«Sinn» und: Die Zeit der Kälte ist die Zeit für warme Herzen!


Sinn

Reichtum trägt einen dicken Mantel,
Armut in einem dünnen Kleide bleibt,
Schon immer war es so,
früher und es ist so in der neuen Zeit.

Zu jeder Zeit gibt es jene Seelen,
die den Armen sind sehr zugeneigt:
sie versorgen, ihre Kräfte gar entbehren,
wo sich Menschsein von seiner besten Seite zeigt.

Ich stelle mir vor in diesen Tagen,
wie es wohl ohne diese warmen Herzen wär,
jämmerlich würden Arme sterben
und Reiche hätte diese Welt noch mehr.

Was dann? Es würde kaum genügen,
die neuen Armen, sie wären die einst Reichen,
wer die Geschichte kennt, der weiß:
Gier ist des Menschen Markenzeichen.

So hoffe ich, solange wir Gäste auf der Erde sind,
wird es Hilfe geben – ohne Aussicht auf Gewinn,
Menschen, die andrer Menschen sich erbarmen,
und ihn erfüllen: den eigentlichen Menschensinn.

©Sylvia Kling

(Auszug aus dem 2018 erscheinenden Buch „Als die Amsel verstummte“ – Das Kopieren ist untersagt, siehe auch Impressum)

Liebe Leser, Freunde und Besucher,

Ich möchte heute noch nicht auf die Wahl eingehen. Wir werden in sozialen Netzwerken unentwegt damit konfrontiert. Natürlich bin ich auf die Ergebnisse (auch in dem rechtslastigen Sachsen) gespannt.
Doch lassen wir doch mal unseren Blick schweifen – dort hin, wo wir gebraucht werden: von Menschen, denen es nicht so gut geht wie manchem von uns. Für Menschen, die sich schon an einer Tasse Tee oder Kaffee, an einer heißen Suppe und einer warmen Behausung und ja: auch an einem Lächeln erfreuen.

Es wird wieder kälter und damit Zeit für offene Herzen!
Im vorigen Jahr sagte ich zu meiner Lesung in der Marienkirche Dessau inhaltlich, indem ich u.a. auf die Vorurteile vieler Leute zur Armut Bezug nahm:
„Es ist mir egal, wie es dazu kam, dass Menschen so arm sind, betteln zu müssen. Es IST Armut.“

(Eigentlich sagte ich ganz spontan: «Es ist mir wurscht.» 🙂 )
Denkt daran, wie viele sinnlose und unnötige Dinge wir in unserer Überflussgesellschaft kaufen und wie viel wir täglich entsorgen!
Haben wir da nicht die Mittel, den Armen einen Kaffee oder eine Stulle zu geben?

Foto: Sylvia Kling: Dresden 2016, Bautzner Landstraße – inzwischen ein beinahe gewohntes Bild in Großstädten

«Wir waren in einem kleinen Café.
2 Kunden kamen.
„5 Kaffees. 2 für uns, 3 zum spenden.“

„Was ist ein Spender-Kaffee?“, fragte ich.
„Warte ab!“

Mehr Kunden. 2 Mädchen bekamen ihre Kaffees, sie bezahlten.

Nach einer Weile bestellten drei Anwälte sieben Kaffees, tranken drei aber bezahlten für die sieben.

Während wir redeten, betrat ein armer Mann das Cafe.
Mit einer zarten Stimme fragte er: «Haben sie ein paar Spender-Kaffees?»

Diese Wohltätigkeit stammt aus Napoli (Naples, Italien).
Die Leute bezahlen die Kaffees und Mahlzeiten für andere Menschen, die es nicht können.»

Im Netz ist das Projekt hier zu finden:

http://suspendedcoffee.de/

Der Link für die offenen Herzen (Facebook):

Beitragsfoto: Sylvia Kling/Dresden – Bautzner Landstraße/2016

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46 Gedanken zu „«Sinn» und: Die Zeit der Kälte ist die Zeit für warme Herzen!

  1. Das ist eine schöne Aktion – diese Kaffee-Spende-Sache – hab ich auch schon von gehört, wüsste jetzt aber gar nicht, wo ich das hier in meinem Umfeld tun könnte. Da mache ich mich mal schlau. Aber noch was anderes:

    Weil ich Deinen Blog mag, habe ich Dich für den The Mystery Blogger Award nominiert.
    https://einefrageamtag.de/the-mystery-blogger-award
    Eine Teilnahme ist freiwillig, ich würde mich freuen, wenn Du dabei bist.
    Herzliche Grüße von Barbara

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    • Liebe Barbara,
      ich habe von dieser Aktion auch nur durch Sabine Adameit erfahren, als ich recherchierte und finde sie phantastisch.

      Liebe Barbara,
      ich freue mich sehr über die Nominierung und fühle mich geehrt. Aber bitte sei mir nicht böse: Ich schaffe das einfach aus Zeitgründen nicht mehr. Auch verfüge ich nicht über ausreichend Internet, um zusätzliche Beiträge einzustellen – ich hoffe hier auf Dein Verständnis.

      Ganz liebe Grüße
      Sylvia

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      • Liebe Sylvia,
        das verstehe ich sehr gut! Das ist kein Problem für mich.
        Wenn ich sehe, was Du alles machst, ist das für mich klar, dass alles „Zusätzliche“ dann zu viel sein kann, aber deshalb kann ich Dich ja nicht nicht nominieren, oder?
        Fühle Dich verstanden und herzlich gegrüßt von Barbara

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  2. Liebe Sylvia,
    wenn ich mich so umschaue, habe ich die Befürchtung, dass diese Situation bald für noch viel mehr Menschen Realität wird.
    Nach dem Wahlergebnis waren unsere Politiker so was von überrascht und geschockt, das haben sie nicht kommen sehen. Nein, sie sind zu weit weg von uns.
    Liebe Grüße von Anne, die von FB nicht mehr gewollt ist.

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  3. Danke für den wertvollen Beitrag. Ich merke da meine Hilflosigkeit im Umgang mit Armut. Wer ist wirklich bedürftig? Wer gehört zu Banden? Was ist richtig? Kann ich (überhaupt) was bewirken?
    Einmal habe ich einen echten Penner bei uns in Jena (eher Kleinstadt mit 100.000 EW, kaum Penner) im Park in seiner Behausung überrascht und spontan einen Schokoriegel in die Hand gedrückt… das war seltsam… gut und doch irgendwie schräg… ist auch sowas Hilfe? Aber was kann ich wirklich tun? Ich bin kein Sozialarbeiter, kein Psychologe… ich bin nur ich… mit all meinen Grenzen und eigenen tagtäglichen Herausforderungen…
    Ich verbleibe in Gedanken… Lg!

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    • So, jetzt kann ich Dir antworten.

      Natürlich ist ein Schokoriegel auch Hilfe. Stell Dir vor: Fünf Leute am Tag geben jeder etwas.
      Schon ist sein Tag gut.

      Wie man „Bettelbanden“ erkennt, kann ich Dir nicht sagen.
      Ich hinterfrage das nie. Ich gebe einfach was. Was solls? Da rauche ich mal fünf Zigaretten weniger.
      Ich kann mir aber immer noch im Spiegel in die Augen sehen. Die Frage ist: Können das jene, die sich mit der Hilfsbereitschaft anderer Menschen bereichern, dauerhaft auch???
      DIE haben DAS PROBLEM.

      Vielleicht kann man ja am Blick der Bettler erkennen, wie nötig die Spende war. Wie war sein Blick?

      Wichtig ist (!):
      Man soll so helfen, dass man sich selbst nicht vollends vergisst. Denn niemandem nützt es, wenn man selbst auch zum Armen wird.
      Das zumindest sagte mir eine Mitarbeiterin vom Roten Kreuz.
      Ein gesunder Egoismus ist hier also durchaus legitim – sogar notwendig.

      Ich halte es im Großen und Ganzen damit:
      Wenn ich mit Herzen gebe, erhalte ich mit Herzen zurück (zehnfach, irgendwann). Nicht zwingend von denjenigen, denen ich half. Nicht unbedingt in materiellen Werten.
      Ein Stück von irgendwelchem Glück fällt auf mich zurück: irgendwann und irgendwie und irgendwo.
      Wenn nicht: auch okay. Dann sollte es so sein.

      Sei herzlich gegrüßt
      Sylvia

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      • Liebe Sylvia, Danke für deine umfassende Antwort!
        „ER“ wohnte mit einer schäbigen Behausung im Gebüsch, nahe am Wasser… Ich wollte gerade an den Fluss treten und hatte ihn überrascht… Sein Elend war einfach sichtbar und hatte mich mitten ins Herz getroffen.
        Ja, helfen ist wichtig. Ich stimme dir zu: Wenn jeder nur etwas tut, dann wird es in Summe auch spürbar(er). Und sei es die Spende… es gibt da so viele Formen.
        Ich merke gerade, dass auch dein Artikel zum Thema eine Hilfe ist. Er hat etwas bei mir bewirkt. Ich bin sensibilisierter. Das ist gut. Und sicher gehts nicht nur mir so. Dafür dir ein besonderes Danke!
        Lg!

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      • Ich freue mich, dass ich Dir ein wenig „helfen“ konnte (ich finde gerade kein besseres Wort – bin gerade sehr erschöpft nach einer fetten Cortisonspritze in die Hüfte und einem anstrengenden Tag – sorry).

        Ich habe DIR für das Lesen und das „Sensibilisierenlassen“ herzlich zu danken! 💙💜

        Liebe Grüße
        Sylvia

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  4. Die Angst vor dem eigenen Mangel treibt viele Blüten – da genügt es oft, das es einem anderen schlechter geht für ein gutes Gefühl im eigenen Bauch. Deshalb müssen wir mit Bewusstsein uns die Not anderer ansehen, um die eigentliche Gefahr für uns selbst zu erkennen: Das auch uns keiner hilft, wenn wir (die jetzt Starken) mal Hilfe brauchen.
    Danke für Deine Texte – zum wachrütteln und wachhalten!
    👍

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  5. Liebe Sylvia,
    Dein Gedicht gefällt mir.

    Hier ein Beispiel von sozialer Kälte. Mich friert, wenn ich mir das vorstelle, was einer 76-jährigen Rentnerin in München passiert ist.

    Das ist Unmenschlichkeit pur! Ich kann mich nur wundern, was in Deutschland möglich ist. Kennt man da nur den Buchstaben des Gesetzes? Herz hat man jedenfalls nicht. Ich finde das höchst skandalös und beschämend. Ein Erbarmen gab es da jedenfalls nicht. Eine Rentnerin soll 2.000 € Strafe zahlen, die sonst nichts hat und Flaschen sammeln muss – aus das eine Schande. Unmöglich solche Zeitgenossen. Deutschland quo vadis?

    Aus der Münchner tz
    Rentnerin (76) sammelt Flaschen – Jetzt ist sie vorbestraft
    Eine 76-jährige Frau ist jetzt vorbestraft, weil sie am Münchner Hauptbahnhof ihre Rente aufbessern wollte.

    „München – Das ist doppelt bitter! Anna Leeb hatte sich lange Zeit ihre Rente mit Flaschensammeln am Hauptbahnhof aufgebessert. Vor knapp zwei Jahren wurde der heute 76-Jährigen der kleine Zuverdienst von zwei Bahn-Mitarbeitern untersagt. Die gehbehinderte Rentnerin erhielt Hausverbot. Wegen Hüftproblemen hatte sie jetzt eine Abkürzung durch die Bahnhofshalle nehmen wollen – und nahm gleich noch eine leere Bierflasche mit. Allerdings wurde sie prompt erwischt! Just von den zwei Mitarbeitern, die ihr vor zwei Jahren das Sammeln untersagt hatten.
    Die Folge: Ein Strafverfahren wegen Hausfriedensbruchs. „Die eigentlichen Verbrecher in München finden sie nicht, dann müssen sie jemanden wie mich rupfen“, klagt die Rentnerin. 2000 Euro Geldstrafe soll sie zahlen – und sie ist jetzt vorbestraft!

    https://www.tz.de/muenchen/stadt/ludwigsvorstadt-isarvorstadt-ort43328/rentnerin-76-am-hauptbahnhof-beim-flaschensammeln-erwischt-jetzt-ist-sie-vorbestraft-8697128.html

    Liebe Grüße
    Hubert

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  6. Liebe Sylvia, die Stimme derer, die unter uns Not leiden, wird oft übertönt, ist an sich kaum mehr zu hören – gut, zu erinnern, hinhören zu lassen, neue Augen und Ohren zu schenken – denjenigen, die von sich aus kaum etwas tun können, wahrgenommen zu werden – danke für das Erinnern – und das, was es verändern kann!
    Sei lieb gegrüsst
    Guido

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      • Liebe Sylvia, hab auch die Wahlergebnisse verfolgt – meine Hoffnung liegt in den kommenden und hoffentlich möglichst gründlich erfolgenden inhaltlichen Auseinandersetzungen, in denen sich zeigen wird, dass die AfD bei allem Generieren und Einfangen von Stimmungen keine wirklichen Inhalte haben, die politisch in irgendeiner Weise tragend oder nachhaltig wären. Ich glaube, je mehr im politischen Diskurs die Inhalte zu Wort kommen, je eher wird sich die Relevanz der AfD von selbst aufheben. Bleibt zu hoffen, dass es möglichst bald auf die Inhalte kommt – umso eher werden sich die „Argumente“ der AfD als kurzatmig und fadenscheinig und im eigentlichen Sinne unpolitisch entarven. Und bleibt zu hoffen, dass die Leute einmal wirklich hinhören…

        Liebe Grüße
        Guido

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      • Lieber Guido,
        genau das hat sich bei allem Entsetzen gerade bei mir festgesetzt – Lindner hat es ja in der Runde vorhin ähnlich ausgedrückt.
        „Während wir debattieren, stehen die Parteimitglieder der AfD am Buffett.“
        Sehr eindeutig …

        Lass uns gemeinsam hoffen.

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  7. Das Foto mit dem liegenden Obdachlosen ist leider fast normal und das nicht nur in Großstädten. Leider ist bei vielen Menschen ganzjährige Kälte im Herzen, wenn es darum geht hilfsbedürftigen Menschen zu helfen. Da ich momentan ohne Auto bin, also zwischen 2 Zeiten, altes kaputt, neues kommt erst in ca. 2 Wochen, fahre ich viel mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Da beobachte ich, wie ignorant Menschen Obdachlosen begegnen.

    Möglichst nicht belästigt werden ist die Devise. Ich kann nur immer wieder schreiben, habt nicht nur in der Weihnachtszeit ein wenig Lust zu helfen. Helft ganzjährig. Schon mit Kleinigkeiten kann man diesen Menschen eine Freude machen, ja manchmal reicht es, wenn man ihnen zuhört. Und das sollte doch zumindest möglich sein, oder?

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    • Ja, viele sind sehr voreingenommen. Ich komme aus einem sozialen Bereich. Daher schreibe ich nicht grundlos, dass es mir „egal ist, woher sie kommt“ (nur in Bezug auf die Vorurteile zu sehen!), denn ich habe unzählige Geschichten gehört von Menschen, die in die Obdachlosigkeit geraten. Nicht wenige Geschichten zeigen auf, dass es sich oftmals um einen Kreislauf handelt: Arbeitslosigkeit, Scheidung, Verlust der eigenen Identität – Depressionen. Dann geht es oft sehr schnell, gerade Männer betreffend. Manche Nacht konnte ich nicht schlafen, das kann man mir glauben. 😦
      Die Welt können wir nicht retten, aber wir können sie besser machen – jeder ein kleines Stück.

      Danke für Deinen Kommentar, der mir aus der Seele spricht!

      Herzensgrüße aus Meißen,
      Sylvia

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  8. „„Es ist mir egal, wie es dazu kam, dass Menschen so arm sind, betteln zu müssen. Es IST Armut.“

    (Eigentlich sagte ich ganz spontan: «Es ist mir wurscht.» 🙂 )“
    ….
    so denken die wenigsten Menschen. Ich finde diese Gedanken sehr gut und diese Aktion mit den „Spender-Kaffees“ gefällt mir auch.

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    • Jetzt fälkt mir gerade auf:
      Es könnte auch falsch verstanden werden (dass mir die gesellschaftlichen oder persönlichen Umstände der von Armut betroffenen Menschen egal wäre), aber im Kontext zu dem Thema „Vorurteile“ eben ist es unmissverständlich.

      Ich danke Dir für Deinen Kommentar 💜 und grüße Dich aus dem sächsischen Meißen.
      Sylvia

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  9. Liebe Sylvia,
    herzlichen Dank für Dein wärmendes Gedicht und auch die Erzählung zu den Spender-Kaffees, Ähnliches hatte ich von Bars in Spanien gehört. Das Spenden des Flaschengeldes in deutschen Supermärkten geht ja auch ein bisschen in diese Richtung. Ich finde es wichtig, dass es so etwas gibt. Wichtig fände ich auch, dass wir uns mehr solcher positiver Geschichten erzählen würden, um ein Gegengewicht zu den vielen negativen Nachrichten zu schaffen, die in den Medien gepuscht werden.

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