EndJahresWeberin


EndJahresWeberin

Hinwandelnd in den letzten Tagen
des Jahres
webe ich an den Stunden,
wie eine alte Fee,
in der Tasche ist kaum
Bares
und mein Leib ist weiß
wie Schnee

So mutlos versäumte
Fragen,
Geträumtes verloren,
gewonnen,
vieles vergangen in
schmerzlichen Plagen,
in Übermut vieles
zerronnen

Doch Wehmut schmerzt
uns nur,
so web ich lächelnd
die letzten Tage,
es ticken die Zeiger
der Uhr,
hinwandelnd dem
letzten Schlage.

 

©Sylvia Kling

Ich wünsche allen Freunden, Lesern und Leserinnen einen angenehmen Jahreswechsel. Bleibt alle wohlbehalten und gesund. Gleichzeitig möchte ich meinen treuen Lesern und Leserinnen für die Aufmerksamkeit danken. Euer Lob, Eure Anregungen und Eure Gedanken sind mir immer wieder ein Ansporn, diese Seite neben meiner Arbeit so lebendig zu halten. Ich freue mich auch 2016 sehr auf Eure Besuche und einen regen Austausch.

Herzlichst,

Eure Sylvia Kling

Die Zeit (piqs.de ID: a53a4b1efe8b75076930be5274b6964c)

Die Zeit (piqs.de ID: a53a4b1efe8b75076930be5274b6964c)

Zum Foto:

Lizenz:

Lizenz: Creative Commons License

http://piqs.de/fotos/168366.html

Fotograf: winkel
Titel: 5 vor 12

GrünLand


GrünLand

Es gesellt sich ein
mildgrüner Zauber
waldiger Höhen
zur Ruhe
des Horizontes,
singt leise in
der Hörenden Sinn

Ein Kirchturm ragt
in den Himmel,
umworben von
der Krone
Jahrhundertweiser,
umfangen von
des Tages Licht

Eben ist die
türmende Ferne,
so friedvoll
dem Leben erhaben,
lindert das Leid
aller Klagen

Mauerschönheiten,
erschaffen in eiligem Saume
spiegeln sich im
tröstenden Wasser,
es tropft ein
Blick kopfüber
ins Herz erquickend leicht

Ein leiser Friede
löst das Unheil
in unserer Brust,
du Grünland,
so nebelschwer du einst
gelegen,
so hebst du den Schleier
hungrig müder Augen.

©Sylvia Kling

(Aus „AusGeatmet“ – Lyrikband)

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Künzelsau

©Michael Hermann/Landschaft in Künzelsau

Hier der Link zum Künstler Michael Hermann (Bild):
http://www.leerraeume.de/kuenstlerprofil.php?kuenstler=Michael%20Hermann


Das Gedicht wurde eigens für dieses wunderschöne Bild geschrieben. Vielen herzlichen Dank, Michael.
Ein Besuch auf der Seite Michael Hermanns lohnt sich – sowohl von der künstlerischen als auch der sprachlichen Gestaltung her.

Diesen Beitrag veröffentlichte ich bereits vor vielen Monaten schon einmal. Nun bin ich inzwischen begeisterte Leserin der Lyrik Michaels. Da ich auch darauf wert lege, das zwischen Gedichten im Genre unterschieden wird (mancher erinnert sich vielleicht an meinen Beitrag „Was ist Lyrik“), kann ich Lyrikliebhabern die Gedichte Michaels unbedingt ans Herz legen. Mit einer kunstvollen Sprache und bezaubernden Wortkreationen schafft Michael es, der LYRIK einen besonderen Platz einzuräumen. Schaut einfach mal ihm vorbei, es lohnt sich:

https://kunstlyrikhermann.wordpress.com/

Wei(h)n achten den Armen


Der alte Mann lief mit dem Kopf gesenkt

durch leere Straßen, stille Luft,

die Arme vor der Brust verschränkt,

die Kraft in ihm ist längst verpufft

 

Die Frau zu Hause wartet schon,

sie hätte gern ein Festtagsmahl,

vielleicht besucht sie mal der Sohn,

da wird sie stets sentimental

 

Der Weihnachtsmarkt ist jetzt geschlossen,

Mülleimer prachtvoll überquellen,

er sammelt fleißig und entschlossen,

beruhigt  seine Nervenzellen

 

Frierend in kalter DezemberNacht,

in Gedanken an den FesttagsSchmaus,

in seiner weihnachtlichen Pracht

hält er all die Plagen aus

 

Inzwischen putzt die Frau geschwind

die kleine Stube und sie schmückt

mit dem uralten Christuskind,

sie singt dabei entzückt

 

Im Sack des Alten prall geborgen

klingen  Flaschen wanderbeschwingt,

ein wenig kann er fürs Fest nun sorgen

und heiter er „Fröhliche Weihnachten“ singt.

 

©Sylvia Kling

Uwe Richter - siehe Link

Uwe Richter – siehe Link

Lasst uns alle auf den eigentlichen Grund des Festes besinnen.

Solltet Ihr ein klein wenig übrig haben – so mancher Tisch in der Weihnachtszeit benötigt eine kleine Gabe.

So könnte aus dem armen Weihnachten ein reiches werden.

 

Ein friedliches und besinnliches Weihnachtsfest wünscht Euch

 

Sylvia Kling

 

Zum Foto:

Uwe Richter – https://uwerichtersfotoblog.wordpress.com/

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Frau von Gegenüber oder Jeden Tag


Meine Weihnachtsgeschichte für Euch:

"Die Frau von Gegenüber oder Jeden Tag" - ©Sylvia Kling
Zum Hören folgt mir bitte hier entlang:

http://www.sylvia-kling.de/download/die_frau_von_gegenueber_2.ogg

 

Hier befindet sich die Geschichte für die Lesefreudigen:

http://www.sylvia-kling.de/download/die_frau_von_gegenueber_1.pdf

 

Uwe Richter - siehe Link unten

Uwe Richter – siehe Link unten


Zum Foto: Uwe Richter – Fotograf Hier geht es zu Uwes Blog: https://uwerichtersfotoblog.wordpress.com/ Heute möchte ich ergänzen, dass dieses Model mein persönlicher Favorit ist. Diese Frau besticht mit Natürlichkeit, mit einer zauberhaften Mischung von Reife, Melancholie und Wärme. Ich möchte heute Uwe besonders danken, dass er mir diese, auch für ihn bedeutenden Fotografien, zur Verfügung stellt.


Ich wünsche allen Freunden und Lesern ein besinnliches Weihnachtsfest.

Eure Sylvia Kling

ZurückGespürt


ZurückGespürt

Dein Lachen
schlängelt sich
erhaben durch den
dunklen Korridor

Durch die stillen
Zimmer flüstert
noch dein sanfter
Klang

in den Vorhängen
der Fenster
hängt dein Duft
wie SamtDekor

durch das Radio
dringt glühend noch
dein LieblingsGesang

An den Wänden
haften unvergänglich
Deine Lippen im
Korallenrot

In der Küche
liegt längst vergessen,
schimmelnd weiß
dein letztes Brot

Meine Wangen
zieren seidig
zarte Schimmer
von dem letzten LiebesFlug

Meine Tränen
atmen ungehemmt
in deinem Kissen
Bis zu deinem ersten AtemZug.

©Sylvia Kling

Uwe Richter, siehe Link unten

Uwe Richter, siehe Link unten

Dieses Gedicht ist vorgesehen für meinen nächsten Gedichtband „BruchStücke“ – eines jener Gedichte, die ich vor Publizierung des neuen Buches hier oder auf meiner Homepage veröffentliche ;-). Konkret heißt das: Von den geplanten 180 Gedichten werden höchstens 30 vor Veröffentlichung des Buches erscheinen.

Ich danke Uwe für dieses bezaubernde Foto, welches er mir für dieses Gedicht zur Verfügung stellte. Schaut mal auf seinem Blog vorbei – es lohnt sich:

https://uwerichtersfotoblog.wordpress.com/

Dresden (Zweitausendundfünfzehn)


Dresden (Zweitausendundfünfzehn)

Über Dresden
legt sich
ein düsterer Schatten,
von Pillnitz
bis zu den Kasematten

Über Dresden
nun ein Schmutzfilm
liegt,
August sich im
Entsetzen biegt

Dresdens Seele
verzweifelt blutet,
von Schreien
und Flaggen
geflutet

Dresdens Schmerz
im Akutzustand,
sein Zaubertuch
steht schon
in Brand

Dresdens Menschen
scheinen nicht weise
„Warum nur?“,
weint Dresden.
Zu leise.

©Sylvia Kling

Heute erwartet Dresden nichts Gutes. PEGIDA hat gegen den Verbot jeglicher Demonstrationen am heutigen Tage (Verbot erging durch die Stadt Dresden in der vergangenen Woche) eine Eilklage beim Amtsgericht Dresden erhoben. Die Entscheidung wird noch heute mittag erwartet. „Dresden Nazifrei“ ruft zu Kundgebungen auf (stationäre Kundgebungen wurden durch die Stadt für den heutigen Tag nicht verboten). Es haben sich Hooligans und rechte Gruppen für den heutigen Tag angekündigt. Leider sind das heute keine guten Aussichten für Dresden. Hoffen wir, dass ich mich irre!

Dresden ist hilflos. In der Dresdner Neustadt schließen heute viele Geschäfte – aus Angst vor Ausschreitungen (u.a. der „Späti“ in der Görlitzer Straße) und die Geldautomaten in der gesamten Dresdner Neustadt sind nicht zugänglich. Einige Vorkehrungen wurden getroffen.

Angelika Reimer - Autorin

Angelika Reimer – Autorin

 

Diese Stadt kommt nicht einmal vor Weihnachten zur Ruhe. Hier einige Auszüge aus den beiden heutigen Hauptgruppen:

PEGIDA (Facebook) – 21.12.2015

„Entgegen dem Bericht in der „Dresdner Morgenpost“ gehen wir nach wie vor davon aus, wie angemeldet am Schlesischen Platz unseren Spaziergang durch die Neustadt zu beginnen!
Die Klage läuft am Verwaltungsgericht Dresden und sollte sie gegen uns beschieden werden, geht es erst am Oberverwaltungsgericht Bautzen weiter und danach am Bundesverfassungsgericht.

Wir sehen uns also nach jetziger, rechtlicher Einschätzung 18:30 Uhr auf dem Schlesischen Platz vorm Banhof Neustadt und werden einen friedlichen Weihnachtslieder-Spaziergang machen.“

Lutz Bachmann (Facebook)- 21.12.2015

„Entgegen dem Bericht in der „Dresdner Morgenpost“ gehen wir nach wie vor davon aus, wie angemeldet am Schlesischen Platz unseren Spaziergang durch die Neustadt zu beginnen!
Die Klage läuft am Verwaltungsgericht Dresden und sollte sie gegen uns beschieden werden, geht es erst am Oberverwaltungsgericht Bautzen weiter und danach am Bundesverfassungsgericht.

Wir sehen uns also nach jetziger, rechtlicher Einschätzung 18:30 Uhr auf dem Schlesischen Platz vorm Bahnhof Neustadt und werden einen friedlichen Weihnachtslieder-Spaziergang machen.“

„11:55 Uhr +++ Schlesischer Platz sehr wichtig!
Pegida mobilisiert fröhlich weiter zum Schlesischen Platz, obwohl sie ganz klar zum Königsufer beauflagt wurden. Pegidas Mobi zum Bhf Neustadt hat also gar keine Grundlage, sondern stellt eine fortgesetzte Provokation dar!
Die von der Stadt zugelassene Kundgebung am Bhf Neustadt ist eine antifaschistische Kundgebung, die um 18 Uhr beginnt. Es bleibt daher sehr wichtig, dass dieser Punkt heute gut besetzt ist. Pegida hat dort nichts verloren und sollte da auch keinen Platz haben.“

Dresden Nazifrei 21.12.2015:

Guten Morgen! Wir starten diesen denkwürdigen Tag mit passender Musik aus der Neustadt. ( … ) Die genaue Versammlungslage wird sich vermutlich gegen Mittag klären. Seid heute mit uns auf der Straße – genaue Infos folgen noch. Die antifaschistische Kundgebung vor dem Bahnhof Neustadt sei aber jetzt schon einmal hervorgehoben.

Morgen wollen wir mit euch ein starkes Zeichen gegen Rassismus und für Weltoffenheit setzen – auf beiden Seiten der Elbe, symbolisch für ganz Dresden. Wir wollen laut, kreativ und bunt für ein Dresden einstehen, in dem „Weltoffenheit“ mehr ist als nur ein Wort mit 13 Buchstaben. Dazu brauchen wir viele Menschen, die mit uns auf die Straße gehen. Nur: Wo positioniert man sich am besten?

Bis auf Weiteres gilt, dass die Versammlungsbehörde PEGIDA ans Königsufer geschickt hat. Lutz Bachmann hat dagegen eigener Aussage nach Widerspruch eingelegt; dieser wird – so er denn tatsächlich bei Gericht eingegangen ist – am Montag, vermutlich gegen Mittag, beschieden. Zudem haben diverse Hooligan- und Nazistrukturen zu direkten Aufzügen durch die Neustadt aufgerufen. Inwiefern diese Aufrufe mehr sind als nur tumbes Herumgetöne, ist im Moment nicht abzusehen. Insgesamt gilt also, dass die Lage sich gerade am Montag noch kurzfristig ändern kann. Wir informieren euch dann umgehend; behaltet aber in jedem Fall die strategische Gesamtlage im Blick.

Zum einen unsere eigene Veranstaltung auf dem Alaunplatz, der Spielwiese der Neustadt. Dieser Ort ist von hohem symbolischen Wert. Hier wollen wir mit euch – typisch neustädtisch – gechillt und mit guter Musik das Flair der Neustadt mit gewohntem Leben füllen. Von hier aus wollen wir auch klar zeigen: Die Neustadt steht für ein solidarisches Zusammenleben ohne Rassismus.

Der Bahnhof Neustadt, d.h. der Schlesische Platz, ist ein weiterer Anlaufpunkt – und ein sehr wichtiger. Denn Pegida musste nicht nur den Theaterplatz aufgeben, ihnen wurde per Auflagenbescheid auch der Schlesische Platz verwehrt, von wo aus sie sich „die Neustadt holen“ wollten. Stattdessen findet dort eine antifaschistische Kundgebung statt – für eine solidarische Gesellschaft, in der alle Menschen gleichberechtigt sind. Der Bahnhofsvorplatz bildet zudem ein Verkehrstor zur Neustadt. Es werden u. A. Menschen aus Leipzig anreisen, so dass der Bahnhof Neustadt auch als sicherer Ankunfts- und Abfahrtsort von Bedeutung ist. Gemeinsam gilt es, deutlich zu machen, dass der Schlesische Platz weder am 21.12. ein Sammelplatz für Rassist_innen ist, noch je einer werden wird!

Auf dem Theaterplatz ist natürlich auch einiges los und es mobilisieren viele größere Akteuere, u.a. die TU Dresden und Dresden für alle hierhin. Unsere Freunde von Herz statt Hetze haben Pegida an diesem Tag ihren lieb gewordenen Platz genommen und Pegida damit ganz gut aus dem Tritt gebracht. Nun gilt, es die Aktion Theater. Platz. Nehmen. Herz statt Hetze. mit Leben zu füllen. Ein bunter Theaterplatz wird morgen wichtig sein.

Wo auch immer ihr hingeht: Seid laut, seid bunt, seid viele, bildet Bezugsgruppen!“

 

Zum Foto im Beitrag:

http://piqs.de/fotos/188691.html

Fotograf: old girl
Titel: Gewitter

BlumenZauber(in)


BlumenZauber(in)

Diese eine Blume
mag meine Seele beflügeln,
ihre unschuldsanfte Blüte
kann jede Willkür zügeln

Diese eine Blume
haucht mir Leben ein,
sie erfühlt meine Sprache,
ihr Duft spürt mein Sein

Diese ein Blume
löst meine BitterZeiten
(glaubt ihr, es sei die Rose, nein),
Es ist die Lilie, die ohne Eitelkeiten.

©Sylvia Kling

....mit Lilie und Feder....eigentlich ein Test zur Auflösung bei piqs (piqs.de ID: e46e32b50b00ac083f4a0712b64c12dc)

….mit Lilie und Feder….eigentlich ein Test zur Auflösung bei piqs (piqs.de ID: e46e32b50b00ac083f4a0712b64c12dc)

 

Zum Foto:

http://piqs.de/fotos/194715.html

Fotograf: Michi Nordlicht
Titel: Stillleben…

 

Hin- und HerGefühlt


Hin- und HerGefühlt

 

Im stillen Kämmerlein,

auf deiner wachen Brust

will ich mich hin und her

wiegen

 

In deine Ohren

Liebe flüstern,

mit jedem Wimpernschlag

deinen Atem fühlen

 

Mit meinen Händen

deinen Duft in die Nacht tragen,

lauschen dem TropfenFall

vor dem Hause

 

Dem Glockenschlag am Morgen

entgegenklopfen,

im Pulsschlag

des Kommenden.

 

©Sylvia Kling

. Take a class with Dave & Dave Week 12, Assignment #3: 8 Seconds - An eight second exposure. That's your only requirement. 8 seconds. Not 7. Not 9. Eight. (unless your camera can't do an 8 second exposure, in which case your assignment is to do the longest exposure your camera will allow you to do) Photo created with the aid of the flashing orange hazard lights on my car in the dark garage, against a huge black t-shirt that I hung up for a backdrop. Not as pretty as I wanted it to turn out, despite repeated tries. I came up with some other ideas for this assignment that I'll likely go back and try out later just for fun. There's a lot you can do with 8 seconds. (piqs.de ID: 84a559fe0a4a7bc23f25bead6343b82c)

.
Take a class with Dave & Dave
(piqs.de ID: 84a559fe0a4a7bc23f25bead6343b82c)

Zum Foto:

http://piqs.de/fotos/2849.html
Fotograf: Mary
Titel: All you need is

NachtTöne


NachtTöne

Beethoven war verklungen,

vielleicht hätte sie Mozart hören sollen,

Rachmaninow dröhnte letzte Nacht,

da schlich die Schwärze

noch in die Frühe

und reichte ihrer Einsamkeit

die kalte Hand.

 

©Sylvia Kling

 

 

(piqs.de ID: 5a2967e031b0dd6a7f1b96e614fdeee8)

(piqs.de ID: 5a2967e031b0dd6a7f1b96e614fdeee8)

Zum Foto:

http://piqs.de/fotos/173593.html

Some rights reserved.

http://piqs.de/fotos/146777.html

Fotograf: Alyssa L. Miller

Titel: Insomnia

 


 

Hör- und LesBar: „Die alte Frau im Spiegel“


Hör- und LesBar: „Die alte Frau im Spiegel“

Es ist Wochenende und Zeit zum Zurücklehnen für meine Leser_innen ;-). Darum habe ich für Euch heute eine Kurzgeschichte, die ich gestern schrieb. Sie wurde heute bereits lektoriert und ich sprach sie sogleich für Euch aufs Band. Nun hoffe ich, diese parabelähnliche Kurzgeschichte (so ganz ohne Nachdenkstoff geht es ja bei mir nicht) gefällt Euch:

http://www.sylvia-kling.de/download/die_alte_frau_im_spiegel_final_1.ogg

 

Frau in Indien - über 100 Jahre alt (piqs.de ID: 1ba395ba38c030a30ed19dd6a1592d94)

Frau in Indien – über 100 Jahre alt (piqs.de ID: 1ba395ba38c030a30ed19dd6a1592d94)

 

Anmerkung/Einfügung:

Auf Grund einiger Kommentare hier möchte ich nochmals darauf hinweisen, dass ich als Autorin meine Texte (Gedichte wie Geschichten) höchstens mit einem lyrischen oder prosaischen Ich-Anteil gestalte. Haben sie autobiographischen Hintergrund, kann man das mit entsprechender Einordnung erkennen. Im Zweifelsfall bitte auch noch einmal „Über meine Person“ lesen.

Den Text für diejenigen unter Euch, die es gern in Wort und Schrift zum Verinnerlichen und zum Nachspüren haben,  gibt es hier:

Die alte Frau im Spiegel

An einem Morgen vor wenigen Tagen ging ich wie immer taumelig und müde in mein Badezimmer, um mein Gesicht mit eiskaltem Wasser zu erfrischen. Es ist ein Ritual, denn nur so habe ich die Chance, den Kampf gegen den Morgenmuffel in mir zu gewinnen.

Ich trocknete mein Gesicht ab, warf einen kurzen Blick in den Spiegel und erschrak. Im Spiegel sah ich eine Frau, die mir sehr bekannt vorkam. Sie war allerdings einige Jahre älter als ich. Mit aufgerissenen Augen starrte ich in ihr Gesicht und war für einen Moment unfähig, mich zu bewegen.
Doch dann löste sich mein Schock, ich sah kurz weg und schüttelte mich. Offenbar war ich noch nicht munter. Träumte ich vielleicht?

Vor der Badezimmertür sang mein Sohn den Lieblingssong seines Lieblingsrappers. Dies war sein Ritual, den Morgen zu beginnen. Also schlief ich nicht mehr. Niemals würde ich von diesem schrecklichen Lied auch noch träumen.

Ich sah zurück in den Spiegel. Die Frau war immer noch da und sah mir ruhig in die Augen. Sie mochte um die sechzig Jahre alt gewesen sein. Die Haare waren trotz des Alters kräftig, fast noch kohlrabenschwarz und reichten ihr bis zur Schulter. In den Ohren steckten meine weißen Perlenohrringe, die ich jeden Tag trug.
Ihre Augen waren dunkelbraun, so wie die meinen. Sie glänzten ein wenig schelmisch, aber auch weise und liebevoll. Das etwas spitze Kinn war das Kinn meines Vaters, welches ich erbte. Es dauerte einige Sekunden, ehe ich begriff: Diese Frau war ich!

Mitten in meine Gedanken hinein begann sie zu sprechen, langsam, aber nachdrücklich und fest.

„Ich schenke Dir zehn Lebensjahre, wenn Du aufhörst, das scheußliche Kraut zu rauchen.“

Mir schien es so, als hallte ihre Stimme in meinem viel zu kleinen Badezimmer nach. Dann verschwand die alte Frau im Spiegel.

Benommen lief ich in die Küche, nahm meinen Tabak, die Tabakhülsen und feuerte alles entschlossen in den Mülleimer.
Das war eindeutig eine Warnung. Anders konnte es nicht sein. Es war eine Vision. Ich sollte mit dem Rauchen aufhören, damit ich noch zehn Jahre leben konnte.

Den ganzen Tag über dachte ich an nichts anderes, als an die Worte dieser Frau und ihr Erscheinen. Immer wieder lief ich zum Spiegel. Doch ich sah nur mein Spiegelbild und nicht das der älteren Frau. Erleichtert, dass ich offensichtlich noch so aussah wie gestern, versuchte ich, meinen Tag so normal wie möglich zu leben.

Am nächsten Morgen war sie wieder da. Sie sah noch älter aus. Einige Falten durchfurchten ihre Haut. Der Mund wirkte schlaffer, die Augen etwas trüber. Einzelne weiße Haare zogen sich durch das noch schwarze Haar. Es waren Spuren. Spuren, so, als hätte man eine Gabel über ein weißes Tischtuch gezogen.
Wie am Vortag sah sie mich ruhig an. Kerzengerade stand ich vor dem Spiegel. Sie sprach:

„Ich schenke dir weitere zehn Lebensjahre, wenn Du dir täglich zeigst, dass du dich liebst.“

Dann war sie wieder verschwunden. Ich duschte mich, zog mich an, cremte meine Haut liebevoll ein, bürstete mein langes Haar, obwohl ich das hasste, weil es mich schmerzte und kochte mir statt den morgendlichen Kaffee eine Tasse duftenden Wintertees. Ich aß Vollkornbrot mit Honig, zündete mir eine Kerze an und hörte Mozart.
Am Nachmittag wanderte ich eine Stunde lang durch den Wald, atmete tief ein und aus und machte am Abend Yogaübungen.

Am späten Abend fiel ich völlig erschöpft ins Bett und schlief sofort ein.

Als der nächste Morgen begann, schickte ich meinen Morgenmuffel zurück in mein Bett, summte eine fröhliche Melodie und scherzte mit meinem Sohn. Der sah mich an, als sei ich nicht ganz normal.

Beschwingt lief ich zum Bad und lachte in den Spiegel.
Das Lachen erstarb in dem Moment, als ich die alte Frau im Spiegel erblickte. Nun war sie wirklich alt. Ihr Haar war schlohweiß, die Falten noch viel tiefer, die Haut grau und der Mund so schmal, dass er kaum noch erkennbar war. Lange musste ich in ihre Augen sehen, um den alten Glanz der ersten Begegnung wieder erkennen zu können. Irgendwo lag er noch. Bekümmert und traurig sah ich sie an und war den Tränen nahe. Wieso wurde sie jeden Tag älter und dazu noch um so viele Jahre?

Ihr Mund zitterte, als sie mit der brüchigen Stimme einer alten Frau sprach: „Noch einmal zehn Jahre schenke ich Dir, wenn du nie wieder lügst, auch nicht in der Not.“

Als mein Sohn an diesem Tag aus der Schule kam, fragte er mich, ob ich an seine Schulhefte gedacht habe. Ich hatte es vergessen. Gerade wollte ich ihm antworten: „Das Schreibwarengeschäft hatte bereits geschlossen.“ Im letzten Augenblick jedoch besann ich mich. „Max, ich habe es leider vergessen. Während du Hausaufgaben machst, fahre ich gleich los und kaufe die Hefte ein.“
Mein Sohn sah mich erstaunt an, klopfte mir auf die Schulter und meinte salopp und erwachsen: „Mama, das ist doch nicht schlimm, kann ja jedem mal passieren!“

Am Nachmittag rief meine Freundin an. „Vor Monaten sagtest du, du würdest mich anrufen und du hast es nicht getan. Warum?“, fragte sie vorwurfsvoll, aber auch sehr traurig.
Gerade wollte ich antworten: „Oh, meine liebe Susan, ich hatte so viel Stress, weißt du?“ Im letzten Augenblick besann ich mich und sagte: „Ich habe es vergessen. Es tut mir so leid.“
„Das kann ja mal passieren.“, sagte Susan und erzählte mir heitere Neuigkeiten aus ihrer Familie.

Es war der perfekte, ehrliche Tag. Nicht zu lügen war gar nicht schwer.

Zufrieden legte ich mich schlafen. Doch ich schlief schlecht ein. Zu viele ungelogene Gedanken kreisten mir auf einmal durch den Kopf, ließen mir keine Ruhe. Die alte Frau konnte kaum noch älter werden oder doch? Was würde sie am nächsten Tag von mir erwarten? Könnte ich ihre Bedingungen noch erfüllen? Möchte ich das überhaupt?

Der Morgen kam gewiss. Ich summte wieder die fröhliche Melodie vom Vortag und küsste meinen Sohn diesmal beschwingt auf die Wange. „Mama, irgendwas stimmt mir dir neuerdings nicht.“ Er sah mich kopfschüttelnd und ungläubig an und löffelte seine Kornflakes weiter.

Doch irgendetwas war anders an diesem Morgen.Ich öffnete die Badezimmertür etwas vorsichtiger.

Langsam ging ich zu dem Spiegel. Die alte Frau, die ich jetzt sah, konnte mich kaum noch ansehen. Ihr linkes Augenlid hing schlaff nach unten. Die Wangen waren eingefallen. Grobe Falten entstellten ihr Gesicht, unter dem Kinn hing ein loser Fetzen Haut. Das Haar war ausgefallen. Die letzten, feinen Haare waren sorgfältig an die Kopfhaut gekämmt. Müde schloss sie auch ihr rechtes Auge und wollte gerade mit dem Sprechen beginnen, als ich mit meiner Hand behutsam den Spiegel berührte.

Ich flüsterte: „Bevor Du mir eine Bedingung für weitere zehn Lebensjahre stellst, stelle Bedingungen an diese Welt, damit ich diese geschenkten Jahre leben kann. Dann sehen wir uns in dreißig Jahren wieder.

©Sylvia Kling