Ein Mensch, wie stolz das klingt


GEGEN DAS VERGESSEN – Teil VIII – Eine außergewöhnliche Geschichte

Ein Mensch, wie stolz das klingt… (1999/2003) – von Peter Petereit –

Droben auf seiner Wolke saß unser aller Schöpfer, ließ seine Beine baumeln und besah sich, teils gelangweilt, teils grübelnd, das Treiben auf jenem Planeten, den einige seiner Bewohner später Erde nennen sollten. Die Sache mit den Sauriern war ihm gründlich aus dem Ruder gelaufen. Gar zu ungeschlacht waren die im Laufe der Jahrmillionen geraten, reinste Freß- Sauf- und Kackmaschinen. Es stank geradezu zum Himmel.

„Naja, und ein bißchen Ästhet darf man wohl auch als Schöpfer sein,“ ging ihm wohl durch den Kopf. Und mit einem Fingerschnips war die Sache bereinigt. Zugegeben, der Rex fehlte ihm irgendwie ….

Höchste Zeit also, neue Experimente zu wagen, einem anderen der Wesen dort unten einen Stups zu geben und bei Gelegenheit mal nachzuschauen, worauf die Sache hinausläuft. Nur, wem? Er grübelte und sann, und die Jahre gingen ins Land.

… Bis jene Zeit kam, als die Wipfel der Baumriesen auch von haarigen Geschöpfen bewohnt wurden, ewig lärmenden, zänkischen Wesen, die sich zumeist von den Gaben Floras ernährten, aber auch Artgenossen nicht verschmähten, wenn sich Gelegenheit bot. Den Erdboden mieden sie, so es nur ging, diesen Tummelplatz anderer kurioser Einfälle des Schöpfers wie Säbelzahntiger oder Höhlenbär. Wild ging’s daher, wie es sich für eine ordentliche Nahrungskette gehört.

Und es begab sich, daß eines jener haarigen Geschöpfe vom Baume stieg, Adam geheißen, um von einem mickrigen Bäumchen im Unterholz eine Kostbarkeit zu ergattern. Einen Apfel. Wurmstichig und nur wenig angefault, aber noch rotbäckig, kurzum, zu jener Zeit das probateste Mittel, das andere Geschlecht zu ködern, damit abzulenken und die Schlemmerin von hinten zu bespringen. Danach, nur danach stand sein Sinn in jener schicksalhaften Stunde, und auf allen Vieren wieselte er hechelnd auf das lustverheißende Ziel zu. Auge in Auge standen sie sich da plötzlich gegenüber, unser Ur…ahn und ein ziemlich langzähniges Exemplar der Katzenfamilie.

Ohrenbetäubend kreischend und halb besinnungslos vor Angst, nahm Adam Reißaus, brach durch’s Gestrüpp, den Tiger dicht auf den Fersen. Endlich, der langersehnte Kletterbaum, und mit dem Geschick des hoffnungslos Verzweifelten sprang Adam nach einem Ast in ziemlicher Höhe. Es gab einen trockenen Knacks. Nicht sehr laut. Und vom Fauchen der Katze beinahe übertönt, die sich, ihrer Beute sicher, zum Sprunge duckte …

… und gerade dieser Knacks schreckte den Schöpfer aus seiner Lethargie. Schmunzelnd rieb er sich die Hände. Da war sie endlich, die Gelegenheit. Und spontan beschloß er, zu Gunsten jenes putzigen Wesens in die Nahrungskette einzugreifen…

… welches mit blöd – ergebener Miene da saß, den abgebrochenen Ast in seiner haarigen Faust anstarrte und eigentlich zu keiner Regung mehr fähig war. Doch, wie von Zauberhand gelenkt, erhob sich nun dessen Arm und ließ das dicke Ende des Knüppels vehement zwischen die erwartungsvoll aufgerissenen Augen des anspringenden Räubers sausen. Und, wie ein nasser Sack ging der zu Boden.

Und dann erhob sich Adam, kratzte sich den pelzigen Hintern, unstet noch irrte sein Blick zwischen Baum, Tiger und Knüppel umher. Lauf oder Drauf, so stand die Frage, denn der Gestreifte begann sich bedrohlich zu regen… Da besann sich Adam des knorrigen Etwas zwischen seinen Fingern, und als wäre es die Erleuchtung, überzog ein Grinsen sein Gesicht. Weit ausholend, den Ast nun mit beiden Händen führend, schlug er zu. Und wenig später war er der Erste seiner Spezies, der seine Zähne genüßlich in das noch warme Fleisch eines Säbelzahnigen schlug, der nicht an Altersschwäche krepiert war …

Alsdann, die Überreste der Zufallsbeute geschultert, den Knüppel in der freien Hand, schwankend ob seines vollen Wanstes aber aufrecht, begab sich Adam auf den Weg zu seinen Artgenossen. Seiner angesichtig, stiegen die denn auch aus dem Laube und umkreisten ihn, weniger um dem Helden zu huldigen, denn nach seinen Mitbringseln gierend. Ein haariger Riese mit gewaltigem Muskelspiel, in der Hackordnung Lichtjahre vor Adam, riß ihm auch alsbald das blutige Bündel von der Schulter. Adam grinste nur mitleidig. Und ließ dann den Knüppel sprechen …

… und der Schöpfer lachte herzhaft. Ein gelehrig Ding, schau an! Vielversprechend. Und, Zeit für ein Nickerchen nach all der Mühe. Wir werden später nach dem Rechten schauen …

… und siehe, fürderhin war Adam der Boß. Klein und mickrig, aber mit Knüppel. Dieser wurde nun mit allerlei Zierat geschmückt und in ein Beutelchen aus Tigerfell verpackt … Und Adam? Der soff, fraß und zeugte nach Leibeskräften. Vergessen war das Äpfelchen. Und, man glaubt es kaum, durch einen Knacks wurde er zum ersten lebenden Gott seiner Art …

Bei aller Völlerei entging ihm anfangs, daß sich, so nach und nach, immer mehr seiner Artgenossen in den Feinheiten des Totschlags mit „anderen Mitteln“ übten. Der Begriff „Konkurrenz“ kam in Mode, in der damaligen Sprache freilich für den heutigen Menschen unverständlich. Das Hauen und Stechen um die fettesten Pfründe untereinander raffte die Horde allmählich dahin. Zwar bewegte sich, ob seines nun stattlichen Wanstes, Adams Drang nach körperlicher Aktivität, dem absoluten Nullpunkt entgegen, doch die Erleuchtung wirkte nach: Er versammelte sein Restvolk und sprach zu ihm: „Nun sehet nur, was da so um uns kreucht und fleucht. Es sei euch untertan und (mir) von Nutzen. Knüppel aus dem Sack!“ Vielleicht, doch das ist nicht so genau überliefert, wählte Adam auch andere Worte. Sicher aber ist, daß alsbald seine Gefolgschaft gegen alles und jeden, was sich fressen oder anderweitig gebrauchen ließ, zu Felde zog.

Der denkende Mensch war nun erschaffen und hinterläßt immer bleibendere Spuren auf dem Planeten Erde …

… bis zum heutigen Tag, und die konkurrierende Lebensform Mensch wird, sorgfältig gezählt wie Geld mal weniger, meist mehr. Krieg und Nachkrieg. Immer mal wieder. Den Schöpfer betreffend, gibt es zwei Möglichkeiten: Zum einen hockt er noch immer auf seiner Wolke und hält sein Mittagsschläfchen, zum anderen ist er der Sache mit der Erde längst leid und werkelt auf einem anderen Planeten. Um dort seine Sache besser zu machen.

©Peter Petereit

nix (piqs.de ID: a10e6f731c8e4333178dabb91cffcdff)

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Peter Petereit, geb. 1956, lebt in Güstrow. In Vorbereitung zu diesem Beitrag hatte ich die Ehre, seine „literarischen Versuche“ lesen zu dürfen. Von Gedichten über Geschichten, unverschnörkelt oder mit WortOrnamenten verziert – es war eine Wohltat für meine Augen. Ich bitte Euch herzlich, weiterzulesen.

Zur Person (teilweise zitiert):

Ich bin ein in Sachsen-Anhalt geborener Thüringer Mischling aus Katholizismus (Ostpreußen) und Evangelismus (Thüringen), folgerichtig strikt atheistisch, liebevoll, mit vier Gefährten und von hunderten Büchern umgeben aufgewachsen, den Beruf und Liebe einst ins plattdeutsche Flachland verschlug.

Lesen konnte ich mit Fünf, Schreiben zur Einschulung, Sütterlin noch vor Russisch, Englisch und Französisch. Ein paar tausend Bücher hab ich wohl in meinem Leben gelesen und bin immer noch fleißig dabei.

Ich wollte mit Macht vom Tellerwäscher zum Millionär werden und hab nacheinander eine Baufirma und zwei Ingenieurbüros in den Ostseesand gesetzt. Hätte nicht sein müssen. Wäre ich skrupellos geworden. Das ging nicht.

Peter Petereit orientiert sich an Hemingway. Dennoch zieht er Hemmingways Konsequenz nicht in Betracht, hingegen will er seine Schreibleidenschaft wieder aufleben lassen.

Vielleicht fragt Ihr Euch, warum ich über ihn schreibe? Nun, ich weiß es und doch nicht. Etwas verwirrend ist für mich, da ich die Klarheit – gepaart mit Individualismus – mag und mich selbst als „realistische Idealistin“ bezeichne, seine hintergründige Kondensierung von Gedanken. Peters Schreibstil zumindest ist das, was mich reizt. So habe ich mich entschlossen, hin und wieder in Form von Gastbeiträgen Gedichte und Geschichten von ihm zu veröffentlichen.

Peter Petereit - Quelle: Facebook-Profil

Peter Petereit – Quelle: Facebook-Profil

Da ist „Eltern. Haus. 2“, was mich fesselt. Er schreibt über sich, über Erinnerungen, über das Sein – auf seltsame Weise instrinsischen Geschriebenen. Ist es das? Oder ist es die Verwundbarkeit, die aus seinen Zeilen spricht – die Verwundbarkeit eines einst Gescheiterten, wieder Aufgestandenen oder gar die profunde Ambivalenz in seinen Geschichten.

Ein engagierter, ehemaliger NVA-Offizier (ich ließ es bewusst aus meiner obigen Beschreibung heraus, um es nun doch zu erwähnen), der sich gegen Krieg und Rassismus wendet. Ein Kind, welches aus der Friedenswärme der Nachkriegszeit entstand.

Bei Peter Petereit sollte man schon genau hinlesen – sonst versäumt man das Wesentliche ;-).

Ich danke Euch für Eure Aufmerksamkeit und wünsche meinen Lesern und Besuchern noch einen schönen Tag.

Eure Sylvia Kling

Weitere Teilnehmer_innen und Beiträge:

http://querdenkende.com/2016/02/11/teilnahme-am-projekt-gegen-das-vergessen/

http://querdenkende.com/2016/02/12/nie-wieder-krieg-papa/

https://arnovonrosen.wordpress.com/2016/02/11/teilnahme-am-projekt-gegen-das-vergessen/

https://belanahermine.wordpress.com/2016/02/11/rosa-ein-beitrag-zum-projekt-gegen-das-vergessen/

https://ulerolff.net/2016/02/11/gegen-das-vergessen/

https://lyrifant.wordpress.com/2016/02/12/gegen-das-vergessen/

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http://herzhuepfen.com/2016/02/09/kein-gewicht-ein-beitrag-zur-aktion-gegen-das-vergessen/

http://querdenkende.com/2016/02/09/revolutionaere-wesen-taeuschen-uns/

https://pawlo.wordpress.com/2016/02/10/gegen-das-vergessenagainst-forgetting/

https://belanahermine.wordpress.com/2016/02/10/gegen-das-vergessen/

https://monikamaria.wordpress.com/2016/02/10/gegen-das-vergessen-2/
https://aouga.wordpress.com/2015/08/30/verzeiht/

https://sugar4all.wordpress.com/2016/02/12/projekt-gegen-das-vergessen/

https://collectinghappiness.wordpress.com/2016/02/12/gegen-das-vergessen-fred-uhlman/

https://rachelgedanken.wordpress.com/2016/02/17/gegen-das-vergessen/

http://seelenglimmern.com/2016/02/19/es-gibt-nur-zwei-menschenrassen-und-die-eine-lebt-ihren-selbstdarstellungswahn-lachend-aus/

https://sckling.wordpress.com/2016/02/19/70-jahre-frieden-zu-lang-fuer-die-deutschen/ – Ein Beitrag von Martin Schauerte (kein Blogger – daher steht sein Beitrag auf meiner Seite)

https://4alle.wordpress.com/2016/02/20/gegen-das-vergessen-ein-projekt/

https://juckplotz.wordpress.com/2016/02/20/gegen-das-vergessen/

http://musikhai.com/2016/02/21/teilnahme-am-projekt-gegen-das-vergessen/

https://lyrifant.wordpress.com/2016/02/22/bitte-einer-duennhaeutigen/

https://maddemaddigger.wordpress.com/2016/02/21/schlussstrich/

http://querdenkende.com/2016/02/22/hinter-den-worten/

https://ulerolff.net/2016/02/11/gegen-das-vergessen/

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Gegen das Vergessen – Gegen die Schuld

Es darf nie wieder, nie wieder geschehen! – Gegen das Vergessen

Zum Foto:

http://piqs.de/fotos/185574.html

Creative Commons License

Fotograf: josef-t-rezaie
Titel: Schöpfer
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