Regentag – und die Permanentgrinser


 Ob der Frühling verschlafen hat? Vielleicht schlummert er zwischen zwei Linden?  Immer wieder ist es trübe, Regen fällt und die Sehnsucht nach Wärme lässt sich von Tag zu Tag intensiver spüren. Was könnte man tun, um sich aufzurichten? Haben wir einen Tag, an dem es uns möglich ist, etwas Phantasie zu entwickeln, könnte es so sein:

 

RegenTag

Wie Silberfäden der Regen heute auf mich fiel,
ich fror,
nach kurzer Zeit ward ich durchnässt,
so stellte ich mir vor,
ich wär von jedem Tropfen wie von einem Edelstein besetzt.

Auf dem einzig Teich im ganzen Dorf
prallten Diamanten nieder,
kleine Frösche hüpften gar vergnügt vor meinem Schritt,
plötzlich brannten meine Glieder,
in meinem Herzen ging die Sonne
mit einem Male mit.

 Copyright Sylvia Kling

Auszug aus meinem Buch „AufBruch“

 

Liebe Freunde, LeserInnen und BesucherInnen,

ich wünsche Euch einen guten Wochenstart.

Einige Gedanken an diesem Montag von mir – zwischen den Umzugskartons hervorgelugt:

Von zu viel (oder besser formuliert: übereifriger oder falsch interpretierter) Spiritualität halte ich nichts. Menschen, die mir suggerieren wollen, ich müsse wirklich permanent lachen und in jedem stinkenden Misthaufen etwas Positives sehen, sind mir suspekt. Menschen, die immer lachen/lächeln, als hätte man ihnen die Mundwinkel an den Ohren festgeklammert, empfinde ich zweifelhaft. Sie sind mir zu undurchsichtig.

Auf mich wirken Permanentgrinser zuweilen grotesk.

Jeder Mensch hat Sorgen, Nöte, Probleme. Das Leben ist so und ich mag Menschen, die sich das eingestehen können. Ich möchte auf dem Gesicht eines ernsthaften Gegenübers auch Mitgefühl, Zweifel, Trauer, Nachdenklichkeit erkennen können. Wie kann ich sonst angemessen auf ihn reagieren? Wie sonst kann eine realistische Kommunikation zustande kommen?

Wenn wir auch mit „Lebensspuren“ (Falten ist solch ein negatives Wort 🙂 ) rechnen müssen: Das ist es mir wert, wenn ich schlicht und ergreifend MENSCH sein will und mit MENSCHEN leben will – mit Höhen und Tiefen, mit allen Emotionen, die das Leben in uns hervorruft.

Ich kann die Probleme und Nöte nur dann bearbeiten, wenn ich mich ihnen stelle – nicht aber, wenn ich sie hartnäckig weglache und mich selbst betrüge.

Man muss seine Stimmungen nicht auf dem Gesicht für Jedermann sichtbar tragen – wir brauchen im Alltag eine gewisse Maske zu unserem eigenen Schutz. Es ist immer das Maß das Maß aller Dinge.

Ich bin dafür, dass man versucht, positiv zu denken. Ich weiß aber auch: Es ist nicht jeden Tag und in jeder Situation möglich.

Nichts ist menschlicher als Menschlichkeit.

Ich grinse aus verschiedenen Gründen eben diese Tage NICHT oder nicht oft. Das RECHT nehme ich mir.

Weil ich Mensch bin. 

Habt es gut und passt auf Euch auf.

Eure Sylvia Kling

Beitragsfoto:

https://pixabay.com/de/clown-schauspieler-nase-zirkus-362155/

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57 Gedanken zu „Regentag – und die Permanentgrinser

  1. Liebe Sylvia, am Ende Deines Gedichtes angekommen, hatte ich soviele Worte, die ich Dir dazu schreiben wollte. 😊 Dann begann ich zuerst die vielen Kommentare zu lesen und schwups waren alle meine Gedanken/Worte für einen Moment aufgebraucht. 🤗 Bleibt mir aber noch hinzuzufügen, dass ich meist ein lachendes Gesicht trage, aber ein ehrliches! In den Momenten, in denen mir nicht danach ist, werde ich eher zu einem Schneckchen und ziehe mich für einen Augenblick zurück. Das Recht nehme ich mir. Ich liebe es und provoziere es auch gerne, Menschen, die mir begegnen und einen trüblichen Gesichtsausdruck tragen, einfach anzulächeln! Was dann passiert, ist großartig, denn ihr Gesicht entspannt sich und sie lachen zurück. Mir sind aber auch schon Menschen begegnet, in deren Gesichter ich erkannte, dass sie gerade nichts zu Lachen haben, für diese wünsche ich mir dann, dass sie einen Vertrauten haben. Ähhhh, außerdem neige ich zu Lachanfällen, was früher in der Schule, den einen oder anderen Unterricht unterbrach, denn oft steckte ich damit Mitschüler und Lehrer an! Ein anderer Lachanfall ließ meine Freundin im Erdboden verschwinden, denn ich bekam in einem Restaurant zur besten Essenszeit einen meiner schlimmsten Lachanfällen, dumm nur, dass ich gerade einen Schluck Kakao im Mund hatte! Da ich den Mund keinesfalls öffnen wollte, nahm der Kakao einfach die Abkürzung durch die Nase! Ich trug damals einen weißen Pullover!!! Der Radius der Spritzkunst war enorm! Der Kellner hechtete mit einem ganzen Schwung Geschirrtücher durchs Restaurant, was dazu führte, dass ich UND meine Freundin zum Mittelpunkt wurden! 🙈 Sooo, bevor ich jetzt anfange aus dem Nähkästchen zu erzählen, nur noch soviel, liebe Sylvia, ich weiß genau, was Dein Gedicht meint und bin ganz bei Dir! UND ich schicke Dir mein liebstes 😁 und wünsche Dir viele lachende Momente, sowie einen möglichst stressfreien Umzug! Ich weiß, was es heißt, ein Haus leerzuräumen, aus beruflichen Gründen meines Mannes haben wir dies schon öfter praktizieren müssen. Liebe Grüße Gaby 🙂

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    • Das klingt ja alles lustig und einige Situationen kommen mir durchaus bekannt vor (in ähnlicher Form), da ich ein höchst alberner Mensch bin. 🙂
      Das Lachen gehört unbedingt in unser Leben – ich wüsste gar nicht, wie ich sonst überLeben sollte. Doch eben nicht in Situationen, in denen es nicht angemessen ist oder als Dauerzustand (das ist einfach unnatürlich).
      Ich verstehe jedoch alles sehr gut und musste grinsen ….

      Leider bin ich zeitlich sehr angespannt und kann nicht weiter auf Deinen Kommentar eingehen – ich hoffe, Du entschuldigst mich.
      Ich bedanke mich für Deine lieben Wünsche zum Umzug und grüße Dich herzlich aus der Nähe von Radeburg.

      Liebe Grüße

      Sylvia

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  2. Ja, Sylvia, nichts ist menschlicher als Menschlichkeit.
    Was für ein Satz!
    Was immer Du gerade zu bewältigen hast – ich schicke Dir stille Grüße und ich weiß, dass was sich bewegt letztendlich auch eine Herausvorderung ist, die Du bestehen wirst.
    Ich grüße Dich herzlich und danke Dir für den Besuch in meinem Blog.
    Barbara

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  3. Du hast mir, trotz Regentag, gerade ein Lächeln auf das Gesicht gezaubert und das kommt von Herzen ❤ Grinsen widerstrebt mir auch, aber ein herzhaftes Lachen oder ein verzauberndes Lächeln, das vergebe ich gerne.
    Liebevolle Grüße, Sylvia

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  4. Bei den wirklich nahen Beziehungen, darf man sein Gesicht zeigen. Da fühle ich mich auch wohl dazu. Aber sogar bei gewissen Nahestehenden scheinen Trauer, Wut und negative Emotionen des Gegenübers ihre eigene Ängste hervorzurufen….
    Einen guten Umzug wünsche ich Dir ❤☘

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  5. Kurzes und zudem auch gehaltvolles Gedicht!
    „Falten ist solch ein negatives Wort“ – das ist es per se nicht
    Ich habe nichts gegen Falten, sie fallen mir in der Regel nicht auf. Höchstens dann, wenn eine 40-Jährige Falten wie eine 70-Jährige hat (eben weil das irritiert).
    Das Buch „Jüdische Portraits“ von Koelbl hat mich vor 25 Jahren beeindruckt und zu Zeichnungen (auch in meinem Blog) veranlasst. Damals lernte ich die Schönheit alter Menschen, selbst noch keine 40 gewesen.
    „Authentisch sein“ war mir schon immer wichtig. Verstecken als Standard kann keine Massnahme sein.

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    • Vielen lieben Dank!
      Ich habe auch nichts gegen Falten – neige dazu, Worte mit einem poetischen Gewand zu bekleiden (zumal „Lebensspuren“ schon in Gedichten von mir vorkamen). 🙂 Ich mag es, wenn mir Falten im Gesicht eines Menschen Geschichten zu erzählen vermögen.
      Da schaue ich mich mal in den „Packpausen“ intensiver auf Deinem Blog um – unter diesem Gesichtspunkt.

      Herzliche Grüße
      Sylvia

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  6. … ein Dauerlächeln kann gar nicht menschlich sein ohne Botox… aber was menschlich macht ist der Blick für dir Natur und seine Umwelt… Wasserdiamanten, wie oft haben sie mir schon den Blick verzaubert… wie deine Zeilen Sylvia

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  7. Ich denke ich gehöre mittlerweile zu der suspekten Art der Dauergrinser Menschen, so zu 90%. Und ich weiß genau wie das auf andere Menschen wirkt und genau deswegen macht es noch soviel mehr Spaß. 😊Ich bin Positivdenkerin geworden und habe vor einigen Jahren gelernt dass es keine schlechten Tage gibt, es gibt schlechte Momente. Aber so gut wie niemals sind 24 Stunden am Stück schlecht. Somit freue ich mich in einem seltsamen Moment auf den kommenden guten Moment, der nie lange auf sich warten lässt. Für mich zählen nur Momente, von Tagen lasse ich mich nicht mehr runterziehen, und eine Maske trage ich deswegen nicht.

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    • Liebe Steffi,

      ähnlich wie Du denke ich auch. Ich glaube, wir sind uns hier nahe. Ich habe einige Jahre mit einer schweren Erkrankung hinter mir und habe gelernt, jeden Tag als ein Geschenk zu betrachten.
      Darum geht es mir nicht.

      Wir sind Menschen und bestehen dennoch aus Emotionen – und wenn es nur Momente sind. Wir haben Mimik, Sprache.

      Ich glaube nicht, dass Du, sobald Du unter Menschen bist, ununterbrochen lächelst und dies ein Dauerzustand ist. Man schaut doch auch mal nachdenklich, man überlegt oder zweifelt, man ist traurig bei einer traurigen Begebenheit oder weil man sieht, wie es ggf. manchen Menschen schlecht ergeht ….
      Ich denke, hier ist wirklich das Maß gefragt und so ist mein Beitrag dazu auch zu verstehen (zumindest habe ich auf FB und hier nichts Gegenteiliges dazu bisher erfahren).

      Ansonsten – wie erwähnt – bin ich ganz bei Dir.

      Sei herzlich gegrüßt
      Sylvia

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    • Sie schon wieder! Heute wieder aus Thüringen geschrieben – schön!
      Sie benutzen wohl gar nicht mehr die Technik Ihres Arbeitgebers – ist es Ihnen das nun doch zu heiß geworden, nachdem ich Ihnen androhte, diesen zu informieren? Ist Ihnen das nach über zwei Jahren nicht langsam selbst zu albern, was Sie machen? Und nun meine letzte Ansage:
      Laden Sie Ihren geistigen Müll anderswo ab – Sie werden einen Ort finden.

      Und ja, lächeln Sie doch mal – das bringt die Mundwinkel wieder nach oben. Das habe ich nach dem Ausräumen von zwei Häusern auch gemacht, denn jeder ist für sein Leben selbst verantwortlich!

      In Zukunft werden Sie keine Gelegenheit mehr haben, hier zu kommentieren. Ich könnte selbstverständlich eine EA (=Einstweilige Anordnung) bei Gericht gegen Sie erwirken. Aber selbst dieser Gang ist für mich vergeudete Zeit!

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  8. Hab gar nicht so viele Daumen, die ich für diese klaren und ehrlichen Worte, sowie auch saß schöne Gedicht hoch halten kann liebe Sylvia!👍👍
    Bin zwar ein meist fröhlicher Mensch… aber auch menschlich, mit entsprechenden Emotionen und mag auch keine maskenhaften Dauergrinser!😉
    Liebe Grüße und noch einen schönen Abend wünsche ich dir🍀

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  9. Der Regen ist ein Segen, so lange das nicht zu Überschwemmungen und Vermurungen führt. Es gab schon Jahre, in denen es viele Wochen kaum geregnet hat, die Ernte ist verdorrt. Wir können darauf keinen Einfluss nehmen, und das ist gut so! Das größte Problem für die Obstbauern waren die Spätfröste im April, am Mittwoch früh kann es noch mal unter 0 Grad kriegen, dann sollten wir die Frostnächte überstanden haben.

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    • Stimmt – sehe ich auch so.
      Mir sind diese Menschen so begegnet. Das ist wahrlich unangenehm. Tanzen soll ich und das Leben ist ein Tanz…im Bereich der Poesie durchaus akzeptabel – ein wenig Idealismus kann nicht schaden….
      Im realen Leben finde ich das äußert unrealistisch.

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  10. Liebe Sylvia, ich bin da leider etwas auffällig, denn wenn ich mich in Gesellschaft befinde muss ich sehr oft lächeln oder lachen und ziehe mich zurück, wenn es mir nicht danach zumute ist. So nehmen mich viele Menschen als reine Frohnatur wahr, obwohl 90 Prozent meines Lebens aus Denken und Ernsthaftigkeit bestehen und ich nicht dauernd Frohsinn produziere. Ich lasse mir wirklich selten meinen inneren Gemütszustand anmerken, alleine schon, um anderen eine Stütze zu sein. Zudem kommt, dass ich bei Telefongesprächen mit lieben Menschen oft vor Freude lachen muss, selbst wenn der Anlass ernst ist. Sollten wir also mal irgendwann miteinander reden, siehe mir bitte mein Grinsegesicht nach, es ist dann dir geschuldet. Dir einen fabelhaften Wochenstart!

    Gefällt 4 Personen

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