Hör- und Lesbar: „Nicht fair“


Aus der Hör- und LesBar heute mein Gedicht „Nicht fair“ – hier zum Hören mit Musik von F. Chopin:

http://www.sylvia-kling.de/download/nicht_fair_final_1.ogg

LesBar:

Ein Gedicht zum Zeichen der Anteilnahme für die Opfer von Verkehrsunfällen und deren Angehörige. Nicht zu vergessen ist die Arbeit von Rettungskräften. Der tägliche Kontakt mit dem Tod, dem Leid und Schmerz geht auch an Rettungskräften nicht spurlos vorüber.

Nicht fair

Ein hektisches Treiben
in angstvoller Luft,
drückend verrauchter Zunder,
ein Schuh liegt neben
der Wagentür
wie alter nutzloser Plunder

Blaulichter
mit gemeinlautem Ton
bremsen autoritär,
Türen schlagen,
ein Gang zum Elend,
ob da ein Atmen noch wär

Die Dunkelheit
mit Licht gefüttert,
dichtes, schwarzes Haar,
im Blaulichtstrahl anmutig glänzt
wie es vor Stunden noch war

Der blasse Mann
hob die Hände erschöpft,
der Andere flüstert: “Es ist nicht fair”,
verzweifeltes Schreien
von der Ferne her schallt.
“Die Mutter”, sagte er.

©Sylvia Kling

Todeskreuz Steffen Haua - bei Folbern (Großenhain/Sachsen)

Folbern (Großenhain/Sachsen)

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26 Gedanken zu „Hör- und Lesbar: „Nicht fair“

  1. Wem gilt die Frage, „es ist nicht fair?, dem Leben?
    Wäre kein Tod mehr, fair?
    Was wäre Leben ohne Tod?
    Natürlich klingen diese Fragen sachlich und mit der (nötigen) Distanz, da es nicht mein Kind ist. Jedoch wären meine Fragen dieselben… Es ist wie es ist, und die Trauer kann vergehen.

    Ich denke heute noch und immer wieder an Silke Bischoff die bei der Gladbeck Entführung eiskalt erschossen wurde. https://de.wikipedia.org/wiki/Geiselnahme_von_Gladbeck
    Es berührt mich, ja, aber „Fairness“ ist eine hübsche Erfindung des Menschen, welche vermutlich beim Spielen nützliche Wirkung hat. In vermeintlich für uns wichtigen Lebens:Situationen gefällt mir der Begriff weniger.

    Übrigens, Dieter Degowski einer der Entführer vor 28 Jahren hatte schon öfters Freigang… Hans-Jürgen Rösner kommt nie mehr frei – Sicherheitsverwahrung. Christian Klar wurde nach 25 Jahren Knast entlassen, wie klingt hier die Frage nach „ist das fair?“

    Wir können über Gerechtigkeit nicht streiten. Wir können aber über Straf:Recht streiten…

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    • Gladbeck gehört nicht in den Kontext des Gedichtes. Für Angehörige ist ein Tod nie „fair“ und hier geht es um Gefühle und Anteilnahme – um nichts anderes.
      Ich habe keine philosophische Grundsatzdiskussion anregen wollen.

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  2. Danke liebe Sylvia, ich verstehe übrigens die Ansicht von Anna-Lena auch wenn ich diese nicht mit Deinen Zeilen in Verbindung bringen kann. Einst war auch ich Hinterbliebener (und bin es noch) meines kleinen Bruders und neben unendlicher Trauer, die mich noch nach 30 Jahren bewegt, war ich wütend, dass Marvin die Welt ohne mich verließ und ich hasste den Verursacher. Ich habe fast 15 Jahre gebraucht um zu erkennen, dass der Autofahrer, der mit seiner ganzen Familie unterwegs gewesen war, die schwerste aller Strafen bekommen hatte. Er muss sein ganzen Leben mit dem Tod eines kleinen Jungen zurecht kommen. Eine Schuld mit der man kein normales Leben mehr führen kann.

    Gefällt 4 Personen

    • Lieber Arno, ich verstehe Anna-Lenas Kommentar auch – wenn man mein Gedicht dabei bitte unberücksichtigt lässt ….
      Was Du erleben musstest, schmerzt mich beim Lesen sehr und ich kann nur schreiben:
      DANKE für Deinen Kommentar und Deinen sehr persönlichen Bericht dazu, aus dem sich viel Leid abzeichnet.

      Ja, ich denke auch, der Fahrer hat seine Strafe – mit solch einer Schuld möchte wohl niemand leben müssen.

      Sehr herzliche Grüße
      Sylvia

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  3. Jede Härte, glaube ich, kommt von einem Schmerz. Der manchmal offen liegt oder verborgen ist.
    Ich finde das Gedicht sehr schön. Leid ist grenzenlos. Mitgefühl auch.
    Wenn man für eigenes Leid immer den richtigen Ausdruck fände! Und ja, die Verantwortung, die kann einem auch niemand abnehmen … das ist klar. Schönen Gruß aus Wien! Silvia

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  4. Pingback: Mittwoch, den 16. März 2016 | Kulturnews

  5. Kritik der Kritik Willen ist ziemlich unangebracht und wird gerade einem solch intensiven Gedicht wie diesem von Sylvia mitnichten gerecht, Anna-Lena. Am besten beim Thema bleiben, wenn man sich äußert. „Nicht fair“ möchte die tiefe Trauer einer Mutter und die Hilflosigkeit der Rettungskräfte hervorheben, deren Job in der Tat zu wenig gewürdigt wird, die im Übrigen keinen Unterschied machen, wer, warum zu Tode kam, Hier zählt immer die Hilfe. In sofern sollte man vorsichtig sein mit erhobenen, moralischen Zeigefingern. Niemand hat das Recht, Suizidhandlungen vorschnell zu werten. Schlimm genug, daß Verzweifelte dermaßen handeln. Ich habe etliche Kontakte zu Rettungskräften gehabt, kenne so manch harte Story, die man nicht jedem zumuten mag. Aber in einem waren sich alle einig: nicht werten, handeln. Danke für Dein intensives Gedicht, Sylvia, welches viele Menschen anregen wird.

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    • Ich habe Sylvias Gedicht in keinster Weise kritisiert, sondern meine Meinung gesagt, die sicher das Gedicht auch indirekt betrifft, wenn von Unfallopfern und Rettungskräften die Rede ist.

      Wenn die eigene Meinung in Kommentaren nicht erlaubt ist, brauche ich erst gar keine schreiben. Und ich möchte meinen Kommentar auch nicht als Wertung verstanden wissen, ich spreche leider aus eigener Erfahrung, die beide Seiten kennt.

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      • Vielleicht hast Du nur einfach etwas losgepoltert und das kann in schriftlicher Form auch mal anders verstanden werden, als man es selbst beabsichtigte. Dein erster Satz: „Mein Mitleid hält sich in Grenzen …“ oder so ähnlich. Da wird man schon gleich „erschlagen“. Wie dem auch sei, für mich persönlich hat sich die Diskussion diesbezüglich erledigt.

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      • Dazu nur ein konkretes Beispiel, damit es einfach klarer wird:
        Ein junger Mann, der am Himmelsfahrtstag bewusst über die Autobahn läuft, sturzbesoffen ist und dabei zu Tode kommt, tut mir lange nicht so Leid, wie die Menschen, die er hinterlässt, die Angehörigen, die Rettungskräfte und alle, die damit zu tun haben.

        Übrigens ein erlebtes Beispiel eines ehemaligen Schülers von mir.

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      • Mir ist das schon klar, Anna-Lena.
        Mir tut jedoch auch dieser junge Mann leid, der es leider nicht gelernt hat, Grenzen einzuhalten.
        Ich habe den Inhalt dessen, was Du meinst, schon längst verstanden. Nur Deine erste Art und Weise war vielleicht etwas ungeschickt und polternd (impulsiv?) – nicht mehr und nicht weniger. Du erlaubst mir, dies zu bemerken, hoffe ich.

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      • Liebe Sylvia, das darfst du gerne, aber da sind und bleiben wir geteilter Meinung, meine Worte sind bewusst so gewählt.
        Fortan halte ich mich aus der Diskussion einfach raus.

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  6. Du sprichst von Rettungskräften, die sind generell mit diesen Situationen konfrontiert, ob die Opfer schuldig oder unschuldig sind, wissen sie vorher nicht. Ich habe auch nicht gesagt, dass alle jungen Leute bei Unfällen schuldig sind, aber es gibt sie ( ich selbst habe welche gekannt) und für die hält sich mein Mitleid in Grenzen.

    Natürlich trauern die Angehörigen, ob schuldig oder nicht, das ist doch auch für mich nicht die Frage.
    Wenn dir mein undifferenzierter Kommentar nicht gefällt, liebe Sylvia, kannst du ihn auch gern löschen.

    Liebe Grüße
    Anna-Lena

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    • Auch ich kenne Rettungskräfte, die früher oder später den Psychologen brauchen, weil dieser tägliche Kontakt – wenn es auch ihr Beruf ist – nicht spurlos an ihnen vorüber geht. Leider wird zu wenig darüber gesprochen und die Arbeit dieser Leute sollte schon öfters gewürdigt werden.
      Dein Kommentar führte lediglich die „negative“ Seite aus und hatte eine starke Härte. Nein, ich lösche ihn nicht, liebe Anna-Lena.

      Ich wünsche Dir einen schönen Tag,

      Sylvia

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  7. Mein Mitleid hält sich sehr in Grenzen für diejenigen, die solche Situationen durch überhöhte Geschwindigkeit, Alkohol und Drogen am Steuer und wie in Berlin neulich illegale Autorennen verursachen. Da packt mich noch zusätzlich die Wut, wenn andere, Unschuldige in Mitleidenschaft gezogen werden.
    Auch Selbstmörder, die vor Züge springen, von Hochhäusern fallen oder sich vor Autos werfen sind eine Zumutung für diejenigen, die sie aufkratzen oder aufsammeln müssen.
    Wenn sich jemand umbringen will, sollte er doch an andere denken und eine „saubere“ Lösung wählen.

    Lieben Gruß
    Anna-Lena

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    • Liebe Anna-Lena,
      um diesen Personenkreis geht es mir nicht und das habe ich im Gedicht auch nicht anklingen lassen.
      Hier geht es um Unfallopfer – gerade um diejenigen, die unschuldig oder durch gewisse andere Umstände beim Verkehrsunfall ums Leben kommen.

      Ich bin nicht der Ansicht und wage diese Behauptung auch nicht aufzustellen, dass alle jungen Leute infolge Drogen, Alkohol oder Suizidbegehren bei Verkehrsunfällen sterben, denn ich kenne ganz andere Fälle.
      Dein Kommentar zu diesem Gedicht ist etwas recht undifferenziert, was ich persönlich schade finde – aber gut, es ist Deine persönliche Meinung.

      Liebe Grüße in den Tag,
      Sylvia

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    • Eines, liebe Anna-Lena, möchte ich desweiteren anfügen:
      Hier geht es auch um die HINTERBLIEBENEN!
      Ich glaube nicht, dass sie weniger trauern, wenn das Kind durch fahrlässige Handlungen und eigenes Verschulden zu Tode kam!
      MÜTTER trauern IMMER und das ist gut so.

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