GlockenLäuterung


GlockenLäuterung

Vom Kirchturm her
die Glocken läuten,
heut liegt der Tag
im sanften Licht,
es sollte wohl
uns so bedeuten,
auf altes Leben
zaghaft neue Sicht

Schon als Kind hörte ich
die Glocken schwingen,
da trug die Hoffnung
mich noch in mein NachtGemach,
da hörte ich die
Englein singen,
da glaubte ich an das,
was man versprach

So waren sie in jungen
Jahren recht verklärt,
die unschuldsreichen
frühen Tage,
es hat das Glockenspiel
sich nur bewährt,
neugeläutert ström ich aus
und wohligwarme Hoffnung
in mir trage.

©Sylvia Kling

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42 Gedanken zu „GlockenLäuterung

  1. Ich entnehme daraus vor allem, dass natürlich die Seele des Menschen in der Entwicklung ist. Als Kind oder Jugendlicher hatte man sich vielerlei trügerische Illusionen gemacht, unbeschwert an alles Mögliche geglaubt. Danach machte man z.T. böse Lebenserfahrungen, und viele der Träume gingen anschließend erst mal den Bach runter. Aber in Schritt Drei, vielleicht viel später, kehrt man dann doch wieder zu dem modifizierten Urzustand auf einer höherer Ebene zurück. Dann schafft man es, trotz aller deprimierenden Erlebnisse, die man im Laufe der Zeit machen musste und all der „Wunden“, die einem das Leben schlug, doch wieder an einen guten Weg zu glauben. Habe ich das ungefähr richtig interpretiert, liebe Sylvia?
    Dazu würde der Text eines Liedes passen, das Udo Jürgens mal interpretiert hat, „deine besten Jahre, die können immer sein“:
    http://www.songtexte.com/songtext/udo-jurgens/deine-besten-jahre-63f2529f.html

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    • Oh, da erwischst Du mich gerade in meiner philosophischen Phase (wobei ich es ja nicht mag, wenn meine Texte in einem philosophischen Kontext zerrissen werden, da es der Freiheit der Poesie/Lyrik m.E. nach entgegensteht).
      Heute stelle ich mir die Frage:

      Müssen wir erst das Böse erfahren, um das Gute zu erkennen?

      Ich denke, so ist es wohl und Deine Interpretation kommt meinem Gefühl beim Schreiben zumindest recht nahe.
      Das Schöne an Gedichten ist:
      Jeder liest sie anders, denn er liest mit seinem eigenen Gefühl, den eigenen Erfahrungen, dem eigenen IST-Zustand.

      Ich danke Dir für den Link (der Song von Jürgens gefällt mir sehr gut – Jürgens war ein bemerkenswerter Künstler) und Deine Gedanken.

      Herzlichst,
      Sylvia

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      • Ja, liebe Sylvia, es trifft natürlich zu, dass jeder Leser beim Verinnerlichen ein wenig andere Assoziationen hat als der andere, das steht ganz außer Frage. Worum es mir ging, war zu sagen, dass man manche Texte vielleicht mehrmals lesen muss, um sie richtig zu verstehen und nicht etwas herauszulesen oder hineinzudeuten, was der Autor so gar nicht sagen wollte.

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      • So sollte es sein – ich denke nicht, in einfachen Stammtischverselein zu schreiben und lese selbst auch gern Texte anderer, bei denen ich gewisse Passagen nochmals verinnerlichen muss sowie mein Denkapparat in Gang kommt – alles andere ist eher nichts für mich.
        🙂

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      • @ Rainier: was heißt denn „richtig zu verstehen“? Klar, was der Autor / die Autorin sagen wollte, ist ncith unwichtig, aber genauso wichtig ist es doch, was der Text dem Leser / der Leserin sagt. Das muss nicht übereinstimmen. Beides ist „richtig“ und oft genug ergänzen sich die unterschiedlichen Sichtweisen. Bei meinenTexten geht es mir manchmal so, dass ich für solche Ergänzungen (oder sogar Korrekturen) ganz dankbar bin.

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      • Das ist „richtig“ :-). Deshalb schrieb ich es ja, dass es darauf ankommt, wie die eigenen Erfahrungen usw. sind. Manchmal dienen Texte auch nicht zwingend einem Verstehen, sondern einer Anregung, einer Weiterführung – nicht immer muss es eine Schlussfolgerung sein. Wir erwarten manchmal recht viel von uns selbst ….

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      • Liebe Sylvia, liebe(r) nurmalich, ich bin ursprünglich von folgender Möglichkeit ausgegangen: Dass leicht unscharfe Formulierungen des jeweiligen Autors gelegentlich die Wurzel für Missverständnisse oder Fehlinterpretationen beim Zuhörer sein können. Ich meine das grundsätzlich und ganz allgemein. Daraus resultierend denke ich auch nicht, oder dachte zumindest bis jetzt nicht, dass eine klare Sprache immer auf Primitivität oder Niveaulosigkeit hinweist, während umgekehrt ein verschlüsselter oder verschwommener Erzählstil stets Indizien für ein hohes künstlerisches Niveau liefern muss. Dass der Autor beim Zuhörer etwas anstößt, was vielleicht gar nicht in seiner Absicht lag, z.B. weil er dem nicht die Bedeutung beimisst wie sein Gegenüber, da er seinen eigenen Maßstab für Prioritäten hat, ist eine andere Sache und zweifelsohne unbestrittene Realität. Es stimmt: Jeder Mensch hat eine etwas andere Vorgeschichte, woraus sich für ihn die unterschiedlichen Wichtigkeiten ergeben. Jedoch existiert das Phänomen, die Welt des Unbewussten oder des Unterbewusstseins, auf dessen Grundlage wir wohl alle irgendwie miteinander kommunizieren. Da spreche ich sogar aus Erfahrung. Aber darum ging es mir in dem Fall nicht.

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      • Liebe Sylvia, gerne schicke ich den Kommentar nochmal:

        Selbst bei Meinungsverschiedenheiten –und diese halte ich für normal menschlich– muss doch kein böses Wort fallen. Auch wenn man sich online ganz geschickt anonym verstecken kann, sollte das ja kein Freibrief für üble Attacken sein, oder?
        Also, ich sehe dieses „Märchen“ als Normalfall und alles andere als ungehobeltes Verhalten an.
        Und ich bin froh, dass zum Beispiel hier auf dem Blog dieser freundliche und menschliche Ton zur „normalen“ Gepflogenheit gehört, und dass alles andere einfach nicht zugelassen wird!

        Vielen Dank dafür an Sylvia!

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      • Selbst bei Meinungsverschiedenheiten –und diese halte ich für normal menschlich– muss doch kein böses Wort fallen. Auch wenn man sich online ganz geschickt anonym verstecken kann, sollte das ja kein Freibrief für üble Attacken sein, oder?

        Also, ich sehe dieses „Märchen“ als Normalfall und alles andere als ungehobeltes Verhalten an.
        Und ich bin froh, dass zum Beispiel hier auf dem Blog dieser freundliche und menschliche Ton zur „normalen“ Gepflogenheit gehört, und dass alles andere einfach nicht zugelassen wird!

        Vielen Dank dafür an Sylvia!

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  2. In den erstern Zeilen die Gegenwart mit ihrem Erleben und dann der Blick zurück in eine heile (?!?) Vergangenheit…
    Schön, dass deinText nicht im Kindheits-NachtGemach stecken bleibt und dann doch einen neuen hoffnungsvollen Blick auf das Heute eröffnet und – ja, auf das was heute und morgen zu tun ist.
    Vielleicht kannst du manch einen damit zu diesem geläuterten Weg in die Zukunft ermutigen.
    Danke für diesen Text und liebe Grüße
    Werner

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  3. Ich wollte nie meine Jugend zurück oder Momente meines Lebens umschreiben, denn das bin ich, aber die Unbeschwertheit früher Tage, die sehne ich doch manchmal herbei. Danke für deine zauberhaften Gedanken liebe Sylvia!

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  4. Ja, seit früher Kindheit begleiten uns die Glocken.
    Strukturierend, beruhigend, erfreuend, prägend,
    Heimat spendend.
    Ob verklärt in jungen Jahren
    oder neugeläutert im Jetzt,
    Hoffnung schwingt immer noch mit …

    Eine sehr schöne Betrachtung!
    Absolut stimmig!
    Lieben Gruß, M.!

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    • Dankeschön, lieber M.
      Es gibt solche Dinge, die einen ein Leben lang begleiten und nie ihren Klang verlieren. Doch in uns ändert er sich. Ein sanfter Klang, ein beschwingter, ein trauriger, ein hoffnungsfroher.

      Ich sende Dir herzliche Grüße
      Sylvia

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  5. Pingback: Mittwoch, den 15. Juni 2016 | Kulturnews

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