Mein Wiedersehen mit „Boxi“


Auszüge aus der Danksagung in "AusGeatmet"

Auszüge aus der Danksagung in „AusGeatmet“

Viele haben meinen Beitrag „Aufregung um Boxi“ gelesen (https://sckling.wordpress.com/2015/10/09/aufregung-um-boxi/).

Vorige Woche hielt ich mich in Dresden auf, um einige Wege zu erledigen. Spontan entschloss ich mich, bei „Boxi“ vorbeizufahren.

Einige Minuten saß ich im Auto und überlegte. Mit zittrigen Händen schrieb ich: „Für Frau Boxberger – in Erinnerung an eine unvergessene Zeit – Herzlichst, Ihre Sylvia Kling, Oktober 2015“ in das Buch. Mein Atem ging heftig und ich fühlte mich wie vor einer Prüfung.

Das Buch in ein Luftpolsterkuvert sorgsam gepackt , beschriftete ich es (für den Fall, sie wäre nicht zu Hause gewesen), atmete mehrfach tief durch und versuchte, mich zu konzentrieren. Kennt Ihr das Gefühl: Man ist erwachsen, hat fast fünf Jahrzehnte Lebenszeit hinter sich und fühlt sich wie ein kleines Kind, welches einer Respektperson begegnet?

Bevor ich es mir anders überlegte, betätigte ich schnell den Klingelknopf. Schüchtern wartete ich vor dem Tor. Man geht ja nicht einfach so in ein Grundstück hinein. Ich war so unglaublich aufgeregt. Was würde mich erwarten? Alle Möglichkeiten spielte ich in meinem Kopf durch. Es war wie ein Film im Schnelldurchlauf. Mich beschlich auch die Angst davor, dass es „meine Boxi“ nicht mehr geben könnte, dass ich einfach zu spät kommen würde.

Die Eingangstür des Einfamilienhauses lag an der Hofeinfahrt. Es vergingen nur wenige Sekunden, die mir wie eine Ewigkeit erschienen. Dann sah ich ihr Gesicht und erkannte sie sofort. Herzflatternd betrat ich den Hof.

Etwas mißtrauisch sah sie mich an. Nun fasste ich meinen Mut zusammen:

„Hallo, Frau Boxberger, ich bin Sylvia Kling. Erinnern sie sich an mich?“

Ihr Gesicht hellte sich sofort auf. „Natürlich erinnere ich mich an Sie!“, sagte sie mit einem Ton, der anklingen ließ, wie ich daran hätte zweifeln können. Ich ging näher zur Tür. Sie lächelte und sagte: „Haben Sie mir ein gedrucktes Werk mitgebracht?“

Verdutzt sah ich sie an. „Ja, ich möchte Ihnen mein erstes Buch schenken.“

Wieder lächelte sie. „Das ist ja schön!“ Ich erklärte ihr ein wenig, welchen Inhalt das Buch hat und dass ich es im Eigenverlag publizierte.

„Kommen Sie doch hinein!“ Ein wenig zierte ich mich und sagte: „Ich möchte Sie aber nicht überfallen.“ Sie winkte ab und sie führte mich in ihr „Oma-Enkel-Zimmer“, wie sie es scherzend nannte.

Die blitzblanke, mit DDR-Bootslack überzogenen Treppenstufen stieg ich in das Obergeschoß ihres Hauses und betrat ein kleines Arbeitszimmer mit einem großen Bücherregal, auf welchem natürlich sofort mein Blick haften blieb.

„Boxi“ war noch immer eine schöne Frau. Die Haare waren natürlich nicht mehr blond, sondern grau. Doch immer noch trug sie die naturgelockten Haare in Schulterlänge, was mir ohnehin bei älteren, gepflegten Frauen sehr gut gefällt. Auch an ihrer schlanken, weiblichen Figur hatte sich kaum etwas verändert. Sie erzählte mir, dass sie drei Mal wöchentlich zum Sport geht. Das ist doch bewundernswert. Immerhin ist sie ca. 75 Jahre alt.

Stellt Euch vor: Stocksteif und unter immenser Anspannung saß ich auf dem Stuhl. Ich konnte mich einfach noch nicht fallenlassen und wusste nicht, woran es lag. Erst nach dreißig Minuten blühte ich etwas auf. Wenn sie sprach, sah ich in diese meeresblauen Augen, die ich als kleines Mädchen schon so sehr mochte und die noch immer mit so viel Leben und nun mit Weisheit, gefüllt waren, dass ich nicht aufhören konnte, sie fasziniert zu betrachten.

Anfangs sprachen wir über die aktuelle, politische Situation. Auch sie war entsetzt über die Entwicklung in unserem Land und die nationalsozialistischen Tendenzen in Sachsen.

Ihre Stimme ist, so wie früher, ruhig und fast dialektfrei, beinahe vornehm. „Ich hatte ihnen damals in Ihr Poesiealbum geschrieben: ‚Für die zukünftige Autorin‘ – das weiß ich noch sehr genau. Haben Sie das Poesiealbum noch?“

Mein Kopf glühte. Ich konnte aus der Scheidung meiner Eltern (zu diesem Zeitpunkt war ich 17 Jahre alt) und den vielen Umzügen vieles retten. Aber an das Poesiealbum erinnerte ich mich nicht mehr. Einige Fragmente kamen erst Tage später. Kennt Ihr noch diese Alben? An meinen ersten Eintrag eines Klassenkameraden konnte ich mich vor einigen Tagen erinnern:

„Rosen, Tulpen, Nelken, alle Blumen welken, nur die eine nicht und die heißt Vergißmeinnicht“ oder an die eines Klassenkameraden, der mich in der fünften Klasse bereits nicht leiden konnte: „Du bist schön wie eine Rose, wenn ich dich seh, rutscht mir die Hose.“ Ja, das waren eben Zeiten. Da hatte die Abneigung harmlose Auswirkungen.

Als „Boxi“ ihre damalige Eintragung wiedergab, schluckte ich und merkte, wie ich meine Tränen, die vor Berührung hervorzutreten versuchten, zurückhielt. Ein klein wenig bemerkte ich ihre Enttäuschung, dass ich das Poesiealbum nicht mehr besaß.

Sie erzählte einiges aus ihrem Leben und so vergingen über 45 Minuten. Nach einer kleinen Pause sagte sie:

„Die ganzen Jahre habe ich immer auf sie gewartet. Ich dachte: Wo bleibt sie nur? Sie muss doch aus ihrem Talent etwas gemacht haben? Immer wieder schaute ich, ob ein Buch von Ihnen veröffentlicht wurde. Und heute sind sie da.“

Glaubt mir, wenn ich eine Neigung zu schnellen Tränen hätte, so hätte ich losgeheult und wäre ihr um den Hals gefallen. Aber ich bin eine recht kontrollierte Person, die im Alltag negative wie positive Regungen sehr gut unterdrücken kann. Ich bemerkte nur, wie sich mein Kopf sehr heiß anfühlte.

In diesem Moment wurde mir bewusst: In frühen Jahren war ich vielleicht gar nicht so klein, so klein wie ein Kieselstein, ein „Irgendetwas“. Ich hatte in dieser wundervollen Frau Spuren hinterlassen.

Als wir uns verabschiedeten, fiel die Abspannung von mir ab. Erst am Abend, als ich im Bett lag, liefen die Erlebnisse wieder wie ein Film in mir ab – diesmal in Zeitlupe.

Ich wollte nichts versäumen, kein Wort.

Sie hat auf mich gewartet. Sie hat es gewusst. Sie hat mich nicht vergessen. Der „blonde Engel meiner Kindheit“ lebt und ist recht guter Dinge.

Noch heute zehre ich von dieser Begegnung und ich weiß, nie werde ich sie vergessen.

Ich bin der glücklichste Mensch auf der Welt!

 

Eure Sylvia Kling

 

 

„Boxi“ und ich mögen die russische Literatur . 😉

 

 

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71 Gedanken zu „Mein Wiedersehen mit „Boxi“

  1. Liebe Frau Kling,

    besagte Frau Boxberger ist meine Oma und für mich die beste Oma der Welt. Als ich meine Grüßeltern an den Weihnachtsfeiertagen nach langer Zeit wieder einmal besuchte (ich studiere im Ausland), erzählte sie mir auch von Ihrem Besuch und zeigte meinen Eltern und mir das Buch. Sie war schon eifrig dabei zu überlegen, welche Gedanken sie Ihnen dazu übermitteln sollte. Ihr Besuch hatte Eindruck hinterlassen!

    Viele Grüße und vor allem weiterhin Erfolg beim Schreiben!

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    • Liebe Thekla,
      vielen herzlichen Dank für Ihren Kommentar, über den ich mich sehr gefreut habe. Sie haben eine großartige Oma, die ich sehr bewundere. Mich hat sie noch weit über meine Schulzeit hinweg, ja tatsächlich bis heute, geprägt.
      Bei meinem Besuch hat Ihre Oma auch von Ihnen ganz stolz berichtet.

      Ich freue mich schon sehr darauf, Ihre Oma wiederzusehen.

      Ihnen, liebe Thekla, wünsche ich eine schöne Zeit in meiner 2. Heimat und viel Erfolg bei Ihrem Studium.

      Herzliche Grüße
      Sylvia

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  2. Sie hat dein Leben „verfolgt“ ohne dass du etwas davon ahntest und immer schon an dich geglaubt – ich glaube, dass ist ein vollkommenes Kompliment an dich und deine Person. So schön, dass nicht nur dein Wunsch, sie wiederzusehen, in Erfüllung gegangen ist, sondern auch ihrer, dass du dich bei ihr meldest. Einfach schön!

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  3. So toll. Danke für die geteilten Emotionen. Menschen, die unser Leben prägen sind so wichtig. Menschen, die an uns glauben, auch wenn wir Ecken und Kanten haben. Menschen, die uns auch nicht vergessen, wenn wir aus dem Sichtfeld verschwunden sind.
    Schön, dass du dich getraut hast – ich hätte es wahrscheinlich nicht. Hätte trotz innerlicher Umweltschutzüberzeugung den halben Tank leer gefahren, weil ich immer um den Block gegurkt wäre und hätte das Buch (das ich ja eh nicht schreiben werde) in den Briefkasten geworfen.
    Dann wäre ich nach Hause gefahren und hätte mich in den Allerwertesten beissen wollen, was auf Grund nicht vorhandener Gelenkigkeit nicht funktioniert hätte.

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    • Du hättest es wirklich nicht gewagt? Das kann ich gar nicht glauben. Mein Wunsch, ihr dieses erste Buch zu schenken und vorallem sie wiederzusehen, war so stark, dass ich all meine Ängste und Zweifel erfolgreich verbannen konnte. Vielleicht ahnte ich ja – irgendwo, tief in mir drin: Sie hat mich nie vergessen. Seltsame Kinder merkt man sich ja und ich war mit der Note 1 im Fach Literatur die ganzen Jahre über dabei.
      Dass sie die Jahre regelrecht auf ein Zeichen wartete, hätte ich mir natürlich nie zu träumen gewagt.
      Es war so bezaubernd, so umwerfend!

      Herzliche Grüße
      Sylvia

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  4. Oh liebe Sylvia, das ist eine schöne und anrührende Geschichte. Mir stehen die Tränchen in den Augen.
    Toll, dass du den Mut hattest, zu klingeln, sonst hättest du eine schöne Begegnung versäumt.
    Kann mir gut vorstellen, dass du das nicht mehr vergisst.

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  5. Liebe Sylvi,

    das mit den Kommentieren funktioniert nicht, da muß ich mich doch überall anmelden und das will ich doch nicht.

    Die wollen doch alles von einem wissen.

     

    LG und dickes Kussi

     

    Gesendet: Freitag, 30. Oktober 2015 um 14:25 Uhr Von: "Sylvia Kling – Literatur" <comment-reply@wordpress.com> An: a.lare@gmx.de Betreff: [Neuer Beitrag] Mein Wiedersehen mit “Boxi”

    Sylvia Kling veröffentlichte:" Viele haben meinen Beitrag "Aufregung um Boxi" gelesen (https://sckling.wordpress.com/2015/10/09/aufregung-um-boxi/). Vorige Woche hielt ich mich in Dresden auf, um einige Wege zu erledigen. Spontan entschloss ich mich, bei "Boxi" vorbeizufahren. Ein"

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    Viele haben meinen Beitrag "Aufregung um Boxi" gelesen (https://sckling.wordpress.com/2015/10/09/aufregung-um-boxi/).

    Vorige Woche hielt ich mich in Dresden auf, um einige Wege zu erledigen. Spontan entschloss ich mich, bei "Boxi" vorbeizufahren.

    Einige Minuten saß ich im Auto und überlegte. Mit zittrigen Händen schrieb ich: "Für Frau Boxberger – in Erinnerung an eine unvergessene Zeit – Herzlichst, Ihre Sylvia Kling, Oktober 2015" in das Buch. Mein Atem ging heftig und ich fühlte mich wie vor einer Prüfung.

    Das Buch in ein Luftpolsterkuvert sorgsam gepackt , beschriftete ich es (für den Fall, sie wäre nicht zu Hause gewesen), atmete mehrfach tief durch und versuchte, mich zu konzentrieren. Kennt Ihr das Gefühl: Man ist erwachsen, hat fast fünf Jahrzehnte Lebenszeit hinter sich und fühlt sich wie ein kleines Kind, welches einer Respektperson begegnet?

    Bevor ich es mir anders überlegte, betätigte ich schnell den Klingelknopf. Schüchtern wartete ich vor dem Tor. Man geht ja nicht einfach so in ein Grundstück hinein. Ich war so unglaublich aufgeregt. Was würde mich erwarten? Alle Möglichkeiten spielte ich in meinem Kopf durch. Es war wie ein Film im Schnelldurchlauf. Mich beschlich auch die Angst davor, dass es "meine Boxi" nicht mehr geben könnte, dass ich einfach zu spät kommen würde.

    Die Eingangstür des Einfamilienhauses lag an der Hofeinfahrt. Es vergingen nur wenige Sekunden, die mir wie eine Ewigkeit erschienen. Dann sah ich ihr Gesicht und erkannte sie sofort. Herzflatternd betrat ich den Hof.

    Etwas mißtrauisch sah sie mich an. Nun fasste ich meinen Mut zusammen:

    "Hallo, Frau Boxberger, ich bin Sylvia Kling. Erinnern sie sich an mich?"

    Ihr Gesicht hellte sich sofort auf. "Natürlich erinnere ich mich an Sie!", sagte sie mit einem Ton, der anklingen ließ, wie ich daran hätte zweifeln können. Ich ging näher zur Tür. Sie lächelte und sagte: "Haben Sie mir ein gedrucktes Werk mitgebracht?"

    Verdutzt sah ich sie an. "Ja, ich möchte Ihnen mein erstes Buch schenken."

    Wieder lächelte sie. "Das ist ja schön!" Ich erklärte ihr ein wenig, welchen Inhalt das Buch hat und dass ich es im Eigenverlag publizierte.

    "Kommen Sie doch hinein!" Ein wenig zierte ich mich und sagte: "Ich möchte Sie aber nicht überfallen." Sie winkte ab und sie führte mich in ihr "Oma-Enkel-Zimmer", wie sie es scherzend nannte.

    Die blitzblanke, mit DDR-Bootslack überzogenen Treppenstufen stieg ich in das Obergeschoß ihres Hauses und betrat ein kleines Arbeitszimmer mit einem großen Bücherregal, auf welchem natürlich sofort mein Blick haften blieb.

    "Boxi" war noch immer eine schöne Frau. Die Haare waren natürlich nicht mehr blond, sondern grau. Doch immer noch trug sie die naturgelockten Haare in Schulterlänge, was mir ohnehin bei älteren, gepflegten Frauen sehr gut gefällt. Auch an ihrer schlanken, weiblichen Figur hatte sich kaum etwas verändert. Sie erzählte mir, dass sie drei Mal wöchentlich zum Sport geht. Das ist doch bewundernswert. Immerhin ist sie ca. 75 Jahre alt.

    Stellt Euch vor: Stocksteif und unter immenser Anspannung saß ich auf dem Stuhl. Ich konnte mich einfach noch nicht fallenlassen und wusste nicht, woran es lag. Erst nach dreißig Minuten blühte ich etwas auf. Wenn sie sprach, sah ich in diese meeresblauen Augen, die ich als kleines Mädchen schon so sehr mochte und die noch immer mit so viel Leben und nun mit Weisheit, gefüllt waren, dass ich nicht aufhören konnte, sie fasziniert zu betrachten.

    Anfangs sprachen wir über die aktuelle, politische Situation. Auch sie war entsetzt über die Entwicklung in unserem Land und die nationalsozialistischen Tendenzen in Sachsen.

    Ihre Stimme ist, so wie früher, ruhig und fast dialektfrei, beinahe vornehm. "Ich hatte ihnen damals

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  6. Liebe Sylvia,
    ich freue mich aus tiefstem Herzen für Dich, dass Du das erleben durftest – eigentlich, dass Ihr beide das erleben durftet.
    In den letzten 3 Tagen hatte ich einige solcher Erlebnisse – nicht jedes so intensiv wie Deins, aber ich möchte keines missen und kann gut nachfühlen, wie es Dir ging.
    Und danke nochmals, dass Du mit Deiner Ankündigung von Boxi den Anstoß für meine eigenen Wiederbegegnungen gegeben hast.
    Liebe Grüße
    Belana Hermine

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  7. Hallo,
    ich wußte doch, dass ich den relevanten Vorgang irgendwo und -wann in meinem BLOG festgehalten hatte:
    *
    http://pacht45.blog.de/2009/12/02/01-12-09-erstes-gedicht-53-jahren-archiv-pacht-7486434/

    Interessant dabei ist auch der e r s t e Kommentar dazu.
    *
    ÜBRIGENS mit heutiger Post bekam ich die endgültige Bestätigung, dass ich erneut als M i t a u t o r ,
    nunmehr im Band XVIII der BIBLIOTHEK deutschsprachiger GEDICHTE mit meinem Gedicht
    “ Verträumte Stunde “ aufgenommen wurde. Dazu dann mal mehr in meinem Blog, wenn ich das Buch in den Händen habe.
    *
    Ein schönes Wochenende wünsche ich aus meinem
    http://www.pacht45.blog.de “ – LABOR
    P a c h T

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  8. Ich finde es schön, wenn man nach so langer Zeit noch Bindung zu seiner Vergangenheit hat und diese auch aufleben lassen kann. Deine Lehrerein war wohl noch „vom alten Schlag“, denn heute gibt es nur noch in Ausnahmefällen Lehrer, die sich um das Wohl der einzelnen Kinder kümmern möchten oder können. Übrigens – hast Du zufällig auch eine Lesung im Raum Paderborn? Liebe Grüße Rita

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      • Ja, waren es … Und mir fiel ein, dass ich meine Grundschullehrerin, die mein Talent für Aufsätze enorm gefördert hatte, auch mal besucht hatte. Da war ich aber lediglich erst auf der weiter führenden Schule. Und am Ende hat sie mir mein Gefühl der Bewunderung nicht wiedergegeben. Das war alles bei ihr „nur“ Professionalität. Aber ist auch alles ein anderer Menschenschlag, wo ich herkomme …

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      • Das bedaure ich sehr. Ich muss sagen, dass „Boxi“ auch kein hochemotionaler Mensch ist. Auch sie spricht sehr gewählt und lässt dabei nicht unbedingt Emotionen erkennen. Bei ihr ist es eher so, dass die Worte, die sie spricht, sehr viel Gewicht haben und dadurch natürlich eine Kraft entsteht, die sehr berührend ist und in dem Anderen lange anzuhalten vermag. Vielleicht liegt sie mir so, da ich inzwischen ähnlich bin. Ich zeige „in Natura“ wenig Emotionen, rede nicht sehr viel und überlege mir eher, was ich sage.
        Kann es vielleicht …nur eine Anregung oder Möglichkeit … sein, dass es bei Deiner Lehrerin auch so war?
        Dazu kommt, dass diese Generation Kriegskinder waren und früh lernten, Emotionalität zu unterdrücken.

        Ganz liebe Grüße
        Sylvia

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      • Du schriebst: „Kann es vielleicht …nur eine Anregung oder Möglichkeit … sein, dass es bei Deiner Lehrerin auch so war?“
        Nein, sie war älter als Deine Lehrerin. Ich war zu jung, um mich zu fragen, was sie zwischen 1933 und 1945 gemacht hat, aber abgesehen davon war sie beliebt, von Schülern und Eltern gleichermaßen respektiert, und eine Vollblutpädagogin. Während der Schulzeit war ich schon so etwas wie ein Lieblingskind von ihr, aber auch weil ich brav und sehr lernwillig war. Ich möchte da jetzt auch nicht weiter in Erinnerungen graben, es tat nur einfach weh, dass ich, als ich älter war, aus ihrem „Raster“ gefallen war. Eine Möglichkeit, ihr noch mal zu begegnen gibt es übrigens nicht mehr. Sie ist gestorben.

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    • Das freut mich, Amy 💜.
      So ist jeder anders, aber ich würde lieber mal weinen können. Tränen reinigen.
      „Boxi“ ist toll, noch immer 💜💛💚und ich hoffe, sie wiederzusehen, vielleicht bei einer Lesung oder meinem nächsten Buch.
      Herzliche Grüße
      Sylvia

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    • Ja, solche „Lehrer-Schüler-Verhältnisse“ könnten durchaus belebend sein, doch leider sind sie nur noch selten zu finden, was nicht nur an den Lehrern liegt. Wer diesen Beruf ergreift, hat meist noch Visionen. Die äußeren gesellschaflichen Umstände und der Druck, der auf die Lehrer ausgeübt wird, ist enorm und behindert ihre Arbeit.

      Ich danke Dir sehr für Deine lieben Worte und sende Dir herzliche Grüße!

      Sylvia

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  9. Liebe Sylvia,
    das ist eine ganz berührende Geschichte und ich freue mich so mit Dir, dass Du dieses Treffen hattest. Es gibt leider nur noch wenige dieser Lehrer/innen, die ihre Schüler bestärken, sich wirklich für sie interessieren. Und genau das sollte es doch sein, was ihre Arbeit mit Kindern ausmacht. Schade, dass sich dieses Lehrer/Schüler- Verhältnis in den letzten Jahren so abgekühlt hat. Aber es ist ein Zeichen unserer Zeit, es gibt keinen Respekt mehr. Und das meine ich beiderseits. Ich habe an der Schule meiner Kinder auch erlebt, dass die Lehrer nur noch ihren Job machen, vor allem die etwas „wilderen“ Jungs hatten es schwer, sie wurden nur beschimpft, jegliche Kreativität oder auch kindliches Ausprobieren wurde im Keim erstickt. Hier verschenkt unsere Gesellschaft ein enormes Potential, und das rächt sich. Toll, dass sich Deine Boxi nicht geirrt hat und Du Deinen Weg gemacht hast. Du hast Dich durchgeBox(i)t!

    Hab einen schönen Tag und sei lieb gegrüßt von
    Katrin

    Gefällt 2 Personen

    • Ach, meine liebe Berliner Katrin,

      das hast Du wieder so wunderbar geschrieben (das: „durchgeBox-i-t“ könnte doch glatt von mir sein 🙂 ) und leider ist es wahr, dass solche Lehrer-Schüler-Verhältnisse nur noch sehr selten zu finden sind. Den Lehrern wird es aber oft auch schwer gemacht, ihren Beruf als BERUFUNG auszuüben (siehe mein Gedicht im Band: „Lehrer an Schüler“). So wird ein solch inniges Verhältnis von vornherein schon unterbunden. Denn nur, wenn jemand seinen Beruf auch als eine Berufung ansieht, kann mit Tiefe erfahren.
      Das ist ein sehr weitreichendes Thema.

      Ich danke Dir sehr für Deine Zeilen und umarme Dich!

      Deine sächsische Sylvia ;.-)

      Gefällt mir

    • Ja, das hat sie. Ich arbeite weiter an mir, denn täglich gibt es etwas Neues zu lernen und zu erfahren und immer wieder heißt es, an sich und an der Qualität der Texte zu arbeiten.
      Sie ist eine wunderbare Frau, die sehr vieles im Leben verstanden hat.

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  10. An Deinem Beispiel erkennt man, wie wichtig ein Lehrer sein kann…..es wäre wunderbar, wenn sich alle dessen bewusst wären. Du hattest das Glück, eine wirklich gute gehabt zu haben !! Ich freue mich für Dich, es erscheint fast so, als hätte sich ein Kreis in Deinem Leben geschlossen! Liebe Grüße, Ann

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    • Da stimme ich Dir zu. Mein „Kurzer“ (12) hat eine solche Deutschlehrerin (leider geht sie im Dezember in Schwangerschaftsurlaub) und ist einer der besten Schüler in diesem Fach. Ein guter Lehrer ist sehr viel wert. Auf unseren Dorfschulen tickt auch die Uhr noch etwas anders und dies ist einer der großen Vorteile des Lebens auf dem Land.

      Mein Kreis schließt sich tatsächlich langsam :-).
      Ich danke Dir sehr herzlich für Deine lieben Worte und grüße Dich

      Sylvia

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      • Gern geschehen und ich freue mich so sehr für Dich, weil man spüren kann, wie wichtig es Dir war !
        PS: Ich würde meiner früheren Englischleherin gerne einmal wiedersehen, da sie sehr abschätzend meinte, ich würde die Sprache nie lernen (und inzwischen träume ich auf englisch, wie sich bei einer OP herausstellte;-) Aber das ist ein gaaaaanz anderer Grund. Ganz liebe Grüße zurück, Ann

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      • Dankeschön 🙂
        Jetzt hast Du Kopfkino in mir in Gang gesetzt:
        Du triffst die ehemalige Englischlehrerin und redest englisch auf sie ein und zwar so, dass sie völlig überfordert ist und dumm aus der Wäsche guckt.
        DAS Bild würde ich zu gerne sehen! 🙂

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      • Genau. Ich bin mir inzwischen sicher, dass ihr Niveau niemals mit meinem vergleichbar sein kann.
        Ich wollte es nur als Beispiel nennen, dass man sich auch an negative Dinge erinnern kann 😉 Aber Deine Erfahrung ist um so vieles schöner !!!!!

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      • Solche negativen Erfahrungen haben sicher viele Menschen :-(. Ich hatte fast nur tolle Lehrer (bis auf die Klassenleiterin, aber die war mir egal). Dafür waren die Kinder nicht gut.

        Sogar meine Sportlehrerin war eine absolut tolle Frau. In meinem Beitrag vergaß ich zu erwähnen, dass Boxi sich bald mit ihr trifft. Die Sportlehrerin unterstützte mich, wo es ging, obwohl ich die Unsportlichste in der Klasse war (übergewichtig). Normalerweise mögen Sportlehrer diese Kinder nicht so. Sie ließ mich im Handball meine Zensuren aufbessern, damit ich auf der „3“ blieb. Später traf ich sie vor einer Sauna. Ich sprach sie an und sie war völlig überrascht und fragte mich, ob ich nichts mehr zu essen bekäme. „Jetzt bist du so dünn und ich dick, so kann sich alles ändern.“ Dabei lachte sie herzlich und umarmte mich.

        Ich mag es, wenn Menschen einfach MENSCHEN sind und bleiben – unabhängig vom Beruf und verschiedener Entwicklungen.

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