Glück und Unglück


Foto und Gestaltung: Uwe Richter/http://uwerichtersfotoblog.wordpress.com/

Foto und Gestaltung: Uwe Richter/http://uwerichtersfotoblog.wordpress.com/

Ich wünsche meinen Lesern, Freunden und Besuchern ein wunderschönes Wochenende mit genussvollen, sonnigen Augenblicken.

Eure Sylvia Kling

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„Ich bin in Sehnsucht eingehüllt“ – GEGEN DAS VERGESSEN


Gegen das Vergessen – Teil IX
 
Bitte nehmt diesen, zu dem unten eingefügten Link, Klick zu Anne-Marits Homepage bzw. ihren Beitrag in Kauf.
Ich finde in Anbetracht der kürzlich stattgefundenen Wahlen in Österreich und den weiteren Ereignissen in Deutschland nicht, dass wir uns eine Resistenz leisten können und dürfen!
Eine gewisse Politik(er)müdigkeit ist für mich durchaus nachvollziehbar. An manchen Tagen scheint es mir, als habe ich keine Kraft mehr. Es ist wichtig, dass wir uns Nischen suchen, in denen wir uns erholen können, um Kraft zu sammeln und für den Alltag und die Wirrnisse gerüstet zu sein. Es ist wichtig, dass wir auch die vielen angenehmen Seiten des Lebens genießen und diese thematisieren. Doch es ist auch wichtig, nicht zu vergessen, dass wir diese angenehmen Seiten gern behalten möchten!
Anne-Marit schrieb mir dazu:
„Wir haben keine politischen Vorbilder mehr, niemanden, mit dem man sich identifizieren kann. Und da man sieht, dass sie alle nur ihr eigenes Süppchen kochen, droht man abzustumpfen.“
Doch abstumpfen bedeutet, nichts mehr wahrzunehmen und unempfindlich zu werden. Wer möchte unseren Kindern und Enkelkindern solch ein Erbe übergeben?
 
Zur Person:
Anne-Marit Strandborg wurde 1964 in Rostock geboren. Dort ist sie aufgewachsen und hat ihr Leben verbracht, bis es sie 2001 der Liebe wegen an die Nordsee verschlagen hat.
Anne-Marit Strandborg - Gestaltung: Joseph Dahlhaus-Erichsen, Gründer der Gruppe: "Fremdenhass - Nein Danke" auf Facebook

Anne-Marit Strandborg – Gestaltung: Joseph Dahlhaus-Erichsen, Gründer der Gruppe: „Fremdenhass – Nein Danke“ auf Facebook

 
Anne-Marit ist eine geborene Leseratte, die Bücher über alles liebt. Während sie früher die Bücher aus der Bibliothek leihen und sie dann oftmals mit der Taschenlampe unter der Decke zu Ende lesen musste, um keine Strafe zahlen zu müssen, kann sie sich ihre Schätze heute ins Haus holen. In ihrem Blog „Annes Lesetagebuch“ stellt sie Bücher vor, die ihr ans Herz gewachsen sind.
 
Einen besonderen Platz bekommen jetzt aber auch „Bücher gegen das Vergessen“. Die liegen Anne-Marit besonders am Herzen, obwohl das ein sehr schweres Thema ist. Aber gerade heute ist es wieder so wichtig, an das zu erinnern, was nie mehr passieren darf.
(Quelle: Anne-Marit Strandborg)

 

“GEGEN DAS VERGESSEN”

wird von vielen Künstlern und Initiativen aufgegriffen,
wenn es um die Geschehnisse während des Nationalsozialismus geht oder um Aktionen / kreative Prozesse / Kunstwerke, die gegen diesen Geist atmen” (Zitat: Jürgen M. Brandtner).
Ich möchte nun alle nicht vergessenden Künstler, Kreative und Blogger bitten, sich mit dieser Überschrift an dem Projekt zu beteiligen!  Eine Verlinkung in den entsprechenden Beiträgen zu denen anderer Künstler/Teilnehmer würde ich für sinnvoll erachten.
Vielen herzlichen Dank!
Sylvia Kling

Eigene Beiträge:

https://sckling.wordpress.com/2016/02/09/egal/

https://sckling.wordpress.com/2016/02/11/als-die-alte-erzaehlte-ballade-gegen-das-vergessen/

https://sckling.wordpress.com/2016/04/12/verzweiflung-gegen-das-vergessen/

https://sckling.wordpress.com/2016/02/16/untroestlich/

Weitere Teilnehmer_innen und Beiträge:

http://querdenkende.com/2016/02/11/teilnahme-am-projekt-gegen-das-vergessen/

http://querdenkende.com/2016/02/12/nie-wieder-krieg-papa/

https://arnovonrosen.wordpress.com/2016/02/11/teilnahme-am-projekt-gegen-das-vergessen/

https://belanahermine.wordpress.com/2016/02/11/rosa-ein-beitrag-zum-projekt-gegen-das-vergessen/

https://ulerolff.net/2016/02/11/gegen-das-vergessen/

https://lyrifant.wordpress.com/2016/02/12/gegen-das-vergessen/

http://seniorenleichtathletik.com/2015/10/16/59-dieses-mal-kein-sportbericht-doch-hoffentlich-genau-so-interessant/

http://herzhuepfen.com/2016/02/09/kein-gewicht-ein-beitrag-zur-aktion-gegen-das-vergessen/

http://querdenkende.com/2016/02/09/revolutionaere-wesen-taeuschen-uns/

https://pawlo.wordpress.com/2016/02/10/gegen-das-vergessenagainst-forgetting/

https://belanahermine.wordpress.com/2016/02/10/gegen-das-vergessen/

https://monikamaria.wordpress.com/2016/02/10/gegen-das-vergessen-2/
https://aouga.wordpress.com/2015/08/30/verzeiht/
https://sugar4all.wordpress.com/2016/02/12/projekt-gegen-das-vergessen/

https://collectinghappiness.wordpress.com/2016/02/12/gegen-das-vergessen-fred-uhlman/

https://rachelgedanken.wordpress.com/2016/02/17/gegen-das-vergessen/

http://seelenglimmern.com/2016/02/19/es-gibt-nur-zwei-menschenrassen-und-die-eine-lebt-ihren-selbstdarstellungswahn-lachend-aus/

https://sckling.wordpress.com/2016/02/19/70-jahre-frieden-zu-lang-fuer-die-deutschen/ – Ein Beitrag von Martin Schauerte (kein Blogger – daher steht sein Beitrag auf meiner Seite)

https://4alle.wordpress.com/2016/02/20/gegen-das-vergessen-ein-projekt/

https://juckplotz.wordpress.com/2016/02/20/gegen-das-vergessen/

http://musikhai.com/2016/02/21/teilnahme-am-projekt-gegen-das-vergessen/

https://lyrifant.wordpress.com/2016/02/22/bitte-einer-duennhaeutigen/

https://maddemaddigger.wordpress.com/2016/02/21/schlussstrich/

http://querdenkende.com/2016/02/22/hinter-den-worten/

https://ulerolff.net/2016/02/11/gegen-das-vergessen/

https://belanahermine.wordpress.com/2016/02/18/puzzle-teile-erinnerungsfetzen/

https://peteremrich.wordpress.com/2016/02/24/gegen-das-vergessen/

https://belanahermine.wordpress.com/2016/02/25/wir-wunderkinder/

https://daswaerdochwas.wordpress.com/2016/02/26/gegen-das-vergessen/

http://dorisbrunkertblog.com/2016/02/27/gegen-das-vergessen-ein-projekt-von/

https://belanahermine.wordpress.com/2016/03/03/meine-grossmutter-erzaehlt/

https://pollysgeliebtesleben.wordpress.com/2016/02/22/gegen-das-vergessen/

https://tangofiligran.wordpress.com/2016/03/06/gegen-das-vergessen/

https://zungenkoeder.wordpress.com/2016/03/07/gesan-vom-lager/

https://belanahermine.wordpress.com/2016/03/11/die-kraniche-ziehen/

http://querdenkende.com/2016/03/28/aufrechte-streiter-hoch-zu-ross-in-gnadenloser-mission/

https://belanahermine.wordpress.com/2016/03/31/meine-andere-grossmutter-erzaehlt/

https://tangofiligran.wordpress.com/2016/04/09/juedisches-leben-in-berlin-bis-1945/

https://wittlicher.wordpress.com/2016/04/13/unvergessene/

https://belanahermine.wordpress.com/2016/04/24/tod-und-schrecken/

https://querdenkende.com/2016/04/26/systemwechsel-in-altbekannte-bahnen

https://cbeachblog.wordpress.com/2016/01/27/die-saat-ist-gelegt/

https://mailprofotoblog.com/2016/04/12/gegen-das-vergessen/

https://eulenschwinge.wordpress.com/2016/05/05/ein-koffer-gegen-das-vergessen/

https://tomdot.wordpress.com/2016/05/05/gegen-das-vergessen/

https://belanahermine.wordpress.com/2016/05/08/tag-der-befreiung/

https://starlitskythoughts.wordpress.com/2016/05/13/gegen-das-vergessen/

https://cbeachblog.wordpress.com/2016/05/11/was-haben-wir-falsch-gemacht/

https://issoundnichtanders.wordpress.com/2016/05/15/endlich-frieden-teilnahme-am-projekt-gegen-das-vergessen/

https://tangofiligran.wordpress.com/2016/05/07/gebilligt-und-hingenommen/

https://redskiesoverparadise.wordpress.com/2016/05/22/bertha-baer/

https://redskiesoverparadise.wordpress.com/tag/stolpersteine/

https://issoundnichtanders.wordpress.com/2015/10/02/

Gegen das Vergessen – Gegen die Schuld

Auch weiterhin können Beiträge eingereicht werden – ich freue mich über Eure Beteiligung!

Für Christin


Foto und Gestaltung: Andreas Rüb

Foto und Gestaltung: Andreas Rüb

http://dschungelpinguin.com/

„Für Christin“

Gewidmet der Lyrikerin Christin, die mich mit ihrer Lyrik über alle Maßen fasziniert. Ich kann Euch verraten, dass ich so schnell nicht zu begeistern bin, aber die Worte Christins gleichen einem nie enden wollenden Flug durch das Universum, sanft, betäubend, verführend.

https://worthaus.wordpress.com/

Mit einer tiefen Verneigung und einem Dankeschön für das ehrliche und bezaubernde Gedicht „Druckschwarz auf Blütenweiß“ (https://worthaus.wordpress.com/2016/04/22/druckschwarz-auf-bluetenweiss/) und allen anderen, Deinen fließenden Worten,

Sylvia Kling

Zimmer Einhunderteins


Leseprobe zu „Zimmer Einhunderteins“ (um die lustige Szene nicht zu versäumen, bitte bis zum Ende lesen)

Sie saß am Ende des Raumes, als er leise die Tür zum Zimmer Einhunderteins öffnete. Regungslos sah sie aus dem Fenster hinaus. Er folgte ihrem Blick. Draußen stand eine Eiche mit ausladender Krone.

Die Krankenschwester von Station 2b hatte ihn vorgewarnt. Sie würde sich kaum noch bewegen. Gesprochen hätte sie seit der Einlieferung kein einziges Wort. Man hatte sie von der Neurologie in die Psychiatrie verlegt, als man feststellte, dass sie körperlich gesund sei.

Die freundliche Schwester mittleren Alters erklärte ihm, seine Mutter sei vor einem Kaufpark zusammengebrochen. Sie habe bewegungslos mitten auf dem Parkplatz gesessen, keine Fragen beantwortet und habe mit einem Tunnelblick erstarrt auf den Steinen gesessen.

Verlegen sah die Krankenschwester zu Boden, tätschelte seinen Arm und verschwand eilig im Schwesternzimmer.

Franz wollte diesen Beschreibungen nicht folgen und verdrängte die Bilder, die sich in seinem Kopf zu manifestieren suchten.

Das lange, schwarze Haar der Mutter fiel über die Rückenlehne des Rollstuhles. Warum saß sie in einem Rollstuhl? Vorsichtig schloss Franz die Tür und bemerkte, dass er den Atem anhielt. Bevor er weiter in das Zimmer trat, stieß er die angestaute Luft hörbar aus. Die unheimliche Stille im Raum brach für einen kurzen Augenblick.

Mit weit aufgerissenen Augen, als hätte er Angst, sie geweckt zu haben, sah er zu ihr. Sie regte sich nicht.

Zögerlich blickte er sich im Zimmer um. Es war sehr schlicht eingerichtet. Außer dem Bett, einem beigefarbenen Nachtschrank und Esstisch mit zwei Stühlen stand nichts in diesem kleinen Zimmer. An den weißen Wänden des Zimmers hingen Bilder, welche in bunten Farben gemalt waren. Sie deuteten als einziges Zeichen in dieser eintönigen Umgebung auf Lebendigkeit. Sie erinnerten Franz an die bewundernswerten Bilder der Mutter.

Sie malte auf Leinwand, als sich das Leben noch vollkommen anfühlte.

Zu einem anderen Zeitpunkt, an einem anderen Ort hätte er sich an deren Anblick erfreut.

Er hob einen Stuhl, der an dem kleinen runden Tisch stand und trug ihn neben ihren Rollstuhl. Immer noch achtete er auf jede seiner Bewegungen, um keine Geräusche zu verursachen. Es wäre fehl am Platz, diese lautlose Atmosphäre zu stören. Er fühlte sich gerade wie ein Eindringling in eine Welt der bedrückenden Starre. Als er neben ihr saß, sah er in ihr Gesicht.

Mutter war noch immer wunderschön. Ihr Gesicht erinnerte ihn an das der Puppe, die er seiner kleinen Tochter zum letzten Geburtstag schenkte. Sie wünschte sich unbedingt eine dunkelhaarige Puppe. “Sie soll solche Haare haben wie die Oma Birgit”, erklärte sie ihren Eltern in einem Ton, der offensichtlich jeglichen Widerspruch im Vorfeld unterbinden sollte.

Die unverkennbaren, mandelförmigen Augen in dem Braun der Haselnuss, die außergewöhnliche Tiefe in ihrem Blick oder später die leichten Züge der Bitterkeit in den Mundwinkeln, die oft in ihrem Lächeln verhüllt waren.

Ihr Gesicht war für ihn wie ein offenes Buch. Jede ihrer Stimmungen konnte Franz in ihm ablesen.

(…)

Karsten verstarb vor zehn Tagen, ohne Vorwarnung. Karsten war ihre große Liebe; damals, als sie Ende vierzig war, als sich das Leben für ihn und seine Mutter vollkommen anfühlte.

Bis Karsten in ihr Leben trat, fühlte sich seine Mutter innerlich wie eine Randfigur im eigenen Leben. Doch das hätte sie niemals gezeigt. Es gab noch so viel Feuer in ihr. Sie malte, war albern, ernst, nachdenklich und auch etwas verrückt. In ihr lebte eine eigene Dynamik, die für Franz nicht berechenbar war.

Nachdem sie mit Karsten aus ihrer Heimat weggezogen waren, setzte sich Mutter eines Abends an Franz’ Bett. Erst unterhielten sie sich über eine Klassenarbeit in Englisch. Plötzlich begann sie zu lachen. Franz sah sie erstaunt an und hob die Augenbrauen verschmitzt. Solche unerwarteten Reaktionen waren ihm bei Mutter nicht unbekannt. Sie erklärte von selbst:

Als junges Mädchen glaubte ich schon, ich sei auf einem Flugplatz der Verlierer gelandet und würde diesen nie verlassen. Ich denke, ich bin nun doch in ein Flugzeug gestiegen, um diesem Ort den Rücken zu kehren. Ist das nicht ein komisches Bild?”

Franz überlegte kurz, lächelte und sagte: “Manchmal bist du wirklich komisch, Mama.” Seine Mutter lachte und kitzelte ihn durch. Auch das gehörte zu ihren gemeinsamen Albernheiten, ihren Ritualen.

Mutter war ein Dickkopf. Oh ja, sie konnte so eigensinnig sein. Ungefähr drei Mal im Jahr wurde sie Franz gegenüber sehr laut. Wenn sie ihn schimpfte, stand er mucksmäuschenstill vor ihr und rührte sich nicht. Er ging dann in sein Zimmer und verhielt sich ruhig. Irgendwann hörte er seine Mutter im Haus friedlich summen oder Selbstgespräche führen.

Danach war alles wieder gut.

Da war sie wieder seine Mutter, die mit Scherzen ihren Alltag bestand und nie aufhörte, für ihn neue Koseworte zu erfinden, ihm am Abend die Handinnenfläche zu steicheln, ihn für gute Zensuren zu loben und ihm zu sagen, wie stolz sie auf ihn war.

Im Zimmer Einhundertundeins war die Stille genau das, was Franz in diesen Minuten brauchte. Abgespannt strich er über das Haar der Mutter. Auf diesem Rollstuhl sah sie aus wie eine Statue. In regelmäßigen Abständen bewegten sich die Lider. Die Pupillen ihrer Augen blieben ausdruckslos. Die Augen der Mutter blickten in die Finsternis.

Irgendwie wirkte Mutter jetzt sogar erhaben.

‚Eine residierende Prinzessin‘, dachte Franz. Ja, so sah sie gerade aus: wie eine Prinzessin auf dem Thron. Nur die Krone fehlte.

Franz entsann sich an seine Aktentasche, die neben ihm stand, entnahm ihr einen Block und Stift und begann, mit großen Buchstaben Mama darauf zu schreiben. Er hielt es ihr vor das Gesicht. „Sieh, Mama. Mama, Mama, Mama …, da steht es: Mama.“ Er bewegte das Blatt Papier hin und her. Sie blieb immer noch unbeweglich.

Verzweifelt riss er das Blatt ab, knüllte es zusammen und warf es verzweifelt in den Raum.

(…)

Franz atmete nur mühevoll tief durch und öffnete das Fenster. Aus der Ferne vernahm er das sanfte Spiel einer Geige.

Zu einem anderen Zeitpunkt, an einem anderen Ort hätte er sich an den berauschenden Klängen erfreut.

Die Musik kam ihm bekannt vor. Er erinnerte sich an den Talentewettbewerb an der Schule. Eine seiner Schülerinnen erspielte sich den ersten Platz.

Franz stand auf, ging in das Badezimmer und sah sich erstaunt um. Nichts in diesem kleinen Raum deutete darauf hin, dass sich seine eitle Mutter darin bewegt hätte.

In Karstens Haus war das ihr Raum. Dort zelebrierte sie mit Akribie ihre Schönheitspflege. Dabei waren Make-up, Lippenstifte und Nagellacks kaum zu sehen. Sie mochte es nicht, sich mit Kosmetik das Gesicht „zuzukleistern“, wie sie es bezeichnete. „Das machen nur Frauen, die nicht zu sich stehen und sich maskieren wollen“, erklärte sie ihm überzeugt.

Karsten lachte über die Präzision, mit welcher sie ihre Haare und Haut pflegte und verwöhnte. Einmal fragte er neckend, ob die Möglichkeit bestehen würde, dass auch er einen Teil der Badschränke mit seinen Utensilien beanspruchen könne. Mutter sah ihn ganz schuldbewusst an und bot sofort an, ihre Cremes, Lotionen und Haarpflegemittel an eine andere Stelle zu räumen. Das sorgte unter “den Männern” für einen gehörigen Lachanfall. Dabei wussten sie, dass Mutter ein Mensch war, der stets glaubte, anderen Menschen zur Last zu fallen, indem sie einfach ein wenig Raum einnahm – inneren wie äußeren.

Franz wurde fündig. Den breitzinkigen Plastekamm wenigstens erkannte er als ein eindeutiges Indiz, dass sich seine Mutter hier aufhalten musste. Er nahm den Kamm an sich, verließ das Badezimmer und setzte sich wieder auf den Stuhl neben ihr. Ihre rechte Hand umfasste er mit seinen Händen und sah sie wieder an. Dann sagte er leise, aber deutlich: “Mama, ich möchte so gern dein Haar kämmen. Das habe ich noch nie getan. Ist es dir recht?”

Einen kurzen Augenblick glaubte er, sie hätte kaum merklich ihren Kopf bewegt. Oder bildete er sich das nur ein? Franz streichelte sanft über ihre Wange und beobachtete dabei ihr fein geschnittenes Gesicht. In dem Moment der Berührung schloss sie kurz ihre Augen. Verdutzt hielt Franz inne und bewegte sich nicht mehr, um keine Regung des Lebens in diesem Zimmer zu versäumen. Hoffnungsvoll sprach er gedämpft: “Mama, bitte sag etwas. Ich mache mir solche Sorgen um dich.”

Ihm war, als würde ein gewaltiger Sturm die letzten und einzigen 12 erfüllten Jahre seiner Mutter hinwegfegen.

Seine Mutter schwieg. Der Stillstand setzte sich erbarmungslos fort. In seiner Brust hämmerte es. Kurz schob er seine linke Hand in die Hosentasche und krallte sich mit den Nägeln in das Innenfutter. In der anderen Hand hielt er noch den dunkelbraunen Kamm. Franz ballte die linke Hand zur Faust. Er war kein Mensch, der zu aggressiven Gefühlen neigte. Nun aber spürte er Zorn in sich aufsteigen, den aufkeimenden Wunsch, irgendetwas zu zerschlagen. Er spannte den Unterkiefer an, biss die Zähne aufeinander, schob das Kinn vor und versuchte, diese Anspannung loszulassen.

Zu einem anderen Zeitpunkt, an einem anderen Ort, hätte er jetzt etwas entzwei geschlagen.

(…)

Ihr Lieblingszitat war ein Zitat aus “Der kleine Prinz”. Der Fuchs sagte zum kleinen Prinzen: “Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar.” Wieder und wieder las sie ihm aus diesem Buch vor und jedes Mal weinte sie.

Öffne deine Seele für das Wesentliche. Lenke dich nicht den ganzen Tag mit Aktivitäten ab, sondern nimm dir Zeit zum Fühlen. In der Wahrnehmung liegt unsere ganze Gabe. Nur nutzen wir sie viel zu wenig. Aus ihr heraus erkennst, lernst und handelst du.“ Franz verstand damals nicht alles, was sie ihm sagte.

Die Krankenschwester sprach weiter. “Sie lief auf den Mann zu und umarmte ihn weinend. Der Mann stieß sie weg und sagte: ‘Laufen denn hier nur Verrückte herum?! Fassen sie mich nicht an!’ Daraufhin brach ihre Mutter vor den Augen dieses Mannes zusammen. Der lief einfach weiter, unglaublich ist das. Ein älteres Ehepaar kümmerte sich um ihre Mutter. Die Frau erzählte es der Rettungssanitäterin und zitterte dabei. Der Körper ihrer Mutter war mit kalten Schweißperlen regelrecht übersät. Man nennt das Schockzustand.”

Da war sie, die Wahrheit, diese gnadenlose. Seine Augen brannten. Seine Arme hingen schlaff an ihm herab. Er fühlte sich, als ob er hinter einer großen Glasscheibe stünde und nur zusehen können, hilflos, verzweifelt, wehmütig. Es gab keine Tür in dieser Glaswand, um Mutter auf seine Seite zu ziehen. Sie ließ sich nicht einschlagen. Er hatte keine Chance, zu seiner Mutter zu gelangen.

Nur mit großer Mühe unterdrückte er den Impuls zu weinen.

Die Krankenschwester beugte sich ein wenig vor und legte ihm besänftigend die Hand auf den Unterarm.

“Die Ärzte versuchen, sie zurückzuholen. Ich bete für ihre Mutter.” Die Frau sah ihn mit wässrigen Augen an und ihr Mund zitterte.

Franz fror. Er schüttelte ungläubig mit dem Kopf. Und doch fühlte er sich ein wenig, als hätte er eine Erleuchtung. Das Puzzle setzte sich zusammen. Karsten war groß und trug graumeliertes Haar. Er hatte eine sportliche Figur und besaß auch ein blaugelbkariertes Hemd. Vielleicht war es sogar das gleiche.

Mutter hatte es Karsten vor einigen Monaten regelrecht aufgedrängt. Er würde mehr Farbe vertragen können, meinte sie.

Karsten jedoch trug am Liebsten gedeckte Farben, hatte es gern schlicht. Nur ihr zuliebe trug er es, flüsterte er Franz damals zu und zwinkerte. “Manchmal muss man Prinzessinnen Opfer bringen.”, flunkerte er. “Da ich keine Drachen töten kann, ist das doch eine erträgliche Alternative, nicht wahr?” Karsten war so ein Spaßvogel.

Vor wenigen Monaten noch wischte sich Franz nach dem Lachen die Tränen aus den Augen.

Franz spürte einen heftigen Druck in seinem Brustkorb. “Danke” flüsterte er und bat die Frau, ihn allein zu lassen. Wie lange er dort saß, wusste er später nicht mehr. Immer wieder sah er diese Szene vor sich, wie einen nicht enden wollenden Film. Nur im Hintergrund nahm er das Ticken der Uhr über sich wahr. Zeit spielte für ihn jetzt keine Rolle.

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Buchcover: Khalid Aouga – Künstler aus Düsseldorf

(…)

Eine Hand klopfte grob auf seine Schulter und Franz erschrak. Ein Mann, ungefähr Mitte 50, stand vor ihm und grinste ihn an.

Mit einer viel zu hohen, unwirklich klingenden Stimme plärrte er: “Rosa Luxemburg war toll. Die konnte Lenin in die Tasche stecken. Karl, der liebe Knecht war auch nicht schlecht.”

Der Mann lachte viel zu laut und entblösste dabei schrecklich gelbe Zähne. Er stellte sich dicht neben Franz, der krampfhaft versuchte, seinen Körper auf dem Stuhl nach rechts zu rücken. Ein beißender Geruch stieg ihm in die Nase, in seinem Magen breitete sich ein mulmiges Gefühl aus. Franz drehte sich angewidert weg. “Kennen sie die Rosa?”, tönte der Mann, kratzte sich ungeniert auffällig am Schritt und lachte. “Die war sogar sexy, finde ich, die Rosa. Ha, ha, ja, sexy war sie. Finden sie nicht?” Der Mann fuhr sich mit beiden Händen hektisch durch das ungekämmte, halblange Haar. Franz sah ihn entgeistert an. Ihm wurde plötzlich bewusst, wo er sich befand.

Die Krankenschwester kam angelaufen. “Herr Beier, jetzt lassen sie den Herrn in Ruhe.” Der Mann lachte wieder und zeigte mit dem Finger auf Franz. “Der kennt die Rosa nicht. Der ist zu jung, der Schnösel. Die sind alle zur falschen Zeit geboren.”, zischte der Mann der Schwester zu und Spucke lief ihm aus den Mundwinkeln. Franz entdeckte jetzt einen großen Fleck im Hosenschritt des Mannes. “Sie gehen sich jetzt die Hosen wechseln und duschen!”, befahl die kleine, zierliche Krankenschwester resolut, packte ihn am Arm und zog ihn von Franz weg. Dabei lächelte sie Franz schuldbewusst an.

Der Mann ließ sich von ihr den Gang entlang ziehen. Drei Zimmer vor dem seiner Mutter verschwanden sie. Es war ein eigenartiges Bild: die zirka ein Meter sechzig kleine, zarte Frau, die einen ungefähr ein Meter neunzig großen Koloss hinter sich herzog, der wie ein bockiges Kind mit Schmollmund hinter ihr her watschelte.

Zu einem anderen Zeitpunkt, an einem anderen Ort, hätte Franz über diese groteske Szene gelacht.

Die gesamte Erzählung werde ich nächstes Jahr in meinem Buch „Zimmer Einhunderteins“ veröffentlichen. Das Buch wird Geschichten beinhalten wie:

„Die Geschichte der Frau H.“

„Das kleine Paket“

„Im Land der Vergessenden“

„Als Julian nicht mehr nach Hause kam“.

 

Ich wünsche meinen Lesern und Freunden einen schönen Sonntag und morgen einen guten Start in die neue Woche.

Eure Sylvia Kling

Worte


Ich wünsche allen Lesern und Freunden einen wunderschönen Start in das Wochenende. Genießt die Tage (der Winter soll wohl noch einmal zurückkehren) und erholt Euch gut vom Alltag.

Eure Sylvia Kling

 

Foto und Gestaltung: Andreas Rüb

Foto und Gestaltung: Andreas Rüb

Hier findet Ihr die Webseite des Fotografen: http://dschungelpinguin.com/

 

 

Buchtipp: AusGeatmet von Sylvia Kling


Die letzten Tage sind besondere Tage für mich:

Eine neue Rezension von Gero Frabo auf Amazon, die mich sprichwörtlich fast vom „Hocker gehauen“ hat und dann diese Rezension von Viola Reinhardt.
Ich bin sehr berührt und dankbar.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich bei all meinen Lesern bedanken, die mich immer wieder motivieren und mir Kraft geben, die meine Gedichte kommentieren und dadurch stärken.

Ich danke Euch herzlich!

Ach, und bevor ich es vergesse:

Zukünftig werde ich mich bemühen, bei meinen Stammlesern und fleißigen Kommentatoren auch ein paar Worte zu verschiedenen Beiträgen zu hinterlassen.
Bitte seht es mir nach, dass es mir nicht immer gelingt. Ich engagiere mich für einige Projekte außerhalb von WordPress gegen Rassismus und Nationalsozialismus und bin in der Tat viel mit Marketing rund um die Bücher beschäftigt. Das ist Selfpublishing: nicht immer ein „Spaziergang“.

Dazu kommt natürlich meine Familie – auch mein Sohn möchte nicht allzu oft auf seine Mama verzichten müssen.
Doch ich bemühe mich und gelobe Besserung.

Es würde mich auch freuen, wenn der eine oder andere von Euch Violas Blog für sich entdecken würde, der eine große Vielschichtigkeit bietet: von Rezensionen über Ernährung und allgemeine Texte rund um das Leben – eine Powerfrau mitten aus dem Leben.

Ich danke Euch für die Aufmerksamkeit und wünsche allen einen schönen Tag und morgen guten Start in das kommende Wochenende.

 

Eure Sylvia Kling

Mein Reine Wasche Tagebuch

Kürzlich habe ich mir ein ganz besonderes Buch bestellt und dieses sogar mit einer persönlichen Widmung der Autorin erhalten. Da es wirklich sehr schön ist, möchte ich euch nun das Buch „AusGeatmet“ von Sylvia Kling kurz als Buchtipp vorstellen…

Ursprünglichen Post anzeigen 197 weitere Wörter

Ein Mensch, wie stolz das klingt


GEGEN DAS VERGESSEN – Teil VIII – Eine außergewöhnliche Geschichte

Ein Mensch, wie stolz das klingt… (1999/2003) – von Peter Petereit –

Droben auf seiner Wolke saß unser aller Schöpfer, ließ seine Beine baumeln und besah sich, teils gelangweilt, teils grübelnd, das Treiben auf jenem Planeten, den einige seiner Bewohner später Erde nennen sollten. Die Sache mit den Sauriern war ihm gründlich aus dem Ruder gelaufen. Gar zu ungeschlacht waren die im Laufe der Jahrmillionen geraten, reinste Freß- Sauf- und Kackmaschinen. Es stank geradezu zum Himmel.

„Naja, und ein bißchen Ästhet darf man wohl auch als Schöpfer sein,“ ging ihm wohl durch den Kopf. Und mit einem Fingerschnips war die Sache bereinigt. Zugegeben, der Rex fehlte ihm irgendwie ….

Höchste Zeit also, neue Experimente zu wagen, einem anderen der Wesen dort unten einen Stups zu geben und bei Gelegenheit mal nachzuschauen, worauf die Sache hinausläuft. Nur, wem? Er grübelte und sann, und die Jahre gingen ins Land.

… Bis jene Zeit kam, als die Wipfel der Baumriesen auch von haarigen Geschöpfen bewohnt wurden, ewig lärmenden, zänkischen Wesen, die sich zumeist von den Gaben Floras ernährten, aber auch Artgenossen nicht verschmähten, wenn sich Gelegenheit bot. Den Erdboden mieden sie, so es nur ging, diesen Tummelplatz anderer kurioser Einfälle des Schöpfers wie Säbelzahntiger oder Höhlenbär. Wild ging’s daher, wie es sich für eine ordentliche Nahrungskette gehört.

Und es begab sich, daß eines jener haarigen Geschöpfe vom Baume stieg, Adam geheißen, um von einem mickrigen Bäumchen im Unterholz eine Kostbarkeit zu ergattern. Einen Apfel. Wurmstichig und nur wenig angefault, aber noch rotbäckig, kurzum, zu jener Zeit das probateste Mittel, das andere Geschlecht zu ködern, damit abzulenken und die Schlemmerin von hinten zu bespringen. Danach, nur danach stand sein Sinn in jener schicksalhaften Stunde, und auf allen Vieren wieselte er hechelnd auf das lustverheißende Ziel zu. Auge in Auge standen sie sich da plötzlich gegenüber, unser Ur…ahn und ein ziemlich langzähniges Exemplar der Katzenfamilie.

Ohrenbetäubend kreischend und halb besinnungslos vor Angst, nahm Adam Reißaus, brach durch’s Gestrüpp, den Tiger dicht auf den Fersen. Endlich, der langersehnte Kletterbaum, und mit dem Geschick des hoffnungslos Verzweifelten sprang Adam nach einem Ast in ziemlicher Höhe. Es gab einen trockenen Knacks. Nicht sehr laut. Und vom Fauchen der Katze beinahe übertönt, die sich, ihrer Beute sicher, zum Sprunge duckte …

… und gerade dieser Knacks schreckte den Schöpfer aus seiner Lethargie. Schmunzelnd rieb er sich die Hände. Da war sie endlich, die Gelegenheit. Und spontan beschloß er, zu Gunsten jenes putzigen Wesens in die Nahrungskette einzugreifen…

… welches mit blöd – ergebener Miene da saß, den abgebrochenen Ast in seiner haarigen Faust anstarrte und eigentlich zu keiner Regung mehr fähig war. Doch, wie von Zauberhand gelenkt, erhob sich nun dessen Arm und ließ das dicke Ende des Knüppels vehement zwischen die erwartungsvoll aufgerissenen Augen des anspringenden Räubers sausen. Und, wie ein nasser Sack ging der zu Boden.

Und dann erhob sich Adam, kratzte sich den pelzigen Hintern, unstet noch irrte sein Blick zwischen Baum, Tiger und Knüppel umher. Lauf oder Drauf, so stand die Frage, denn der Gestreifte begann sich bedrohlich zu regen… Da besann sich Adam des knorrigen Etwas zwischen seinen Fingern, und als wäre es die Erleuchtung, überzog ein Grinsen sein Gesicht. Weit ausholend, den Ast nun mit beiden Händen führend, schlug er zu. Und wenig später war er der Erste seiner Spezies, der seine Zähne genüßlich in das noch warme Fleisch eines Säbelzahnigen schlug, der nicht an Altersschwäche krepiert war …

Alsdann, die Überreste der Zufallsbeute geschultert, den Knüppel in der freien Hand, schwankend ob seines vollen Wanstes aber aufrecht, begab sich Adam auf den Weg zu seinen Artgenossen. Seiner angesichtig, stiegen die denn auch aus dem Laube und umkreisten ihn, weniger um dem Helden zu huldigen, denn nach seinen Mitbringseln gierend. Ein haariger Riese mit gewaltigem Muskelspiel, in der Hackordnung Lichtjahre vor Adam, riß ihm auch alsbald das blutige Bündel von der Schulter. Adam grinste nur mitleidig. Und ließ dann den Knüppel sprechen …

… und der Schöpfer lachte herzhaft. Ein gelehrig Ding, schau an! Vielversprechend. Und, Zeit für ein Nickerchen nach all der Mühe. Wir werden später nach dem Rechten schauen …

… und siehe, fürderhin war Adam der Boß. Klein und mickrig, aber mit Knüppel. Dieser wurde nun mit allerlei Zierat geschmückt und in ein Beutelchen aus Tigerfell verpackt … Und Adam? Der soff, fraß und zeugte nach Leibeskräften. Vergessen war das Äpfelchen. Und, man glaubt es kaum, durch einen Knacks wurde er zum ersten lebenden Gott seiner Art …

Bei aller Völlerei entging ihm anfangs, daß sich, so nach und nach, immer mehr seiner Artgenossen in den Feinheiten des Totschlags mit „anderen Mitteln“ übten. Der Begriff „Konkurrenz“ kam in Mode, in der damaligen Sprache freilich für den heutigen Menschen unverständlich. Das Hauen und Stechen um die fettesten Pfründe untereinander raffte die Horde allmählich dahin. Zwar bewegte sich, ob seines nun stattlichen Wanstes, Adams Drang nach körperlicher Aktivität, dem absoluten Nullpunkt entgegen, doch die Erleuchtung wirkte nach: Er versammelte sein Restvolk und sprach zu ihm: „Nun sehet nur, was da so um uns kreucht und fleucht. Es sei euch untertan und (mir) von Nutzen. Knüppel aus dem Sack!“ Vielleicht, doch das ist nicht so genau überliefert, wählte Adam auch andere Worte. Sicher aber ist, daß alsbald seine Gefolgschaft gegen alles und jeden, was sich fressen oder anderweitig gebrauchen ließ, zu Felde zog.

Der denkende Mensch war nun erschaffen und hinterläßt immer bleibendere Spuren auf dem Planeten Erde …

… bis zum heutigen Tag, und die konkurrierende Lebensform Mensch wird, sorgfältig gezählt wie Geld mal weniger, meist mehr. Krieg und Nachkrieg. Immer mal wieder. Den Schöpfer betreffend, gibt es zwei Möglichkeiten: Zum einen hockt er noch immer auf seiner Wolke und hält sein Mittagsschläfchen, zum anderen ist er der Sache mit der Erde längst leid und werkelt auf einem anderen Planeten. Um dort seine Sache besser zu machen.

©Peter Petereit

nix (piqs.de ID: a10e6f731c8e4333178dabb91cffcdff)

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Peter Petereit, geb. 1956, lebt in Güstrow. In Vorbereitung zu diesem Beitrag hatte ich die Ehre, seine „literarischen Versuche“ lesen zu dürfen. Von Gedichten über Geschichten, unverschnörkelt oder mit WortOrnamenten verziert – es war eine Wohltat für meine Augen. Ich bitte Euch herzlich, weiterzulesen.

Zur Person (teilweise zitiert):

Ich bin ein in Sachsen-Anhalt geborener Thüringer Mischling aus Katholizismus (Ostpreußen) und Evangelismus (Thüringen), folgerichtig strikt atheistisch, liebevoll, mit vier Gefährten und von hunderten Büchern umgeben aufgewachsen, den Beruf und Liebe einst ins plattdeutsche Flachland verschlug.

Lesen konnte ich mit Fünf, Schreiben zur Einschulung, Sütterlin noch vor Russisch, Englisch und Französisch. Ein paar tausend Bücher hab ich wohl in meinem Leben gelesen und bin immer noch fleißig dabei.

Ich wollte mit Macht vom Tellerwäscher zum Millionär werden und hab nacheinander eine Baufirma und zwei Ingenieurbüros in den Ostseesand gesetzt. Hätte nicht sein müssen. Wäre ich skrupellos geworden. Das ging nicht.

Peter Petereit orientiert sich an Hemingway. Dennoch zieht er Hemmingways Konsequenz nicht in Betracht, hingegen will er seine Schreibleidenschaft wieder aufleben lassen.

Vielleicht fragt Ihr Euch, warum ich über ihn schreibe? Nun, ich weiß es und doch nicht. Etwas verwirrend ist für mich, da ich die Klarheit – gepaart mit Individualismus – mag und mich selbst als „realistische Idealistin“ bezeichne, seine hintergründige Kondensierung von Gedanken. Peters Schreibstil zumindest ist das, was mich reizt. So habe ich mich entschlossen, hin und wieder in Form von Gastbeiträgen Gedichte und Geschichten von ihm zu veröffentlichen.

Peter Petereit - Quelle: Facebook-Profil

Peter Petereit – Quelle: Facebook-Profil

Da ist „Eltern. Haus. 2“, was mich fesselt. Er schreibt über sich, über Erinnerungen, über das Sein – auf seltsame Weise instrinsischen Geschriebenen. Ist es das? Oder ist es die Verwundbarkeit, die aus seinen Zeilen spricht – die Verwundbarkeit eines einst Gescheiterten, wieder Aufgestandenen oder gar die profunde Ambivalenz in seinen Geschichten.

Ein engagierter, ehemaliger NVA-Offizier (ich ließ es bewusst aus meiner obigen Beschreibung heraus, um es nun doch zu erwähnen), der sich gegen Krieg und Rassismus wendet. Ein Kind, welches aus der Friedenswärme der Nachkriegszeit entstand.

Bei Peter Petereit sollte man schon genau hinlesen – sonst versäumt man das Wesentliche ;-).

Ich danke Euch für Eure Aufmerksamkeit und wünsche meinen Lesern und Besuchern noch einen schönen Tag.

Eure Sylvia Kling

Weitere Teilnehmer_innen und Beiträge:

http://querdenkende.com/2016/02/11/teilnahme-am-projekt-gegen-das-vergessen/

http://querdenkende.com/2016/02/12/nie-wieder-krieg-papa/

https://arnovonrosen.wordpress.com/2016/02/11/teilnahme-am-projekt-gegen-das-vergessen/

https://belanahermine.wordpress.com/2016/02/11/rosa-ein-beitrag-zum-projekt-gegen-das-vergessen/

https://ulerolff.net/2016/02/11/gegen-das-vergessen/

https://lyrifant.wordpress.com/2016/02/12/gegen-das-vergessen/

http://seniorenleichtathletik.com/2015/10/16/59-dieses-mal-kein-sportbericht-doch-hoffentlich-genau-so-interessant/

http://herzhuepfen.com/2016/02/09/kein-gewicht-ein-beitrag-zur-aktion-gegen-das-vergessen/

http://querdenkende.com/2016/02/09/revolutionaere-wesen-taeuschen-uns/

https://pawlo.wordpress.com/2016/02/10/gegen-das-vergessenagainst-forgetting/

https://belanahermine.wordpress.com/2016/02/10/gegen-das-vergessen/

https://monikamaria.wordpress.com/2016/02/10/gegen-das-vergessen-2/
https://aouga.wordpress.com/2015/08/30/verzeiht/

https://sugar4all.wordpress.com/2016/02/12/projekt-gegen-das-vergessen/

https://collectinghappiness.wordpress.com/2016/02/12/gegen-das-vergessen-fred-uhlman/

https://rachelgedanken.wordpress.com/2016/02/17/gegen-das-vergessen/

http://seelenglimmern.com/2016/02/19/es-gibt-nur-zwei-menschenrassen-und-die-eine-lebt-ihren-selbstdarstellungswahn-lachend-aus/

https://sckling.wordpress.com/2016/02/19/70-jahre-frieden-zu-lang-fuer-die-deutschen/ – Ein Beitrag von Martin Schauerte (kein Blogger – daher steht sein Beitrag auf meiner Seite)

https://4alle.wordpress.com/2016/02/20/gegen-das-vergessen-ein-projekt/

https://juckplotz.wordpress.com/2016/02/20/gegen-das-vergessen/

http://musikhai.com/2016/02/21/teilnahme-am-projekt-gegen-das-vergessen/

https://lyrifant.wordpress.com/2016/02/22/bitte-einer-duennhaeutigen/

https://maddemaddigger.wordpress.com/2016/02/21/schlussstrich/

http://querdenkende.com/2016/02/22/hinter-den-worten/

https://ulerolff.net/2016/02/11/gegen-das-vergessen/

https://belanahermine.wordpress.com/2016/02/18/puzzle-teile-erinnerungsfetzen/

https://peteremrich.wordpress.com/2016/02/24/gegen-das-vergessen/

https://belanahermine.wordpress.com/2016/02/25/wir-wunderkinder/

https://daswaerdochwas.wordpress.com/2016/02/26/gegen-das-vergessen/

http://dorisbrunkertblog.com/2016/02/27/gegen-das-vergessen-ein-projekt-von/

https://belanahermine.wordpress.com/2016/03/03/meine-grossmutter-erzaehlt/

https://pollysgeliebtesleben.wordpress.com/2016/02/22/gegen-das-vergessen/

https://tangofiligran.wordpress.com/2016/03/06/gegen-das-vergessen/

https://zungenkoeder.wordpress.com/2016/03/07/gesan-vom-lager/

https://belanahermine.wordpress.com/2016/03/11/die-kraniche-ziehen/

http://querdenkende.com/2016/03/28/aufrechte-streiter-hoch-zu-ross-in-gnadenloser-mission/

https://belanahermine.wordpress.com/2016/03/31/meine-andere-grossmutter-erzaehlt/

https://tangofiligran.wordpress.com/2016/04/09/juedisches-leben-in-berlin-bis-1945/

https://wittlicher.wordpress.com/2016/04/13/unvergessene/

https://belanahermine.wordpress.com/2016/04/24/tod-und-schrecken/

https://querdenkende.com/2016/04/26/systemwechsel-in-altbekannte-bahnen/

https://cbeachblog.wordpress.com/2016/01/27/die-saat-ist-gelegt/

https://mailprofotoblog.com/2016/04/12/gegen-das-vergessen/

https://eulenschwinge.wordpress.com/2016/05/05/ein-koffer-gegen-das-vergessen/

https://tomdot.wordpress.com/2016/05/05/gegen-das-vergessen/

https://belanahermine.wordpress.com/2016/05/08/tag-der-befreiung/

https://starlitskythoughts.wordpress.com/2016/05/13/gegen-das-vergessen/

https://cbeachblog.wordpress.com/2016/05/11/was-haben-wir-falsch-gemacht/

https://issoundnichtanders.wordpress.com/2016/05/15/endlich-frieden-teilnahme-am-projekt-gegen-das-vergessen/

https://tangofiligran.wordpress.com/2016/05/07/gebilligt-und-hingenommen/

https://redskiesoverparadise.wordpress.com/2016/05/22/bertha-baer/

https://redskiesoverparadise.wordpress.com/tag/stolpersteine/

https://issoundnichtanders.wordpress.com/2015/10/02/

Gegen das Vergessen – Gegen die Schuld

Es darf nie wieder, nie wieder geschehen! – Gegen das Vergessen

Zum Foto:

http://piqs.de/fotos/185574.html

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Fotograf: josef-t-rezaie
Titel: Schöpfer

Im Kleinen


Im Kleinen

Gegen Fremdenhass wollt ihr euch stellen,
ihr setzt euch ein für jene, die da kommen,
es sind wahrhaftig menschlich hohe Wellen,
nein, das macht mich keineswegs beklommen

Ich hadere mit der nicht gesehnen Schicht,
die unter eurer süßen Gnade weilt,
die eine andere Sprache spricht,
mich dampfend, rauchend, warnend wohl ereilt

Die Menschlichkeit im Kleinen schon beginnt,
auch deutsche, schwache Seelen brauchen eure Hand,
wenn diese euren Herzen schon entrinnt,
hat sie auf Dauer auch für Fremde nicht Bestand.

©Sylvia Kling

Meine Hand (piqs.de ID: 4550ffd7ccb2a694b3d872af19f38bf2)

Meine Hand (piqs.de ID: 4550ffd7ccb2a694b3d872af19f38bf2)

Entgegen meinen sonstigen Gewohnheiten möchte ich heute ein kleines Statement zu diesem Prosagedicht geben.

Es kommt mir zuweilen so vor bzw. der Verdacht verhärtet sich nach meinen Beobachtungen, dass einige Menschen, die sich gegen Fremdenhass und für mehr Menschlichkeit im Netz engagieren, dies lediglich als Ventil nutzen. Warum? Ich beobachte es in sozialen Netzwerken schon eine geraume Zeit.

Wer sich Gruppen anschließt, die sich gegen Fremdenhass (und damit für mehr Menschlichkeit) aussprechen, sollte sich auch im Klaren darüber sein, dass diese Menschlichkeit vorallem im Kleinen gelebt werden sollte. Da kann es nach meinem Empfinden nicht sein, dass ein behinderter Mensch in solch eine Gruppe postet, warum er behindert ist und wird sogleich von Gruppenmitgliedern zurechtgewiesen, dass dies nicht in die Gruppe gehört. Ist es denn so schwer, ihm für die Information zu danken oder einige freundliche Worte darüber zu verlieren? Ist das mit Schmerzen verbunden? Nein, ist es nicht. Es kostet uns nichts. Diese Werte sind und bleiben kostenlos!

 

Soll etwas groß werden, muss es zuvor klein sein. (Aus meiner Zitatesammlung/2016)

Ich halte es jedoch auch gern mit folgendem chinesischen Sprichwort:

Wenn du die Welt verändern willst, gehe dreimal durch dein eigenes Haus.

 

Ich danke Euch für Eure Aufmerksamkeit und wünsche allen Lesern und Leserinnen einen guten Wochenstart.

Eure Sylvia Kling

 

Zum Foto:

http://piqs.de/fotos/19150.html

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Fotograf: Markus Winkelmann
Titel: „Gib mir deine Hand!“

BittGesang


BittGesang

Lass mich nicht allein,
wenn der Tag beginnt,
die Nacht schleicht stöhnend
sich davon,
ich lausche dem Morgen,
der sich müde erhebt

Lass mich nicht allein,
wenn der Tag sich
knechtet,
unbeirrt sinkt und steigt,
an mir rüttelt
wie an einem  Apfelbaum

Lass mich nicht allein,
wenn es Abend wird,
der Tag
vom Dunkel wird umarmt,
der erste Stern mir
flüstert

Lass mich nicht allein,
wenn die Stille
mich empfängt
wie eine Geliebte
Denn nur die deine
will ich sein.

©Sylvia Kling

Belkor Fotografie - siehe Beschreibung

Belkor Fotografie – siehe Beschreibung

 

Foto:©Belkor – Ihr findet seinen Blog hier:  https://belk0rbloggt.wordpress.com/category/belkors-knipsereien/page/9/

Von Gedankenwelt, über Filmkiste, Fotografien und Reisetagebuch – Ihr könnt bei Belkor so einiges entdecken. Ich bin ja schon bisschen älter, aber ich finde Belkor einfach sowas von „cool“ ;-).


Nun zum Model:

„Becky Gray“ ist das Pseudonym, unter dem die 22 Jahre junge Frau ihrer Leidenschaft nachgeht: dem Schreiben. Schon immer hat sie es geliebt, Geschichten zu schreiben, anderen damit eine Freude zu bereiten und ihnen die Möglichkeit zu geben, in eine andere Welt einzutauchen. Ihre Welt ist die Fantasie, sind die Bücher und das Schreiben. Dort fühlt sie sich zu Hause. (Aus ihrem Blog – nicht wörtlich zitiert.)

Im Übrigen fotografiert die junge Lady auch, was mich natürlich begeistert. 🙂

Ich würde mich freuen, wenn ihr Becky auf ihrem Blog folgt und ihr das Gefühl gebt, hier – bei uns – richtig und auch „zu Hause“ zu sein:

https://beckygraytheauthor.com

Vielen herzlichen Dank für Eure Aufmerksamkeit.

Ich wünsche meinen Lesern und Leserinnen ein wunderschönes Wochenende.

Eure Sylvia Kling

 

 

Ich laufe


Ich laufe

Ich laufe
Richtung Süden, Westen,
ich kenne nicht der Heilung Ziel,
ich laufe ganz weit weg
am besten,
an Lüge wird es hier zu viel

Ich laufe
Richtung WertErhalt
und suche das noch
wahre Wort,
mit nackten Füßen, nur noch weg
in Richtung Nichts
und falsche Töne, sie sind fort

Ich laufe
Richtung der Gedanken
und Schriften alter Dichter,
ich laufe
zu der Klarheit,
die sie fanden
und suche unversteinerte Gesichter.

©Sylvia Kling

Uwe Richter, g. U.

Uwe Richter, g. U.

Foto:

Uwe Richter – https://uwerichtersfotoblog.wordpress.com/