Schreib-Block-Ade (é)


S itze

c harakterstark

h inter

r öchelnd

e rhitztem

i nstrument

b ei

B ravuröser

l angsamkeit

o hne

c hancen

k ann

A nfangsbuchstaben

d auerhaft

e inschläfern.

 

Na, das ist niemandem zu wünschen. Aber wer kennt sie nicht: die Schreibblockade? Der „Block“ wird ersetzt, durch den uns inzwischen ans Herz gewachsenen PC.

Es müsste also heißen: Schreib-PC-ade (adè) – sehr seltsam, das sehe ich ein.

Mir geht es meist nur mit bestimmten Texten so. „Zwergkleinchen und das Zauberkraut“ befindet sich im vierten Teil. Jetzt sollte ich zu dem Moment kommen, in welchem die Zwerge den Wald durchkämmen, um das erlösende Zauberkraut zu finden.

Peter Willweber aus Dresden, der Mann mit der Phantasie, empfahl mir (just in dem Moment, als die Blockade Einzug hielt) die Begegnung mit der Hexe und einer Riesenkröte, die Zwerge haßt. Die Hexe sollte, da sie letztendlich Mitleid mit dem fingergroßen Zwergkleinchen hat, den Zwergen wertvolle Ratschläge geben, wie die Kröte zu überlisten sei.

Okay, ich stelle mir das alles vor. Zumindest gebe ich mir große Mühe. Schließlich war ich selbst mal klein und immerhin habe ich drei Kinder. Der Nachzügler ist dem Märchenalter noch gar nicht lange entwachsen.

Also setze ich mich vor den PC. Der rauscht und dampft verdächtig. Will er mir etwas sagen? („Nun komm, betätige endlich die Tastatur und schreib los. Quäle mich, reihe die Worte wieder aneinander!“)

Nein, da sitze ich, zwar hochmotiviert, doch aber wie gebremst, vor meinem Märchen und starre Löcher in die Decke. Stellt Euch vor, Zwergkleinchen umfasste in der Grundidee nicht einmal eine Buchseite. Und nun stehe ich vor der vierzigsten Seite und verharre in einem phantasiegebremsten Stadium – wie schrecklich!

Ähnlich ergeht es mir momentan mit „Frauenwunder“. Es ist doch fast fertig. Aber nur fast …, denn die Protagonistin „fährt gerade nach Berlin“, um ihre krebskranke Freundin Martina im Krankenhaus zu besuchen. Die Mitteilung des Ehemannes der Freundin hat sie extrem geschockt.

Einige von Euch haben die Leseprobe aus „Frauenwunder“ gelesen. Bisher habt Ihr fleißig gelacht und das ist von mir (ich gebe es unumwunden zu) beabsichtigt.

Die Protagonistin beschäftigte sich mit ihren überflüssigen Pfunden, alles drehte sich um ihre Figur und den „Verlust ihrer jugendlichen Schönheit“. Dann erfährt sie von der schweren Erkrankung der Freundin aus Kindertagen. Martina war immer der blonde Engel in ihrem Leben . Sie hatte die Protagonistin einst vor Angriffen der Klassenkameraden bewahrt. Martina war anders als sie selbst: sicherer, kraftvoller, erhabener, klüger (und hübscher, fand die Protagonistin). Ihre Angst um diesen, ihr so wichtigen Menschen, bringt sie zu einer, zunächst bitteren Erkenntnis.

Und da kommt noch der Gedanke: Warum erwischt es Martina, diesen lieben, empathischen Menschen? Warum diese Frau, die sich aufopferungsvoll für notleidende Kinder einsetzt und sich noch nie im Leben für eine Arbeit zu schade war? Das Blatt der Protagonistin wendet sich, liebe Leser. Viele Fragen prallen auf auf sie ein.

Ja, ich weiß noch nicht einmal, ob Martina leben oder sterben wird. Meinen leichten Hang zur Dramatik lebe ich ungern bis zum bitteren Ende aus.

Es sollte eine Warnung sein. Ihr versteht, was ich meine?

Würdet Ihr Martina leben lassen?

UFF!

Ganz ehrlich, was ist daran schwierig? Warum sitze ich wieder vor diesem schnaufenden PC und habe Krämpfe in den Fingern?

Da kommt mir eine unglaublich gute Idee: Ich schreibe ein Gedicht. Das kann ich ja offenbar hervorragend und es kostet mich beinahe keine Mühe. Die Technik habe ich intus, die Worte fließen meist von selbst.

Zwergkleinchen und das Frauenwunder müssen also im Bett bleiben. Herbst und Winter sind bald im Anmarsch, da ist es im Bett ohnehin am Schönsten.

Im Frühjahr allerdings sollte „Frauenwunder“ fertig sein. Kurz danach sollte auch Zwergkleinchen wieder größer werden als der Finger des Großvaters und die Zwerge sollten viel gelernt haben.

Also gut, im neuen Jahr spätestens hetze ich den kleinen Zwerg auf die vollschlanke Protagonistin im „Frauenwunder“! Ha, das wäre doch gelacht!

Ich darf nur nicht dauernd die Anfangsbuchstaben einschläfern.

🙂

Wie geht es Euch mit den ungeliebten Schreibblockaden? Sind sie auch auf bestimmte Texte bezogen oder treten sie allgemein auf?
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Eure Sylvia Kling

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Darf ich vorstellen II: Khalid Aouga


Heute möchte ich Euch wieder jemanden vorstellen:
Khalid Aouga.

Khalid lernte ich hier auf WordPress kennen.
Vor Kurzem entschlossen wir uns, für die Gestaltung meines Lyrikbandes zusammenzuarbeiten. 
Khalid wird die Zeichnungen für den Band anfertigen.

Als ich mich kürzlich intensiver auf seinem Blog umschaute, entdeckte ich Gedichte und Texte mit faszinierender Tiefe, in welcher auch Trauer,  Schmerz und Hoffnung eine entscheidende Rolle spielen.
Die Liebe zur Heimat, der damit auch verbundene Schmerz („Von der Fremde“) und die Reflexion zu den grauenvollen Ereignissen auf dieser Welt, die uns Deutschen in den letzten 70 Jahren erspart blieben,  sind letztendlich eine Ode Khalids an die Menschen,  sich der Spuren und Folgen von Krieg und Kriegstreiberei, Armut und auch sinnfreier Vergeudung bewußt zu werden („Seit wann“, „Ich sehe“).

Doch auch das Leben und dessen Kraft, das Leben mit Kindern und die Wertebeachtung kann Khalid in Worte fassen („Wenn wir lachen“).

Nicht nur in seinen Texten findet Khalid seinen bewussten Ausdruck, sondern auch in seinen Zeichnungen kommt seine Gabe zur Abbildung von Freude, Leid oder Hoffnung zur Geltung.
Der gebürtige Marokkaner bereichert mich in meinem Denken und Fühlen und so lege ich ihn Euch ans Herz.

Doch bitte schaut selbst – Khalid hat es verdient:

https://aouga.wordpress.com/

Ich bedanke mich heute ganz besonders für Eure Aufmerksamkeit und wünsche allen ein schönes Wochenende.

Sylvia Kling