Für die 2016 Heimgegangenen


Sie berührten unser Sein und begleiteten uns in unserem Werden. Sie hinterließen in uns Spuren und Hoffnungen.

Für die 2016 Heimgegangenen

Sie sind gegangen,
die Mutigen und Klugen,
die weise schrieben und sangen –
sich noch menschlich schlugen.

Die unsere Weggefährten
seit unsren Kindheitsbeinen,
die uns verzaubernd lehrten –
bejahen und verneinen.

Die unsere Welt verstanden,
das Zittern und das Beben,
die suchten und auch fanden –
verstanden, ihr ICH zu leben.

Die sich nicht verrieten,
nicht in Wut oder Zorn,
die sich nicht niederknieten –
nicht stießen in jedermanns Horn.

Die all jene verhärteten Sitten,
die sich grauenhaft bewähren
mit ihrer Kunst zerschnitten –
und verweilten in ihren Sphären.

Sie spielten und sangen und schrieben
mit Ehre sich zu Grabe,
und ich trauer getrieben –
bitte still um ZuGabe.

(Uns fehlt nun wohl ein Führen,
geistig unborniert,
ein warm-soziales Berühren –
vom Mammon ungeschmiert!)

Copyright Sylvia Kling

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In den Collagen sind nur einige in diesem Jahr verstorbene Persönlichkeiten dargestellt.

Kopieren oder Weiterverwendung des Textes außerhalb des Teilens/Rebloggens bedarf meiner Genehmigung – siehe Impressum!

Ich wünsche meinen Freunden, Lesern und Besuchern einen wunderbaren Wochenbeginn.

Eure Sylvia Kling

 

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57 Gedanken zu „Für die 2016 Heimgegangenen

      • wenn Frauen später sterben, müssten doch eigentlich alte Frauengesichter vermehrt auftauchen. Mir fällt jetzt grad nur Ilse Aichinger ein. Natürlich produzierst nicht du den Bias. Jeder Nekrolog enthält wenige Frauen. Wenige Frauen schaffen es, auch im Alter Beachtung zu finden.
        Liebe Grüße! Gerda

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      • Es geht mir hier eindeutig um einen respektvollen Nachruf für die diesjährig Verstorbenen. Die Collagen sollten lediglich einige der Verstorbenen, die uns teilweise prägend begleiteten, darstellen. Es gibt nur noch wenige in unserer Zeit, die mit ihrem Geist, Herz und Verstand derartige Spuren hinterlassen.
        Ich wünsche Dir noch einen schönen Tag.
        Liebe Grüße
        Sylvia

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  1. Liebe Silvia,

    was für eine großartige und berührende Idee, den Verstorbenen in diesem Jahr auf diese Weise mit wie immer wundervoll gewählten Worten ein Andenken zu setzen. Ich habe selbst in diesem Jahr meinen Vater in einem jungen Alter und auf zumindest für mich tragische Weise verloren, und es vergeht kein Tag, an dem ich nicht nur nicht an ihn denke, sondern auch über die Vergänglichkeit, Krankheit, den Tod, die Schicksalsfäden und das Leben nachdenke. Es mag nun vielleicht kalt und gefühllos klingen (so meine ich es jedoch nicht, weiß es nur nicht anders auszudrücken), aber seit diesem Tag habe ich ein ganz anderes Verständnis, eine ganz neue Sensibilität, für den Tod entwickelt. Habe ich in der Vergangenheit, wie ich leider zugeben muss, den Tod eines mir fernen Menschen, wie beispielsweise Prominente, eher am Rande registriert und kaum einen Gedanken daran verbracht, so hat sich das für mich drastisch geändert. Dabei war es gar nicht, wie soll ich sagen, abwertend für diejenige Person gemeint, aber es war eben für mich so fern und mir wohl nicht so richtig klar, was das wirklich für die bedeutet, die fassungslos und trauernd, mit einer großen Leere in sich, zurück bleiben. Ich hoffe, du bekommst jetzt keinen falschen Eindruck von mir. Und da ich schon wieder so schrecklich abschweife und mich dafür wirklich herzlich entschuldige, möchte ich abschließend noch einmal betonen, wie wundervoll und großartig ich dieses Andenken finde, und dir wieder einmal ein großes Kompliment aussprechen für die Art die Worte zu wählen.

    Ganz liebe und herzliche Grüße
    Alex

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    • Liebe Alex,
      zunächst mein herzliches Beileid für das Ableben Deines Vaters.
      Die Konfrontation mit dem Tod müssen wir leider alle eines Tages erleben. Mein Vater ist 1995 bei einem schweren Zugunglück ums Leben gekommen, was mich sehr lange mit Schmerz umlagerte. Die Zeit, in diesem Falle unsere gute Gefährtin, bringt mit den Jahren zumeist eine Linderung und wenn wir uns diese Freundin Zeit gönnen, um der Trauer Raum zu geben, können wir es schaffen, unser Leben weiterzuleben und wieder Kraft für die Schönheit dieses Lebens gewinnen.
      Ich beschäftige mich seit dem Tod meines Vaters mit diesem Thema und glaub mir, ich habe mit dem Gevatter Tod noch keine Friedenspfeife geraucht!

      Ich habe keinesfalls einen falschen Eindruck von Dir – wie kommst Du nur auf solche abwegigen Gedanken, Alex? Wir sind alle Menschen und jeder hat das Recht auf eigene Gedanken und Gefühle, hat seine Erfahrungen, Träume und wohl dem, der wenigstens eine Meinung hat ;-), die er äußern kann.

      Ich wünsche Dir Kraft in der Zeit der Trauer und immer genügend Raum dafür, welchen ich sehr wichtig finde – für Tränen, für Wut, für Verzweiflung, den Schmerz.

      Herzliche Grüße
      Sylvia

      Gefällt 1 Person

      • Liebe Silvia,

        ganz herzlichen Dank für deine Anteilnahme, und auch wenn der Tod deines Vaters schon über 20 Jahre her ist, möchte ich dennoch auch mein aufrichtiges Beileid aussprechen, denn das ist wohl etwas das nie vergeht und eine Lücke hinterlässt, die sich nicht schließen lässt. Ich nehme an, dass dein Vater auch in jungen Jahren die nächste Reise antreten musste, und das finde ich immer besonders tragisch. Wenn man eigentlich noch viele Jahre vor sich hat, aber Krankheit und Unglück das abrupt beendet. Mein Vater spritzte sich eine Überdosis Insulin und starb zu Hause in seinem Bett. Ich war die erste, die ihn sah, da meine Mutter nicht in das Zimmer ging, nicht hineingehen konnte, und auf mich gewartet hatte. Was wir zu diesem Zeitpunkt nicht wussten und er uns verschwiegen hatte war, dass sein Krebsleiden hoffnungslos und er Krebspatient im Endstadium war, dem vielleicht noch 3 oder 4 qualvolle Monate bevor gestanden hätten. Mein Vater war nie der Typ, für den so etwas in Frage gekommen wäre, und insofern ist es im Nachhinein kaum überraschend, dass er diesen Weg für sich gewählt hat. Und ich habe alles Verständnis für diese Entscheidung und bewundere ihn für seinen Mut, all das alleine mit sich ausgemacht und alles für den Tag X organisiert zu haben, inklusive Planung der eigenen Beerdigung. Dennoch, bei allem Verständnis für seine Situation, macht es das für die, die zurück bleiben, nicht besser. Mir persönlich fehlt am meisten ein Abschied. Ich hätte mich gerne von ihm verabschiedet. Aber ich weiß auch, dass es genau das war, das mein Vater wohl am meisten gefürchtet hatte. Das man sich von ihm verabschiedet und vielleicht sogar bemitleidet. Ich denke dann daran, dass 58 Jahre kein Alter für den Tod ist und ihm noch so einige Jahre genommen wurden. Das sind die Momente, wo ich mich bitter fühle. Wenn ich an all die Pläne und Träume denke, die er hatte, vor allem für seinen Ruhestand, und jetzt davon im wortwörtlichen Sinne nur noch ein Häufchen Asche übrig ist.

        Wie du siehst, habe ich ein echtes Problem mit Kurzfassungen. Das konnte ich noch nie und ich möchte mich noch einmal entschuldigen, dass ich hier immer so viel schreibe. Ich danke dir jedenfalls sehr für deine Wünsche, die ich auch alle wirklich gut gebrauchen kann. Mein Vater starb im Februar, aber erst jetzt begreife ich, glaube ich, dass er nicht mehr da ist und auch nicht mehr wieder kommt. Ich hab mich ja um alles kümmern müssen und das alleine, inklusive Stütze und Trost für meine Mama sein, die nicht nur völlig hilflos, sondern auch untröstlich war und ist. Ich hatte schlichtweg keine Zeit für Trauer. Ich fühle mich noch immer wie eingefroren, dabei würde ich mir wünschen, dass ich endlich über seinen Tod weinen könnte, damit mein schlechtes Gewissen vergeht.

        Wie ich auf solche Gedanken komme? Nun, es zeugt wohl von einer gewissen Gefühlslosigkeit und Kälte, wenn man solche tragischen und schlimmen Nachrichten wie dem Tod eines Menschen, so fern er mir auch ist, kaum reagiert und es nur am Rande registriert. Andererseits bin ich allgemein kein sehr fröhlicher oder extrovertierter Mensch und mache eigentlich alles im Stillen mit mir aus, oder eben über die Worte in meinen Texten. Auch den langen Kampf gegen die Dunkelheit und für das Schöne, das Gute, das, was ein Leben lebenswert macht und einen dazu bringt, immer weiter zu machen. Ich gebe zu, dass mir das nicht immer leicht fällt und das viele Menschen das nicht verstehen oder fehlinterpretieren. So wirke ich unnahbar und gefühllos, obwohl ich beides überhaupt nicht bin. Und gerade in Schriftform ist es schwierig, egal wie gut man mit Worten ist, das so auszudrücken, das kein falscher Eindruck entsteht. Aber ich bin sehr froh und auch dankbar, dass du das so siehst und keinen falschen Eindruck von mir hast. Danke dafür.

        Oh je, du solltest eine Zeichenbegrenzung für die Kommentare eingeben :-). Wirklich, es tut mir sehr sehr leid, dass ich hier immer so viel schreibe.

        Ich wünsche dir einen schönen Tag und grüße dich lieb und herzlich
        Alex

        Gefällt 1 Person

      • Liebe Alex,

        mein Vater war zum Zeitpunkt seines Todes 57, ich war 27 Jahre alt.

        Es ist unglaublich, was Du beschreibst und ich bewundere Dich, Alex! Ich bewundere Deine Kraft und Deinen Mut, dies alles so durchgestanden zu haben und noch durchzustehen.

        Eines mal grundsätzlich: Auf mich hast Du noch nie gefühllos gewirkt! Ich weiß nicht, ob Du derlei Rückmeldungen von anderen Menschen bekommst?

        Eine Zeichenbegrenzung für Kommentare kommt für mich gar nicht in Frage. Ich tausche mich hier gern mit anderen Menschen aus, erfahre von ihrem Leben, ihren Gedanken und ja, auch ihren Schicksalen. Manches lässt mich nicht mehr los und ich umworte es.

        Du schreibst, Du bist allgemein kein so fröhlicher und extrovertierter Mensch.
        Muss man das sein? WER in Gottes Namen schreibt vor, wie jeder Einzelne von uns zu sein hat?
        Stellen wir uns vor, jeder wäre ein fröhlicher und extrovertierter Mensch oder jeder wäre still und ernst und introvertiert. Och nee, wie langweilig wäre das denn?
        Sorry, aber wer Dich nicht versteht, der sollte es eben lassen.
        Niemand ist dazu da, dem anderen zu gefallen.

        Hier schenke ich Dir mein Gedicht für diesen Abend:

        Ich bin

        Ich bin
        nicht
        wie du bist

        Ich bin
        nicht
        die sich vergisst

        Ich bin
        nicht
        ein wenig ideal

        Ich bin
        nicht
        außen oder innen kahl

        Ich bin
        nicht
        um euch zu bespaßen

        Ich bin
        nicht
        für hohle Phrasen

        Ich bin
        nicht
        nur zu weinen oder lachen

        Ich bin
        am Menschlichsten
        im Schwachen.

        Copyright:
        Sylvia Kling
        10.09.2016

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  2. Pingback: Für die 2016 Heimgegangenen | Kulturnews

  3. Mir hat Dein Gedicht auch seh gut gefallen, liebe Sylvia……ich habe mir auch so meine Gedanken gemacht. Ich denke, langsam sterben so viele, mit denen man aufgewachsen ist und die eigene Sterblichkeit wird einem bewusst! Herzliche Grüße, Ann

    Gefällt 1 Person

  4. …. und immer wieder die Frage, wer wohl noch bleiben mag, wer ähnlich prägend ist oder sein wird. Da fällt mir ein Zitat von Nelson Mandela ein: „Nicht unsere Schwächen fürchten wir, die größte Angst haben wir vor unserem Erfolg.“ Wir brauchen Menschen, die diese Wahrheit in Ihrem eigenen Leben beherzigen. Menschen, die sich trauen, Ihre Authentizität zu vertreten. Vielen Dank für diesen Beitrag.

    Gefällt 1 Person

    • Wie wahr, Stefanie! Das Zitat von Mandela kenne ich – danke, dass Du es schreibst.
      Das Verwehren des eigenen Ichs, diese heute gefragte „Außenbezogenheit“ – selbstverständlich auch mit den Befürchtungen um Verringerung von Anerkennung oder materiellen Einbußen lässt viele Menschen abstumpfen und Authentizität verlieren.

      Ich danke Dir für Deine Worte und grüße Dich herzlich,

      Sylvia

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  5. danke für diesen wunderbaren beitrag, liebe sylvia!
    es sind so viele dieses jahr, scheint mir… und es sind so einige dabei, die mich wirklich berührt haben. götz george, oh ja, der gehört auch bei mir dazu. sie alle werden nie vergessen werden, denn sie haben spuren hinterlassen.
    herzliche grüße
    diana

    Gefällt 2 Personen

    • Ich habe vor allem bei Götz George geweint. Diesem grandiosen Schauspieler fühlte ich mich immer nahe – nach dem Warum habe ich nie gefragt. Dieser Mann mit dem Rückrat und der Bodenständigkeit und dem Talent, jede Rolle so zu spielen, als würde er sie leben – er hat mich viele Jahre begleitet. Doch auch Manfred Krug, bis in die 70er Jahre mein Begleiter (vor der Ausreise in die BRD), den ich sehr schätzte und mochte – da kamen mir die Tränen.
      Ach, so viele könnte man erwähnen. Doch bei diesen beiden weinte ich.

      Sie haben uns geprägt und wir werden noch lange nach solchen Persönlichkeiten suchen müssen!

      Herzliche Grüße
      Sylvia

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