Als ich Abschied nahm


Als ich Abschied nahm,
waren meine Kisten voll,
wie mein Leben viel
zu sehr

Als ich Abschied nahm,
war das Dorf
wie auch mein Herze
trostlos leer

Als ich Abschied nahm,
lag mein Einst
im Gesang des Kardinals
seelenschwer

Als ich Abschied nahm,
klirrten Eiskristalle nur,
fragend nach der
Wiederkehr.

©Sylvia Kling

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The „feeder tree“ was full of birds this AM– most just werren’t still long enough to grab a shot
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Zum Foto:

http://piqs.de/fotos/142011.html

Lizenz: Creative Commons License
Fotograf: jjjj56cp
Titel: 011e sentry in the snow
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76 Gedanken zu „Als ich Abschied nahm

  1. Ein sehr, sehr schönes Abschiedsgedicht, liebe Sylvia.
    Ich habe es mir immer nur sagen lassen, wie die Menschen mein Geburtsdorf verließen – gesehen hab ich es schon lange nicht mehr. … und ich bin mir nicht sicher, ob ich das überhaupt noch will. Ich weiß aber, dass Kleinschelken viele nicht losgelassen hat – sie kehren immer wieder zurück. Doch das Rad der Geschichte ist unumkehrbar – die Immerwiederzurückkehrenden werden aussterben. Dies ist für mich ein eigenartiges Bewusstsein, aber ich bin froh, mich mit meiner jetztigen Heimat identifizieren zu können.
    Mit lieben Grüßen,
    Michael

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    • Lieben Dank für Deinen Kommentar und den persönlichen Einblick. Vielleicht sollte man manchmal seine Heimat so in Erinnerung behalten, wie man sie verlassen hat?
      Man wird sie nie wieder so vorfinden, wie sie einmal war, als man dort lebte und als man ging. Eine seltsame Vorstellung, nicht wahr?
      Vielleicht wird auch der Wunsch eines Tages so intensiv, zurückzukehren (auch nur zu Besuch), dass man gar nicht mehr darüber nachdenkt.
      Alte Menschen tun das oft. Die Sehnsucht nach den Wurzeln wird mit zunehmendem Alter immer spürbarer.
      Liebe AbendGrüße,
      Sylvia

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  2. Ein „grosses“ Gefühl sehr berührend in Worte gefasst – wunderschön.
    Ich denke dabei gerade an die vielen Flüchtlinge, die ihr gerade Dorf verlassen.
    Und ich denke an meine Mutter, die damals aus Ungarn vertrieben wurde –
    in ihr lebte immer dieser Gedanke: die Frage nach der Wiederkehr.
    Sie hat beides geschafft, den Neuanfang in Deutschland und später
    die Wiederkehr in ihre Heimat. Es ist gut, wenn man beides annehmen und bewältigen kann.
    Der kleine Kardinal ist auch so ein Wunder der Natur – liebenswert.

    LG in den Morgen 🙂

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    • Vielen lieben Dank.
      Es ist so spannend, verschiedenen Gedanken und Interpretationen zu folgen.
      Ja, den Zusammenhang zu den Flüchtlingen kann man hier ebenfalls gut sehen.
      Mein Vater wurde mit seiner Familie (Mutter und Geschwister) ebenfalls aus Ungarn vertrieben. Ob er je an eine Rückkehr dachte (oder sein älterer Bruder), hatte ich nie erfahren.
      Wo lebt (e) Deine Mutter in Ungarn?

      Herzliche Grüße am Morgen
      Sylvia

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      • Ja, es ist wirklich spannend, die vielen Gedanken und Interpretationen hier zu verfolgen – da siehst du mal, wie mächtig deine Worte sind 🙂
        Dein Vater wurde auch aus Ungarn vertrieben? Das muss damals wirklich schrecklich gewesen sein.
        Meine Mutter lebt heute in Pécs, wo sich dann später wieder viele Verwandte von uns angesiedelt haben. Geboren wurde meine Mutter in Budaörs (Stadtteil von Budapest). Dort hat sie mit meinen Grosseltern ihre Kind- und Jugenzeit verbracht … bis sie vertrieben wurden. Meine Mutter hat dann bis zum Rentenalter in Deutschland gelebt und gearbeitet. Sie hatte aber immer Heimweh und wir sind andauernd nach Ungarn gefahren. Nun ist sie in ihre Heimat zurückgekehrt und lebt dort glücklich und zufrieden 🙂

        Herzliche Grüsse zurück zu dir,
        Christel

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      • Liebe Christel, ich finde es gut, dass Deine Mutter ihrem Herzen nachgegangen ist und wieder nach Ungarn zurückging. Die Heimat ist nun einmal dort, wo das Herz ist.

        Mein Vater kommt aus der Tolna, Nähe Högyes.
        Fährst Du auch noch oft nach Ungarn?

        Liebe Grüße
        Sylvia

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      • Nein, liebe Sylvia, ich fahre nicht mehr oft nach Ungarn. Das habe ich gemacht, bis meine beiden Söhne erwachsen waren, um ihnen dort alles zu zeigen und damit sie ihre Grosseltern sehen. Ich bin ja noch voll berufstätig und die wenige Urlaubszeit, die ich habe, möchte ich nun nutzen, um mir meine „Herzenswünsche“ zu erfüllen – meistens irgendwo am Meer 🙂
        Aber ich habe gesehen, Hőgyész ist ja gar nicht weit von dem Ort entfernt, wo meine Mutter lebt. Kennen tu ich diesen Ort allerdings nicht. Fährst du denn manchmal nach Ungarn?

        Liebe Grüsse und schönen Tag
        Christel

        Gefällt 1 Person

  3. Pingback: Montag, den 25. Januar 2016 | Kulturnews

  4. Liebe Sylvia, heute kommentiere ich mit einem kleinen Ausschnitt aus meiner Novelle „Die kleine blaue Frau“, an der ich gerade noch schreibe: „Hier rudert die Fährfrau vor und zurück, mit und ohne Passagiere, mit und ohne Mond. Hier singt die Fährfrau ihre Lieder. Sie kennt keine Angst und keinen Tod. Ihr Herz ist Liebe geworden in all den Jahren des Vorundwiederzurücks. Sie schenkt der kleinen blauen Frau eine Wiederkehr.“
    herzliche Grüsse
    Ulli

    Gefällt 1 Person

    • Dankeschön, lieber Arno. Ja, so erfühlte ich dieses Gedicht auch und ich bin sehr glücklich darüber, dass Du den tiefen Sinn (der nicht ausschließlich eine einzelne Person betrifft) erfasst. DANKE! 🙂

      Herzliche Grüße aus dem heute „GrauSchmuddelWetterPfützenSachsen“ ;-),
      Sylvia

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      • Dann hast Du sicherlich nicht mehr lesen können, dass ich nur eine siebentägige Pause mache. Dafür entscheide ich mich häufig, wenn ich glaube, dass die Politik und diese Streitereien (die öfters auch in einen Bereich abrutschen, der mir widerstrebt) mich zu erdrücken scheinen und es mich in fataler Weise von der Arbeit abhalten. In der Zeit der Pause sammle ich wieder Kraft, um mich erneut am Geschehen zu beteiligen, mich einzusetzen und mich zu postitionieren :-).

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  5. Ja, die meisten Abschiede sind verdammt schwer. Und das hast Du hier (wie immer ;-)) wundervoll eingefangen.
    Aber manchmal muss man etwas loslassen, um etwas Neues anzufangen. Und dann könnte die Freude auf das Neue den Abschiedsschmerz etwas auffangen ;-). Das würde ich Dir wünschen.

    Gefällt 2 Personen

      • Ich habe nicht viel Ahnung und wohl noch viel weniger Erfahrung vom Schreiben. Aber eigentlich denke ich, dass auch im lyrischen Ich ein (kleiner?) Anteil selbst steckt. Einerseits hast Du sicher schon viele Abschiede erlebt.
        Naja, sind halt so meine Gedanken, die sich nicht mit der Realität decken müssen.

        Gefällt 2 Personen

      • Es steckt in meinen Gedichten ein Gefühl zu dem Geschriebenen (siehe auch meine letzte Mail an Dich!), nicht immer direkt eigene Anteile. Ich schreibe täglich zwei bis drei Gedichte. Wenn ich bei jedem mein eigenes Ich darstellen würde oder im direkten Sinn darin „leben“ würde, so wäre das für mich fatal, liebe Belana Hermine.
        Der einzige „Eigenanteil“ hier ist das Gefühl, das ich in dieses Gedicht lege.

        Gefällt 3 Personen

  6. Ähnliche GEDANKEN hatte ich vor 51 Jahren :
    *
    Wir sehen uns wieder …

    noch höre ich
    das hoffnungsvolle Wort.
    So wie dies
    kann kein anderes beglücken,
    wenn sich zwei Menschen kennen,
    die Täler und Hügel trennen.

    Voller Sterne,
    o welche Strahlenpracht,
    hell leuchtend
    sich über uns der Himmel wölbt,
    weil wir froh und glücklich sind –
    unser Bote ist der Wind.

    Der Weg ist weit,
    das Warten, es fällt schwer.
    Doch lass mich
    an ein Wiedersehen glauben,
    wenn erneut an einem Tag
    ich Abschied nehmend dich dann frag’:

    Sehen wir uns wieder?

    (C) PachT 1965
    Veröffentlicht in : BIBLIOTHEK deutschsprachiger GEDICHTE
    Bd. XVII; S. 131

    Gefällt 4 Personen

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