Die Zwei-Varianten-Verserei (Heimat) und du einst verträumtes Tal, wie trägst du diese Last?


Die Zwei-Varianten-Verserei
(Heimat)

Geboren bin ich um Dresden –
in Sachsen,
50 Jahre war der Heimat ich zugetan,
vom Heimatgefährt sind gebrochen
die Achsen,
so such ich neue Lebensbahn.

Geboren bin ich um Dresden –
in Sachsen,
einst wollte gar ich hier sterben,
vom Heimatgefährt sind gebrochen
die Achsen,
so werd ich vorm Tod hier verderben.

(c) Sylvia Kling

„Der Mann sah zu mir, beugte sich zu seiner Beifahrerin herunter und sagte deutlich vernehmbar, mit Blick in meine Richtung: „Jetzt fahren diese Ausländerschlampen schon unsere Autos.“
Mit aggressivem Blick begutachtete er mich. Die Freundin sah angewidert zu mir herüber und lachte abfällig.

Er ging um mein Auto herum, sah mein Kennzeichen, stellte sich dicht an dieses und spuckte lautstark und demonstrativ vor sich hin.“

Wer mehr darüber lesen möchte, folge mir bitte hier entlang:

https://wiedaslebenklingt.wordpress.com/2017/03/04/alltag-in-sachsen-einer-an-den-ich-mich-nie-gewoehnen-werde/

Jedem dürfte klar sein, was Menschen in Sachsen zuweilen blüht, sind sie tatsächlich nicht in Deutschland geboren.

Du einst verträumtes Tal, wie trägst du diese Last?

Sachsen war immer meine Heimat. Ich wurde in Radeberg geboren, wohnte über 40 Jahre in Dresden und liebte diese Stadt. Wie es für mich ist, wenn ich in diesen Jahren nach Dresden fahre, habe ich mehrfach mit einem poetischen Gewand bekleidet – wie hier:

dresden

– enthalten in „BruchStücke“, Band II).

Auf Facebook schrieb ich vor über einem Jahr:

„In Sachsen sind meine Wurzeln, an Dresden hängt noch immer mein Herz.
Als ich kürzlich am Abend durch Dresden fuhr, kamen mir vor Rührung die Tränen.
Eine Stadt – trotz aller Widrigkeiten voller Charme, eine noch ungebrochene Schönheit, eine Stadt der Kunst und Kultur.
Sie hat sich erkältet, leidet unter einem Virus-Infekt. Für sie gibt es kein Antibiothikum, kein Wundermittel. Liebe und Fürsorge könnten sie wieder heilen.
Momentan zittert Dresden noch in braunbeperlter, schwachgeistiger Nässe.“

Leider bedarf es immer wieder dieser Hinweise:

Das Kopieren oder die Weiterverwendung der Gedichte ohne meine Zustimmung ist ausdrücklich untersagt! Ich verweise auf das Impressum und die Seite „Zu meiner Person“.

Das Frühlingsgedicht wird natürlich nicht vergessen. Ich warte auf die wiederkehrenden Sonnenstrahlen. Meinen Freunden, LeserInnen und BesucherInnen wünsche ich eine angenehme Woche.

Eure Sylvia Kling

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20 Gedanken zu „Die Zwei-Varianten-Verserei (Heimat) und du einst verträumtes Tal, wie trägst du diese Last?

  1. Liebe Sylvia,
    mich erschüttert es zuftiefst, miterleben zu müssen, wie salonfähig (nicht nur im Osten) rechte Parolen inzwischen schon wieder sind, leider auch in sehr intellektuellen Kreisen (oder solchen, die sich so nennen würden), also gerade auch dort, wo ich es niemals erwartet hätte… Dass auch bei halbwegs (nach)denkenden Menschen solches Gedankengut Fuß fassen kann, ist für mich schwer erträglich. Und warum wir vielen, die wir anders denken (und für mein Dafürhalten auch richtig denken), die Denkhoheit nicht gewinnen können, beschäftigt mich schon eine ganze Weile. Sind wir zu leise? Sind wir in den falschen Medien? Ich fürchte, es wird eine Zeit kommen, in der wir uns vorwerfen werden, warum wir den Anfängen nicht gewehrt haben – möglicherweise ist es schon zu spät. Doch, wir müssen unsere Stimme erheben (und wenn es nur mit Gedichten ist)! Jetzt! Und: nicht aufgeben!
    Liebe Grüße,
    Sabine

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    • Liebe Sabine, ich danke Dir für diesen wunderbaren, ehrlichen Kommentar.
      Auch, wenn es so mancher nicht lesen mag (zumindest bitteschön nicht zu oft …), so bin ich schon lange der Ansicht:
      Es ist schon lange „Keine Zeit mehr“ (verweise damit auf ein Gedicht), sich rauszuhalten.
      Auf FB und in anderen „sozialen“ Medien wird jeden Tag, jede Woche, eine „neue Sau durchs Dorf getrieben“ – wie schön, wenn man trumpig und erdoganisch von eigenen Problemen im Land ablenken kann. Und davon gibt es massenhaft.
      Ich frage mich auch schon länger, wo denn die KünstlerInnen sind („Künstler im (Un)RuheZustand“), wo sind denn die Mutigen und die Kämpfer alle hin?
      In der Blüten-Herzel-Schön-ist-die-Welt-mit-geschlossen-Augen-Welt?
      Klar, die muss es auch geben und die brauchen wir unbedingt, um Kraft zu schöpfen. Auch ich schreibe diese Art von Texten und trage sie zu Lesungen vor. Das ist LEBEN.
      Doch nicht nur. Wir brauchen Gesichter, Stimmen, Stärke und Menschlichkeit.
      Als Humanistin glaube ich daran, dass der Mensch sich selbst helfen kann. Das ist ihm auch zuzumuten.
      Ich hinterfrage meine Ansichten jedoch zwangsläufig täglich.

      In Dresden gibt es eine mir weitläufig bekannte Frau (nicht aus der linksextremen Szene!).
      Die kann nicht mehr. Sie befindet sich jetzt in stationärer Behandlungen wegen Bornouts. Sie macht nicht mehr weiter, weil sie auf ihre Gesundheit achten muss. „Wir waren zu wenige der Guten, wir liefen nur gegen Mauern. Ich habe mir den Kopf eingerannt. Mir ist, als sei ich um Jahrzehnte gealtert. Mir ist, als hätten wir uns schon lange aufgegeben.“

      Traurig ist es.

      Liebe Grüße
      Sylvia

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  2. Solch starke Texte kann nur jemand schreiben, der nicht aufgibt, sich auflehnt gegen dieses drohende Unheil.
    Liebe Sylvia, pass auf dich und deine Balance auf ! Du brauchst sie, um schreiben zu können.
    Liebe Grüsse Ernst

    Dieser menschenverachtende Hass in Sachsen erinnert mich an ein Zitat von Margot S. Baumann, (*1964), Schweizer Lyrikerin : Tiere sind mir oft lieber als Menschen, weil sie menschlicher sind.

    Gefällt 1 Person

    • Danke, lieber Ernst.
      Ja, ich pass auf mich auf – immer wieder. Es gilt in der Tat, eine Balance zu finden und ich denke, diese bekomme ich sehr gut hin.

      Ja, auch Kästner schrieb schon über Dresden und an ihn lehnte ich auch meine Verse an.

      Frau Baumann hatte mit ihrer Aussage Recht, lieber Ernst. Gestern Abend schrieb ich Verse über alles, was „ich brauche“ – hier ein Auszug:

      ich brauch eher die Zwerge,
      als die mächtigen Riesen,
      die begehbaren Berge,
      kleine, blühende Wiesen

      ich will die Distanzen
      vom Erdenspiel,
      vom schrecklichen Ganzen,
      vom bitteren Viel,

      ich brauch ein kleines Feuer,
      kein Flammenmeer,
      wie wäre mir teuer
      ein Menschenleer

      (es besteht aus noch vier weiteren Versen).

      Sei herzlich gegrüßt,
      Sylvia

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  3. Die Generationen ändern sich, die Atmosphäre ändert sich. Kann man schweigend zuschauen? Darf man schweigend zuschauen? Einerseits finde ich es total Klasse, dass Du nicht schweigst. Andererseits möchte ich aber auch Arno recht geben, dass Du gut auf Dich aufpassen musst, in welche Richtung Du die Dir zur Verfügung stehende Kraft/Energie lenken möchtest. Ich hoffe, Du findest immer einen guten Weg für Dich.
    Liebe Grüße
    Belana Hermine

    Gefällt 1 Person

    • Hihi, „Gedichte-Bürgerrechtlerin“ – das lese ich zum ersten Mal. Ich überlege gerade: „Dichterin der Schwachen“ oder Ähnliches las ich ja schon.
      Ach, ich möchte nur, dass aufgehört wird, den Kopf in den Sand zu stecken.

      Mein Sohn meinte kürzlich zu mir: „Ich sage nicht in der Schule, was ich von zu Hause mitbekomme.“ Ich fragte nicht nach, warum nicht. Mir ist es klar, warum er schweigt. Ich kenne seine Berichte zur Genüge – aus einer Schule im sächsisch Ländlichen.
      Es ist also nicht nur so, dass wir Erwachsenen mit kruden Attitüden konfrontiert werden.
      Fragen meines Sohnes – wie z.B.:
      „Warum sagt der Junge X., diese Ausländer sollen hingehen, wo sie hergekommen sind?“ sind für mich Alltag, Michi. DAS ist auch kräftezehrend, denn nicht immer fällt es mir leicht, einem Heranwachsenden zu erklären, warum schon Kinder in der Mehrheit (!) solche Äußerungen tätigen.

      Ich danke Dir für Deinen lieben Kommentar, Michi und wünsche Dir einen tollen Tag.

      Liebe Grüße,
      Sylvia

      Gefällt 2 Personen

      • Ich wünsche dir auch einen tollen Tag, du wirst deinem Junior schon die richtigen Werte vermitteln und somit hast du nicht nur mit deinen Gedichten die Welt verbessert ♥♥♥ Liebe Grüße Michi

        Gefällt 1 Person

    • Das ist wahr: Es benötigt Ausdauer und auch ganz schön viel Kraft. Ich muss schon aufpassen, mich nicht zu sehr zu verausgaben.
      Ich glaube allerdings nicht, dass ich so mutig bin. 😦 Vielleicht ist das auch gar nicht notwendig, mutig zu sein, sondern nur, nicht zu schweigen und immer wieder zu mahnen.

      Ich danke Dir für Deine lieben Worte und grüße Dich aus dem heute leider verregneten Sachsen.

      Herzlichst,
      Sylvia

      Gefällt 2 Personen

  4. Ich hatte deinen Artikel gelesen und gestaunt wie viel Energie du da hinein gesteckt hast. Mir wären solche Deppen einfach nicht wichtig genug, um mich auseinander zu setzen. Ich verstehe dich zwar gut, doch die würden dir nie zuhören und andere sondern via Internet nur ihren anonymen Schrott ab. Der Rest deiner Leser ist ebenfalls entrüstet, aber wem hilft es? Solche Idioten sind reine Energiefresser und du musst gut auf dich und deine Kraft aufpassen, denn dieser ewige Kampf geht an die Substanz liebe Sylvia.

    Gefällt 3 Personen

    • Lieber Arno,
      hier geht es mir nicht sonderlich „um mich“, auch nicht um EIN Erlebnis, welches nur rein zufällig mal mich persönlich betraf, sondern es geht um das Leben hier und ich kann nicht oft genug betonen, dass es für mich (und wenig andere Menschen) beinahe schon unerträglich geworden ist, hier zu leben.

      Vielleicht hast Du die anderen Worte im Beitrag gelesen.
      Hier geht es IM FAZIT um konkretere Dinge, lieber Arno – nicht um einen einzelnen Herrn, nicht um mich. Es geht um umfassende Probleme hier!
      Wenn andere schweigen in Sachsen und nicht nur „scheinbar“ viel zu viele, heißt das nicht, dass ich schweigen möchte. Denn tun wir das alle, müssen wir uns letztendlich nicht über die Folgen wundern.
      Nur nebenher bemerkt: Wir finden – inzwischen lebe ich auf dem Land – keine Freunde hier. Wir ziehen uns auch mittlerweile aus dem alltäglichen Leben hier zurück und beschränken uns auf das Nötigste.

      Vielleicht ist es für einige, die hier nicht leben, unverständlich, aber es beschäftigt mich schon, wenn ich sehe, wie arg sich das hier entwickelt.
      DAS geht an meine Substanz, in der Tat.

      Nochmals: Es geht um einiges mehr, als nur um einen Deppen.

      Beste Grüße,
      Sylvia

      Gefällt 3 Personen

      • Ich habe mich wohl nicht richtig ausgedrückt liebe Sylvia. Ich weiß doch, dass du um dich niemals so etwas aufbauschen würdest und das es dir um die Aufmerksamkeit deiner Mitmenschen geht, um Wachrütteln, sich dagegen stemmen usw, aber es kostet sehr viel Kraft der dauernde Rufer in der Wüste zu sein und meine Sorge galt nur dir, nicht den vermehrten Rassisten in eurer Region, gegen die sich ebenfalls die Politik und die ganze Bevölkerung aussprechen sollte, nicht nur eine von zu wenigen Stimmen.

        Gefällt 2 Personen

      • Ich weiß schon – ich möchte jedoch erreichen, dass die unzähligen Schweigenden aufwachen.
        Aber wahrscheinlich hast Du Recht. Ich trage Eulen nach Athen!!!

        Irgendwann, wenn es nicht mehr gut genug geht, wenn es brennt – dann werden sie es merken.
        Erfahrungen wird es für sie brauchen!

        In der Realität werden meine Arbeiten in Lesungen zu Gehör kommen und dort erhalte ich Rückmeldungen. DAS wird sein, was für mich zählt.
        Im Netz ist es zuweilen nur noch energiefressend – hier muss ich Dir schon zustimmen.

        Hab einen schönen Tag und liebe Grüße,

        Sylvia

        Gefällt 2 Personen

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