Der (schiefe) Sänger


Von sanften Tönen wurde ich geweckt,
so sah verschlafen, unbeholfen ich mich um,
als habe mich ein Traum wohl nur geneckt,
nein, es war dort immer noch verdächtig stumm.

So sank beruhigt ich zurück ins Kissen,
doch viel tiefer drangen Klänge in mich ein,
es war mehr, ich wollt es wissen,
so konnte nie einer meiner Träume sein!

Ich sah hinaus in die sternenklare Nacht,
ein schmalschultriger Kerl da unten stand,
was er wohl im Finsteren da macht,
und im lichten Haar ein Feuerbrand?

Bis meinen Augen wurd gewahr,
dass nur zu mir er blicken kann,
rieb ich meine Augen staunend klar,
bis ich eine reine Sicht gewann.

Auf der Gitarre spielte er gekonnt
und er sang so gräßlich schief,
ich sah hinauf zum dunklen Horizont,
ob man die Sterne sah, wenn man noch schlief?

Ja! Ja! Da stand ein Kerl und sang –
wahrlich! Er spielte nur für mich,
auf seinem Haupte sprang
das letzte NachtLaternenLicht.

Nun war ich an die Dunkelheit gewöhnt
und halt! Die Augen kannte ich genau,
die haben doch mein Leben so verschönt,
das zu wissen, ist keine Nacht zu grau.

Durch diese Augen konnte ich erleben,
was mir bisher verborgen blieb,
es blieb endlich ein Stück Glücke an mir kleben –
und dieses schönste, schiefste Liebeslied.

Da stand mein Liebster also nun verzehrend
und grüne Augen sangen liebliche Balladen,
immer, immer wiederkehrend –
Ich werde wach und wacher und flieg zu meinem Knaben.

Der schiefe Sänger lag friedlich neben mir am Morgen,
ich hauchte müde: „Alter Junge, was du des Nachts so treibst!“
Er raunte: „Altes Mädchen, ich hab dich umworben.

Damit den Winter du auch bei mir bleibst.“

Copyright Sylvia Kling
– erscheint in meinem Buch „AufBruch“ im Januar 2017 –

 

Liebe Freunde, LeserInnen und BesucherInnen,

ich wünsche Euch einen guten Jahreswechsel und einen hoffnungsvollen Blick in das kommende Jahr. Es ist auch der Zeitpunkt für mich gekommen, mich sehr herzlich bei all meinen Freunden und Lesern für den Zuspruch und das Interesse an meinen Arbeiten zu bedanken. Ich hoffe, Ihr bleibt mir auch im neuen Jahr gewogen und freue mich auf Eure Gedanken und Beiträge im neuen Jahr.

Herzlichst,

Eure Sylvia Kling

Zum Foto:

https://pixabay.com/de/musik-gitarre-mann-musiker-863568/

natureworks (Fotograf)

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66 Gedanken zu „Der (schiefe) Sänger

  1. Hach, so schön. Großes Kompliment. Ich mag diese Form, also Balladen, sehr sehr gerne und schreibe auch ab und an welche, deswegen bin ich hochgradig begeistert, hier so eine schöne lesen zu dürfen. Vielen Dank, liebe Silvia.

    Ich wünsche dir einen schönen Jahreswechsel ❤

    Gefällt 2 Personen

      • Sollte gar nicht schrecklich klingen. Deine Lesungen und die Aktivitäten in den Social Media sind doch Teil der Vermarktung, oder nicht? Habe gestern erst darüber gelesen. Gerade Lyrik soll nicht so einfach verkaufbar sein und deswegen besondere Vermarktung brauchen. Naja, wäre schön, wenn es einen netteren Begriff dafür gäbe 😉
        Trotzdem: viel Erfolg für Dich und Deine Bücher.

        Gefällt 2 Personen

      • In der Tat, meine Aktivitäten auf Facebook und anderen Medien sind Teil des Marketings, welches ein Selfpublisher ja grundsätzlich alleine zu machen hat.
        Lyrik ist nicht so gut zu verkaufen, stimmt. Im Laufe der letzten Jahre haben sich auch viele Gründe dafür – für mich – offenbart, die ich hier jedoch nicht nennen möchte (es würde auch den Rahmen sprengen).
        Ich kann Dir nur einen Anhaltspunkt geben: Inzwischen habe ich einige Menschen als Leser gewinnen dürfen, die mit Gedichten so gar nichts am Hut hatten. Das liegt, nach deren Angaben daran, dass sie entweder aus der Schule negativ geprägt worden sind, oder dass sie die Gedichte mancher Lyriker der aktuellen Zeit nicht einmal im Ansatz verstehen, zumindest derer, die Preise gewinnen …. (jetzt bin ich still!).
        Sehr überrascht waren sie dann, wenn sie erkannten, meine Gedichte kann man verstehen – nicht alle und manche nicht sofort. Doch sie erzählen etwas – aus dem Leben, von unseren Problemen, unserem Alltag, unseren Sorgen.
        So schrieb es mir z. B. Anne-Marit Strandborg.

        Jeder, der meine Bücher besitzt, liebt sie.
        DAS ist für mich der Lohn.

        Herzliche Grüße und danke für Deine lieben Wünsche. Komm gut in das neue Jahr,

        Sylvia

        Gefällt 1 Person

  2. der gedanke kam und wollte unbedingt festgehalten werden:

    so schlag denn an, musikus
    noch einen feinen ton zum abschied
    und singe uns zum jahresschluß
    ein letztes schönes frohes lied

    entzünd in uns der hoffnung licht
    mit reinen tönen hell und klar
    laß gottvertrauen und zuversicht
    mit uns hinübergehn ins neue jahr

    alles gute für 2017.

    Gefällt 3 Personen

  3. Wieder ein wunderschönes Gedicht von Dir. Auch das Bild gefällt mir sehr, vor allem die Farbkomposition und passend zum Gedicht.
    Wünsche Dir noch alles Beste und einen Guten Rutsch ins Neue Jahr.
    Liebe Grüße
    Hubert

    Gefällt 2 Personen

  4. Eine Wonne, das zu lesen.

    Deine Texte haben eine Idee von mir bestärkt, die mich schon eine ganze Weile umtreibt. Und zwar habe ich schon lange überlegt, mir eine Gedichte- und Sprüche-Sammlung zuzulegen. Die will ich aber nicht nur einfach ausdrucken oder mit Kulli abschreiben.
    Gestern nun war ich im Schreibwarenladen und habe mir ein Buch über Kalligrafie, einen Griff und drei verschiedene Federn gekauft. Ein Tintenfässchen habe ich noch zu Hause. Ich möchte mal probieren, ob sich das in der Schule Gelernte wieder aufwärmen lässt.

    Liebe Grüße und einen guten Rutsch,
    Anne

    Gefällt 2 Personen

  5. servus dir liebe Sylvia
    wunderschöne und bedeutsam geschriebene Worte zu Deinem nächtlichen Erlebnis eines Traumes –
    jeder noch so seltsam vorkommende Traum beruht auf verinnerlichte Wünsche und Achtsamkeit des eigenen ICH
    Danke für die lieben Worte zum Jahreswechsel –
    ich wünsche Dir ebenso ein erfolgreiches inspirierendes Autoren dasein – viel Liebe und immer das Quäntchen Glück in der Tasche …
    Namaste … di_zuzaly

    Gefällt 1 Person

    • Oh, mein lyrisches Ich träumet sehr oft, liebe Zuzaly und das ist gut so :-). Was wären wir alle, ob schreibend oder nicht, ohne diese Träume, ohne dem Verinnerlichen von Wünschen und Phantasien, ohne Hoffnungen?

      Ich danke Dir für die lieben Wünsche und gebe diese von Herzen zurück.

      Liebe Grüße,
      Sylvia

      Gefällt 1 Person

  6. Pingback: Der (schiefe) Sänger | Sylvia Kling – Literatur | O LADO ESCURO DA LUA

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