Kalt


Auch Themen zum Tod und zur Armut werden in meinen Arbeiten nicht tabuisiert, wie meine Leser, die mir schon länger zugetan sind, bereits wissen.

Wie sieht es aus mit den verarmten Einsamen? Wer denkt an diese Menschen?

Kalt

Die Zeitung war aufgeschlagen
als lese da einer noch,
die alte Brille lag vor dem Kamin,
der nach kalter Asche roch

An der Spüle türmten sich Teller,
die Küche im Schmutze verschwand ,
der verklebte Vorhang wehte
wie durch Geisterhand

Auf dem Rücken lag die Alte,
aufgeschlagen die Knie,
zwei Tage schon vergessen,
niemand vermisste sie

Sie erzählte ihnen Geschichten
im grauzerrissenen Kleid,
von verarmten NichtEitelkeiten
und selbstvergessenem Leid.

Sie holten den schwarzen Wagen,
der Arzt schrieb den Totenschein,
Sie forschten nach Verwandten –
Wer stirbt schon gern allein?

©Sylvia Kling

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41 Gedanken zu „Kalt

  1. Pingback: Über menschliche Beschränkungen und die Freiheit der Schwalben. – varianten

    • Ach liebe Sylvia …
      Ich habe nicht wirklich gereblogt. Ich wollte etwas ausprobieren und hatte deinen Blog als Testobjekt benutzt.
      Niemals würde ich einen Beitrag von dir (oder jemanden anderem) rebloggen, ohne vorher zu fragen. Das verlangt die Blogger Ehre und natürlich meine eigene Einstellung.
      Also … es tut mir leid, das hier in den Kommentaren dieser Hinweis aufgetaucht ist.
      Wenn ich herausgefunden habe wie es funktioniert und wie ich meine Idee umsetzen kann, werde ich dich auf jeden Fall vorher fragen – mein Blogger Ehrenwort 🙂 🙂
      Herzlichen Gruß aus Olbersdorf/Sachsen
      Ede

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  2. Pingback: Dienstag, den 07. Juni 2016 | Kulturnews

  3. Deine Zeilen gehen wirklich ans Herz liebe Sylvia, das macht sehr sehr traurig, vor allem, weil man weiß wie oft so etwas in der Realität wirklich vorkommt. Mir tun diese armen alten einsamen Menschen sehr leid, niemand sollte so sterben müssen. Leider auch traurig, dass sie oft so alleine in mitten von Menschen leben und doch merkt es niemand.

    Gefällt 2 Personen

  4. So wie wir nicht mehr menschenwürdig leben, so sterben wir auch nicht mehr menschenwürdig.
    Ich finde Deine Zeilen sehr traurig. Und doch hoffe ich immer, dass das Pendel auch wieder in die andere Richtung ausschlagen wird. Immerhin reden wir darüber. Das ist ein Anfang – finde ich.

    Gefällt 1 Person

    • Dein erster Satz hat es in sich!

      Wenn wir es verinnerlichen und vielleicht auch mal den Mut haben, nach dem einsamen Nachbarn zu sehen (es könnte auch eine Ablehnung folgen …, denn auch Vertrauen ist heute nicht mehr gegeben), uns dessen gewahr werden, dass wir Verantwortung tragen – nicht nur für uns selbst – könnte es gelingen.
      Liebe Grüße
      Sylvia

      Gefällt 1 Person

  5. WOW! Das geht unter die Haut. Leider hat aber nicht jeder Mensch noch Familie. Wo und wie stirbt es sich in so einem Fall „am besten“? Sorry, liest sich jetzt brutal, aber letztendlich ist es doch so. Ich frage aus reinem Eigennutz 😕

    Gefällt 3 Personen

  6. Ja wer will schon alleine zu Grunde gehen? Ich glaube, so wirklich Niemand. Aber leider (ich nehme es mal an, behaupte es einfach mal), ist es Alltäglich, die alten Werte der Familien gibt es (fast) nicht mehr. Eigentlich sehr Schade, aber auch mir geht es ja so … Das ist unsere Moderne und ob das nun besser oder schlechter ist? … mmmhhh

    Super tolle Zeilen, sehr ergreifend, wenn man in der Lage ist, in die „erzählte Geschichte“ einzutauchen.
    Vielen Dank für wundervolle Zeilen zum Nachdenken
    Liebe Grüße
    Ede

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  7. Ein sehr ergreifendes Gedicht. Leider ist im Alter bei vielen die Einsamkeit ein Thema. Und man macht sich dann Gedanken, wie war das Leben des Betroffenen davor, gab es Familie, Freunde oder war es ein trostloses einsames leben davor? und man spürte eine tiefe Traurigkeit. Man sollte immer wieder auch an diese Vergessenen erinnern, danke dass du das mit so eindrucksvollen Worten tust.

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  8. Wer stirbt schon gern allein!
    Wie recht Du hast!

    Du zeichnest mal wieder mit Deinen Worten
    ein Bild, wie es die Fotografie nicht könnte!
    Die Spuren des Lebens modellierst du ebenso „lebensecht“,
    wie die Hinweise auf die Einsamkeit „leeregeprägt“,
    die nachlassenden Kräfte beschreibst Du „schmuddelgenau“,
    das Bild erzählt grau, zerrissen, leidvoll, „eitelkeitsfern“
    und die „Normalität“ wirkt, wie so oft, „formulargerecht ….

    Ein aussagestarkes Bild mit vielen traurigen Facetten!
    Ein unglaublich kräftiger Eindruck in eine Welt, die leider
    viel zu oft Wirklichkeit ist.

    Gut, dass Du uns aufrüttelst,
    genauer, achtsamer wahrzunehmen!

    Lieben Gruß, M.!

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