Dresden (Zweitausendundfünfzehn)


Dresden (Zweitausendundfünfzehn)

Über Dresden
legt sich
ein düsterer Schatten,
von Pillnitz
bis zu den Kasematten

Über Dresden
nun ein Schmutzfilm
liegt,
August sich im
Entsetzen biegt

Dresdens Seele
verzweifelt blutet,
von Schreien
und Flaggen
geflutet

Dresdens Schmerz
im Akutzustand,
sein Zaubertuch
steht schon
in Brand

Dresdens Menschen
scheinen nicht weise
„Warum nur?“,
weint Dresden.
Zu leise.

©Sylvia Kling

Heute erwartet Dresden nichts Gutes. PEGIDA hat gegen den Verbot jeglicher Demonstrationen am heutigen Tage (Verbot erging durch die Stadt Dresden in der vergangenen Woche) eine Eilklage beim Amtsgericht Dresden erhoben. Die Entscheidung wird noch heute mittag erwartet. „Dresden Nazifrei“ ruft zu Kundgebungen auf (stationäre Kundgebungen wurden durch die Stadt für den heutigen Tag nicht verboten). Es haben sich Hooligans und rechte Gruppen für den heutigen Tag angekündigt. Leider sind das heute keine guten Aussichten für Dresden. Hoffen wir, dass ich mich irre!

Dresden ist hilflos. In der Dresdner Neustadt schließen heute viele Geschäfte – aus Angst vor Ausschreitungen (u.a. der „Späti“ in der Görlitzer Straße) und die Geldautomaten in der gesamten Dresdner Neustadt sind nicht zugänglich. Einige Vorkehrungen wurden getroffen.

Angelika Reimer - Autorin

Angelika Reimer – Autorin

 

Diese Stadt kommt nicht einmal vor Weihnachten zur Ruhe. Hier einige Auszüge aus den beiden heutigen Hauptgruppen:

PEGIDA (Facebook) – 21.12.2015

„Entgegen dem Bericht in der „Dresdner Morgenpost“ gehen wir nach wie vor davon aus, wie angemeldet am Schlesischen Platz unseren Spaziergang durch die Neustadt zu beginnen!
Die Klage läuft am Verwaltungsgericht Dresden und sollte sie gegen uns beschieden werden, geht es erst am Oberverwaltungsgericht Bautzen weiter und danach am Bundesverfassungsgericht.

Wir sehen uns also nach jetziger, rechtlicher Einschätzung 18:30 Uhr auf dem Schlesischen Platz vorm Banhof Neustadt und werden einen friedlichen Weihnachtslieder-Spaziergang machen.“

Lutz Bachmann (Facebook)- 21.12.2015

„Entgegen dem Bericht in der „Dresdner Morgenpost“ gehen wir nach wie vor davon aus, wie angemeldet am Schlesischen Platz unseren Spaziergang durch die Neustadt zu beginnen!
Die Klage läuft am Verwaltungsgericht Dresden und sollte sie gegen uns beschieden werden, geht es erst am Oberverwaltungsgericht Bautzen weiter und danach am Bundesverfassungsgericht.

Wir sehen uns also nach jetziger, rechtlicher Einschätzung 18:30 Uhr auf dem Schlesischen Platz vorm Bahnhof Neustadt und werden einen friedlichen Weihnachtslieder-Spaziergang machen.“

„11:55 Uhr +++ Schlesischer Platz sehr wichtig!
Pegida mobilisiert fröhlich weiter zum Schlesischen Platz, obwohl sie ganz klar zum Königsufer beauflagt wurden. Pegidas Mobi zum Bhf Neustadt hat also gar keine Grundlage, sondern stellt eine fortgesetzte Provokation dar!
Die von der Stadt zugelassene Kundgebung am Bhf Neustadt ist eine antifaschistische Kundgebung, die um 18 Uhr beginnt. Es bleibt daher sehr wichtig, dass dieser Punkt heute gut besetzt ist. Pegida hat dort nichts verloren und sollte da auch keinen Platz haben.“

Dresden Nazifrei 21.12.2015:

Guten Morgen! Wir starten diesen denkwürdigen Tag mit passender Musik aus der Neustadt. ( … ) Die genaue Versammlungslage wird sich vermutlich gegen Mittag klären. Seid heute mit uns auf der Straße – genaue Infos folgen noch. Die antifaschistische Kundgebung vor dem Bahnhof Neustadt sei aber jetzt schon einmal hervorgehoben.

Morgen wollen wir mit euch ein starkes Zeichen gegen Rassismus und für Weltoffenheit setzen – auf beiden Seiten der Elbe, symbolisch für ganz Dresden. Wir wollen laut, kreativ und bunt für ein Dresden einstehen, in dem „Weltoffenheit“ mehr ist als nur ein Wort mit 13 Buchstaben. Dazu brauchen wir viele Menschen, die mit uns auf die Straße gehen. Nur: Wo positioniert man sich am besten?

Bis auf Weiteres gilt, dass die Versammlungsbehörde PEGIDA ans Königsufer geschickt hat. Lutz Bachmann hat dagegen eigener Aussage nach Widerspruch eingelegt; dieser wird – so er denn tatsächlich bei Gericht eingegangen ist – am Montag, vermutlich gegen Mittag, beschieden. Zudem haben diverse Hooligan- und Nazistrukturen zu direkten Aufzügen durch die Neustadt aufgerufen. Inwiefern diese Aufrufe mehr sind als nur tumbes Herumgetöne, ist im Moment nicht abzusehen. Insgesamt gilt also, dass die Lage sich gerade am Montag noch kurzfristig ändern kann. Wir informieren euch dann umgehend; behaltet aber in jedem Fall die strategische Gesamtlage im Blick.

Zum einen unsere eigene Veranstaltung auf dem Alaunplatz, der Spielwiese der Neustadt. Dieser Ort ist von hohem symbolischen Wert. Hier wollen wir mit euch – typisch neustädtisch – gechillt und mit guter Musik das Flair der Neustadt mit gewohntem Leben füllen. Von hier aus wollen wir auch klar zeigen: Die Neustadt steht für ein solidarisches Zusammenleben ohne Rassismus.

Der Bahnhof Neustadt, d.h. der Schlesische Platz, ist ein weiterer Anlaufpunkt – und ein sehr wichtiger. Denn Pegida musste nicht nur den Theaterplatz aufgeben, ihnen wurde per Auflagenbescheid auch der Schlesische Platz verwehrt, von wo aus sie sich „die Neustadt holen“ wollten. Stattdessen findet dort eine antifaschistische Kundgebung statt – für eine solidarische Gesellschaft, in der alle Menschen gleichberechtigt sind. Der Bahnhofsvorplatz bildet zudem ein Verkehrstor zur Neustadt. Es werden u. A. Menschen aus Leipzig anreisen, so dass der Bahnhof Neustadt auch als sicherer Ankunfts- und Abfahrtsort von Bedeutung ist. Gemeinsam gilt es, deutlich zu machen, dass der Schlesische Platz weder am 21.12. ein Sammelplatz für Rassist_innen ist, noch je einer werden wird!

Auf dem Theaterplatz ist natürlich auch einiges los und es mobilisieren viele größere Akteuere, u.a. die TU Dresden und Dresden für alle hierhin. Unsere Freunde von Herz statt Hetze haben Pegida an diesem Tag ihren lieb gewordenen Platz genommen und Pegida damit ganz gut aus dem Tritt gebracht. Nun gilt, es die Aktion Theater. Platz. Nehmen. Herz statt Hetze. mit Leben zu füllen. Ein bunter Theaterplatz wird morgen wichtig sein.

Wo auch immer ihr hingeht: Seid laut, seid bunt, seid viele, bildet Bezugsgruppen!“

 

Zum Foto im Beitrag:

http://piqs.de/fotos/188691.html

Fotograf: old girl
Titel: Gewitter
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33 Gedanken zu „Dresden (Zweitausendundfünfzehn)

  1. Solange PEGIDA nicht rechtlich einwandfrei verfassungswidrige Aktionen nachgewiesen werden, haben sie (leider) das demokratische Recht auf Demonstrationen. Ich hoffe immer noch, dass endlich unser demokratisches Rechtssystem in Pegida eine menschenverachtende und damit Grundgesetzwidrige Vereinigung sieht und alle rechtlichen Mittel aufbringt, dieser Bewegung ein Ende zu bereiten.
    Ein Demonstrationsverbot kann nicht aufrecht erhalten werden, da damit unser Grundrecht eingeschränkt wird – ein gefundenes, wenn nicht sogar gewolltes Fressen für Leute, die unsere Volksvertreter (ja, es sind gewählte Volksvertreter) am Galgen darstellen und die Presse pauschal als Lügenpresse sehen.
    Und: Konzentriert euch nicht zu sehr auf Dresden. Dort wird die Gewalt geschürt, die im ganzen Land sich gegen Menschen ausbreitet.

    Gefällt 2 Personen

    • Nun, wenn man allerdings die gestrige Rede der Finsterding, äh, Festerling nachspürt, so ist das eindeutig Demagogie und zwar vom Feinsten – schlicht und ergreifend ein Aufruf zur Gewalt (man höre auch zwischen den Tönen!):
      Zitat aus einem Redebeitrag von gestern (von Tatjana Festerling):

      „Es ist edel, die eigene Heimat zu verteidigen. Ja, und – Himmelherrgott nochmal! – selbstverständlich auch mit Methoden, die der weichgespülte, moralisierte Mainstream für nicht anständig hält. Scheiß auf diesen Anstand, der uns durch den Tugendterror der Linken und Grünen und den Duckmäusern und Sozialisten in den Medien in Dauerschleife vorgekaut wird. Wir müssen hier nicht jeden, und schon gar nicht kulturfremde, verrohte Muslime Willkommen heißen. Heimatverteidigung darf, nein muss, auch konkret stattfinden.“

      „Heimatverteidigung muss auch konkret stattfinden“, das ist der Ton, der inzwischen dort angeschlagen wird.

      Sicher hast Du nicht ganz Unrecht, aber Dresden hat genug von PEGIDA. Dass ich mich natürlich vordergründig mit Dresden in erster Linie beschäftige: Es ist meine Heimat. Ich habe über 40 Jahre dort gelebt.
      ICH habe Dresden noch anders erlebt. Es war eine so wundervolle Stadt, so bezaubernd, so eigen mit einem samtenen Flair.
      Jetzt klingt es aus ihr hart und kalt, die Menschen sind verhärtet.
      Es ist nun einmal meine Heimat, Jörg.

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      • Liebe Sylvia, genau das meine ich: Festerling ruft kaum verhohlen zu Gewalt auf. Sie stellt unser freiheitlich demokratisches System nicht nur in Frage, sondern will Aktionen ausserhalb der Verfassung. Es geht nicht um Demonstrationsverbot, es geht darum, endlich Strafanzeigen gegen alle zu erstatten, die solche undemokratischen und verfassungsfeindlichen Äußerungen und Aufrufe tätigen. Es gibt schließlich einen Grund, daß unser Grundgesetz so aussieht, und der Grund hieß damals „Nie wieder“

        Und ich kann deine Gefühle gut verstehen. Es tut weh, wenn ausgerechnet in der Heimatstadt solche Reden gescgwungen werden, solcher Hass geschürt. Ich wollte mit meinen Worten nur andeuten, daß die anderen Orte in der Bundesrepublik Deutschland nicht Inseln der Seligen sind. Dresden ist überall, mal lauter und mal leiser.

        Gefällt 2 Personen

      • Das ist wohl wahr. Leider kann ich persönlich nur von Dresden berichten. Über die anderen Orte in unserem Land wird – Gott sei Dank – von anderen Bloggern aus entsprechenden Regionen berichtet, worüber ich immer sehr dankbar bin.

        Wollen wir hoffen, dass wir uns zu Weihnachten wenigstens alle ein wenig erholen können, um Kraft zu sammeln und ausgeruht in ein neues Jahr zu starten – vielleicht auch wieder mit ein wenig neuer Hoffnung.

        In Dresden ist es übrigens bis auf die brennenden Autos recht ruhig geblieben. Ich denke, es ist auch dem Einsatz (Abriegelungen) der Polizei zu verdanken, dass sich nicht linksradikale Kräfte weiter austoben konnten. Ich atmete ganz schön auf, glaub mir.

        Ich wünsche Dir frohe Festtage, lieber Jörg und bedanke mich heute ganz besonders dafür, dass Du ein so treuer Leser bist. Es motiviert mich sehr!

        Viele herzliche Grüße
        Sylvia

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  2. Mich macht es jedes Mal traurig, wenn ich die Schlagzeilen über Dresden lese, immerhin war diese Stadt noch vor kurzem eine sehr wehrhafte Stadt in puncto Naziaufmärschen, aber dann hat sich das Blatt verkehrt .. mir macht das wirklich Sorge! Danke für deinen Bericht!
    liebe Grüße
    Ulli

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