Im Kleinen


Im Kleinen

Gegen Fremdenhass wollt ihr euch stellen,
ihr setzt euch ein für jene, die da kommen,
es sind wahrhaftig menschlich hohe Wellen,
nein, das macht mich keineswegs beklommen

Ich hadere mit der nicht gesehnen Schicht,
die unter eurer süßen Gnade weilt,
die eine andere Sprache spricht,
mich dampfend, rauchend, warnend wohl ereilt

Die Menschlichkeit im Kleinen schon beginnt,
auch deutsche, schwache Seelen brauchen eure Hand,
wenn diese euren Herzen schon entrinnt,
hat sie auf Dauer auch für Fremde nicht Bestand.

©Sylvia Kling

Meine Hand (piqs.de ID: 4550ffd7ccb2a694b3d872af19f38bf2)

Meine Hand (piqs.de ID: 4550ffd7ccb2a694b3d872af19f38bf2)

Entgegen meinen sonstigen Gewohnheiten möchte ich heute ein kleines Statement zu diesem Prosagedicht geben.

Es kommt mir zuweilen so vor bzw. der Verdacht verhärtet sich nach meinen Beobachtungen, dass einige Menschen, die sich gegen Fremdenhass und für mehr Menschlichkeit im Netz engagieren, dies lediglich als Ventil nutzen. Warum? Ich beobachte es in sozialen Netzwerken schon eine geraume Zeit.

Wer sich Gruppen anschließt, die sich gegen Fremdenhass (und damit für mehr Menschlichkeit) aussprechen, sollte sich auch im Klaren darüber sein, dass diese Menschlichkeit vorallem im Kleinen gelebt werden sollte. Da kann es nach meinem Empfinden nicht sein, dass ein behinderter Mensch in solch eine Gruppe postet, warum er behindert ist und wird sogleich von Gruppenmitgliedern zurechtgewiesen, dass dies nicht in die Gruppe gehört. Ist es denn so schwer, ihm für die Information zu danken oder einige freundliche Worte darüber zu verlieren? Ist das mit Schmerzen verbunden? Nein, ist es nicht. Es kostet uns nichts. Diese Werte sind und bleiben kostenlos!

 

Soll etwas groß werden, muss es zuvor klein sein. (Aus meiner Zitatesammlung/2016)

Ich halte es jedoch auch gern mit folgendem chinesischen Sprichwort:

Wenn du die Welt verändern willst, gehe dreimal durch dein eigenes Haus.

 

Ich danke Euch für Eure Aufmerksamkeit und wünsche allen Lesern und Leserinnen einen guten Wochenstart.

Eure Sylvia Kling

 

Zum Foto:

http://piqs.de/fotos/19150.html

Creative Commons License

Fotograf: Markus Winkelmann
Titel: „Gib mir deine Hand!“
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86 Gedanken zu „Im Kleinen

  1. Eine ähnliche Erfahrung habe ich letztens im echten Leben gemacht, als ich von einem Menschen lange Zeit dachte, dass er eine gute, herzliche und liebevolle Person sei, was er nach außen hin durch seinen christlichen Glauben vorzugeben schien und seinen Einsatz für bestimmte Menschengruppen. Als es dazu kam, dass gegenüber seines Hotelzimmers eine Behindertengruppe einzog, empörte er sich die nächsten Tage darüber das einer von ihnen nachts schrie, wahrscheinlich um Hilfe zu rufen oder weil er sich selbst nicht zu helfen wusste. Am Frühstückstisch ging es weiter, warum denn die Behinderten sich genau ins Sichtfelds seines Stammplatzes setzen mussten? Dass könne sich ja keiner antun… Und schließlich die empörte Frage, warum wir denn Behinderte überhaupt aufnehmen…

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    • Das ist unglaublich. Vielleicht ist es so, dass gerade die, welche ihre Menschlichkeit besonders häufig und penetrant zum Ausdruck bringen, in Wirklichkeit ganz anders ticken und es nutzen, um Defizite zu kompensieren.
      Anders kann man das nicht mehr begreifen.

      Danke für Deinen (traurigen) Bericht.

      Herzliche Grüße
      Sylvia

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  2. Ja, die große und die kleine Politik…
    Es ist leicht, auf die große Politik zu schimpfen. Und es scheint weit schwieriger, im Kleinen verantwortlich (= politisch) zu handeln. Dazu muss man sich nämlich entscheiden und aktiv werden…

    Vielen Dank, dass Du mit Deinem Gedicht auf diesen Zusammenhang aufmerksam machst!
    Lieben Gruß, M.!

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    • So weit bin ich mit meinem Gedicht – zumindest nicht bewußt – gegangen. Primär ging es mir darum, dass wir uns bereits untereinander in Menschlichkeit üben sollten.

      Natürlich kommen wir nicht umhin, auch weiterzudenken und da stimme ich Dir in Deinen Ausführungen vollumfänglich zu :-).

      Liebe Grüße
      Sylvia

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  3. Liebe Sylvia,

    ich hab aus Versehen den Kommentar für Dich bei Katrin reingestellt; sie hat ja Dein Gedicht verlinkt.
    Nun schick ich ihn auch noch Dir, ich hatte geschrieben:

    Ja, es ist immer leichter, für alle sichtbar vor dem Haus zu kehren als im Inneren, wo es niemand sieht. Unser Inneres, das Heimatland Deutschland wie auch das Heimatland unserer Seele, haben es genauso nötig.
    Angela Merkel kümmert sich um dieses Innere nicht. Für die Leiharbeiter, die modernen Sklaven, wollte sie sich einsetzen – was hat sie gemacht? – Bisher ist nichts geschehen!
    Wohl wahr, was Du schreibst! Mich bedrückt schon lange, wieviele Menschen hier bei ihrem Aldi-Einkauf genau rechnen müssen und ab und an sehe ich Leute in die Abfalleimer nach Pfandflaschen gucken.
    Viele Leute können am öffentlichen Leben nicht mehr teilnehmen; was sie haben, reicht zum Überleben, und sie haben keine Lobby! In den christlichen und sozialen Parteien nicht mehr. Da denkt jeder nur an sich!

    Danke für das so zutreffende Gedicht!

    Liebe Grüße,
    Johannes

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    • Vielen lieben Dank, Johannes. Ich sehe es ähnlich wie Du.

      Jedoch: Bei dem Thema „Merkel“ versuche ich, etwas zu differenzieren. Da jedoch nicht mit „offenen Karten“ gespielt wird (war es jemals in der Politik anders?), möchte ich mich jedoch nicht weiter dazu äußern.

      Was MICH persönlich stört, ist, dass viele Menschen den Poltikern allein den berüchtigten „schwarzen Peter“ zuschieben.
      Hm, Frage: WER hat sie gewählt?
      Noch eine Frage: Sind WIR denn Marionetten, dass wir uns ganz und gar auf deren Führung verlassen und nicht klaren Verstandes genug sind, uns eine Meinung zu bilden und dementsprechend zu handeln?

      Nein. Es musste erst eine Flüchtlingsproblematik kommen, damit die Deutschen (dann auch noch in die falsche Richtung) munter werden. Man sucht Schuldige. Es ist angenehm, sich in der Opferposition zu wissen – für ehemalige DDR-Bürger scheint das schon ein regelrechter Komplex zu sein.

      Vor dieser Zeit schrieb ich häufig über Armut, auch die Altersarmut. Doch kaum interessierte sich jemand dafür. Es war weit weg, sehr weit weg von sich selbst.
      Jetzt ist sie interessant geworden … – jetzt erst?
      Die gibt es schon eine ganze Weile, diese Armut in Deutschland, diese klaffende Wunde. Es gibt schon eine ganze Weile das Thema, dass die Parteien für alles mögliche gut sind, nur nicht für den Kleinen.

      Doch die Verantwortung trägt jeder im Land.

      Liebe Grüße
      Sylvia

      Gefällt 4 Personen

      • Du hast sicherlich Recht, Politiker sind auch ein Spiegel für uns. Allerdings halte ich unsere Parteiendemokratie für überholt; die Menschen beginnen sich Gott sei Dank immer mehr, an authentischen Personen zu orientieren; wenn es auch nur wenige sind: die gibt es über alle Parteigrenzen hinweg. Mein Eindruck, dass die Menschen erst ein Gefühl für diese Authentizität zu entwickeln beginnen.
        Das ist ein Thema, dass die Kommentarebene sprengt. Jedenfalls hat es mir gut getan, Dein Gedicht lesen zu können. Liebe Grüße!
        Johannes

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      • Da stimme ich Dir zu, lieber Johannes.
        Offenbar könnten wir darüber lange diskutieren, denn gerade Dein Standpunkt zu der Orientierung an authentischen Personen interessiert mich schon. 🙂

        Danke für Deine Kommentare und Dein Interesse.

        Herzliche Grüße aus der Nähe von Meißen,

        Sylvia

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      • Volksentscheid haben wenig gebracht, wenn sogar garnichts. Ich denke an Stuttgart 21. Demonstrationen müssen angemeldet werden usw. und sofort. Es gibt viel demokratischen Widerstand, doch immer mehr Frage ich mich, leben wir in einer Scheindemokratie?

        Grüße Babsi

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  4. Oder “ Be the change you want to see in the World“ (Ghandi). Sehr schönes Gedicht liebe Sylvia. Was ich beobachtet habe, das Bekannte vor 2 Jahren noch geklagt haben ich zitiere“ Die Drecks Syrer lassen immer die Tür auf“ und sich jetzt in die „Refugees Welcome“ Schlange einreihen, die armen Flüchtlinge… es gehört sich ja jetzt so, wir wollen ja keine Rassisten sein. Dabei bekomme ich durch meine afrikanischen Freunde sehr viel unterschwelligen Rassimus mit. Vorne rum bekommen sie Sachspenden für Afrika, müssen sich dann aber vom Spender anhören “ Afrikaner sind ja dumm“ “ Ja wie, dein Sohn studiert, kann der das denn?“ etc etc… ich könnte hunderte Beispiele nenne. Ich mach hier jetzt aber einen Punkt. Liebe Grüße Michi

    Gefällt 2 Personen

    • Liebe Michi,
      vielen lieben Dank für Deinen Kommentar.
      Ghandi zitierst Du …, den ich über alles bewundere (ebenso Mandela) … – schön!
      Ja, es menschelt überall. Gegen die Menschelei ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Wir sind nun einmal mit Schwächen ausgestattet, mit denen wir leben müssen – wie auch mit den Stärken.

      Was ich nicht mag, ist Heuchelei und die Unfähigkeit zu reflektieren. Oftmals sind es eigene Unzulänglichkeiten, die mit Arroganz kompensiert wird.

      Aber wir könnten ewig darüber „reden“ ….

      Herzliche Grüße
      Sylvia

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  5. Pingback: Montag, den 18. April 2016 | Kulturnews

  6. Ich sehe es genau gleich. Danke für den treffenden Text.
    finde eh, dass es Mode geworden ist, bei Ereignissen die Social Media unkritisch und gedankenlos zu benutzen um so beim Hype, der entsteht, „dabei zu sein“, Charlie Hebdo oder die Oberflächlichkeit lässt grüssen.

    Gefällt 2 Personen

    • Danke, lieber Ernst. Nun, ich finde diese Gruppen schon sehr wichtig, auch in sozialen Netzwerken.
      Dennoch kommt mir – um es rein menschlich und unverschnörkelt auszudrücken – „die Galle hoch“, wenn man für die „eigenen“ Leute nicht einmal ein Mindestmaß an Empathie aufzubringen vermag. Ich gestehe, etwas Zweifel an der Ernsthaftigkeit des Engagements und Grundanliegens dieser Menschen zu haben.
      Humanismus: Es betrifft den Menschen – dieser hat im Mittelpunkt zu stehen. Der deutsche oder behinderte Mensch auch ….

      Ich danke Dir für Deine Worte und wünsche Dir einen schönen Tag.

      Herzlichst,
      Sylvia

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  7. Ich lese deine Zeilen und möchte mich eigentlich kneifen, aber ich BIN wach. Gestern in der Nacht, habe ich seit langem ein Gedicht geschrieben und zum ersten Mal auch ein Statement dazu abgegeben, als ob unsere Hände und Gedanken parallel gehandelt hätten. Morgen kannst du es lesen liebe Sylvia – wir bleiben verbunden und ich danke dir für dein Gedicht.

    Gefällt 1 Person

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