Frauen sind ein Wunder (und) Punkt.


Mein Buch «Frauenwunder» soll im Frühjahr 2018 die Phase des Lektorates betreten.

Da mein Lektor mit meiner Lyrik fast in Vollzeit beschäftigt ist und diese Erzählung um «Der Mann für die Mittagsstunden» ergänzt wird, ein durchaus feminines Duett, sollte es auch von einer Frau lektoriert werden.

In beiden Geschichten geht es um Frauen: ihr Leben, ihre Gefühle, die Liebe, ihr Sein in der Zeit der Reife, den Konflikt mit sich selbst und Einflüssen von Außen, die Bewältigung der Vergangenheit, die Entdeckung des eigenen Ichs.

Zum Inhalt der Erzählung «Frauenwunder»:

Die Protagonistin Silke erfährt inmitten ihrer Entdeckung, dem Alter nicht entgehen zu können, einen herben, persönlichen Verlust, der nicht folgenlos für sie bleibt.
Ich lasse den geneigten Leser in den ersten Kapiteln lachen – und das nicht zu wenig.
Teilhabend an einer Zeitreise durch das Leben zweier Mädchen in der DDR, an ihren Träumen, Wünschen, findet deren innige Freundschaft eine unerwartete Vertiefung und Festigung.

Vielleicht müssen Sie erkennen, dass «Frau sein» zwar anstrengend, letztendlich aber doch gar nicht so übel ist.

Es ist meine Liebeserklärung an das «Wunder ‹Frau›» in der Mitte ihres Lebens.

Auszug aus dem Kapitel:

«Weitere Entdeckungen, die Frauen mit dem Blumenkohl und alte Männer»

( … )

«Um mich von meinen negativen Gedanken abzulenken, entschloss ich mich, in die Stadt zu fahren. Vielleicht konnte ich etwas finden, um meinen Mann zu überraschen? Ein paar Schmeicheleinheiten konnte ich gut gebrauchen. Besonders aufmerksam schminkte ich meine dunklen Augen, knetete Schaumfestiger in meine langen Haare, legte meine weißen Perlenohrringe an und fand sogar ziemlich schnell etwas zum Anziehen. Das war ein Glücksmoment, denn seit neuestem stand ich verzweifelt vor meinem Kleiderschrank und ereiferte mich über den Mangel darin.

Das Kaufhaus war heute zu meiner Freude ausnehmend leer, als ich es betrat. Nicht jedoch in der Frauenabteilung. Dort hatte sich offenbar alles gefunden, was im Erdgeschoss des Kaufhauses nicht zu sehen war.
Ich machte mir gerade mutig mein Recht bewusst, auch in dieser Abteilung zu weilen, als zwei ältere Damen (sie waren immerhin über sechzig!) mit einem übergeworfenen, toten Tier an meinem Arm vorbeizurauschen versuchten und die Träger meine Handtasche dabei von meiner Schulter rissen. «Eh, passen sie doch mal auf!», maulte ich die maskenähnlichen Frauengesichter missmutig an. «T´schuldigung», murmelte die eine und die andere sagte schnippisch: «Das kann doch mal passieren, junge Frau. Wir haben das doch nicht mit Absicht gemacht!» Sie gab sich große Mühe, ihrem Ton eine vornehme Note zu verleihen.
«Dann rammeln sie doch hier nicht durch, als würde das Kaufhaus heute noch abgerissen werden!», entgegnete ich, ihren Ton nachahmend. Dabei spitzte ich den Mund und hob die Augenbrauen vielsagend nach oben.
«So eine Frechheit!», kreischte die Pelzbehangene. Normalerweise war ich ja gar nicht so, aber diese Damen mit der grotesken Maske brachten meine gerade wieder hergestellte, innere Ordnung ins Wanken und weckten meinen Kampfgeist.
Die eine Dame leckte an ihrem blutroten Lippenstift, kniff die Augen zusammen und sagte zu ihrer goldschmuckbestückten Freundin: «Komm, Waltraud, wir gehen weiter. Mit solchen Menschen müssen wir uns nicht abgeben.»
Frau Waltraud nickte so eifrig, dass sich ihre bunt glitzernden Ohrgehänge um ihre eigene Achse drehten und sich verfingen. Sie spukten jetzt steif von ihrem Ohrläppchen in Eigenregie herum.
Mir lag schon wieder ein listiger Satz auf der Zunge, doch ich schwieg. Immerhin hatte ich heute ein Ziel, was ich mir nicht von zwei despotischen Frauen verderben lassen wollte, auf deren Kopf ein vergammelter Blumenkohl weilte.

Schnellen Schrittes eilte ich in die Richtung der Unterwäsche. Mein Plan war: Mich wieder wohl und sexy zu fühlen, meinen Mann zu verführen und mein Ego aufzubauen.
Also stand ich wenige Minuten später vor den verwirrenden Auslagen der Reizwäsche. War die schön! Ich konnte es kaum fassen und befühlte das Material einer Korsage. Dann spürte ich Blicke auf mir und sah zur Seite.
Ein ungefähr siebzigjähriger Mann sah mir verzückt entgegen. Ich glaubte, hinter mir würden die Pelzgoldschwestern von vorhin stehen, die der alte Mann bewunderte. Immerhin gab es sicher wenige Frauen wie diese, die sich außerhalb von Schürze, Kochtopf und Gartenpflege wohl fühlten und deren Gesicht nicht nur Niveacreme für 1,99 Euro kannten.
Also sah ich mich um. Doch da stand niemand. Der alte Herr meinte tatsächlich MICH. Das war doch kaum zu glauben!
Ich versuchte mich, um nicht von meinem Vorhaben abzukommen, zu beruhigen. Der stand sicher auf wesentlich jüngere Frauen. Wie sonst könnte er die Unverschämtheit besitzen, mich so anzuschmachten.
Irgendwie musste ich trotzdem wieder hinsehen. Jetzt hatte der korpulente Mann mit der Halbglatze und einer Jacke aus den 70-ern den Blick auf den von mir berührten Büstenhalter gerichtet. Sein Mund öffnete sich halb und kaum merklich leckte er sich an der Oberlippe. Aber ich sah das. Ich bin immer ein sehr aufmerksamer Mensch gewesen. Schon immer sah ich Dinge, die ich nicht sehen wollte.

Ein blutjunges, schönes Mädchen kam mit roten Wangen aus der Kabine gestürmt. Der alte Mann sah der aufgeregten, jungen Frau entgegen und lächelte sie herzlich an. „Na, mein Engel, hast du etwas gefunden?“, fragte er sie und tätschelte dabei liebevoll ihren Rücken.
Er stand also auf so – auf wirklich so – junge Frauen und starrte mich an? Wie schön, fand ich plötzlich und fühlte mich geschmeichelt. Mein Ego schien regelrecht das Kaufhaus auszuleuchten.
Dieser Zustand hielt leider nicht lange an. «Ja, Opi, es hat alles gepasst», flirrte sie wie ein kleines Vögelchen.
Er war ihr Opa. Er war einfach nur ihr Großvater. Blitzschnell ernüchtert, verschwommen die, bis vor wenigen Minuten mich noch bezaubernde Unterwäsche, vor meinen Augen. Eine neue, erbarmungslose Lawine rollte auf mich zu. Die Lawine, die alle Freude dieses Tages zunichte machte.
Ich war so alt.»

Liebe Freunde, Leser und Besucher,  lieber Holger,

Ja, ja – Frauen und ihre Sorgen. 😉 Kennt Ihr dieses Sprichwort: «Frauen muss man nicht verstehen. Frauen muss man lieben.»? Ich sehe ein, ich muss Euch noch etwas aus dem Nähkästchen der armen Protagonistin erzählen:

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p style=“text-align:center;“>«Das erzählt er MIR! Heimlich sieht er sich Pornos an!“, schnaubte ich, gerade im Bad verschwunden, um meine Fleischmassen unter die Dusche zu schwingen. Sex, was für ein Thema. Ich hatte Sex immer geliebt. Als ich schlank und vollkommen war, sah ich im dünnen Seidenhemdchen nicht aus, als wäre ein Nilpferd im Gardinengeschäft eingebrochen! Da schritt ich noch grazil mit langen, schlanken Beinen an meinem Opfer der Begierde vorbei, um mich an seinen sabbernden Blicken zu laben. Da spielte ich mit meinen Reizen noch, als hätte ich im Leben niemals etwas anderes getan.
Und nun? Nun bekam ich keine hübsche Reizwäsche mehr. Wenn ich welche sah, glaubte ich, Abdeckungsplanen für Carports aus fehlerhaftem Material vor mir zu haben.»

So etwas und mehr und wie die Geschichte weiter geht, erfahrt Ihr 2018 in dem Buch «Frauenwunder». Die Testleserinnen waren begeistert und eine meinte: «Sie hätte teilweise so gelacht, dass ihr der Bauch am nächsten Tag schmerzte.» Na, das ist doch ein gutes Zeichen. Freudig erwarte ich nur noch die Rückmeldung des einen männlichen Testlesers. Wie nimmt ein Mann diese Erzählung auf?

Auch «Der Mann für die Mittagsstunden» zeichnet das Bild einer Frau nach, die sich in der Phase von Selbstfindung mit Alltagsproblemen und dem Thema «Beziehungen» auseinandersetzen muss. Ein spannendes Buch um und über eine Frau, die in ihrer Mittagspause einen Mann kennenlernt und sich Hals über Kopf in ihn verliebt. Doch dieser empfindet ganz anders. Was sie noch erkennt, über sich selbst erfährt und welchen Spuren in ihre Vergangenheit sie folgt, lest Ihr in diesem Buch.

Für das Cover des Buches habe ich mich bereits mit dem Fotografen Uwe Richter verständigt. Ich bin sehr gespannt auf seine Ideen im nächsten Jahr.

Ich wünsche Euch ein erholsames Wochenende. Bei uns windet es wieder stark und ich bin froh, ungarischen Gulasch heute Vormittag bereits gekocht zu haben – natürlich mit original-ungarischen Gewürzen. So können wir heute Abend ein feines Mahl genießen. Ich darf dabei nur nicht an die Gewichtsprobleme von Silke in «Frauenwunder» denken 🙂 :-).

Mit einem Lachen verabschiede ich mich für heute von Euch.

Bleibt schön gesund und passt – wie immer – gut auf Euch auf.

Eure Sylvia Kling

Beitragsbild:

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Meine Webseite:

www.sylvia-kling.de

Mein YouTube-Kanal:

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Meine Bücher:

https://sckling.wordpress.com/publizierungen/

Auf Facebook findet man mich hier:

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November(ver)Lauf oder: Wenn wir durch Klänge, Farben und Sehnsüchte reisen


 

Kaum ein Vöglein noch
in den Ästen singt,
Blätter müde fallen,
als sei es ihnen schwer,
schon am Nachmittag
mich Dunkel
unliebsam umringt,
matt und träge bin ich,
bleich und leer.

Schön war es im Sommer,
wo der Morgen erzählte
verheißungsvoll vom Tag,
vom Grün und Licht,
wie sich jede Stunde sorgsam schälte,
die Sonne legte über mich
die SorglosSchicht.

In mein Herz
schleicht sich NovemberKummer,
und schlau kramt jedes
Böse des Jahres in den Wunden,
schön wäre gar ein WinterSchlummer,
bis die Blümchen und ich
Lebendigkeit bekunden.

©Sylvia Kling

©Uwe Richter – ich empfehle Euch seine Webseiten: http://uwerichtersfotoblog.wordpress.com/ und http://minoltagrafie.wordpress.com/

Mein Buch ist hier erhältlich:

https://www.amazon.de/Von-Morgenseelen-Eisbrecherfernen-Sylvia-Kling/dp/3745043480/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1510488849&sr=8-1&keywords=Von+Morgenseelen+und+Eisbrecherfernen+Sylvia+Kling

oder unter der ISBN  

  • ISBN-10: 3745043480
  • ISBN-13: 978-3745043488

                in Buchhandlungen zu bestellen.

 

Liebe Freunde, Leser und Besucher, lieber Holger,

gern möchte ich Euch noch etwas über neue Projekte erzählen.

Vor einigen Tagen schickte ich dem Musiker «unErhört» einen Songtext von mir. «Der Narr» heißt dieser Text. Darin geht es um einen Mann, der alles verloren hat. Eine Geschichte, die unter die Haut geht.

Gespannt wartete ich auf die Reaktion von Thomas. Der Songtext hat ihm sehr gut gefallen – einige kleine Änderungen (vor allem im Refrain) und schon setzte sich Thomas an die Komposition. Das erste Ergebnis, welches er mir gestern schickte, hat mich schon berührt. Es ist faszinierend, eigene Texte in Musik gefasst und mit der Stimme von eines Sängers/einer Sängerin zu hören.

Gestern entschlossen wir uns, dass meine Lesung «Poetisch-musikalische Szenen» im Herzen Dresdens am 10.12.2017  erstmalig mit dem Programm «Die Spuren entschlüsselt der Blinde» ausgefüllt wird.

Es ist eine Reise durch Fühlen und die Erinnerung, Farben und Klänge, Sehnsüchte.

Dabei vergessen wir nicht jene, die wir lieben und nicht an solchen Tagen an unserer Seite sein können.

Doch nun beginnen unsere Proben dazu – Gedichte und Musik müssen gut aufeinander abgestimmt sein.

Die Veranstaltung (und den Link zur Veranstaltung auf Facebook) findet Ihr hier:

https://sckling.wordpress.com/lesungentermine/

Ich wünsche Euch noch einen wunderbaren Sonntag im November. Dieser düstere Monat kann uns nichts anhaben, oder? Schließen wir ihn einfach in unsere Arme. Erholt Euch gut und genießt die Zeit der gemütlichen Stunden bei Kerzenschein und einem Tee (bei uns in Sachsen ist ja ein «Scheelschen Heeßes» unverzichtbar 😉 ).

Passt gut auf Euch auf, Ihr Lieben!

Herzlichst,

Eure Sylvia Kling

 

 

 

Meine Webseite:

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Die Morgenseelen sind erwacht! Und wir? Wir haben geschuftet und gelacht!


Foto: Uwe Richter

 

«In den 86 Gedichten beschreibt die Autorin ihre Mühen um die Menschlichkeit und das Sinnen nach neuen Inhalten und alten Werten. Darin findet der Leser seinen Weg durch die Natur, die Liebe, über die Hürden der Gesellschaft – hinein in das Leben.
Die Kurzverse aus «Gebündeltes» geben diesem Gedichtband die nötige Würze, welche dieses Buch abrunden.
Die Zeichnungen des Künstlers Khalid Aouga begleiten auf wunderbare Weise des Lesenden Reise.»

Auszug Buchdeckel:

«Immer wieder ist das Pendeln, Flüchten, Kommen und Gehen in den Arbeiten von Sylvia Kling Gegenstand ihrer Betrachtungen. Mit Feinsinnigkeit sucht sie das Detail und die Grenzen: in der Liebe, dem Mensch-Sein, der Natur, der Gesellschaft und im Leben im Allgemeinen und im Besonderen.»

Weitere Beschreibungen sowie eine kleine Leseprobe findet Ihr in der Vorschau bei epubli sowie auf amazon (die Vorschau auf amazon müsste spätestens morgen vorhanden sein).

Bitte folgt mir doch einfach:

https://www.amazon.de/dp/3745043480/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1510128497&sr=8-1&keywords=Von+Morgenseelen+und+Eisbrecherfernen+Sylvia+Kling

https://www.epubli.de/shop/buch/Morgenseelen-und-Eisbrecherfernen-Sylvia-Kling-9783745043488/69164

Hier sind meine Bücher auf der Webseite aufgeführt:

http://www.sylvia-kling.de/publizierung.php

Liebe Freunde, Leser und Besucher, lieber Holger,

es ist soweit! Nach wochenlanger Arbeit und sehr intensivem Lektorat sowie mühevoller Kleinarbeit ist mein fünftes Buch erschienen. Wir, der Lektor und ich, sind erschöpft, aber sehr glücklich. Ich erzählte gestern meiner Freundin am Telefon:

„Bei uns sind bezüglich mehrerer Gedichte die Fetzen geflogen! Einmal flog die Kaffeetasse um, weil ich beim Erläutern der Gründe für meine Formulierungen in einer Ballade so heftig gestikulierte, dass ich die auf dem Tisch stehende Tasse «erwischte».“

Anschließend,  als alles geklärt war und wir uns einigten, haben wir herzlich gelacht. Nicht nur darüber. Nach wochenlangen Korrekturen und den Zusammenkünften mit dem Lektor, dem ständigen lauten Lesen, sprechen wir bereits in Versen miteinander. Das kann schon zu einigen Lachern führen.

Der Duden hat mächtig gelitten in dieser Zeit. Ich gönne ihm vorerst eine kleine Pause ;-).

Ich würde behaupten, dass dieses Buch ein Schatz ist.

Im letzten Beitrag sprach ich Uwe Richters Bereitschaft an, das Foto für das Cover zu gestalten. Es gefällt mir außerordentlich gut – es hat Seele. Ich danke Uwe von ganzem Herzen! Schaut Euch doch auf den Blogs des Essener Fotografen um – es lohnt sich auf jeden Fall:

http://minoltagrafie.wordpress.com/

https://uwerichtersfotoblog.wordpress.com/

Khalid Aouga fertigte wieder die Zeichnungen für das Buch an und wieder einmal mehr sind wir von seinen Arbeiten begeistert. Auch seine Webseiten möchte ich empfehlen. Khalid zeichnet nicht nur, er verfasst auch Aphorismen, schreibt Geschichten und Gedichte – ein großartiger Künstler mit einer Tiefe in seinen Arbeiten, die mich immer wieder begeistert.

https://aougart.wordpress.com/

https://aouga.wordpress.com/

Ich verabschiede mich damit für diese Woche und wünsche Euch allen eine gute Restwoche. Passt wie immer gut auf Euch auf.

Eure (glückliche) Sylvia Kling

Wenn törichte Weiber …


 

erzählen, dann klingt das so:

 

Ihr erinnert Euch noch an dieses Gedicht? Ich hatte es vor einigen Wochen veröffentlicht. Wie habt Ihr dieses Gedicht gelesen?

Oft eröffnen sich durch die Interpretationen des Autors neue Sichtweisen auf das Gedicht. Geht es Euch so?

Es wird in meinem Buch «Von Morgenseelen und Eisbrecherfernen» erscheinen.

Und wenn törichte Weiber Bücher schreiben, ist das so:

In der letzten Woche wurde mein fünftes Buch mehrfach dem Korrektorat und Lektorat unterzogen. Es war eine arbeitsreiche, aber auch spannende Zeit, liebe Freunde, Leser und Besucher, lieber Holger. Ich bin über das Ergebnis glücklich. Nicht nur, dass der Lektor meine Wünsche und Intentionen berücksichtigte, noch intensiver an das Lektorat heranzugehen, sondern auch ich bin meinen Gedichten kritischer gegenübergetreten. 

Stillstand ist für mich undenkbar. Es sei denn, er führt zum Weiterkommen.

Am Samstag vergangener Woche kam jene Frage: die Gestaltung des Covers. Wir befanden uns bereits in den «letzten Zügen» der Überarbeitung des Inhaltes, als uns bewusst wurde, dass wir unsere ursprüngliche Vorstellung für das Cover verwerfen mussten.

Und nun? Doch ich wäre nicht Sylvia, die (Uner-)Schreckbare, wenn ich nicht eine zündende Idee gehabt hätte! Seit Jahren arbeite ich mit dem Fotografen Uwe Richter zusammen. Warum ihn nicht einfach fragen, ob er uns helfen könne?

Ergo nahm ich das Handy zur Hand und kontaktierte den Fotografen. Uwe war sofort bereit, dies zu tun. Gestern Abend lag es uns vor. Ich kann Euch nur sagen:

Lasst Euch überraschen!

Dieses Buch ist erstmalig nur als Hardcover-Ausgabe erhältlich. Auch in Zukunft wird es bei mir kein Softcover mehr geben. Diese Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen. Immerhin gibt es einige meiner Leser, die alle Bücher von mir in ihrem Besitz haben und ein einheitliches Bild in ihrem Bücherregal, speziell auf das Brett mit meinen Ausgaben ;-),  nicht missen möchten. Das kann ich gut verstehen.

Bedenkt bitte Folgendes:

Jede Ausgabe, Soft- und Hardcover,  bekommt ihre eigene ISBN-Nummer. Das hat zur  Folge, dass jede Ausgabe jedes Mal neu bei Änderungen überarbeitet werden muss und so ein erheblicher Mehraufwand pro Ausgabe nach sich zieht. Auch für die Rezensionen der Bücher wäre es einfacher, dass sich diese auf die Gesamtausgabe und nicht nur in der Bewertung der einzelnen Variante erscheint.

Der Preis unterscheidet sich natürlich vom Softcover. Doch auch muss und möchte ich der Tatsache Rechnung tragen, dass in Buchhandlungen Bücher im Softcover keineswegs gern gesehen sind. Dies hat man mir in einer Buchhandlung in der Dresdner Neustadt deutlich zu verstehen gegeben. Und ich bin ehrlich: Auch ich mag lieber ein Buch mit Hardcover in den Händen halten.

Was erwartet  Euch in diesem Buch?

Gute Frage?

Zäumen wir doch einmal das Pferd von hinten auf! Wer mich und meine Arbeiten kennt, weiß: Ich spanne immer wieder einen bunten Bogen, den ich versuche so zu kolorieren, dass sein Spektrum, seine Farben, von den warmen Tönen bis zum kalt-brennenden Violett unser Menschsein umschließen.

Erstmalig wird es im Buch eine gesonderte Kategorie «Gebündeltes» geben.

«Von Morgenseelen und Eisbrecherfernen» wird in den nächsten 10 Tagen erscheinen. Gern informiere ich Euch, sobald es erworben werden kann.

Ich wünsche Euch eine angenehme Woche und wie immer: Passt auf Euch auf.

Eure Sylvia Kling

 

Die Schuhe


 

Als Kind war vieles mühelos
manches war verschwommen, endlos schwer,
Zeit fiel sanft heraus aus meinem Schoß,
so, als ob sie unvergänglich wär.

John Lennon, den ich früh verehrte:
ER war Kämpfer und mein Ideal,
die Frau, die mich die Sprache lehrte,
war mir Trost im Leide manches Mal.

Als man John zu Tode brachte,
weinte ich, weil sie Tapf`re hassen,
ich versuchte, ungesehen, sachte,
ob die Kinderschuhe mir noch passten.

Was ich auch tat, sie waren mir zu klein,
hätten keinen Schritt mich noch getragen,
mit neuen stürzt ich über manchen Stein,
Schwätzerworte auf dem Wege lagen.

Trommeln schlug ich und blies ins Horn
benässte die abgeliebten Lippen,
begann manches Jahr einfach von vorn,
und ich zog an ausgezerrten Strippen.

Ich lispelte manch flatternde Gebete
(Gesuche an einen Regungslosen),
und die heimatliche Fahne wehte,
ich lief ja in Schuhen, riesengroßen.

Als Kind, war vieles mühelos,
milchfeiner Glaube in der Stimme lag.
Heute sind nicht nur meine Schuhe groß –
auch Zweifel, ob ich lange mich erinnern mag.

©Sylvia Kling

Der vorerst letzte Auszug aus dem Buch «Als die Amsel verstummte», welches 2018 erscheinen wird.

 

Liebe Freunde, Leser und Besucher, lieber Holger,

momentan sind die Gedichte zu meinem Buch «Von Morgenseelen und Eisbrecherferne» im Lektorat. Khalid Aouga ist dabei, weitere Zeichnungen anzufertigen. So kann das Buch noch im November erscheinen.

Was erwartet Euch in meinem fünften Buch?

Gefühltes aus dem Leben, Hoffnungen und Träume, Sehnsucht nach Heimat, Atmen der Liebe, Verbindung mit der Natur, mein erstes Gedicht im Alter von 12 Jahren, Scharfgewürztes (es wird bei mir nicht fehlen) und Leichtfüßiges.

Ich wünsche Euch einen guten Wochenverlauf. Erholt Euch heute gut und passt auf Euch auf.

Eure Sylvia Kling

Beitragsfoto:

© Uwe Richter

Schaut doch mal auf seiner Seite vorbei:

http://minoltagrafie.wordpress.com/

 

So eine Schweinerei!


 

Es sagt sich schnell «Du dummes Schwein»,
dabei soll es so dumm nicht sein,
sogar gleichts Schwein im Intellekt
den Primaten längst – perfekt.

Wälzt sich im Schlamm, weil es reinigt,
von Parasiten gar gepeinigt,
weil das Schwein will senken nur
seine Körpertemp‘ratur.

Es weiß genau’stens um sein ICH,
sogar im Spiegel sich erkennt,
manchem Menschen bleibt – freilich,
der eigne Anblick ewig fremd.

Das Schwein, es wird beschimpft – fatal!
Dabei ists überaus sozial,
es tötet nie im eignen Stall,
kein Schwein bringt es mit Hass zu Fall.

So lasst euch heute mal belehren:
Das Schwein, es sei viel mehr zu ehren.
Und jene, die sich Menschen nennen,
solln am Schweine Vorbild kennen!

©Sylvia Kling

Für das Buch «Als die Amsel verstummte» – Veröffentlichung 2018

Aus dem Satirekabinett

Hinweise zum Urheberrecht finden sich wie immer im Impressum.

Hallo, liebe Freunde, Leser und Besucher,

mit diesem Gedicht wünsche ich Euch noch eine gute Restwoche. Der Herbst hat endgültig Einzug gehalten und die warme Kleidung wird bereitgelegt.

In dieser Woche werde ich am Sonntag 50 Jahre alt, was überhaupt keine Schweinerei ist. 😉 Ich freue mich auf diesen Geburtstag, den ich im engen Kreis mit meiner Familie verbringen werde. Vielleicht besuchen wir auch das „Panometer Dresden“. Wer es nicht kennt: Es ist ein ehemaliger Gasometer in Dresden, in dem seit 2006 verschiedene Panoramabilder des Künstlers Yadegar Asisi ausgestellt werden.

Auch das „Grüne Gewölbe“ steht bei mir auf dem Wunschzettel.  Es gibt acht Räume der Schatzkammer von August des Starken. Es wird bewusst auf museale Beschriftungen verzichtet und lässt den Ort dadurch umso authentischer erfahrbar werden.

Damit verabschiede ich mich. Passt gut auf Euch auf.

Eure Sylvia Kling

Wer noch mag, für den habe ich einen Auszug aus dem Live-Mitschnitt aus Leipzig:

 

 

 

 

Beitragsbild:

https://pixabay.com/de/jahrgang-edward-lear-comics-1801816/

unErhört!


Das ist unErhört!
Nämlich unErhört gute Arbeit. Die erste Zusammenarbeit mit dem phantastischen Musiker Thomas Schimke, der es geschafft hat, an nur einem Tag meinen Songtext «Frage an den Soldaten» zu vertonen. Es ist das Ergebnis von zwei aufregenden und arbeitsreichen Tagen, liebe Freunde, Leser und Besucher.

Die Künstlerin und Fotografin Eva Maria Horstick aus Dortmund war so freundlich, uns ein Foto für das Video zur Verfügung zu stellen. Es stellt einzelne anonyme Gräber im Kosovo dar, die leider den Menschen nicht mehr zuzuordnen waren. Sie kamen aus Massengräbern.

Hört unErhört mit diesem unglaublich berührenden Song:

 

Der Musiker, der sich hinter „unErhört“ verbirgt, Thomas Schimke, schrieb heute dazu auf Facebook:

«Hallo, Thomas hier.

Ina und ich hatten das große Vergnügen, im Mühlkeller Leipzig Sylvia Kling und HC Schmidt mit Ihrem aktuellen Programm: „Mit Zuckerbrot und Peitsche“ live kennenlernen zu dürfen. Wir waren von dem Abend weit mehr als nur begeistert. Dementsprechend überwältigt war ich, als mich Tage später Sylvia Kling kontaktierte und bat, einen Text von Ihr zu vertonen.
Ich hoffe, ich bin der großen Herausforderung gerecht geworden.»

 

Es war eine tolle und fruchtbare Zusammenarbeit, lieber Thomas und was es uns in diesen zwei Tagen alles an Erfahrung gebracht hat – neue Betrachtungen gewonnen, alte gefestigt, über Kunst diskutiert und über Krieg und Frieden gesprochen, unsere Herzen weiter für jenes geöffnet, was uns in diesen Zeiten unter den Nägeln brennt. Ich danke Thomas von ganzem Herzen für sein Engagement und seinen Fleiß.

Wir brauchen wieder mehr Helfer, Heiler, Friedensbeweger, Gutmacher. Wir brauchen Menschen mit Rückgrat.

 
Thomas schreibt auf Facebook:
«Ich habe zu danken. Es ist ein wunderbares Gefühl, die Augen zu schließen und auf der Gitarre einen Text zu vertonen, den man selbst in diesem Moment erst beginnt, zu begreifen. Ich fühl mich reich!»
Ich fühle mich auch reich.
Es macht mich reich, wenn ich solche Menschen kennenlernen darf, die sich so wie Thomas unermüdlich in der Friedensbewegung engagieren und nicht aufhören, die Finger in die Wunde zu legen, ohne die Menschen dabei zu überreizen. Ich lernte Thomas als kraftvoll und unverstellt kennen. Bodenständig und völlig auf Attitüden verzichtend landet er nicht etwa in Charts, sondern im Leben und in den Herzen der Menschen.
Leidenschaftlich und gefühlvoll ist er ganz bei sich und den Themen, die ihn umtreiben.
 
Den Musiker mit seinen Songs über das Sein, das Finden, das Leben, die Sinnsuche, die Nähe zum Menschen und zum Alltag, findet Ihr auf YouTube (siehe Song) und hier entlang geht es zu seiner Webseite, die auch einiges zu bieten hat:
 

 

Beitragsfoto:

Thomas Schimke/unErhört – gezeichnet von:

©Alina Fontain

Liebe Freunde, Leser und Besucher, lieber Jugendfreund Holger in der Ferne,

herzlichen Dank für Eure Aufmerksamkeit. Ich hoffe, Ihr konntet Euch berühren lassen. Ich wünsche Euch ein zauberhaftes Wochenende. Erholt Euch gut und – Ihr wisst es (ich schreibe es dennoch jedes Mal 😉 ) – passt auf Euch auf.

Ein kleiner Nachtrag:

Es sieht so aus, dass wir in den nächsten sechs Wochen endlich einen vernünftigen Internetzugang bekommen. Drückt uns bitte die Daumen. Denn ich möchte auch Eure Beiträge wieder ausreichend beachten dürfen und mich an ihnen erfreuen. Momentan heißt es immer nur „Datenvolumen sparen“. Ich hoffe, Ihr habt noch ein wenig Geduld mit mir.

Eure Sylvia Kling

Heidebrand und «Die Spuren entschlüsselt der Blinde»


 

Im grünsten Grün der Heide
um Dresden, dort so genannte,
da suchte ich eine Bleibe,
weil Trauer in mir brannte −
geflohen vor Tyrannen,
die Wahnsinn nur verkünden
und Schändlichkeiten spannen
um unsre Welt, und zünden −

geschickt in Niedertracht
mit (oder auch ganz ohne)
üblicher GottesWacht,
so Hässlichkeit sich klone −
da also ließ ich mir schmeicheln
vom grünsten Grün der Heide,
vom SommerWind mich streicheln
und wünschte, dass ich treibe −
mit der Natur Geschick
weg von der NarrenBrust,
der Welt bricht das Genick,
ich fühle den Verlust −

ach, bin ich heute dramatisch
im grünsten Grün der Heide,
ich lasse andre fanatisch,
(vom Grün ich lieber schreibe) −
und wenn der Irren Geläute
mit Waffen und Morden und Toten
nicht warnet die ErdenLeute,
die im Hasse sich verknoten −

so lieg ich mit FieberAsche
im grünen HeideLand,
und tränend aus mir wasche
des Menschen UnVerstand.

©Sylvia Kling

Auszug aus „Von Morgenseelen und Eisbrecherferne“ – Veröffentlichung im November 2017

Liebe Freunde, Leser und Besucher,

trotz aller Widrigkeiten sind wir bestrebt, den Termin zur Veröffentlichung meines fünften Buches nicht nochmals zu verschieben. Ich freue mich sehr, wieder den Düsseldorfer Künstler Khalid Aouga gewonnen zu haben, die Zeichnungen für dieses Buch anzufertigen.

Es gibt weitere Neuigkeiten:

Wir – der Gitarrist Volker Wolfram und ich –  tragen der Tatsache Rechnung, dass sich die Menschen in diesen unruhigen Zeiten nach Erholung und Zerstreuung, fern alltäglicher Belastungen, sehnen.

Diese werden unsere Gäste im folgenden Programm erfahren. Viele Gedichte werden mit Instrumentalbegleitung gelesen.

Die Spuren entschlüsselt der Blinde

Die Suche von Sylvia Kling nach Sinn, Substanz und Beständigkeit sowie nach Farben, Klängen und unverstelltem Sein werden von ihrer Intuition, der unsterblichen Hoffnung und Liebe geleitet.

Mit geschlossenen Augen, den Blick nach innen gerichtet, findet sie mit ihren Worten immer wieder die Wege zurück nach draußen: ins Leben, die Heimat, die Natur.

Dem Gitarristen Volker Wolfram gelingt es, vor der Poetin Worte einen musikalischen Teppich auszurollen, der, sobald diese dort Platz genommen haben, zu schweben beginnt und sich auf die Reise begibt, die geschlossenen Augen des Herzens zu öffnen.

 

Weitere Programme sind hier einzusehen.

 

 

Hinweise zum Urheberrecht:

Zeichnung: © Khalid Aouga

Weitere Hinweise sind aus dem Impressum zu entnehmen.

 

Leute, wie kann das nur sein oder: Ein Fall für den Notarzt


Liebe Leute, hier sieht man mich das erste Mal mit einer neuen Interpretation meines Songs «Leute» vom Live-Mitschnitt in Leipzig vom 29.09.2017:

 Mein Gedicht «Bettlers Resümee», von HC Schmidt interpretiert, und mein anschließend kleines «Theaterstück» mit Überraschungseffekt seht Ihr hier:

Es folgt unsere gemeinsame Interpretation meines Gedichtes «Die Schöne»:

Einige Worte zur «Wunschballade»:

Die neue Interpretation erfolgte unter der Federführung meines Mentors  – und das kurz vor dem Auftritt in Leipzig. Da hieß es also: fix die neue «Masche» einstudieren.

Wir haben nach dem Auftritt noch lange darüber lachen müssen. Im Publikum saß der wunderbare Leipziger Musiker Thomas Schimke mit seiner Freundin Ina. Thomas wollte tatsächlich aufspringen und mir zur Hilfe eilen – also  habe ich gut gespielt ;-).

In nächster Zeit stelle ich noch mehr Impressionen ein, soweit es mir das zeitweise Vorhandensein von Internetverbindungen erlaubt. Interessierte können jedoch gern folgenden Kanal abonnieren, wo die Videos zu dem Live-Mitschnitt in Leipzig veröffentlicht werden (u.a. das Gedicht: »Das Kleid» – welches nicht so harmlos ist, wie es klingen mag).

https://www.youtube.com/user/henngeli

 

Liebe Freunde, Leser und Besucher, lieber Holger ;-),

vielen herzlichen Dank an jene, die sich tatsächlich die Mühe machen, die Videos (Gesamtzeit ca.15 Minuten) anzusehen und damit meine/unsere Arbeit unterstützen. Ich würde mich sehr freuen, wenn Ihr vielleicht unter den Videos einen Kommentar hinterlassen würdet oder «den Daumen betätigt» – in welche Richtung, das bestimmt Ihr selbst.

In diesen Zeiten wird es für Künstler immer schwerer, das bekomme auch ich deutlich zu spüren: Da kämpft man einerseits um Auftrittsmöglichkeiten, andererseits darum, die Menschen zu Veranstaltungen zu bewegen.

Das «Klinkenputzen» gehört zum Alltag eines Künstlers.

Auch geht es mir mittlerweile so, dass mich dieses Anbiedern in sozialen Medien (Facebook ist hier ein weites Feld!) anwidert. Die Vorplanung inklusive Proben sind mehr als umfangreich. Immerhin wollen wir den Gästen ein unterhaltsames und anspruchsvolles Programm bieten.

Ja, und dann fährt man zu einer Veranstaltung:

Das Auto ist voll bis unter das Dach mit Technik. Drei Stunden vor Veranstaltungsbeginn sind wir vor Ort. Der Gitarrist baut auf, Soundcheck. Da ich grundsätzlich unter Lampenfieber leide, setze ich mich in eine Ecke und versuche, mittels Atemübungen meine Nervosität in den Griff zu bekommen (man kann es beinahe schon «Meditation» nennen).

Dann kommt dieser Moment: Fünfzehn Minuten vor Beginn der Veranstaltung erscheint der erste Gast. Punkt 20.00 Uhr sind drei Gäste eingetroffen. Enttäuschung macht sich breit. Abbauen? Aufgeben? Fehlanzeige. Auch für sechs Gäste geben wir alles! Mit 50,00 Euro Minus in der Kasse fahren wir nach Hause. Trotzdem glücklich! Warum das so ist? Wir sprechen, singen, spielen aus Leidenschaft. Zwei Gäste sind so begeistert, dass sie mich in den Arm nehmen und einer zieht mit Gestik und Mimik den Hut vor mir. DAS, liebe Freunde, ist Glück für mich.

Sonst hätten wir in diesen Zeiten schon längst aufgegeben!

Kaum einer schreibt ehrlich darüber. Man will sich nichts vergeben – wie sieht das denn aus? Ich erzähle den Leuten: «Wir traten vor sechs Gästen auf.» Die denken, ich sei schlecht! Das macht man doch nicht, oder? Und doch wissen wir alle:

Kunst und Kultur nimmt in unseren Zeiten immer weniger Raum ein. Das trifft auch die Veranstalter!

Wir akquirieren über Facebook – einige kündigen sich an. Doch sie kommen nicht. Klar: Man möchte schon die Gedichte und Texte kostenlos und augenfertig serviert konsumieren. Doch die Künstler unterstützen, indem man eine Veranstaltung aufsucht – nein. Lieber jagen wir Woche für Woche eine neue Sau durch die Medien und ereifern uns von früh am Morgen bis zum späten Abend über alles Mögliche. Das ist nicht meine Welt. Meine Welt ist es auch nicht, den Usern zum Gefallen sein zu wollen, um Likes zu erhaschen. Gestern Abend löschte ich über 100 sogenannte «Freunde», die auf meiner «Freundesliste» schlummerten und mich nicht einmal abonnierten. Was brauche ich um Himmels Willen solch einen Irrsinn?

Ich will bleiben, wie ich bin und ich werde mich nicht nach diesen neuen «Richtlinien der Kommunikation» verbiegen.

Ich mache nicht weiter, weil ich nichts anderes kann.

Ich mache weiter, weil ich nicht anders kann.

Ich wünsche allen ein erholsames Wochenende. Passt wie immer gut auf Euch auf.

Eure Sylvia Kling