du einst verträumtes Tal, wie trägst du diese Last?

Sachsen war immer meine Heimat. Ich wurde in Radeberg geboren, wohnte über 40 Jahre in Dresden und liebte diese Stadt. Wie es für mich ist, wenn ich in diesen Jahren nach Dresden fahre, habe ich mehrfach mit einem poetischen Gewand bekleidet – wie hier:

dresden

– enthalten in „BruchStücke“, Band II).

Auf Facebook schrieb ich vor über einem Jahr:

„In Sachsen sind meine Wurzeln, an Dresden hängt noch immer mein Herz.
Als ich kürzlich am Abend durch Dresden fuhr, kamen mir vor Rührung die Tränen.
Eine Stadt – trotz aller Widrigkeiten voller Charme, eine noch ungebrochene Schönheit, eine Stadt der Kunst und Kultur.
Sie hat sich erkältet, leidet unter einem Virus-Infekt. Für sie gibt es kein Antibiothikum, kein Wundermittel. Liebe und Fürsorge könnten sie wieder heilen.
Momentan zittert Dresden noch in braunbeperlter, schwachgeistiger Nässe.“

Leider bedarf es immer wieder dieser Hinweise:

Das Kopieren oder die Weiterverwendung der Gedichte ohne meine Zustimmung ist ausdrücklich untersagt! Ich verweise auf das Impressum und die Seite „Zu meiner Person“.

Das Frühlingsgedicht wird natürlich nicht vergessen. Ich warte auf die wiederkehrenden Sonnenstrahlen. Meinen Freunden, LeserInnen und BesucherInnen wünsche ich eine angenehme Woche.

Eure Sylvia Kling

Frau H. – Entscheidungen für die Ewigkeit


Für mich sind es die Begegnungen mit einzigartigen Menschen, die mich fesseln.

„Die Geschichte der Frau H.“ ist eine meiner drei bisher umfangreichsten Arbeiten. Sie erscheint voraussichtlich im September 2017 in dem Buch „Zimmer 101“.

Über Frau H.:

 

„Eine der letzten tapferen Frauen des letzten Jahrhunderts, die mich noch lehren konnten und mit ihrem Wesen

diese Welt bereicherten. Sie überstanden den zweiten Weltkrieg, flüchteten aus der Heimat, beklagten die Toten und klagten nicht über Unabänderlichkeiten. Sie war eine der letzten Menschen, denen ich zuhören durfte, von denen ich unauslöschliche Nuancen des Bedeutungsvollen erfahren vermochte. Sie war eine derjenigen, an deren Schleifstein ich mein Leben schärfen konnte.“ (Auszug)

 

Auszug aus „Frau H. – Entscheidungen für die Ewigkeit“:

 

Sylvia, Karl ist ein sehr belesener Mann. Auch ein Narr kann weise sein. Das, was Sie vorhin sicherlich erlebt haben und ich kann es mir lebhaft vorstellen, erschreckte mich anfangs auch. Doch ich begriff schnell: Karl ist wie seine mediterranen Vorfahren ein Bewunderer der Frauen, er achtet und mag sie, nicht mehr und nicht weniger. Wenn es darauf ankommt, holt er für die Seniora seines Herzens die Kastanien aus dem Feuer. Darauf kommt es doch an, nur darauf. Seine Inge vergötterte er bis zum Schluss und er ging ihr niemals fremd.

Schließen Sie ihre Schublade wieder, das passt nicht zu ihnen.“

 

Dabei lächelte sie. Ihr wissendes, ihr vergebendes Lächeln. Das Lächeln einer Frau, die ihr Leben gelebt hat. Ihr silbergraues Haar glänzte. Sie hatte es sorgfältig gelegt. Gerade dachte ich darüber nach, woher sie ihre Kraft nahm. In meiner eigenen Scham senkte ich den Kopf.

 

„Was macht die Liebe bei ihnen?“, Frau H. wechselte gekonnt das Thema. Sie lächelte mir aufmunternd zu, sah kurz zum Fenster und sagte: „Der Herbst kommt, den lieben sie doch so.“

 

„Der Liebe geht es gut. Ich glaube, die Liebe gefunden zu haben, auf die ich über zwei Jahrzehnte gewartet hatte.“ Ich rutschte auf dem Stuhl hin und her, als würde ich meiner Mutter von meiner ersten Liebe erzählen.

 

Frau H. schmunzelte und neckte mich: „Da leuchten die Augen auf, so sollte es wohl die Liebe sein. Vertrauen Sie ihm?“

 

Das war eine gute Frage. „Es ist schwer für mich, jemandem zu vertrauen. Vertrauen ist etwas für Naive“, konterte ich und lachte.

„Trotzdem ist es eine reife Liebe. Sie ist so, als ob ich es wage, blind an einer Frucht zu naschen und nicht zu wissen, ob ich jeden Moment in eine faulige Stelle beiße.“

 

Ich sah zum Fenster hinaus und bewunderte, wie die Sonnenstrahlen in den Blättern der Esche verfingen. Es war ein malerisches Bild, welches mich fesselte. Während ich sah, wie ein sanfter Wind diese Blätter hin und her wiegte, sagte ich:

„Ich weiß nicht, ob es diesmal hält. So oft hatte ich schon Hoffnung. Irgendwann entschloss ich mich, allein zu bleiben und mein Leben der Literatur zu widmen. Kein Mann hätte mich mit dieser Leidenschaft ertragen, denn ich verbringe viel Zeit mit dem Lesen und Schreiben, mit der Sinnsuche und den Gebrechen der Vergänglichkeit.

Doch dieser Mann kam, ging wieder und kehrte zurück. Ich hoffe auf eine goldene Herbstzeit und dass wir auch noch im Winter und nächsten Frühling darüber streiten, ob ich die richtigen Zeitformen wähle oder nicht, ob Mephisto ein „Guter“ war oder nicht, ob Goethe ein (begnadeter) Exzentriker war, den man nicht unbedingt als Freund hätte haben wollen oder ob ich über Goethe urteile, ohne dass es mir zustehen würde.

 

Frau H. betrachtete mich lange, tätschelte meine Hand und sagte:

 

„Ein später Apfel kann im Frühjahr genossen werden, wenn sie ihn im Herbst gut lagern.“

 

Ich wollte Frau H. noch etwas fragen. Schon lange beschäftigte mich die Frage, ob man auch zwei Menschen aus ganzem Herzen lieben kann. Ich wusste, dass die Liebe zu jedem dieser Menschen unterschiedlich und einzigartig ist. Als stünden da zwei Berge. Der eine Berg ist bekannt: jede Erhebung, jeder Millimeter, jede flache und tiefe Stelle, jede glatte und gefährliche Stelle, hunderte Male hat man ihn schon erklommen.

Nackt hat man sich auf ihm gewunden, ist mit ihm schon beinahe eins geworden.

 

Der andere Berg ist unbekannt: er will erforscht, erkundet

werden. Er weckt die Sehnsüchte, verbirgt das Unbekannte, lässt uns noch träumen. Er ist ein unvollständiges Bild, eine

Verlockung für die Neugierde der Sinne. Er ist ein Geheimnis und wir Menschen lieben Überraschungen und Geheimnisse. Doch ich wagte nicht, diese Frage zu stellen oder Frau H. um ihre Antwort zu bitten.

(c) Sylvia Kling

Das Kopieren oder Weiterverwendung von Textstellen ist nicht gestattet!

Für mich sind es die Begegnungen mit einzigartigen Menschen, die mich fesseln. Dieser Beitrg ist eher etwas für das Wochenende - keine kurze Aussage mit Flüchtigkeitscharakter. "Die Geschichte der Frau H." ist eine meiner drei bisher größten Arbeiten. Sie erscheint voraussichtlich im September 2017 in dem Buch "Zimmer 101". Frau H.: "Eine der letzten tapferen Frauen des letzten Jahrhunderts, die mich noch lehren konnten und mit ihrem Wesen diese Welt bereicherten. Sie überstanden den zweiten Weltkrieg, flüchteten aus der Heimat, beklagten die Toten und klagten nicht über Unabänderlichkeiten. Sie war eine der letzten Menschen, denen ich zuhören durfte, von denen ich unauslöschliche Nuancen des Bedeutungsvollen erfahren vermochte. Sie war eine derjenigen, an deren Schleifstein ich mein Leben schärfen konnte." (Auszug) Auszug aus "Frau H. - Entscheidungen für die Ewigkeit": Sylvia, Karl ist ein sehr belesener Mann. Auch ein Narr kann weise sein. Das, was Sie vorhin sicherlich erlebt haben und ich kann es mir lebhaft vorstellen, erschreckte mich anfangs auch. Doch ich begriff schnell: Karl ist wie seine mediterranen Vorfahren ein Bewunderer der Frauen, er achtet und mag sie, nicht mehr und nicht weniger. Wenn es darauf ankommt, holt er für die Seniora seines Herzens die Kastanien aus dem Feuer. Darauf kommt es doch an, nur darauf. Seine Inge vergötterte er bis zum Schluss und er ging ihr niemals fremd. Schließen Sie ihre Schublade wieder, das passt nicht zu ihnen." Ihr silbergraues Haar glänzte. Sie hatte es sorgfältig gelegt. Gerade dachte ich darüber nach, woher sie ihre Kraft nahm. In meiner eigenen Scham senkte ich den Kopf. "Was macht die Liebe bei ihnen?", Frau H. wechselte gekonnt das Thema. Sie lächelte mir aufmunternd zu, sah kurz zum Fenster und sagte: "Der Herbst kommt, den lieben sie doch so." "Der Liebe geht es gut. Ich glaube, die Liebe gefunden zu haben, auf die ich über zwei Jahrzehnte gewartet hatte." Frau H. schmunzelte und neckte mich: "Da leuchten die Augen auf, so sollte es wohl die Liebe sein. Vertrauen Sie ihm?" Das war eine gute Frage. "Es ist schwer für mich, jemandem zu vertrauen. Vertrauen ist etwas für Naive", konterte ich und lachte. "Trotzdem ist es eine reife Liebe. Sie ist so, als ob ich es wage, blind an einer Frucht zu naschen und nicht zu wissen, ob ich jeden Moment in eine faulige Stelle beiße." Ich sah zum Fenster hinaus und bewunderte, wie die Sonnenstrahlen in den Blättern der Esche verfingen. Es war ein malerisches Bild, welches mich fesselte. Während ich sah, wie ein sanfter Wind diese Blätter hin und her wiegte, sagte ich: "Ich weiß nicht, ob es diesmal hält. So oft hatte ich schon Hoffnung. Irgendwann entschloss ich mich, allein zu bleiben und mein Leben der Literatur zu widmen. Kein Mann hätte mich mit dieser Leidenschaft ertragen, denn ich verbringe sehr viel Zeit mit dem Lesen und Schreiben, mit der Sinnsuche und den Gebrechen der Vergänglichkeit. Doch ER kam, ging wieder und kehrte zurück. Ich hoffe auf eine goldene Herbstzeit und dass wir auch noch im Winter und nächsten Frühling darüber streiten, ob ich die richtigen Zeitformen wähle oder nicht, ob Mephisto ein Guter war oder nicht, ob Goethe ein gnadenloser Exzentriker war, den man nicht unbedingt als Freund hätte haben wollen oder ob ich über Goethe urteile, ohne dass es mir zustehen würde. Frau H. betrachtete mich lange, tätschelte meine Hand und sagte: "Ein später Apfel kann im Frühjahr genossen werden, wenn sie ihn im Herbst gut lagern." Ich wollte Frau H. noch etwas fragen. Schon lange beschäftigte mich die Frage, ob man auch zwei Menschen aus ganzem Herzen lieben kann. Ich wusste, dass die Liebe zu jedem dieser Menschen unterschiedlich und einzigartig ist. Als stünden da zwei Berge. Der eine Berg ist bekannt: jede Erhebung, jeder Millimeter, jede flache und tiefe Stelle, jede glatte und gefährliche Stelle, hunderte Male hat man ihn schon erklommen. Nackt hat man sich auf ihm gewunden, ist mit ihm schon beinahe eins geworden. Der andere Berg ist unbekannt: er will erforscht, erkundet werden. Er weckt die Sehnsüchte, verbirgt das Unbekannte, lässt uns noch träumen. Er ist ein unvollständiges Bild, eine Verlockung für die Neugierde der Sinne. Er ist ein Geheimnis und wir Menschen lieben Überraschungen und Geheimnisse. Doch ich wagte nicht, diese Frage zu stellen oder Frau H. um ihre Antwort zu bitten. (c) Sylvia Kling Foto: stux/ https://pixabay.com/de/person-mensch-weiblich-frau-zwei-207304/

Foto: stux/ https://pixabay.com/de/person-mensch-weiblich-frau-zwei-207304/

 Aus „Die Geschichte der Frau H.“ stammen einige meiner Aphorismen, die ich gern auch für Widmungen in Büchern verwende.

Liebe Freunde, LeserInnen und BesucherInnen,

mit diesem Beitrag wünsche ich Euch ein wunderschönes Märzwochenende. Nächste Woche werde ich Euch hoffentlich mit einem herzerwärmenden Märzgedicht beglücken können ;-). Ich freue mich schon sehr auf den Frühling, das Blühen, das Erwachen der Natur, die wärmenden Sonnenstrahlen und diesen unverwechselbaren Duft des Frühlings, der uns wieder verführerisch in diese neue Jahreszeit trägt.

Passt auf Euch auf.

Eure Sylvia Kling

Ballade für Marie


Zu dieser neuen Ballade möchte ich keine weiteren Worte verlieren. Sie sollte für sich sprechen. Nur eines: Hört/seht sie bitte unbedingt bis zum Ende an (6 Minuten):

 

Ich danke für die wundervolle Zusammenarbeit mit der Fotografin Yvonne Wagner, Reichenbach/Thüringen und Volker Wolfram für die Mühe, die er in die Bearbeitung dieses Videos investierte.

Ein herzliches Dankeschön an alle, die Marie und ihrer Mutter folgen!

 

Die Ballade widme ich dem Projekt der Malerin Petra Pawlofsky „Kinder im Aufwind“. Die Fundgrube im Blog von Petra findet sich hier:

https://pawlo.wordpress.com/home-2/fundgrube-fuer-kinder-im-aufwind/

Petra Pawlofsky:        

Und wie sag ich’s nun meinem Kind?*

                                        Wie die Angst vergeht / How fear disappears*

          Liebevolle Wegbegleiter/Affectionate company*

  Generationenreigen/ Round Dance of Generations

Gemeinsam stark/Strong together*

Random Randomsen:

Liebeserklärung

  Pity the child

      Lebensläufe

Tomine &Tyler

Eternity-in-progress 

Diana Klute:

   You are my home

vro jongliert:

Kinder sind keine Prüfung

Sylvia Kling:

  Kinder erfahren und Eltern sprechen

  Unverbraucht

    Schlüsselerlebnis

Mitzi Irsaj :

und ein kleiner Beitrag von mir

Jeannette Paterakis:

  Kinder Freude Kinder Lachen

Ulrike Sokul:

Henriettes Heim für schüchterne und ängstliche Katzen /  

                                                Titus und der verwunschene Wald/ Buchbesprechungen

Gerda Kazakou:

Wie die Alten sungen

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Ruhe und freie Zeit

Petra  Pawlofsky  Von Zeitdruck, Hektik und Ruhe*

                                  Die Kraft in der Ruhe/Strength in calm 2*

                                  Die Kraft in der Ruhe/ Strength in calm 1*

 

suche-nach-gleichgewicht-4webfund

   Energie und Selbstbewusstsein stärken

 Petra  Pawlofsky: Die Widerstandskraft stärken/ Strengthening resilience 1

                                   Die Widerstandskraft stärken/Strengthening resilience 2

                                   Gemeinsam stark/Strong together*

kinderrechte-nfweb

  Kinder informieren

Petra  Pawlofsky                 Kinderrechte/ Children’s rights*

Anne- Marit                         2 Buchbesprechungen:  

Kinder ausgegrenzt und ausgebeutet

                                                  Punkte

                                             Am Fusse der Leiter6, 2013

 

Malen und Musik

Petra  Pawlofsky         Malen, Singen, Rhythmus: unbedingt!*

Random Randomsen Die Kinderwelt ist Klang

 

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Fortgeträumt und Wolkenkinder – Darf ich vorstellen (VII)?


Von Liebeskummer
bis Weltenbrand,
von Trost
bis über den Tellerrand,
von Sehnsucht und Krieg
bis über Terror und Tod,
von Hoffnung, dem Hass
und dem, was uns bedroht …

(S.K. über Alexandra)

Umfassend und feinsinnig,
brennend und traurig, lebensmutig und melancholisch
schreibt sie:
Alexandra Breuer.

Folgt mir doch bitte zunächst hier, um Alexandra etwas näher kennenzulernen. Sie hat jede Aufmerksamkeit verdient, wie ich finde.

Rose im Scherbenhaufen

Wie schwer sie wiegen, deine Tränen.
Als stummes Zeugnis, Winterzeit.
Dein Blick ist traurig, stilles Flehen.
Gewitterwolken, Dunkelheit.

Du stehst im Regen, Echohall.
Sturmgepeitscht, ein Maskenspiel.
In deinen Nächten, Albtraumschall.
Wirst du erdrückt, dein Schmerzgefühl.

Verzweiflung packt dich, ausgwegslos.
Die Welt zerbricht, dein Niedergang.
Dein Herz zerrissen, Seelenschloss.
Der Schlüssel weg, kein Neuanfang.

Ich kann dich sehen, schneebedeckt.
Ich kann dich hören, wo du bist.
Ich kann dich finden, dein Versteck.
Ich kann dich halten, was auch ist.

Die Rose wächst im Scherbenhaufen.
Ich zeig es dir, nimm meine Hand.
Gemeinsam vor der Nacht weglaufen.
Find ich den Schlüssel, der dich bannt.

Die Sonne scheint im Wolkenmeer.
Auf die Nacht folgt neuer Morgen.
Licht vertreibt das Schattenheer.
Die Zeit wird lindern deine Sorgen.

Verlier dich nicht, kein Sündenpfad.
Nicht weiter durch das Feuer laufen.
Leg ab dein schweres Bußgewand.
Die Rose wächst im Scherbenhaufen.

Copyright: Alexandra Breuer.

„Das Verwenden und Weiterverarbeiten meiner Texte ist, auch Auszugsweise, nicht oder nur mit meiner Genehmigung gestattet. Eine Weiterverbreitung ist bitte mit entsprechendem Hinweis auf mich zu erfolgen. Danke!“ (Alexandra Breuer)

Wie sie sie sich selbst sieht

„Hin-und-wieder-Einsiedlerin –
Viel zu oft Dunkelwesen –
Wortspielerin –
sensibel durch die Wand Läuferin – Querkopf –
Musikvernarrte –
Wissenaufsaugerin –
Manchmal Intelligenzflüchtling – verpeilte Diskutiererin –
– Perfektionistin – Gedankenkreiselschubserin.“

Mit einer Präzision und doch mit filigraner Zeichnung erzählt sie in Wolkenkinder mit so viel Seele, dass ich sogar heute beim Walken noch über dieses Gedicht nachsann (AUSZUG):

„Die Wolkenkinder im zarten Gewand,
im wattig fragilen Körperkleid.
In weißer Haut mit weißem Tand,
und dunklem endlosen Schweif.

Vielleicht sind sie die Fortgespülten,
die, deren Weg verloren ging.
Vielleicht sind sie die Ungefühlten,
die, von denen niemand singt.“

Ich mag die blumige und zugleich die klare Sprache in Alexandras Gedichten. Gedichte als Seelenheil, als Wortwaffe, als Spiel mit den Lebenskapriolen, als Fragezeichen, Ausrufezeichen, als Hafen, auch als eine Tür, die sich öffnet, um in das eigenen Ich vorzudringen, als Ausdruck einer tiefen Freiheit der Gedanken. In ihrem Gedicht „Fortgeträumt“ zum Projekt „Gegen das Vergessen“ wird sie konkret und lässt uns seelenzittern (AUSZUG):

„Im Winter des Lebens, gelebter Zeit,
sitzt sie alleine im Kerzenlicht.
Sie ist nicht nur müde, sondern auch alt.
Die Jungen der Welt, sie brauchen sie nicht.

Verzweifelte Seele, ein Blick voller Sorgen,
der Hunger ist nur eine Frage von Tagen.
Die Dürre ist lang, hat die Ernte verdorben.
Und sie wird ein weiteres Kind begraben.“

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Wir alle werden in unserem Leben mit Verlust und der Trauer konfrontiert.

Die Trauerarbeit ist nach meiner Auffassung die wichtigste und schwierigste Aufgabe, der wir uns in unserem Leben stellen müssen. Wir können sie nicht dauerhaft mit Arbeit verdrängen, nicht vor uns herschieben, nicht im Alkohol ertränken, nicht einem anderen Menschen überlassen.
Unsere Seele lässt sich nicht lange belügen.

Wer kreativ ist, hat einen großen Vorteil:

Er gibt der Trauer und dem Schmerz einen ganz besonderen Platz. In jenem Moment, in welchem der Trauer in Bildern, Handarbeiten, Worten oder Liedern eine ganz eigenen Dynamik verliehen wird, hat sie eine Chance sein zu dürfen und angenommen zu werden.

Alexandra schreibt über ihre Trauer HIER

(AUSZUG)

„Es gibt jetzt einen neuen Stern am Firmament,
dort bist du nun sicher und frei.
Wir bleiben zurück, mit Trauer, die brennt,
und Sehnsucht um gestohlene Zeit.“

Aus: „Ein neuer Stern“
(Für meinen Papa, † 07.02.2016 im Alter von 58 Jahren)

Als ich von Alexandra und Julita erfuhr, mit welchem Schmerz um den Verlust ihres Vaters, der nicht „einfach so aus dem Leben schied“ sie zu ringen hatten – noch begreifen wollend, noch „zu wenig“ weinend, noch „zu wenig“ erfassend, was die geliebten Menschen bewegte, dem Tod vorzugreifen, schrieb ich ein Gedicht mit dem Titel „Vater“. Monatelang hielt ich es zurück. Weder Alexandra noch Julita wollte ich damit belasten. Wer kann schon so tief in trauernde Menschen blicken, um zu wissen, ob jene geschriebenen Worte Trost sein könnten oder ihnen die Gewissheit gibt: Ich verstehe dich, ich kann mich in dich hineinfühlen, ich beworte deine Trauer, um dir zu zeigen: Du bist nicht allein?

Das Gedicht „Vater“ brauchte Zeit, seine ganz eigene Zeit. Worte sind unvergänglich:

Vater

 

Liebe Freunde, LeserInnen und BesucherInnen,

damit möchte ich mich verabschieden. Ich hoffe, Ihr findet beim Stöbern auf Alexandras Blog ebenso viel Gewortetes, was Euch gefällt, inspiriert oder neugierig auf mehr werden lässt und bedanke mich sehr herzlich für Eure Aufmerksamkeit.

Ich wünsche Euch eine angenehme Woche. Der März läutet den Frühling ein und wer freut sich nicht auf Sonnenstrahlen, Frühlingsblumen und den Geruch von Frische, dem Erwachen des Lebens?

Unseres Geliebten.

Eure Sylvia Kling

 

Die gute Einsamkeit – Teil III


einsamkeit_monotonie

 

einsamkeit_zeitenlos

Teil I zur „Die gute Einsamkeit“:

https://sckling.wordpress.com/2017/02/10/die-gute-einsamkeit/

Teil II zur „Die gute Einsamkeit“:

https://sckling.wordpress.com/2017/02/16/die-gute-einsamkeit-teil-ii/

Liebe Freunde, LeserInnen und BesucherInnen,

mit diesem Beitrag verabschiede ich mich in das Wochenende. Stürme fegen über das Land – die Natur hat ihren Willen. Jene unter Euch, die meinen Lyrikband „AusGeatmet“ besitzen, erinnern sich vielleicht an das Gedicht „Willen“.

Passt gut auf Euch auf.

Eure Sylvia Kling

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