Sie wollen einfach nur leben!


Normalerweise veröffentliche ich nicht zwei Beiträge täglich. Doch ich habe mich entschlossen, meinen gestrigen Beitrag (Facebook) bzw. meinen heutigen auf meiner anderen WordPress-Seite mit Euch zu teilen. Viele Blogger_innen und Künstler_innen, deren Beiträge ich lese, wird es sicherlich interessieren. Bei vielen von Euch kann ich erkennen, dass auch ihr zwischen verfehlter Asylpolitik und Fehlern in den Reihen der Politiker sowie menschlichem Leid unterscheiden könnt und zur Differenzierung fähig seid. Immer im Sinne der Menschlichkeit!

https://wiedaslebenklingt.wordpress.com/2016/02/01/sie-wollen-einfach-nur-leben/

Für die „Eiligen“ unter Euch ist der Beitrag hier zusammengefasst:

Sie wollen einfach nur leben!

Wir haben gestern mit 10 Flüchtlingskindern Fußball gespielt. Zufällig trafen wir sie auf dem Sportplatz unseres Dorfes. Sie wohnen seit 18. Januar in unserem Dorf und werden betreut.
Die Eltern sind verschollen.
Ein kleines Mädchen war dabei, hing veränstigt am Jackenzipfel der Betreuerin. Sie sagte in gebrochenem Deutsch: “Ich heiße Nolah. Ich kommen aus Irak.” Große, verängstigte, tiefdunkle Augen. Keine Mama, kein Papa. Nur eine deutsche Frau, an der sie klebt. Eine von wenigen freundlichen Frauen hier.


Die Betreuerin erzählte mir, auf wie viel Ablehnung sie in unserem 700-Seelendorf und der gesamten Region stößt.
Ja, ich weiß. Über die erste Einwohnerversammlung schrieb ich einen Artikel, in welchem man erschreckende Tatsachen über den Fremdenhass in unserer Region lesen kann. Es war ein Artikel ohne Wertung meinerseits (Link nochmals unten).


Was soll ich sagen? Dass die Bäckerin im unserem Dorf ihren Verkäuferinnen angeordnet hat, die Zigarretten jeden Abend aus der Auslage zu entfernen, da die Flüchtlingskinder kommen?
Kinder, die ihre Eltern ewig nicht mehr gesehen haben, aus ihrer zerstörten Heimat kommen? Kinder, die mit Bildern ihre Geschichte erzählen? Denen das bisherige Leben und das Leid der letzten Monate/Jahre in den Augen geschrieben steht?
Soll ich sagen, dass eine wohlhabende Frau aus unserem Dorf im September 2015 in der Versammlung brüllte: “Wir wollen keine Moschee in K.?”
Wie meinen? Eine Moschee, gebaut von 10 Kindern aus Kriegsgebieten?


Soll ich sagen, wie diese Kinder in Sachsen von Ärzten z. T. behandelt werden?
Oder soll ich sagen: Mein Sohn hatte heute eine wunderbare Zeit mit diesen Kindern. Er versteht sie nicht. Sie verstehen ihn auch (noch) nicht. Aber mein Sohn stellt Fragen. Er versteht: Diese Kinder wollen Fußball spielen. So wie er.

 

Teilen sowie Rebloggen ist gern gesehen. Es sind Erlebnisse aus der Realität und ich werde weiter berichten. Denn wir treffen sie nun hoffentlich jede Woche. Auch werde ich versuchen, mich – solange ich in diesem Ort noch wohne – auf irgendeine Weise einzubringen. Ich bewundere – am Rande erwähnt – die Betreuerinnen, die das in ihrer Freizeit machen und nicht danach fragen, ob sie dafür nun Beifall ernten oder nicht!

Ehe ich hier weiterhin solche Kommentare lesen muss: „Man würde sich ja erleuchteter und erhabener fühlen“, wenn man mit ein paar Waisen Fußball spiel.:

Nein, ich fühle mich nicht so! Wer meine bisherigen Arbeiten kennt und auch „Über meine Person“ gelesen hat, weiß das. Da dies mein Blog ist und ich über diesen bestimme, werden derartige Kommentare nicht freigegeben. Ich habe nichts gegen einen Diskurs auf niveau- und respektvoller Ebene!

Wie die Menschen in diesem Dorf denken und wie die Informationsveranstaltung in Kalkreuth im September vergangenen Jahres verlief, könnt Ihr hier nochmals nachlesen:

https://wiedaslebenklingt.wordpress.com/informationsveranstaltung-zum-thema-asylbewerber-in-kalkreuth-am-22-09-2015/

Ich danke Euch herzlich für Eure Aufmerksamkeit!

Eure Sylvia Kling

 

Zum Beitragsfoto:

http://piqs.de/fotos/148315.html

Lizenz: Creative Commons License
Fotograf: Mark Knobil
Titel: Kabul Kids

 

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43 Gedanken zu „Sie wollen einfach nur leben!

  1. Danke für den Beitrag und weiter so! Wichtig ist, dass es immer noch Menschen gibt, die sich gegen solches Unrecht stellen (ich denke, als „normal“ denkender und zivilisierter Mensch kann man Recht von Unrecht im Großen und Ganzen auch sehr wohl unterscheiden) und sich vor allem auch weiterhin trauen, dieses zum Ausdruck zu bringen. Ich hoffe, dass wir nie wieder in diesem Land Angst davor haben müssen, unsere Meinung zu äußern und daran sollten wir alle arbeiten! Ich denke, unsere Großeltern und Urgroßeltern haben genug unter dieser beklemmenden Atmosphäre gelitten, nicht zu wissen mit wem man noch und über was man noch reden darf, bzw. wer auf welcher Seite steht. Ebenso unsere Mitbürger aus den „neuen“ Bundesländern können davon sicher teilweise noch berichten. Daraus sollten wir doch wirklich gelernt haben, dass es so weit nie wieder kommen sollte! Und „was geht“ und „was nicht geht“ sollten wir wohl ebenfalls aus der Geschichte und in der Schule gelernt haben. Ansonsten können wir uns jetzt aktuell in Polen ansehen, wie schnell ein demokratischer Staat zerschlagen wird, wenn das Volk, aus welchen Gründen auch immer, die Falschen wählt. Ich möchte nicht in einem Land Leben, wo Menschenrechte nichts mehr zählen und keine Achtung vor dem Leben stattfindet! Wehret den Anfängen!!

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    • Das nenne ich mal ein umfangreiches, ehrliches und mir aus dem Herzen sprechendes Statement!
      Diesem habe ich nichts mehr hinzuzufügen:
      Außer Dir DANKE zu sagen und mich freuen zu dürfen, dass wir offenbar gar nicht so wenige Menschen sind, die zwar den Krieg nicht erleben mussten, doch aber die umfassenden Zusammenhänge aus Geschichte und Gegenwart zu erkennen vermögen.

      Herzliche Grüße
      Sylvia

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  2. lesetechnisch gehör ich ja – seit 10/ 15 Jahren, vorher hab ich NUR und IMMER und ALLES gelesen –
    zu den ganz Eiligen 😉
    Ich les einmal diagonal – quer und nehme sozusagen intravenös die Essenz auf 😉

    Mir reichen die Kinderaugen – keine Mama und kein Papa nur diese deutsche Frau

    Es erinnert mich an ein eigenes Flüchtlings-Augen-Erlebnis und ich geh jetzt erst mal ein bisschen auf meine Pizza weinen

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  3. Mir tun diese Menschen unendlich leid.Man sagt wohl,man will helfen,aber es sind einem im grossen die Hände gebunden.Unsere Politik hat viel zu verantworten.
    Ich habe viele Sachen Gegenstände abgegeben,und fühlte mich so gut dabei,auch Kleider und es kam an der richtigen Stelle an.
    schön Liebe Sylvia das du das veröffentlicht hast.
    Menschenleben,muss man achten !!!!!
    Wir sind alle egal woher,aus einem Stoff und miteinander verwoben.

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  4. Im vergangenen Jahr war das Wort WILLKOMMENSKULTUR fast in aller Munde. Das darf nicht wieder untergehen und von Gegenströmungen kaputt gemacht werden. Humanität, Mit-Menschlichkeit, das kann jeder auf seine Weise leisten und das sind wir den Menschen, die verzweifelt zu uns kommen, einfach schuldig.

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  5. Was bitte ist mehr Wert als ein Menschenleben?
    Wir jammern, obwohl es uns gut geht.
    Wenn jeder, im Großen wie im Kleinen seinen Beitrag dazu gibt, können wir den Schwächsten der Schwachen helfen. Man muss sich für Schicksale erst einmal interessieren. Nicht alles und jeden über einen Kamm scheren. Es werden wohl schwere Zeiten. Aber gemeinsam sind sie zu schaffen. Daran glaube ich fest.
    Wenn ich mir vorstelle, eines dieser Kinder könnte mein Kind sein! Einer dieser Erwachsenen mein Mann, meine Schwester, mein Vater…. Dann wird mir ganz elend zumute. Wir haben so unendlich viel Glück, in einem reichen Land aufzuwachsen. Ohne Krieg, ohne Verfolgung.
    Das war nicht immer so… und daran sollten wir denken. Ich würde auch fliehen, müsste ich so viel Leid ertragen.
    Natürlich gibt es auch bei uns Menschen, die Hilfe brauchen. Menschen, die nur das nötigste zum Leben haben, oder weniger. Aber es liegt doch an unserer Gesellschaft, auch ihnen zu helfen. Warum tun wir es also nicht? Warum haben wir es nicht längst schon getan?
    Weil es uns immer schwer fällt unseren Kuchen zu teilen. Nicht erst jetzt. Ich hoffe, dass wir lernen zusammenrücken. Für die Flüchtlinge, die unsere Hilfe so dringend brauchen, und letztendlich für uns selbst.

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  6. Ich bin für die gute Politik im Kleinen. Ich grüße freundlich und werde zurück gegrüßt. Hier, wo ich lebe, gibt es Bürgerinitiativen und Flüchtlinge sind mit dabei. Das freut mich. – Und Arschlöcher gibt es überall, in jeder Farbe und mit jeder Nationalität.

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  7. Ich akzeptiere die Meinung von alphachamber. Natürlich ist nicht jeder rational denkende Mensch ein Rassist oder Nazi, aber wer wirklich rational denkt, beschäftigt sich auch mit den Fakten und die lauten. Wir wissen nicht wie viele Flüchtlinge noch kommen, die Zahl von 2 Millionen halte ich nicht für realistisch. Selbstverständlich muss das Deutsche Gesetz Grundlage für alle Entscheidungen sein, dann würde der Popolismus mit der Abschiebung von ausländischen Straftätern aufhören, denn dafür sind verhängte Haftstrafen von mindestens drei Jahren nötig. Natürlich sind auch Wirtschaftsflüchtlinge darunter, aber ich kann doch keinen Menschen vorwerfen sein Glück woanders zu versuchen, wenn er in seinem Land seine Familie nicht mehr ernähren kann (selbst aus Deutschland wandern jedes Jahr 800.000 Menschen aus). Fakt ist auch, dass die ganzen Versprechungen der Schlepper so heillos übertrieben sind, dass bereits Menschen wieder in ihre Heimat zurück kehren. Tatsache ist, dass die USA von 1950 bis 1960 etwa 12 Millionen Flüchtlinge aufgenommen hat, und das nur aus Irland (ja, deren Land ist größer und damals war die Wirtschaft eine andere als heute). Das diese Menschen, die jetzt bei uns Zuflucht suchen, irgendwann ihr Land verlassen würden, weil fast jeder in Afrika oder Arabien ein Smartphone besitzt und sieht wie es bei uns aussieht (eben nicht zerbombt) war Scholl-Latour schon vor Jahren klar und er war Berater der Bundesregierung in diesen Fragen, die aber grundsätzlich eine „Ich steck meinen Kopf in den Sand“ Politik betrieben haben. Ich kann zwar Politiker nicht ausstehen, welche nach ihrer Karriere kluge Bücher schreiben und erzählen, dass sie in ihrer aktiven Zeit wider ihrem Gewissen der Partei gefolgt sind, aber in einem hat Geissler recht, „Wir haben kein Geldproblem, denn dieses ist wie Matsch vorhanden, es haben nur die falschen Leute“. So ist es.

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  8. Ich stelle mir immer die gleiche Frage: Was hat die Frage der Eindämmung der Flüchtlingsströme damit zu tun wie man mit Menschen umgeht, die zu uns geflohen sind und bereits hier leben? Glauben manche Deutsche etwa, die Flüchtlingsströme zu verringern, indem sie die Menschen, die zu uns geflohen sind, besonders menschenunwürdig behandeln? Sicher muss man Lösungen finden für die Herkunftsländer. Aber solange man die nicht hat und Menschen in nackter Verzweiflung ihre Länder verlassen (darunter viele Kinder, denen bereits bei Ankunft in Deutschland alles genommen wurde) gebietet es die Menschlichkeit, denen, die es bis zu uns geschafft haben, mit Respekt und Mitgefühl zu begegnen. Ich schäme mich dafür, dass sich Menschen, denen bereits großes Leid zugefügt wurde, nicht bei uns sicher fühlen können.

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  9. Hat dies auf Was (keine) Freude Macht rebloggt und kommentierte:

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    Es ist herzzerreissend, wenn man sich vorstellt, wie da ein Kind, dem alles genommen wurde, einschließlich der Menschen, die es liebte, nach Schutz sucht. Wobei die Wahrscheinlichkeit, dass die Eltern von einem G36 aus Deutschland dahingemordet wurden, nicht gerade klein ist.
    Aber selbstverständlich ist es wesentlich wichtiger sich auf seine Pfründe zu setzen, und in den eigenen Vorurteilen zu schwelgen, anstatt mal den Arsch hoch zu bekommen, und denen zu helfen, die mit Mühe und Not dem Tod entronnen sind.
    Solche Menschen sollten es als Pflicht auferlegt bekommen, sich um einen Waisen zu kümmern, dann wäre ganz schnell Ruhe.
    Es scheint auch angebracht, sich gut 70 Jahre zurückzuerinnern, als Menschen und Waisen in D Hilfe brauchten. Manche von denen, die heute am lautesten Schreien, sind diejenigen, die bei eigener Not Hilfe als Selbstverständlich sehen.

    Gefällt 8 Personen

  10. Es ist eben ein Unterschied, ob man die Verantwortung für 2 Millionen Asylanten übernimmt (von denen nur ein Teil überhaupt „Flüchtlinge“ sind), oder mit ein paar putzigen, verängstigten Waisen Fußball spielt.
    Ja, das letztere gehört auch zur Realität – nur, dass man sich hierbei erhabener und „erleuchteter“ fühlen darf.
    Sicher sieht man auf der Seite der humanistischen „Versteher“ immer besser aus. Das heißt weder, dass die Skeptiker und Hinterfrager alles herzlose Rassisten sind.
    In gerade unserem poliisch korrekten Land, das gespalten scheint, in „Gute“ hirnlose Reinwinker (die zwar sonst auf Rechsstaatlichkeit pochen, wenn es aber um ihre altruistische Emotionen geht, bereitwillig sämtliche Gesetze außer Kraft zu setzen bereit sind) auf der einen Seite und „Böse“ Rassisten auf der anderen, scheint kein Platz zu sein für einfach Rationalität. Dann wird die Vernunft zum Faschismus. Tun diejenigen, die sich in den Diskussionen diesem Vorwurf aussetzen am Ende mehr für ihre Gesellschaft als die selbstherrlichen Gnostiker? Deutschland wird es erfahren.

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  11. Leider wird mit der Flüchtlingsfrage nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Schweiz und anderen europäischen Ländern Politik gegen die Fremden betrieben. Die EU und ihre Politiker sind machtlos und werden auch mit Geld den Flüchtlingsstrom nicht beeinflussen können. Zu gross ist die Kluft zwischen ARMEN und REICHEN Länder, zwischen Wohlstand und Perspektivelosigkeit. Grundlegende internationale Änderungen sind gefragt. Für uns Normalbürger gilt: Menschen helfen Menschen. Ernst

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    • Sehr richtig, lieber Ernst. Genau so sehe ich das auch. Wenn ich z. B. die Lage in Ungarn und Polen betrachte, bin ich nur noch am (Ver)zweifeln.

      Ich bin nur unendlich froh darüber, dass es noch Menschen gibt, die helfen und sich nicht dem Hass anschließen, der in unserem Land und in Europa um sich greift.

      Herzliche Grüße
      Sylvia

      Gefällt 2 Personen

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