Menschliches



Menschliches

Grüß mich auf schlechten Wegen
auf den guten grüßten mich viele –
sind mit mir menschelnd umgegangen
zu einer gar lustigen Zeit

Küss mich auf schlechten Wegen
auf den guten küssten mich viele –
haben mir Liebe geschworen
wären zu allem bereit

Gib mir auf schlechten Wegen
auf den guten gaben mir viele –
das Brot brauche ich im Hunger,
im Durst besteht das Leid.

Trag mich auf schlechten Wegen
auf guten trugen mich viele –
wenn ich nicht mehr laufen kann
brauche ich Menschlichkeit.

©Sylvia Kling

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Dieses Gedicht erschien in meinem Lyrik-Doppelband „BruchStücke“ – Ende August 2016.

streetart girl

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©straßenfotografien: https://strassenfotografien.wordpress.com/

Ich wünsche meine Lesern, Freunden und Besuchern ein wunderschönes Wochenende mit guten Begegnungen :-).

 

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61 Gedanken zu „Menschliches

  1. Dem kann ich voll zustimmen.

    Aber erkennen Außenstehende das Bedürfnis, oder wird Einsamkeit bzw. Kraftlosigkeit heutzutage eher als „In-Ruhe-gelassen-werden-wollen“ interpretiert? Nach dem Motto: Wer nicht mit uns feiern will, den lassen wir lieber in Ruhe.
    Letzteres fände ich schade.
    In diesem Sinne: liebe Grüße unbekannter Weise.

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    • Vielen Dank für Deinen Kommentar.
      Ich weiß nicht, wie es andere auffassen. Bei manchen sollte man es als Bedürftige(r) direkt ansprechen – manche erkennen es von selbst. Es kommt sicher auf das Gegenüber an.

      Liebe Grüße
      Sylvia

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    • Danke, Rainer – ja, zu dieser Thematik gab es wohl schon viele Songs und Texte. Schön, dass mein Gedicht an Tschernig erinnert – den habe ich als junge Frau gerne mal gehört (natürlich nach Udo Lindenberg 😁).
      Liebe Grüße
      Sylvia

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  2. Like a bridge over troubled water, fällt mir dazu ein. Du hast das wunderbar in Worte gefasst. In schlechten Zeiten, da erkennt man wahre Freunde. Heute kommt meine beste Freundin und wir sind immer füreinander da. Ich werde ihr dein Gedicht zeigen. Liebe Sonntagsgrüße Sylvia

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  3. Wunderbar formuliert bzw. gedichtet, liebe Sylvia! Ja, es ist einfacher zu helfen wenn es einem gut geht, meinen wir zumindest, doch gerade in armen Ländern erfährt man oft einen großen Zusammenhalt und Hilfsbereitschaft, nicht nur untereinander, sondern auch Fremden gegenüber.
    Dein Gedicht passt wunderbar zu unserer Wohlstandsgesellschaft, denn genauso ist es oft!

    Dir noch einen schönen Samstagabend und Danke für Deine sinnvollen Gedanken!

    LG Babsi

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  4. Wieder ein sehr berührendes, schönes Gedicht! „Das Brot brauche ich im Hunger“…wie herrlich hast du das ausgedrückt! Wunderbar, wenn man Menschen begegnet, die sich ganz offen mit anderen freuen und ihnen, wenn Not am Mann ist, auch helfen können!

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    • Vielen Dank, liebe Petra.
      Wir alle sind ja weit entfernt davon, perfekt zu sein. Ich fände das auch nicht angenehm, denn wo bliebe das Lernen, das Erfahren?
      So können wir reflektieren, uns erinnern. Nicht, um perfekt zu sein, doch aber menschlich.

      Liebe Grüße
      Sylvia

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  5. Ja, es ist nur all zu „menschlich“, nur in guten Zeiten „gut“ zu sein. Gut, dass Du uns daran erinnerst!
    Danke!

    Wieder einmal „zauberst“ Du mit Deinen Worten und Formulierungen „greifbare“ Bilder, denen ich mich nicht entziehen kann! Sie nehmen mich hinein in Situationen und in die ErfahrensWelt, die begreifen lässt, was es bedeutet, in einer NotPhase plötzlich allein zu sein. Gerade da wäre ein GegewärtigSein ein NotWendender Freundschaftsdienst.

    Lieben Gruß, M.!

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    • Lieber Michael,

      vielen herzlichen Dank für Deine wieder so intensiven Worte zum Gedicht.
      Ja, ich denke, fast jeder hat es schon erfahren, wie es ist, in der Not alleine zu sein.
      Das Gute daran ist, dass wir aus allen LebensSituationen lernen (ich schreibe mit BinnenMajuskeln zurück 🙂 ) und unsere Schlüsse ziehen.

      Herzliche WochenEndGrüße
      Sylvia

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