Holunder


Holunder

Mein roter Kater wanderte
mit mir,
er unterbrach meine Gedanken,
ich schickte ihn nach
Hause –
mit sonnigem Menschenblick.

Heute wollte ich die Welt
in Schwarz oder Weiß
einteilen,
der Sinn stand mir danach,
in dieser trüben Kühle –
die mir saß im Genick.

Meine Kräfte waren gespalten
oder vertrocknet wie der
Holunder,
ich stelle Fragen in das
Nichts –
auch die Leere ist
seltsam schwer.

Als ob ich verstünde
diesen ZeitenWandel,
unwiederbringlich scheint
alter Halt,
meine Hand ist voller
HolunderÜberBleibsel –
als ob nichts verloren
wär.

Copyright Sylvia Kling

Auszug aus dem Buch „AufBruch“ – erscheint am 12.01.2017 –

Hardcover/170 Seiten/Zeichnungen und Coverzeichnung: Khalid Aouga/Düsseldorf

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Foto: https://pixabay.com/de/holunder-herbst-fr%C3%BCchte-789037/Fotograf: Morkin

Liebe Freunde, LeserInnen und BesucherInnen,

ich wünsche Euch ein wunderbares Winterwochenende und eine erfüllte Zeit. 

Eure Sylvia Kling

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34 Gedanken zu „Holunder

  1. Ein schönes Gedicht, das trotzdem zum Nachdenken anregt. Ich mag diesen sagenumwobenen Baum, mag seine Blüten, seine Beeren, die unsere Confitüre mit ihrem eigenen Geschmack verfeinern. Er beschützt unser Haus und ich möchte ihn nicht missen.
    Ich betrachte ihn oft von unserem über ihm liegenden Badezimmer und weiss dann auf den Monat genau, in welcher Jahreszeit ich mich befinde.
    Liebe Grüsse aus der Schweiz. Ernst

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  2. Der Holunder – für manche Tor in die Anderswelt oder Übergang

    holunderbluete
    „Ein Holunder im Garten ist so wertvoll wie eine ganze Apotheke“, lautet eine viel zitierte alte Volksweisheit.
    Aus Sicht der modernen Pflanzenheilkunde ist diese Wertschätzung unverständlich, denn hier spielt der Holunder eine eher untergeordnete Rolle. Ungebrochen ist jedoch die große Begeisterung der Menschen für den Holunder in der Blütezeit. Die üppig wachsenden schönen weißen Blütendolden werden eifrig in Körbe und Eimer gesammelt, um daraus fein duftenden Sirup oder süße Hollerküchlein zu machen.

    Und auch im Spätsommer sammeln manche gerne die verlockend glänzenden schwarzen Beeren, um „Fliederbeersaft“, Holundersuppe oder -marmelade zu kochen oder Holunderkuchen zu backen. Zahlreich sind die Rezepte und es gibt wohl kaum eine Wildpflanze, die noch heute so gerne in der Küche verarbeitet wird! Vermutlich ist diese Zuneigung zum Holunder noch ein Erbe unserer Vorfahren, eine Erinnerung an das Wissen über die große Bedeutung und die große Kraft dieser Pflanze.

    holunder_gesicht
    Früher hatte jedes Gehöft seinen Haus- oder Hofholunder, der als heilige Pflanze sehr verehrt wurde. Er war als eine Art Lebensbaum eng mit dem Schicksal der Sippe verbunden. Man glaubte, dass er die Wohnstätte guter Geister, der Elfen und Heilkobolde und auch der ungeborenen Seelen sei. Der Holunder galt als Tor in die Anderswelt. Unter dem Hausholunder opferte man Milch,
    Bier oder Brot für die „Hyldemoer“, die Holundermutter, die große Göttin, vor allem in ihrem Aspekt als Totengöttin, als Herrin der Unterwelt. Auch die Ahnen wurden am Holunder dankbar mit Opfergaben bedacht und um Rat und Kraft gebeten. Der Ahnenkult ist bis heute in allen schamanischen Kulturen von zentraler Bedeutung. Und auch unsere Vorfahren pflegten ein schamanisches Weltbild. Sie verehrten die Natur, die sie als belebt und beseelt erkannten. Ihre Weltsicht umfasste auch andersweltliche Ebenen des Daseins: die Welt der Ahnen, der Geister und göttlichen Kräfte. Durch unsere Ahnen sind wir in dieses Leben gekommen und durch sie sind wir verbunden mit dem Ursprung des menschlichen Lebens, am Anbeginn der Zeit. Dankbarkeit und Respekt gegenüber den Ahnen ist deshalb die natürliche Geisteshaltung in allen Kulturen, die die Anbindung an das Natürliche noch nicht verloren haben.

    holunder_wurzel
    Warum aber ist gerade der Holunder so sehr mit der Anderswelt, den Andersweltlichen und den Ahnen verbunden?
    Das wird einem schnell klar, wenn man sich bewusst auf eine Begegnung mit dem Holunder einlässt und auch die alte Signaturenlehre kann uns hier wichtige Hinweise geben.
    Die Signaturenlehre ist die Kunst, die Zeichen der Natur zu deuten. Es handelt sich dabei keinesfalls um einfache schematische Zuordnungen, sondern um einen tief greifenden Weg der Erkenntnis, der eng mit unserer traditionellen abendländischen Kosmologie, mit der schamanischen „Natur-Wissenschaft“ verknüpft ist.
    Der Holunder wandelt im Jahreslauf sehr eindrucksvoll sein Erscheinungsbild. Zur Blütezeit strahlt er mit seinem weißen Blütenmeer Jungfräulichkeit, Frische und Verführung aus. Die Farbe weiß und der leicht betäubende Duft der Blüten gelten als Signatur des Mondes. Ab August imponieren die schwarz-lila Früchte. Diese Farbe, aber auch das trockene, spröde Holz des Holunder zeigen gemäß der Signaturenlehre saturnischen Einfluss. Mond und Saturn stehen in diesem System für Anfang und Ende und kennzeichnen die Übergänge in die Anderswelt, sind Tore zu der geheimnisvollen Welt, aus der wir kommen und in die wir gehen.
    Wenn man sich auf den Holunder einlässt, spürt man schnell einen Sog in die Tiefe. Und es erscheint einem, als ob das Reich des Holunder unter der Erde viel größer sei als über der Erde. Der Baum der Frau Holle lädt uns ein, an seinen Wurzeln hinab in die Unterwelt zu steigen und von dort gestärkt und reich mit Gold beschenkt zurückzukehren. Das Märchen von Frau Holle lehrt uns viel über die tiefe Reinigungs- und Regenerationskraft des Holunder.

    Die „rationale Phytotherapie“, der schulmedizinisch anerkannte Zweig der Pflanzenheilkunde, kennt die getrockneten Holunderblüten als schweißtreibende, auswurffördernde und immunstimulierende Droge bei Erkältungen und grippalen Infekten. Die Erfahrungsheilkunde nutzt die Blüten ebenso bei allen entzündlichen Zuständen der Atemwege und verwandter Bereiche, vor allem bei Heuschnupfen und Sinusitis.

    Besonders interessant sind aber auch die Beeren, die einen sehr hohen Gehalt an Anthocyanen und Vitaminen, besonders der B-Gruppe, besitzen. Damit sind sie immun- und nervenstärkend und ein wertvolles Antioxidans, das die Zellen vor Angriffen durch freie Radikale schützt. Die Holunderbeeren werden entsprechend bei Rheuma und Neuralgien und unterstützend in der Behandlung von Krebserkrankungen eingesetzt.
    Früher nutzte man nahezu alle Teile des Holunder für Heilzwecke, beispielsweise auch Rinde und Blätter als stark abführende und brecherregende Mittel und die Blätter äußerlich zur Behandlung von Entzündungen. Vor allem aber kannte man heilende Rituale mit dem Holunder, ja das ganze Zusammenleben mit dem Holunder war eine Grundvoraussetzung für die Gesundheit.

    Unter dem Hausholunder vergrub man seine abgeschnittenen Haare und Nägel und schüttete das Badewasser der kleinen Kinder aus, damit niemand damit bösen Zauber üben könne und niemand verhext werde. Man nutzte den Holunder, um an ihm Krankheiten abzustreifen bzw. sie auf ihn zu übertragen, indem man rituelle Handlungen ausführte und Zaubersprüche aufsagte. Unter bestimmten Umständen verspeiste Hollerküchle sollten einen für das ganze kommende Jahr vor Krankheit schützen.

    Der Holunder wurde auch als Geburtsbaum verehrt und wurde auf vielerlei Weise im Brauchtum bei Beerdigungen benutzt. Man glaubte, dass er den ungeborenen Seelen – in die eine Richtung – und den Seelen der Verstorbenen – in die andere Richtung – über die Schwelle half.

    Voller Ehrfurcht war man vor dem Holunder, der über so mächtige Kräfte verfügt. Wer ihn missachtete, dem konnte es passieren, dass die im Strauch gebundenen negativen Kräfte auf ihn übergehen und ihn ein Unglück oder gar der Tod ereilt.

    In schamanischen Kulturen geht man auch heute noch ganz selbstverständlich davon aus, dass, wer sich mit den mächtigen Geistwesen der heiligen Pflanzen und Tiere gut stellt, von ihnen mit kraftvoller Unterstützung belohnt wird. Wer mit ihnen jedoch respektlos umgeht, zieht ihren Zorn auf sich. Wenn es unumgänglich ist, heilige Pflanzen zu schneiden oder auszugraben oder die Wohnorte der Geister zu stören, so sollte man dies mit Achtsamkeit tun, um Vergebung bitten und ein Opfer darbringen. Nicht nur die Inhaltsstoffe einer Pflanze sind heilkräftig, schon allein der Umgang mit der Natur kann sich heilsam oder auch zerstörerisch auswirken. Heilpflanzen werden dann wirklich kraftvoll, wenn wir auch ihr Wesen und ihre Geschichte kennen. Die Pflanzenwesen sind uns Menschen im allgemeinen sehr wohlgesonnen. Sie suchen den freundschaftlichen Kontakt mit uns. Wer sich ihnen aufrichtig und liebevoll zuwendet, wird mit offenen Armen empfangen. Jede Pflanze hat andere Eigenschaften. Wenn wir ihre Qualitäten kennen lernen, können wir diese auch in uns selbst entdecken und so unseren Horizont und unser Bewusstsein erweitern.

    Die Heilkraft des Holunder ist eine ganz grundlegende: sie vermag uns von innen heraus zu reinigen, zu stärken und zu schützen und sie bietet uns die Anbindung unserer Seele an ihre Heimat.

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    • Hallo Romeo, vieles davon war mir bekannt – doch nicht alles. Vielen Dank für die ausführliche Information.
      In meinem neuen Buch ist ein Gedicht, in welchem ich ausschließlich Pflanzen als Metapher verwende. Für die interessierten Leser wird das also ein wenig Arbeit bei der Recherche benötigen, um zu erkennen, was ich aussagen möchte. 🙂
      Holunder als reinigend, stärkend und schützend – es passt doch hervorragend zu diesem Gedicht.

      Herzliche Grüße in den Sonntagabend,

      Sylvia

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      • Wintertraum bei Oybin
        Ungewohnte Temperaturen
        für unsere Region
        Kälte
        zieht in mich trotzdem hinaus
        nimmt mich gefangen
        während ich auf die Sonne warte

        Frieren
        will ich nicht
        träume mich einfach zurück
        in die Jahreszeit
        voll wärmender Sonnenstrahlen
        halte mein Gesicht
        in die Sonne der Phantasie
        um viel davon mitzunehmen

        Wärme
        durchzieht mein Inneres
        läßt mich sehnen
        nach Rosen
        statt nach Schnee
        jetzt
        in der Winter2017zeit

        der Abend kommt
        ich muss hinein zum Dichten
        gar nicht aufwachen möchte ich
        sondern
        ihn noch ein Weilchen
        genießen
        … meinen Wintertraum. ..

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      • Dankeschön – das Buch ist „in den letzten Zügen“. Eine Entscheidung fehlt: Coverzeichnung des Künstlers Khalid schwarz-weiss oder mit bunten Blumen dazu. Menno, das ist schwer – hat doch jeder einen eigenen Geschmack. Nun, es muss heute entschieden werden.
        Wir lesen uns. Ihnen einen guten Wochenstart morgen.
        Liebe Grüße
        Sylvia

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  3. Unser Kern sendet uns ein Gesamtbild, auch wenn du nur den vertrockneten Rest des Holunders in der Hand hältst, Frühling und Sommer sind inbegriffen, wenn sie auch erst in der Zukunft liegen. Das Bild ist sozusagen zeitlos.

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