Die Mütter von einst


Die Mütter von einst

Früh, als die Hähne krähten,
das Morgenrot sanft entstieg,
da schufteten schon unsre Mütter,
wenige Jahre nach dem Krieg

Sie bleichten noch die Wäsche
auf der Wiese hinter dem Haus,
sie schaufelten die Kohlen
und machten kein Drama daraus

Zum FamilienSonntagsBaden,
da schöpften sie mit der Kanne
stundenlang das Wasser
in die alte ZinkBadeWanne

Das Essen wurde gekocht,
aus wenigem viel gemacht,
es wurde aus dem Keller
das Eingeweckte gebracht

Sie wuschen noch mit der Hand
das schmutzige Porzellan,
sie nähten fleißig und stopften
und haben es gern getan

Sie sangen uns Kindern Lieder
und saßen an unserem Bett,
(wir lebten ja ohne Smartphone,
das Leben war auch recht nett)

Mit ihren fiebernden Kindern
zu Fuß sie lange gingen,
zum entlegenen nächsten Arzt,
wer sollte sie sonst bringen

Sie fielen schon gegen Neune
erschöpft in tiefen Schlaf,
doch sie beschwerten sich nie,
dass der Luxus sie nicht traf.

©Sylvia Kling

This woman, who was walking through the hip Görlitzer Park in Berlin-Kreuzberg immediately caught my eye since she was such a big contrast to the hip and young clientele that was hanging out there... (piqs.de ID: 8c17a0fb412b80bdd9e901956cc66161)

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Fotograf: Sebastian Raskop
Titel: Alte Frau mit Plastiktüte/ Old woman with plastic bag
http://piqs.de/fotos/156669.html

Creative Commons License
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42 Gedanken zu „Die Mütter von einst

  1. Ja..an eine Zinkwanne kann ich mich auch noch erinnern, und dass mit der Hand gewaschen wurde…alles was schmutzig war. Wir lebten wirklich „Bio“…Obst; Gemüse aus dem Garten und eigene Hühner, das war für uns Kinder einfach herrlich und lecker.
    Danke für deine Verse…sehr schön!
    Liebe Grüße

    Gefällt 1 Person

  2. Pingback: Donnerstag, den 31. März 2016 | Kulturnews

  3. Ich habe diese Zeit ja selber nicht erlebt, dennoch wünsche ich sie mir manchmal zurück. Weg vom Mega Konsum, der Trägheit am liebsten mit dem Auto IN den Supermarkt zu fahren, die Gier,der Neid noch ausgeprägter als vor 50 Jahren und früher. Die Völker die heute noch sehr ursprünglich leben, in Afrika, der Südsee oder Südamerika leben auch sicher glücklicher als wir. Dank dir für’s Erinnern, Danke Mama, Danke Oma 🙂 Liebe Grüße Michi

    Gefällt 3 Personen

  4. Als Kind der 60er habe ich zuerst nicht verstanden warum ich sparsam mit allem umgehen sollte wie heißem Wasser, Lebensmittel, Spielsachen anziehen um die Waschmaschine zu schonen, aber es trotzdem überheizt bei meinen Großeltern war. Irgendwann verstand ich, dass Menschen die früher Kartoffelschalen aßen, Kaffee mehrmals aufbrühten, falls es Kaffee war, ihre Schuhe stets pflegten und einen riesigen Garten mit allem an Obst und Gemüse bearbeiteten, eine wirklich schlimme Zeit mit Hunger, Kälte und oft Angst erlebt hatten. Von ihnen habe ich die Demut gelernt, die meine Eltern nicht mehr haben wollten oder konnten, denn dort gingen wir mit allem verschwenderisch um. Sie waren die erste Generation die sich mit plotischen Aussagen begnügten, während meine Großeltern sich nicht sehr für die Ansprachen im Bundestag interessierten, sondern stets im Sinne ihres Mikrokosmos handelten, ohne von außen Regeln dafür zu erwarten. Heute wachsen viele Kinder ohne Großeltern in ihrer Nähe auf und Projekte sollen dafür sorgen, dass einsame Alte und überforderte Kitas zusammen kommen, um sich gegenseitig Nähe zu schenken. Eine traurige Gesamtentwicklung. Danke für deine wunderbaren Zeilen liebe Sylvia, die mir dies alles in Erinnerung riefen ❤

    Gefällt 4 Personen

    • Danke für Deine ausführlichen Einblicke, lieber Arno, die mich wieder einmal mehr daran festhalten lassen, nicht alles als selbstverständlich zu betrachten und mich immer wieder der Werte zu erinnern, die uns einst zusammengehalten haben.
      Ich habe da ein Zitat, welches mein Lektor benutzt:
      Arbeit ist vergegenständlichte Liebe.

      Ich denke, er hat recht!

      Herzliche Grüße
      Sylvia

      Gefällt 2 Personen

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