Mein Entwurf


Ich mag Menschen mit gebrauchten Händen
und Fältchen ungeglättet,
nur alltägliche Lächeln vollenden
das Leben, ungefettet.

Ich mag Menschen in ehrlichen Schuhen,
die Haare nicht gelverschmiert,
keine fabrizierten Statuen,
mit kitschigem KunstGlanz glasiert.

Ich mag Menschen mit einfachem Duft,
keine künstliche Parfümerie,
denn wenn diese mal verpufft,
bleibt die Wahrheit. Irgendwie.

Ich mag Menschen mit eigenen Hüten,
wegen mir auch die Ältsten der alten,
in der neuen Mode wüten
oft die seelenlosen Gestalten.

Ich mag Menschen in schlichten Stoffen,
aus denen das Leben spricht,
damit Fragen mir bleiben offen,
beim Enthüllen die Schönheit nicht bricht.

Wahrhaftig, die Natur ist ein Wunder –
lebendig in Vielfalt gewebt,
und Selbstbetrug ist der Plunder,
der die Reinheit uns verklebt.

Copyright Sylvia Kling

Aus dem Fotoarchiv von W.B.

Das Gedicht wird in meinem Buch „Von Morgenseelen und Eisbrecherferne“ 2018 erscheinen. Das Kopieren und die Weiterverwendung von Text und Beitragsbild sind nicht gestattet!

Zum Foto:

Werner war so nett, mir ein Foto aus seinem Archiv zur Verfügung zu stellen, denn für das Foto zu diesem Gedicht hatte ich schon sehr spezielle Wünsche. Ihr findet Werner, seine Beiträge und auch Fotografien hier:

wittlicher.wordpress.com

https://www.flickr.com/photos/werner43/

https://www.facebook.com/profile.php?id=100013220492140&ref=ts&fref=ts

Mit diesem Gedicht wünsche ich allen ein sonniges und wärmendes Frühlingswochenende.

Eure Sylvia Kling

Facebook:

Sylvia Kling (Autorin)

https://www.facebook.com/profile.php?id=100010657024918

YouTube:

https://www.youtube.com/channel/UC3u09hrTq66YVKux9TFegvQ

Instagram – hier auch mit einigen privaten Impressionen:

sylvia.kling.autorin

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57 Gedanken zu „Mein Entwurf

  1. Daran müssen einige Menschen auch erst noch arbeiten, habe ich manchmal das Gefühl. Sowas ist leider nicht selbstverständlich. Manchmal dient es auch als Selbstschutz, glaube ich. Dann spielt man seine Rolle, um sich selbst vor anderen Menschen zu schützen.

    Da kann so ein Gedicht auch ein Weckruf sein, würde ich sagen.

    In diesem Sinne, danke für die schönen Zeilen.

    Freundliche Grüße
    Stefan

    Gefällt 1 Person

  2. Aber nicht doch, Mutter Theresa,

    als „Heilige Britta“ von der Karlskuppe sollte man doch sich wenigstens an kleinen Wundern versuchen, so wie Ihre Nachbarin, die Heilige Elisabeth, die schaffte es nämlich, Brot und Wein in Rosen zu verwandeln.

    Ihr vollbrachtes Wunder ist das erfolgreiche Stalken meiner Person über Jahre hinweg, ohne dass Sie sich aus Ihrem Mittelalter-Dünkel entfernen.

    Das ist auch eine Kunst, die nicht jeder beherrscht.

    Gefällt 1 Person

  3. Pingback: Mein Entwurf | nur mal ich

  4. Ein tolles Gedicht für dein neues Buch – einfach liebenswerte Worte. Und ja, solche Menschen mag ich auch 🙂
    Das Foto dazu ist sehr sympathisch und hat eine aussergewöhnlich berührende Ausstrahlung.
    Das gefällt mir sehr, liebe Sylvia.

    ❤ Grüsse und dir auch ein wunderschönes Wochenende,
    Christel

    Gefällt 1 Person

  5. Dein Gedicht ist mir glaub ich im richtigen Moment begegnet, hat mich sehr berührt und angesprochen. Dafür erstmal ein Herzens Dankeschön liebe Sylvia ♥♥♥ Das mit den ehrlichen Schuhen finde ich ganz wunderbar (die Deutung)… ich habe immer, wirklich immer nur meine Turnschuhe an, ein Paar, die pflege und trage ich so ca. 2Jahre danach sind sie sie abgelaufen, weil ich sehr viel laufe. Aber in diesen 2 Jahren erleben sie ja quasi alles mit mir 🙂 Auch ich mag an Menschen lieber das ungeschminkte, sei es jetzt das Äußere oder ihre Gefühle. Mir ist wichtig das ich authentisch bin und so geht es mir auch mit meinem Gegenüber. Ich wünsche dir einen zauberhaften ungeschminkten Start ins Wochenende , liebe Grüße Michi 🙂

    Gefällt 1 Person

    • Vielen herzlichen Dank – ich habe Deinen Kommentar jetzt erst entdeckt.
      Deiner und viele andere Kommentare lagen bei mir im Papierkorb, obwohl ich sie nicht dahin „verfrachtet“ habe. Ich bin gerade ziemlich entsetzt.

      Sei herzlich gegrüßt,
      Sylvia

      Gefällt mir

  6. Liebe Sylvia,

    wieder einmal wundervoll getroffen und geschrieben. Ich mag die Sprache sehr, die du hier vor allem in der ersten Zeile benutzt, wobei ich gerade irgendwie Probleme habe, das richtig zu erklären (ehrliche Schuhe <– das meine ich z.B.). Und ich finde es immer wieder groß und großartig, was für einen wunderbaren Blick auf die Menschen du hast. Man kann so oft bei dir lesen, wie sehr du da Mensch(lich)sein liebst und wie sehr Humanistin du bist. Auch hier wieder einmal wunderbar dargestellt. Vielen herzlichen Dank für dieses Gedicht.

    Ich wünsche dir einen schönen Tag und sende dir ein Lächeln

    Liebe Grüße, Alex

    Gefällt 3 Personen

    • Liebe Alex,

      das freut mich sehr. 🙂

      „Ehrliche Schuhe“ – ich erinnere mich hier an eine kleine Episode, die mich prägte.
      Ich war – auch als junge Frau – nie „schuhfixiert“ und liebte immer jene Schuhe, die mich gut trugen. Nicht, dass sie unmodern waren, aber ich hätte 30 Paar Schuhe haben können: Ich hätte nur 2 Paar regelmäßig getragen.
      Sie wurden von mir „normal“ gepflegt (also nicht übermäßig gewienert – dazu hatte ich mit Kindern und Arbeit nicht ausreichend Zeit).
      Eines Tages waren mein damaliger Freund und ich eingeladen bei einem Musikerfreund.
      Ich stellte meine Schuhe bei ihm im Flur ab. Der kleine Mann (so nannte ich ihn tatsächlich) sah sich die Schuhe genau an und ich glaubte, der „hat sie nicht mehr alle“.
      Nach einer Weile sagte er anerkennend zu mir: „Das nenne ich mal ehrliche Schuhe!“
      Ich fragte ihn, was er meine, denn mit diesem Ausspruch konnte ich nichts anfangen.
      „Es sind saubere, aber oft getragene Schuhe. Es sind keine Tussischuhe. Man sieht, dass Du unterwegs bist. Sie haben Spuren des Lebens.“
      Den ganzen Abend dachte ich über diese Sätze nach und über Jahrzehnte hinweg bewegte ich sie.
      Oft ertappe ich mich dabei, wie ich mir die Schuhe anderer Menschen ansehe (ohne einem Fetisch zu verfallen): Sind sie getragen?
      Wo waren sie schon überall?
      Wie gehen die Leute mit ihnen um?
      Usw.

      Ich denke, in diesem Gedicht habe ich jenes Erlebnis vor über 18 Jahren mit eingearbeitet. DANKE, dass Du mich gerade so intensiv daran erinnerst – es zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht.

      Sei herzlich gegrüßt
      Sylvia

      Gefällt 5 Personen

      • Mhm… ich hab das gerade einen etwas längeren Moment in meinem Kopf hin und her rollen lassen, und muss sagen, das ist nicht nur ungewöhnlich (ich habe noch nie erlebt oder gehört, dass sich jemand Schuhe aus so einer Motivation heraus ansieht), sondern auch seltsam berührend. Und hinsichtlich dieser Momentaufnahme finde ich da Gedicht und die Wahl der Worte sogar noch außergewöhnlich und wunderbar. Danke, dass du dieses Erlebnis hier geteilt hast ❤

        Gefällt 2 Personen

      • Ich danke Dir – ich lächle die ganze Zeit, weil mir der kleine Mann wieder vor Augen ist – ja, ich sehe ihn vor mir. Er hatte auch so eine hohe Stimme (wie der Zwerg in „Schneeweißchen und Rosenrot“).
        Mein damaliger Freund, der zu diesem Zeitpunkt laut lachte, weil er das mit den Schuhen so grotesk und lustig fand, ist schon vor Jahren gestorben und so habe ich mehrere Erinnerungen mit Lächeln und Dankbarkeit an diese Momente.

        Gefällt 4 Personen

    • 🙂
      Na, ich denke, Du bist so einer, wie da beschrieben wurde.
      Ich bin ja ehrlich: Ich als Frau mag es auch, mich mal schön „herzurichten“ und logischer Weise schminke ich mich auch zu Auftritten korrekt. Doch es sollte schon immer ein Maß haben – für mich persönlich.

      Liebe Grüße und nochmals DANKE für das Foto!

      Sylvia

      Gefällt 1 Person

  7. Wieder so schön geschrieben und mit Freude zu lesen liebe Sylvia!
    Ich mag auch genau wie du Menschen dieser Art sehr und es gibt sie auch noch, was sehr beruhigend ist.
    Liebs Grüßle und ein wunderschönes Wochenende wünsche ich dir🌞🍀💞

    Gefällt 1 Person

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