Letzte Nacht


Letzte Nacht

Letzte Nacht schimmerte der Mond blutrot durch unser Fenster.

Ein letztes Mal duftete deine weiße Haut nach Rosenperlen, verzückten mich die harmonischen Schwingungen deiner Lippen, die mich immer an eine sanfte Woge erinnerten, von der ich mich gern in den dunkelsten Grund tragen lassen würde.

In diesem Moment der Vergänglichkeit legte ich meine Seele in dich hinein.

Nimm sie mit in dein Leben. Sie könnte deine unerschöpfliche Quelle sein, dein Lebenswasser.
Schöpf aus ihr nicht unbedacht, denn ich gab dir alles, was ich habe.
Schöpf aus ihr mit Achtsamkeit, erlabe dich an ihr. Bade in ihr, lass Dich von ihr in deine Träume betten.

Jeden Augenblick sehe ich den glanzvollen Tanz unserer Augen. Jetzt nehme ich ein kleines Stück von dir mit.
Es sind kleine Sandkörner, die ich in einem kleinen Beutel an meiner Brust trage.

Waren wir jemals am Meer?
Ich hätte jetzt gern die Erinnerungen:

Hand in Hand liefen wir wie die Kinder in das warme Wasser hinein und badeten in Sonnensplittern.
Das Leben empfanden wir wie eine wundersame Überfülle, fühlten uns gesättigt von ungezügelten Gefühlen.

Die stillen Sandkörner könnten ein Zeichen der Unvergänglichkeit sein.

Ich möchte die Zeit einfangen und gebe dir still meine Liebe. Nimm sie und bereite ihr ein weiches Bett, kein Grab.
Vielleicht kann ich so ewig in dir bleiben.

©Sylvia Kling

Tanjung Aan's coarse-grained sand resemble little peppercorns. (piqs.de ID: edd07722313872622de98643201614a9)

 http://piqs.de/fotos/152768.html/

Lizenz: Creative Commons License
Fotograf: Tanti Ruwani
Titel: Sand or Peppercorns?
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51 Gedanken zu „Letzte Nacht

  1. Wundervoll geformte Sätze und ein Gefühl der Hoffnung, dass man seine Liebe dalassen kann, …egal wohin man „geht“. Ein wundervoller Gedanke, dass diese „geschenkte“ Liebe einem in seinem Leben weiter begleiten und helfen kann – eine schöne Hinterlassenschaft – auch wenn der, der sie verschenkt, nicht mehr da sein sollte.

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  2. Pingback: Donnerstag, den 19. Mai 2016 | Kulturnews

  3. Ein wunderschönes Gemälde über die Liebe!

    Die Liebe s c h e i n t nur vergänglich zu sein, wie auch der Augenblick in dem wir glücklich sind.
    Du hast mit Deinen Sandkörnern sehr schön beschrieben, dass diese glückseligen Augenblicke bleiben, in uns. Wir verlieren sie nicht mehr, wenn wir darauf acht geben, genauso wie die gesammelten Sandkörner. Und dieser innere Schatz wird immer mehr …

    Die Achtsamkeit wird oft als Modewort verschrieen. Ich denke, man kann sich ihrer nicht oft genug erinnern. Schön, dass sie in Deinem Text ihren Platz hat!

    Schön finde ich auch, dass Du im Zusammenhang mit der Liebe und der Zweisamkeit den Tanz ins Spiel bringst. Mit dem Tanz hast Du bei mir stets einen Stein im Brett (nicht nur ein Sandkorn 😉 ) !

    Alles Gute und lieben Gruß, M.!

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      • Ach ja….die Zeit ist kostbar, dafür aber sehr schön! Ich habe jetzt einige Lesungen usw…..und das beflügelt meine Künstlerseele unglaublich! Aber das brauche ich dir ja nicht sagen, du weißt selbst wie wunderbar das ist ❤ !! Alles Liebe und einen schönen Tag auch für dich…. Karin

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      • Ja, liebe Sylvia, die beflügeln immer sehr sehr sehr ❤ !
        Meine Bücher gibts überall, aber ich mag jetzt nicht darauf eingehen, da ich leider ganz große Probleme mit dem Verlag hab und versuchen muss, da irgendwie raus zu kommen. Mehr kann ich dazu leider nicht sagen…(auf dieser Plattform) 😦 ! Aber alles wird sich positiv verändern…und Veränderungen sind auch etwas feines 🙂 !
        Einen schönen Abend noch – Karin

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    • Ja, das denke ich mir auch. Ich wäre so gern in mein lyrisches Ich geschlüpft :-). Aber so konnte ich mich eine kurze Weile beim Schreiben in den Worten fallenlassen. 🙂

      Hab einen schönen Tag, liebe Martina.

      Herzliche Grüße

      Sylvia

      PS: Kürzlich las ich bei einer Autorin (ungefähr in meinem Alter), sie wäre bei ihrem letzen Buch neidisch auf ihre Protagonistin gewesen. Da musste ich wirklich herzlich lachen. Sie hat es so herzerfrischend beschrieben – ihren aufkommenden Neid und wie sie damit umging. Mal schauen, ob ich das wiederfinde. 🙂

      Gefällt 2 Personen

  4. Schöne alte Zeit, wo ist sie geblieben…where have all the flowers gone…
    Damals existierten auch noch richtige Bauernhöfe. Es gab jede Menge zu entdecken. Wir haben in einem kleinen Fluss ein Floß gebaut. Das hatte schon was. Viel gelernt. Besonders die Gerüche stecken mir noch in der Nase. Genauso, wie auf dem Bauernhof im Kuhstall.
    PJP

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  5. “ In diesem Moment der Vergänglichkeit […] “
    *
    Eine GELEGENHEIT
    ist da für den MOMENT,
    um wahrgenommen zu werden !

    Wenn nicht,
    wird sie so nicht wiederkehren.

    GLÜCK oder PECH ?
    Man wird
    es nie in ERFAHRUNG bringen …

    *

    Der AUGENBLICK ist da und war –
    wieder ein Schritt in die Ewigkeit …

    © PachT 2009 / 2010
    Aus meinem Tagebuch

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