Heim(lich)


Sie sitzt am Fenster

im Zimmer siebzehn,

draußen stehen

grüne BaumArmeen

 

Sie hebt die Finger,

berührt das Glas,

die SilberklarWolken,

das saftige Gras

 

Zwischen den Bäumen

spielen Kinder Ball,

ihr Ohr hängt am Fenster,

sie vernimmt nur den Schall

 

Ein Junge spielt

mit dem Vater Fangen,

ihr Mund küsst die Scheibe,

nur nicht seine Wangen

 

Ein wenig Geist

die Frau entzündet,

die Erinnerungen ihr

ein Leben verkündet

 

Wehmütig zieht sie

aus ihrer Bibel ein Bild,

das Foto der Tochter,

es stimmt sie mild

 

Sie horcht zur Tür,

ob ein Klopfen ertönt

Wie immer auf dem Gang

nur das Alter stöhnt.

 

©Sylvia Kling

 

(piqs.de ID: ac9f086da0ab615005d31c7e13f8f1c1)

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Fotograf: kk+

Titel: Ricky

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38 Gedanken zu „Heim(lich)

  1. Zeilen, die mich sehr nachdenklich stimmen. Und traurig machen. Zeilen, die einem das Altern wieder bewusster werden lassen. Oft verdrängen wir die Tatsache, dass wir alle altern und das Leben endlich ist. Wir melden uns bei unseren Mitmenschen und Lieben wegen fehlender Zeit oder sonstigen Ausreden nicht heute, sondern morgen. Und morgen ist übermorgen und dann ein Jahr. Ein Gedicht, dass mich verinnerlichen lässt, Beziehungen zu pflegen, den Lieben Zeit zu widmen und daran zu denken, dass keiner von uns einsam sein möchte. Danke!

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    • Es freut mich, dass es Dich zu erinnern vermag, denn Du hast wahre Worte dazu geschrieben.
      Gut ist, wenn wir immer wieder, auch im fortlaufenden, an uns zehrenden Alltag, reflektieren und uns dessen bewußt werden, dass unser Leben nicht endlich ist.

      Vielen herzlichen Dank für Deine Worte und liebe Grüße
      Sylvia

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  2. Warten auf die Kinder, die immer Kinder bleiben, stelle ich mir schrecklich vor. Das Gefühl, vergessen zu sein, obwohl man sein ganzes Leben für eben die Menschen da war, die jetzt keine Zeit mehr für jemanden finden. Es gibt kein „Schwarz-Weiss“ beim Thema Pflegeheime. Manche Menschen sind dort besser versorgt und betreut als bei ihren Nachkommen, die arbeiten müssen (oder wollen). Aber die Zeit, seine Eltern zu besuchen, hat fast jeder, der selbst mobil ist.

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    • Ich stelle mir das auch schrecklich vor und hoffe, nicht in eine solche Situation zu kommen. Das Schlimme ist: Auch wenn manche alten Leutchen ihre Kinder in Liebe erzogen hatten und ihnen alles Wichtige beibrachten, sind sie oft im Alter einsam.
      Das Vergessen in vielen Menschen (nicht nur in den alten …) ist leider stark ausgeprägt.
      Da ist der Alltag und das eigene Leben primär. Ich hörte mal von einer Frau: „Meine Mutter bekommt sowieso nicht mehr viel mit, sie ist dement. Da muss ich nicht oft hingehen.“ Ist das nicht schlimm?
      Meine Tante war schwer alzheimerkrank und wurde bereits künstlich ernährt, lag als Pflegefall im Bett. Doch wenn mein Onkel den Raum betrat und sie ansprach, lachte sie wie ein kleines Kind.
      Als ich nach vielen Jahren meine Tante besuchen wollte (und nicht wusste, dass sie so krank war), trat ich an ihr Bett und beugte mich ein wenig nach vorn. Ich sagte: „Ich bin es, Sylvia, die Tochter deines Bruders F.“.
      Sie sah mich an, hob die Hand und berührte mein langes Haar. Ein kleines Lächeln huschte über ihr Gesicht.
      Wenn es auch schnell wieder erlosch, so war für mich deutlich erkennbar, dass ein kurzes Gefühl des Erinnerns in ihr brannte.
      Da soll einer sagen, diese Menschen bekämen nichts mehr mit? Weit gefehlt!

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      • 100% Recht hast du. Wer sagt uns, was Menschen mitbekommen, nur weil sie nichtmehr in unsere Gedankenwelt unterwegs sind?
        Es ist sicher anstrengend, die „wunderlichen“ Menschen zu besuchen, zu versuchen, sich in ihre Welt hineinzubegeben. Aber „die Liebe die du gibst bekommst du auch“, wie die Beatles schon gesungen haben.

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  3. Hallo Sylvia,

    in sehr eindrucksvollen Bildern schilderst Du in Deinem Gedicht die Lebenswelt vieler alter Menschen. Es könnte und müßte vielfach besser sein. Ich habe nicht nur als Sozialarbeiter, sondern auch in der Pflege gearbeitet, zunächst als Eurojobber und später auch als Pflegehelfer. Grauenhaft ist das Pflegen nach Stoppuhr; Zeiten für Verrichtungen in der Pflege, die die Kassen vorgeben; da ist nicht einmal Zeit für ein Kurzgespräch zwischen Pflegendem und „Versorgtem“. – Eine Einweisungin die Arbeit, wie ich sie einmal erhalten habe: “ Zuerst gehst Du ins Zimmer x und holst Frau x aus dem Bett, ziehst ihr das Nachthemd aus, setzt sie ans Waschbecken mit warmem Wasser und drückst ihr einen Waschlappen in die Hand. – Dann gehst Du ins Zimmer y; da ist mehr zu tun; Du wäschst Frau y im Bett: Also Decke runter, neue Unterlage Inkontinenzsachen entsorgen…. Um zehn Uhr müssen alle sieben Damen gewaschen beim Frühstück sein.“ So viel zu mancher Pflege… Und dann ist da sehr viel tickende Zeit für die alten Menschen, nicht aber für das Personal, das ja dokumentieren muß etc….
    Ich habe mehrfach von Pflegern gehört: „Bevor ich ins Heim gehe, bringe ich mich um.“
    Nicht ohne Grund war ich in den letzten Jahren auf der Suche nach einem alters- und Hartz IV gerechten Wohnsitz für meine Wenigkeit. Jetzt habe ich eine wirklich schöne Wohnung in Marsberg gefunden, wo ich selbst im Rollstuhl alt werden könnte; wobei ich hoffe, rüstig zu bleiben.

    Liebe Grüße,
    Frank

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    • Lieber Frank,

      das alles klingt schrecklich. Da können wir alle nur hoffen, nicht in die Lage zu kommen, in solch einer Einrichtung dahinzusiechen – anders kann man es ja nicht nennen.
      😦

      Danke für Deinen weiterhin aufklärenden Kommentar (ich bin noch immer etwas benommen davon – das nimmt mich sehr mit).

      Herzlichst
      Sylvia

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  4. Füg‘ nichts hinzu,
    lass‘ nichts entschwinden,
    muss alles so sein,
    wie es erschuf – Dein Empfinden!
    Deine Worte still berühren,
    dringen ein durch offene Türen,
    Fenster, Ritzen, sogar durchs Mauerwerk,
    erinnern uns an all die Stunden,
    die uns fordern – unser Herz!
    YDu

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    • Immer wieder ein Genuss
      Dein wahrer WortErguss
      In mir leicht erKlingT
      mich blumig süß umringt
      So bleib ich lieblich gerührt
      es Freude in mir schürt
      Der Tag ist herbstlich kühl
      doch nicht so mein Gefühl
      An diesem gesponnenen Faden
      will gern ich mich erlaben.
      😊

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      • So danke ich Dir für diesen süßen Klang, der Deiner holden Feder grad entsprang!
        Der „Lümmel“ verneigt sich tief ,
        schwenkt eifrig seinen Hut,
        denn Deine Worte – tun ihm gut …
        YDu 😉

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      • So soll der Lümmel glücklich sein
        mit dem schwenkenden Hütelein
        Er soll sich nicht zu tief verbeugen
        es könnt im Kreuze Schmerz erzeugen
        Soll er lieber sammeln jedes Wort
        es trage ihn an einen Ort
        wo Lettern lieblich strömend
        wie Meeresrauschen tönend :-).
        😉

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      • Nun genieß den Abend ich mit einem Lächeln, Schluss mit Arbeit, Schluss mit Hecheln,
        erfreue mich an schönen Worten, die mich erreichten von so fernen Orten,
        genieße still das lieblich Rauschen der Worte – möchte mit keinem tauschen! 🙂

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      • Mit Arbeit ist noch lang nicht Ruhe
        mein Geist trägt eilig Schuhe
        wenn die Stille den Abend trägt
        sich in mir das Verslein regt
        so drehe ich wie ein Orgeldreher
        am Letternrad …. mir fehlt ein Reim!!!
        HÜLFE!!! MIR!!!??? Nein, oh nein ….,
        Lümmel HILF!
        😉

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      • So dreht der Orgeldreher,
        unermütlich Takt für Takt,
        erspäht am Letternrand gerade
        ein Verslein, das ihn zwackt!
        Nun, just an dieser Stelle,
        gebar er, ohne es zu wissen,
        den Dreivierteltakt … 😉

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      • Sind wir wirklich ausgebrochen?
        Oder haben wir uns nur vergnügt,
        mit feinen Reimen zwischen duftig, zarten Wolken – im lauen Abendwind?
        Ich dreh‘ die Orgel weiter –
        im fröhlichen Dreivierteltakt,
        mit einem Lächeln auf den Lippen,
        drehe sie weiter – lächle unverzagt!
        YDu 😉

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    • Dear José , I am very happy with your words ! I hope also very , the Google translator brings my words well to translation .
      In this poem is about an old woman . She sits alone in a nursing home at the window and sees life outside the home to . She is very lonely. From her Bible she takes a picture of her daughter .
      She sees it , recalls in melancholy to their life and listen to hopefully toward the door , whether they might even get visit . But in the hallway of the old people’s home as she hears only the sounds of moaning sick .
      It is very sad and I want to with many poems remind people to get back to basics . You should not just live their lives just so , but think of their fellow human beings . HUMANITY
      Is this translated something like this ?

      I am very glad that you read my poems and translated and I thank you with all my heart .

      best regards
      Sylvia

      Gefällt 1 Person

      • Yes, though it may be difficult to get the whole meaning, this is what I understood and felt when I read the version translated into Spanish. I love (and also subcribe) your idea of getting back to basics… too much parafernalia surrounding us that do not let us be just what we are: plain and simple human beings.
        And thank you as well for following me, Sylvia!!
        A great hug,
        José

        Gefällt 1 Person

      • Yes , just the Germans are masters in the life with prosperity and also with the negative progress.

        This life leads to diseases and overlooking the beautiful things in life .

        I am delighted to follow you and to be able to see your posts .

        A hug back 🙂
        Sylvia

        Gefällt 1 Person

  5. Schluchz heul…..ja was kann man dagegen tun? Ich hab während meiner Aussendienstzeit so viele wirklich gruselige Heime gesehen, da schnürte es immer meine Kehle zu, wenn ich die betagten Frauen und Männer sah. Einmal hörte ich ein lautes Schreien „Die Russen kommen..“ Im ersten Moment musste ich ein wenig schmunzeln, weil die Situation so absurd war, aber gleich in der nächsten Sekunde überfiel mich ein soooo riesiges Schamgefühl, weil es ja wirklich diese Zeit gab und DIESE Menschen, die hinter den weißen Türen in ihren Betten lagen, hatten sie noch erlebt, nicht im Film oder in den Büchern sondern am eigenen Körper!!!!Und die Ängste, die sie gespürt hatten. Und nach jener Zeit wurde ja vieles verdrängt, zu DDR Zeiten durfte das Thema nicht angesprochen werden und nun, kurz vor dem Lebensende, kamen diese Ängste wieder hoch…..Ein Wahnsinn und in Gedanken habe ich mich tausendmal für mein erstes Schmunzeln entschuldigt…..
    Hab einen schönen Tag!
    Katrin

    Gefällt 2 Personen

    • Liebe Katrin,

      es ist eigenartig.
      Im Vergessen kommt das Erinnern – eine Reise in die Vergangenheit, in eine Vergangenheit, die diese alten Leutchen ungefragt einholt.
      Für das Schmunzeln hattest Du Dich tausendmal entschuldigt. Doch wie viele Menschen schmunzeln immer wieder, ohne nur ein Mal darüber nachzudenken – ignorant und überheblich, nichts wissend.
      Ich wünsche mir so sehr, dass in den Heimen nur Menschen arbeiten, die alte Leutchen mit Respekt und Hochachtung behandeln und pflegen. Ist es Wunschdenken?

      Ich danke Dir für Deine Zeilen und wünsche auch Dir einen wunderbaren Tag. In Sachsen ist dichter Nebel, hoffentlich löst er sich noch auf.

      Liebe Grüße
      Sylvia

      Gefällt 1 Person

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