„Ansicht“ und: Ist es interessant, berührt es? Dann ist es Kunst.


Für Lotte – als Erweiterung von „Ecken und Kanten“ – mit großer Freude:

Ansicht

Ich bin,
ich bleibe,
werde
für euch
niemals ent-icht,
ich pass nicht
in eure Herde
mit meinem
ZweifelsGesicht.

Ich bin
ich bleibe,
werde
nicht wie ihr so kalt und spröde,
ich halte mich
kantig,
bis ich sterbe,
nur rund ist
mir zu (bl)öde!

Ich bin,
ich bleibe,
werde
mit euch nicht
ins Niemandsland
gehen.
Denn wer immer
läuft mit der Herde,
wird stets nur die
Hintern sehen!

😉

Copyright Sylvia Kling

Kopieren und Weiterverwendung ist aus urheberrechtlichen Gründen nicht gestattet!

Eine bemerkenswerte Dichterin ist mir begegnet: „Lotte“. Lotte veröffentlicht in dem Forum „Lyrikecke“ einige ihrer Gedichte und wird immer wieder von manchen Poeten kritisiert. Ich finde ihre Gedichte faszinierend. So bat ich um einen Kontakt zu ihr, den mir meine liebe Freundin Alex herstellte.

Bevor ich Euch einige Auszüge meiner Gedanken mitteile (obwohl vieles davon den meisten Lesern und Freunden schon bekannt ist), möchte ich Euch den Link zu Lottes Gedicht „Ecken und Kanten“ dringend empfehlen (das Kopieren ist dort ebenfalls nicht gestattet!):

https://www.lyrikecke.de/gedicht/264727


Die Frage ist nicht: Sind Gedichte technisch immer einwandfrei. Die Frage ist: Sind sie interessant? Berühren sie?

Was ich nicht möchte: immer den gleichen Reim, immer den gleichen Rhythmus – wenn sich mir nichts Neues eröffnet. So möchte ich Gedichte nicht lesen. Ich will Ecken und Kanten, möchte die Persönlichkeit des Poeten erkennen, möchte mich auch ein wenig am Gedicht reiben dürfen!

Wir können uns an der Metrik orientieren, doch ist das alles? Ich mache oft Gedichtanalysen, belese mich – aus Freude, aber auch zur Übung. Ich wende verschiedene Reimformen an, verwende als Stilmittel häuftig BinnenMajuskel. Doch niemals möchte ich mich theoretisieren lassen – so nämlich werden Gedichte „verkopft“ und das Gefühl, die Stimmung wird nicht mehr ausreichend transportiert. Der Leser verzeiht uns alle kleinen UngeREIMtheiten, nur verzeiht er uns nicht eine gestellte, aufgesetzte Poesie – eine Poesie ohne Reflexion.

Der folgende Text kann – wie meine, mir länger treuen LeserInnen wissen – nicht anders stehen von mir, als so:


Natürlich brauchen wir auch die heilsame Welt, die uns allen das Leben erträglich macht, die uns geduldig werden lässt, uns bis zum tiefsten Grunde der Verheißung führt. Ja, wir brauchen in der Lyrik auch den Idealismus. Doch es wird nach meiner Ansicht nicht so sein, dass er allein tragend ist. Auf Dauer ist es für mich nicht stimmig, wenn wir die Realität umdeuten, um uns einen Kokon zu (er)schaffen, in welchem wir uns vor den Gegebenheiten des Lebens schützen.

Das Leben ist nicht ideal. Das Leben ist bunt. Das Leben ist nicht nur schön, vor Glück triefend. Das Leben ist auch oft schmerzhaft, lässt uns viele Fragen stellen. Wir erleiden Verluste, wir trauern, wir entbehren, wir erkranken, wir verarmen und vieles mehr. Als Humanistin sehe ich immer den Menschen im Mittelpunkt – mit all seinen Stärken und Schwächen – ja, mit seinen „Ecken und Kanten“.
So sehe ich die Kunst auch. Heute noch mehr als noch vor 20 Jahren. Ich empfinde es so, dass wir als Menschen – und Künstler – auch die Verpflichtung haben, die Menschen an Wesentliches zu erinnern. Sie sollten an dieser Welt teilhaben, an diesem Sein. Wir leben in einer schnelllebigen Zeit, in einer Zeit des Werteverlustes, in einer Zeit der emotionalen Unterkühlung.

Die Kunst ist für mich ein Weg, Dinge zu verändern und unsere Gedanken, erst recht in diesen fragilen Zeiten, selbstkritisch zu hinterfragen.
Wir brauchen das Leichte, wir brauchen auch das Schwere. Wir brauchen in der Poesie LEBEN. Und was wäre sie ohne Hoffnung?

„Lang lebe die Lyrik“ sagte Michael Krüger. Recht hat er!

In diesem Sinne, meine lieben Freunde, LeserInnen und BesucherInnen, schreibt Euch in die Herzen und in den Geist Eurer LeserInnen, nicht in die Eurer Kritiker und Neider. 😉

Habt einen guten Start in die neue Woche.

Herzlichst,

Eure Sylvia Kling

Beitragsfoto: Hans

https://pixabay.com/de/schafherde-schafe-herde-herdentier-49669/

ACHTUNG

Neue Termine zu Veranstaltungen („Poetisch-musikalische Szenen mit Zuckerbrot und Peitsche“ und „AusgeKLINGt“) sind hier zu finden:

https://sckling.wordpress.com/lesungentermine/

 

 

 

 

Facebook:

Sylvia Kling (Autorin)

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https://www.youtube.com/channel/UC3u09hrTq66YVKux9TFegvQ

Instagram – hier auch mit einigen privaten Impressionen:

sylvia.kling.autorin

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25 Gedanken zu „„Ansicht“ und: Ist es interessant, berührt es? Dann ist es Kunst.

  1. Liebe Sylvia,

    das hast du (insgesamt) wieder in wunderbare Worte gefasst, denen ich nur zustimmen kann. Ich freue mich, dass der Kontakt zwischen dir und Lotte geklappt hat und dass du sie auf so großartige Weise unterstützt – weil sie sich wirklich nicht zu verstecken brauch und ein wenig mehr Selbstvertrauen für ihre Gedichte gebrauchen kann. Vielen Dank auch, dass du mich auf sie aufmerksam gemacht hast.

    Mit einem herzlichen, warmen Lächeln für dich
    Alex

    Gefällt 1 Person

  2. Vielleicht ist es Naivität oder auch nur Glück, aber ich habe nie Neider bei mir gefunden und wie könnte man auf so schöne künstlerische Leistungen wie von dir, deiner Entdeckung oder anderen neidisch sein. Freude ist die einzig mögliche Variante für mich. Einen wunderbaren Tag für dich liebe Sylvia ❤

    Gefällt mir

    • Lieber Arno,

      bitte entschuldige, dass ich erst jetzt den Kommentar genehmige und antworte. Ungefähr 20 Kommentare verschwanden seit einigen Wochen „einfach so“ im Papierkorb. Wie das passieren kann, ist mir völlig unklar. Ich muss da mal recherchieren.

      Ich sehe es auch so wie Du :-).

      Sei herzlich gegrüßt,

      Sylvia

      Gefällt mir

  3. Herrliche Ansichten amüsant im Gedicht rüber gebracht, die ich sehr gerne mit dir teile… und du hast auch ansonsten ja so Recht liebe Sylvia!😉
    Dankeschön und wünsche dir auch eine gute, stress- und ärgerfreie Woche🌞🍀🌷

    Gefällt 2 Personen

      • Ich habe nur einen Anküpfungpunkt – Lotte und Charlotte – sonst nichts. Die Begegnungen im Leben berühren auch, aber es ist nicht beliebig, wohin der Weg weiter führt. Vielmehr ist der Weg für die Menschen vorgezeichnet, die zu ihren Verpflichtungen stehen, und nicht bei jeder Gelegenheit abbiegen, wo es lustiger (lustvoller) ist. Jeder kennt solche Beispiele in seinem Umfeld, daher braucht das nicht näher beschrieben werden. Jene Männer, die den Lustgewinn höher als ihre Verpflichtung eingeschätzt haben, haben nichts gewonnen. Für den Lustgewinn haben sie die Familie zurückgelassen, von ihrem Besitz ist ihnen auch ein erheblicher Teil verloren gegangen.
        War es das wert ?

        Gefällt 2 Personen

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